Update: Die Antragskomission hat einer modifizierten Übernahme zugestimmt!
„Wir werden ein Eine-Million-Balkone-Programm starten und Menschen mit geringeren Einkommen bei der Anschaffung von Steckersolargeräten unterstützen.„
In das Wahlprogramm der Bundestagswahl habe ich und 49 andere Grünen Mitglieder:innen einen Änderungsantrag eingespeist mit der Forderung nach einem „1-Mio-Solar-Balkone-Programm“.
Noch gibt es in Deutschland etwa 1-Mio-Sozialwohnungen.
Warum?
Die Kosten für Steckersolargeräte sind in den letzten Jahren deutlich gesunken. Man bekommt einzelne Angebote, je nach Größe und Halterung, bereits ab 300 EUR. Durch den neuen § 554a BGB haben die Mieter:innen ein Recht auf Steckersolar, aber die Vermieter tun sich damit immer noch schwer. Teils wissen wir, dass es nicht am Geld hängt, sondern an der Strategie möglichst umfangreiche Auflagenpakete zu machen.
Regelrechte Verhinderungsauflagenpakete. Über die Motivation solcher Verhinderungsauflagen, kann man nur mutmaßen, zum einen weil Vermieter Angst haben vor Haftung, denn es „könnte ja was passieren“, wobei das „was“ nicht immer ganz klar ist. Zum Teil auch schlicht Unwissenheit, aber auch Argumente die direkt aus AfD Telegramm Gruppen stammen könnten oder auch Angst vor Arbeit oder ästhetische Argumente.
Teils werden dann Schreiben bemüht, die regelrecht darauf abzielen die Mieter einzuschüchtern, so wird mit „hohe Kosten“ gedroht oder erstmal verboten.
Gerade kommunale Wohnungsbaugesellschaften oder auch Genossenschaften sind da teilweise keinen deut besser als Vonovia und Co.
Sprich wir haben eine Situation in der gut betuchte und einigermaßen rhetorisch gewandte Besitzer von Einfamilienhäusern oder von Wohnungen in der WEG Versammlung ihre Rechte durchsetzen können, die Sozialmieter aber häufig nicht.
Projekte zur Ausstattung gesamter Häuser, gibt es bereits. Eine Überlastung der elektrischen Anlage ist nicht gegeben.
Was würde es kosten?
Rechnen wir mal den günstigsten Fall:
ein Solarpanel, Großhandelspreis 40 EUR
+ Halterung: ca 40 EUR
+ Kleinwechselrichter, Großhandelspreis 50 EUR
+ Kabel/Kleinteile: 10 EUR
= 140 EUR fürs Material.
+ 160 EUR für die Installation (zwei Stunden, zu 80 EUR)
= 300 EUR
daher für 1-Mio Balkone: 300.000.000 also 300 Mio EUR.
Das wäre allerdings bei Vollfinanzierung, sprich keine Beteiligung der Bewohner:innen, Immobilienbesitzer:innen. Nicht berechnet sind auch Verwaltungskosten. Und das in der Regel solche Programme nie voll ausgeschöpft werden. Würde man mit einer Beteiligung der Besitzer rechnen, etwa 50 EUR = 250 EUR und dann ggf. nur mit 25% Ausschöpfung, dann wären es nur 62,5 Mio EUR. Denkbar wären auch noch weitere Skaleneffekte.
Wie viele Balkone haben die Sozialmieter nun? Das ist schwierig zu beziffern. Auswertung von Immobilien Anzeigen in 14 deutsche Städte mit mehr als 500.000 Einwohner, sagen 47% in Essen und 71% in Berlin. Andere Statistiken sagen: „Jahr 2021 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre rund 58,75 Millionen Personen, die einen Balkon oder eine Terrasse hatten“ – wobei die nach Personen fragen und es können ja durchaus mehr Personen in einer größeren Wohnung wohnen, die dann eher einen Balkon oder eine Terrasse hat, als eine kleine Wohnung.
Jetzt ist eher davon auszugehen, dass Sozialwohnungen eher keinen Balkon haben, im Gegensatz zu neuen hochpreisigen Wohnungen.
Geht man bei einem Programm also alleine auf Sozialwohnungen, wären sicherlich nur die Hälfte der Wohnungen geeignet ein Steckersolargeräte am Balkon aufzustellen. Man könnte natürlich direkt an der Fassade anbringen, im Vorgarten/Garten oder auf einer Garage aufstellen oder auch für jede Wohnung eine kleine Solaranlage auf das Dach anbringen.
Oder stellt man auf Personen mit geringem Einkommen ab, dann wäre vielleicht. eine volle Ausschöpfung zu erwarten. Aber auch hier eher unwahrscheinlich.

