Viel Zuspruch zur geplanten Windkraft-Gegner-Gegendemo

Nicht nur im Hochschwarzwald finden viele Menschen den Vortrag zum dem die Hochschwarzwald Tourismus GmbH – getragen von einem Zweckverband von mehreren Gemeinden aus der Region, darunter Schluchsee, Furtwangen – einlädt befremdlich. Die hatte per Email zu einer Veranstaltung: Stoppt den Windrad-Ausbau im Schwarzwald! eingeladen. Zitat: „Die Landschafts- und Naturschutzinitiative Schwarzwald e.V. und die Hochschwarzwald Tourismus GmbH laden Sie zu dieser Veranstaltung herzlichst ein.“

In der Zwischenzeit rudert man ein wenig zurück und behauptet von Seiten des Mag. Thorsten Rudolph, Geschäftsführer, man habe die Einladung quasi nur über den Emailverteiler geschickt. Besonders eindringlich für das versuchte under Cover vorgehen: Es findet sich keine Ankündigung auf der Website, rein dürfen nur Wirte und „Anschließend diskutieren ausgewählte Teilnehmer über alternative Lösungswege“. Bürgerbeteiligung geht anders.

Vor diesem Hintergrund habe ich eine Gegendemo angemeldet. Denn einseitiges Windkraft Bashing sollte in unserer Region keinen Platz haben. Es der Tourismus Gmbh einfach darum den Neubau von in Baden-Württemberg bis zu 1000 geplanten Windrädern im Schwarzwald zu verhindern. Denn wer keine Windkraft in touristisch sensiblen Regionen will, der schließt den kompletten Schwarzwald quasi aus.

Auch das Zustandekommen und das Format dieses Vortrags sind skandalös, hier wird schließlich mit Steuergeldern Propaganda finanziert – die Hochschwarzwald Tourismus GmbH bekommt von den sie tragenden Gemeinden jedes Jahr hohe Zuschüsse, in Furtwangen sind das etwa 100.000 EUR! Auch wird so ein Vorgehen den Streit über Windkraft im Schwarzwald weiter befeuern, anstatt den sachlichen Diskurs zu befördern.

Seit der Hinweis auf die Demo in der Badischen Zeitung erwähnt wurde, stehen bei mir die Telefone nicht mehr still und die Vernetzung in Richtung Schwarzwald läuft. Das ist hier keine Demo zu gereister Freiburger Aktivisten, die Empörung über Stil und Positionen der Hochschwarzwald Tourismus GmbH ist, auch „oben“ groß. Viele der Wirte und Beherberungsanbieter sehen sich eben nicht vertreten.

Ich gehöre als Gastgeber aus Feldberg ebenfalls zur Tourismusbranche und wurde von der HTG eingeladen. Wie viele andere auch, bin ich aber der Meinung, dass die Hochschwarzwald Tourismus GmbH so nicht nur die Umwelt schädigt, sondern auch das Ansehen einer ganzen Tourismusregion.
Insofern hinkt die Aussage des Artikels etwas, dass die Branche die Windkraft für schädlich halte. Die HTG ist sicher nicht die Branche und vertritt sie auch nicht. Sie ist aus meiner Sicht ein jahrzehntealtes, politisches Konstrukt ewig gestriger mit einem wenig fortschrittlichen CEO an der Spitze.

Kommentar von Josef Müller – mit mir nicht verwandt – unter dem Artikel der Badischen Zeitung „Aktivisten planen Protest bei Treffen der Windkraftgegner in Schluchsee“, Von Peter Stellmach, Di, 26. Oktober 2021

So etwa Stadträtin Karin Jäger (Unabhänige Liste Furtwagn), die sich am Ende der letzten Gemeinderatssitzung mit einer kritischen Anmerkung zu Wort meldete: „Es sei eigentlich nicht akzeptabel, dass die Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) offiziell zu einem Vortrag einlädt, den der erklärte Gegner der Windkraft im Schwarzwald Martin Herrenknecht in Schluchsee halten wird.“ (Zitat aus dem Schwarzwälder Boten, vom 18.10.2021 „Kritik zu HTG-Vortrag“)

Auch die Badische Zeitung hat in ihrem heutigen Leitartikel, Autor Jens Schmitz, erkannt:

Nicht von Windkraftanlagen, sondern vom Klimawandel droht der Landschaft des Hochschwarzwaldes die größte Gefahr. Dies sollten jene bedenken, die gegen Windkraftanlagen protestieren. (…) Nicht nur die Landesregierung, sondern auch die Netzgesellschaft Transnet BW und Energieunternehmen wie Badenova beteuern, dass der deutsche Südwesten auf eigene Windkrafterzeugung nicht verzichten kann. Einer aktuellen Studie der Plattform Erneuerbare Energien zufolge ist bis 2040 mindestens eine Verfünffachung der Windkraftleistung erforderlich“.

Jens Schmitz, Leitartikel Badische Zeitung „Für den Klimaschutz müssen bei Windkraftanlagen Opfer gebracht werden“ 28.10.21

Sehr richtig verweist er auf das Paradoxon:

Die Behauptung, Windkraft führe zu einem Rückgang der Touristenzahlen, ist bislang höchst dürftig belegt. Die Sorge um den Ausblick findet ja ohnehin Grenzen. Für gute Arbeitsplätze nehmen Kommunen vor Ort die nicht eben landschaftstypischen Industrieanlagen so genannter Hidden Champions ebenso in Kauf wie Erlebnisbäder, Fun-Parks, Ski-Arenen oder Hotel-Burgen.

Jens Schmitz, Leitartikel Badische Zeitung „Für den Klimaschutz müssen bei Windkraftanlagen Opfer gebracht werden“ 28.10.21

In der Kontext Wochenzeitung, weißt Jürgen Lessat darauf hin, dass Martin Herrenknecht gut mit Offshore Winkraft Anlagen verdient und möglicherweise neben der Schwarzwaldliebe noch anderen Motive hinter seinem Wiederstand gegen Windkraft stecken könnten:

Denn Ökostrom, der nicht in ausreichender Menge vor Ort in Baden-Württemberg erzeugt wird, muss von Windparks in Norddeutschland „importiert“ werden. In den Süden gelangt der Windstrom über Erdkabel, deren Trassenbau Milliarden verschlingt. Im Frühjahr 2017 präsentierte die Herrenknecht AG die weltweit erste Vortriebsmaschine, die Kabelschutzrohre für diese unterirdischen Überlandstromleitungen grabenlos verlegt. Am Bau des milliardenteuren Stromnetzes könnte die Herrenknecht AG kräftig mitverdienen (Kontext berichtete).

Bollenhut und Windkraft-Bashing, Von Jürgen Lessat, Datum: 20.10.2021

Spannend sind auch die Informationen über die weiteren Beteiligten – die LANA. Die bezeichnet laut Badischer Zeitung: „Herrenknecht fühle sich „aus uneigennützigen Motiven als bodenständiger Schwarzwälder dem Erhalt unserer einzigartigen Heimat verpflichtet“. Da gibt es die LANA-Funktionären Peter Stoll und Werner Wojtaschek, die schon früher in Anti-Windkraft-BIs auftauchten und immer wieder mit seltsamen Behauptungen auf sich aufmerkam machen (Waldbrände durch Windkraft, gefährliche Nanopartikel).

Mit wahrheitswidrigen und angstschürenden Behauptungen wie diesen gelang es, den Windkraftausbau massiv auszubremsen. Auch aus Eigeninteresse? Ein seit 1997 geplanter Bürgerwindpark auf dem Brombeerkopf oberhalb des Rothenhofs im Attental liegt bis heute auf Eis. Projektinitiator Johannes Drayer hat die jahrelangen Fake-Kampagnen der Windkraftgegner lesenswert dokumentiert. LANA-Vorstand Werner Wojtaschek gilt als Handlungsreisender in Sachen Windkraftverhinderung.

Bollenhut und Windkraft-Bashing, Von Jürgen Lessat, Datum: 20.10.2021

Immerhin scheint der Tourismus GmbH, das Ganze nun peinlich zu werden. Hat man doch noch in der Badischen Zeitung vom Dienstag, ein Zitat drin, das sich ganz anders liest: „LANA und die HTG, für die Geschäftsführer Thorsten Rudolph die Einladung unterzeichnet hat, nehmen die Absicht der Landesregierung zum Bau von 1000 zusätzlichen Windkraftanlagen zum Anlass für das Treffen. Für die HTG bestätigt Sprecher Herbert Kreuz „die Gastgeber“ als Teilnehmer und betont den nicht öffentlichen Charakter des Zusammentreffens.“

Neben Extinction Rebellion, die das ganze maßgeblich organisieren, ruft inzwischen auf Fridays For Future Freiburg auf. Auch der Grünen Ortsverein Hochschwarzwald hat seine Mitglieder darauf hingewiesen und das Klimabündnis Hochschwarzwald. Ebenso die Stadtwerke Schönau und viele andere Gruppen. Wahrscheinlich ist die die erste Demo in Schluchsee seit Menschengedenken.

Der Artikel wird nach der Demo ein Update bekommen.


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