Am Freitag gab es endlich die lange erwartete Info-Veranstaltung der Stadtverwaltung zu Windkraft in Günterstal. Darauf hatten sich viele Vorbereitet, Querdenker auf Telegramm mobilisiert, die aber im Gegensatz zur „Infoveranstaltung“ der Gegen-Windkraft-Bürgeriniative dann nicht gekommen waren.
Gleich zu Beginn war mein Eindruck, dass die Gegen-Wind-BI, versucht die Veranstaltung zu einer von ihr umzudeuten. So hatte sie im Eingangsbereich ein Banner aufgestellt, musste erst gebeten werden ihre Aufsteller wegräumen und warb auch an der Einfahrt zu Günterstal mit einem Schild, bei dem man den Eindruck haben konnte, sie würde das veranstalten. Dabei war klar: Stadtverwaltung und Ortsverein hatten eingeladen.
Der Ortsverein hat sich inzwischen auf eine „neutrale“ Position zurückgezogen bei dem Thema und betonte auch, dass er schon „sachlich und neutral“ informiert habe auf seiner Veranstaltung. Ich habe es anders in Erinnerung.
Die Mitglieder der gegen BI hatten die ein wenig lustige Idee sich alle blaue Westen anzuziehen, ob das jetzt von der Ikonographie der Letzten Generation (orange Weste) oder der Gelbwesten in Frankreich inspiriert ist, keine Ahnung. Aber man konnte so die Anti-Windkraft-BI gut erkennen.
Zunächst führte das Regierungspräsidum und der Regionalverband ein: Derzeit gibt es 767 Windräder in BaWü. Das sind nur 16% von dem was wir bis 2045 brauchen um Klimaneutral zu werden. Daher ca zusätzlich 100 Windräder pro Jahr aufstellen müßen. Dafür müssen Flächen ausgewiesen werden.
In Freiburg seien derzeit vier in Betrieb, vier genehmigt und zwei geplant.
Der Regionalverband sucht nach geeigneten Flächen. Dabei muss die Fläche zum einen Windhöffig sein, zum anderen nicht durch Natur- oder Artenschutz belegt und auch nicht zu nach an Wohnbebauung. Los gegangen sind sie mit 3%, dadurch hoffe man die geforderten 1,8% zu erreichen. Hat man die ausgewiesen, darf auch nur auf dieser Fläche Windkraft gebaut werden. Schafft man das nicht, dürfen überall Windräder errichtet werden. Vielleicht auch so eine Perspektive die man als Gegen-BI bedenken sollte.
Auch die Stadtverwaltung erklärte ihre Ziele, die Beschlusslage des Gemeinderates und versuchte die Ausbauplanung für Windenergie in einen größeren Zusammenhang zu stellen: Klimakrise, 1,5 ° Ziel überschritten, Unwetter in vielen Teilen Europas. Das wurde von den Gegener teils stöhnend kommentiert.
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Die Ökostromgruppe stelle noch mal da was es alles an Gutachten und Vorleistungen braucht um ein Windrad zu bauen:
- Schallgutachten,
- Schattengutachten,
- Landschaftsbild
- Statik
- Flugsicherung
- Denkmalschutz
- Artenschutzgutachten
- Ausgleichsmaßnahmen
- Brand- und Arbeitsschutz
- Eisfallgutachten
- Wasserschutz
- Bedrängende Wirkung
Was natürlich auch dazu führt, dass es Jahre braucht um ein Windrad zu planen. Bei diesen Gutachten wird jeder ordentlich arbeiten, denn würden die Windräder nicht ordentlich geplant könnten entweder Anwohner Betriebsstilllegungen durchsetzen oder sogar den Abbau. Übrigens klagt die LANA auch gegen die Genehmigung jedes Windrads und verliert immer.
Und ja von so einem Windrad profitiert auch die Gemeinde, steht es auf eingem Grund gibt es etwa jedes Jahr 100.000 Euro Pacht, aber auch noch Gewerbesteuer und Kommunalabgabe. Immerhin so bleibt die Wertschöpfung hier und geht nicht woanders hin. Das wird natürlich von der Gegnerseite gerne gedreht zu: Kommunen machen das nur weil sie damit viel Geld verdienen.
Das war dann auch eines der Argumente von Holger Knorr – die Anti-Windkraft-BI durfte 20 min vortragen – Au stelle die Windräder nur auf weil man damit die Gemeindekasse sanieren könnte. Lärm und Schattenwurf hätten aber die Güntsertäler zu tragen. Auch verursachten die Windräder Flächenversiegelung – wobei die Begriffe Versiegelung und Bodenverdichtung immer wieder quasi synonym verwendet wurden. Auch seien die Teile zu nah, zu Laut, es gäbe Schlagschatten, Durchmischung der Luftschichten, behinderten die Kaltluftenstehungen, usw…
Spannend war was an diesem Abend als Gegenargument nicht kam: Mikroplastik und Infraschall! Eine Frage von mir dazu, wollte die Bürgerinitiative dann auch nicht zu beantworten. „Zu polemisch“. Dabei hatte ich nur darauf hingewiesen, dass sie dieses Argument immer wieder bringen und gefragt ob es Angesichts der Tatsache, dass Autoverkehr nicht die Hauptursache von Infraschall, Lärm und Windrädern ist, ein Autofrei Konzept für Günterstal nicht angemessen wäre.
Auf den Vortrag der BI gab es dann eine Antwort des Umweltamtes.
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Der nahezu alles widerlegte und das sachlich und ohne Polemik. Besonders perfide finde ich, dass die BI in ihren Landschaftsbildsimulationen immer auch Windräder zeigt, die gar nicht geplant sind (Bilder auf der Homepage der BI). Diese Fotomontagen stammen immer vom gleichen Landschaftsarchitekt und sind durchaus umstritten.
Es gab dann noch eine Publikumsfragerunde, bei der insbesondere die Blauwesten großen Frage, aber auch Redebedarf hatten. Dabei hatte ich den Eindruck: Je populistischer die Frage, desto mehr Zuspruch aus der Anti-Wind Ecke.
Allerdings war das nicht ganz ungefährlich für die Anti-BI. Die ja immer mit Lärm argumentiere und viel dabei auf die Schnauze, als ein Herr fragte: Er sei mehrfach unter laufenden Windrädern durchgejoggt und habe nichts gehört, auf jeden Fall keine 105 Dezibel (Presslufthammer)… Worauf sich die BI sehr winden musste, mit ihren Argumenten. Aber auch alles sehr geduldig erklärt bekam. Etwa das ein Schallgutachten immer vom absoluten Worst-Case ausgeht, der so in der Natur gar nicht vorkommt.
Zu den Mitgliedern der BI: Die waren durch ihre Blauwesten gut erkennbar und es war etwa die Hälfte der Leute am Abend von der BI. Während die Vorsitzenden immer betonten: Wir sind ja nicht gegen Windkraft, klang das bei Teilen des Gefolges beim fragen schon anders.
Und klar, das man hier nicht ohne Unterstellungen gegen städtische Mitarbeiter als Windkraftlobbyisten auskommt.
Auch die Fragen nach „Versiegelung“ konnte man gut beantworten. Ein Windradfundament ist halt kleiner als die Halle in der die Veranstaltung stattfand und Versiegelte Fläche im Wald (Straßen!), leiten das Wasser eben nicht in die Kanalisation ab, sondern in den Waldboden daneben.
Fazit
Ein Bürger fordert die Günterstäler sollen durch Windkraft finanziell profitieren. Allerdings muss man bei solchen Forderungen zurückhaltend sein, auch die Mooswälder haben nichts bekommen fürs SC Stadion oder andere Teile der Stadt für Projekte, die sie eher belasten.
Wenn man Angst vor Versiegelung, Mikroplastik oder Lärm/Infraschall hat, dann müsste man ggf. konkrete Autofrei oder Straßenrückbaukonzepte einsetzen.
Die Stimmung war denn gegen Ende der Fragerunde ein wenig aufgeheizt. Ich hatte den Eindruck, die Windkraft Gegner randalieren jetzt gleich, wenn wenn nicht noch eine Frage stellen können, das durften sie dann. Generell scheint es einfach eine gewisse meist ältere, gut situierte Gruppe an Menschen zu geben, die für diese Anti-Wind-Propaganda gut empfänglich ist und die sehr emotional beim Thema sind. Die Veranstalter meinten, es sei eigentlich gesittet zugegangen.
Es kam durchaus eine Reihe von Leuten an unseren Pro-Windkraft Stand und haben Info Material, Flyer, Poster und Aufkleber mitgenommen.
Wenn schon bei einer solchen Veranstaltung sich Gegner und Befürworter die Wage halten, dann dürfte die Stimmung in der ganzen Stadt klar dafür sein.
Bemerkungen wie: „Ich bin empört das Sebastian Müller überhaupt teilnehmen darf“ und „Wir leben in einer Ökodiktatur, das weiß ich, denn ich komme aus der DDR“, muss man halt aushalten.
