Für alle denen der Artikel zu lang ist: Ich war bei der Anti-Windkraft-Desinformations-Veranstaltung in Günterstal. Den Leuten wurde mit geschickten Weglassen, seltsamen Reihenfolgen, rhetorischen Fragen die Dinge suggeriert. Und massiv gegen Nachbargemeinden geätzt. Es war alles dabei: Lärm, Infraschall besonders gefährlich für Kinder, Bodenverdichtung, Schröpfen der Bürger. Immerhin wurde der Klimawandel nicht direkt geleugnet, aber Deutschlands (historische) Rolle darin schon. Niemand bietet Alternativen an zum Strom aus Windkraft. Umweltprobleme, wie Versiegelung, Einsatz von SF6, Beton, Lärm, Infraschall, Mikroplastik scheint es nur bei Windrädern zu geben, dass diese andere und viel größere Ursachen haben, wird ausgeklammert.
Wir sitzen in der Sporthalle der Schule in Günterstal, die gerade renoviert wird, aber scheinbar kann man doch Veranstaltungen abhalten. Der Anti-Windkraft Verein hat eingeladen, die Bürger:innen zu “informieren”. Gekommen sind sie nicht nur aus Günterstal, sondern auch aus der Umgebung bis hin zur Schweiz. Gefühlt waren alle Stühle voll am Abend und sicher mehr als 100 Leute da. Aber bei ca ? der Leute, die da waren hatte ich nicht den Eindruck, dass sie bei Anti-Windkraft Aussagen geklatscht haben.

Andreas Leipold-Weißenfels
Dort spricht etwa einer der Vorsitzenden: Andreas Leipold-Weißenfels. Ganz vieles von dem, was er über seine persönliche Situation sagt, kann man nachvollziehen. Er ist noch immer dabei, sein Häuschen in Günterstal abzuzahlen und für ihn sei Günterstal ein Refugium: Auf seiner Terrasse sei es in er Regel nur zwischen 30 und 35 Dezibel laut. Eine Windkraftanlage sei aber 105 Dezibel laut. Was er verschweigt: 105 Dezibel misst man am Rotor bzw. am Flügelende, weswegen es ja Abstandsregelungen gibt. (Mehr dazu)
Denn: “Unter Volllast entstehen an der Nabe in 100 Meter Höhe bis zu 105 Dezibel (dB), das entspricht der Lautstärke eines Baggers. In 250 Meter Entfernung sind es dann noch rund 45 dB. Das entspricht der Lautstärke eines rauschenden Waldes oder einer ruhigen Wohnung.”
“Dem Gewummer wird man sich nicht entziehen können, das wird durch die Tallage noch schlimmer, der Schall wird sich im Tal sammeln.”, ist sich Leipold-Weißenfels ganz sicher.
Er kommt zum Thema Infraschall: “Infraschall, ein sehr strittiges Thema, es wird kontrovers diskutiert und seriöse Menschen fordern eine Verbesserung der Studienlage.” Er fragt das Publikum: “Gibt es hier Zuhörer, die Kinder haben? Die Minderjährige Kinder haben?” Der Saal ist eher Silbersee als Fridays for Future und es melden sich nur etwa fünf bis zehn Personen.
“Wenn die Studienlage so uneindeutig ist, sind sie dann unbesorgt, dass Kinder nicht besonders krass betroffen sind?”, die Frage stellt er so in den Raum.
Irgendwie seien Kinder und Jugendliche für Außenreize und Schall besonders empfindlich, Wenn dem so wäre müßte man sofort Discos verbieten und Kitas, in denen Kinder laut toben. Wie sich das auf Infraschall überträgt, wurde nicht erwähnt.
Als ich danach ein Mitglied der BI auf diese Art der Rhetorik anspreche, muß ich ihm dog whistle erklären. Der ganz bezaubernde Herr ist auch der Meinung, ich werde von der “Ökostromgruppe finanziert”, das kann ich jedoch ausräumen. “Die seien ja inzwischen größer als Shell oder Esso”.
Aber zurück zu Andreas Leipold-Weißenfels. Der hat auch den Grund gefunden, warum die Stadt Freiburg pro Windkraft ist: Die Pachtgebühren für die Windkraftanlagen sind horrende 200.000 EUR im Jahr – soviel werde am Illenberg gezahlt – dazu käme noch Steuereinnahmen und dann der Gewinn, denn die Badenova gehöre ja auch der Stadt. (Kleiner Hinweis: ca ? und der Überschuss der Badenova wird verwendet um das VAG Defizit zu decken).
Auch die Studien, die sagen würden, Windkraft habe keinen Einfluss auf die Immobilienpreise, seien wenig überzeugend. (Gut man muss was einem nicht passt nicht glauben)

Und überhaupt die Regierung: Die habe zahlreiche Gesetze ausgehebelt: Artenschutz, Wasserschutz, auch die guten alten Abstandsregeln von 10 H (galt in Baden-Württemberg nie) und das, wo die neuen “Monsterwindräder” ja 230 – 250 m hoch sind. Sowieso, “Wir” – das muss der kleine Mann mit Haus in Günterstal sein oder die Gruppe mit SUV, die von der Veranstaltung davonfuhr – werden nicht nur über die Strompreise geschöpft, sondern auch über Steuern. Da im Moment der Strompreis niedrig ist, muss die Bundesregierung so viel in das EEG-Ausgleichskonto reinbuttern, geplant wären 10 Mrd EUR, aber dieses Jahr seien vielleicht 20 Mrd realistischer.
Sodann kam Leipold-Weißenfels zu seinem persönlichen Fazit: Windkraftanlagen machen den Wald kaputt, das Landschaftsbild kaputt, den Dorfcharakter kaputt und lassen uns Günterstäler bezahlen! Wegen Optik, Schlagschatten, Schall, Infraschall, sinkende Immobilienpreise und Mikroplastik Eintrag. Das nur, um sich die eigenen Taschen vollzustopfen. (Applaus und Buhrufe) Und um sich politisch gut darzustellen.

Ein Kommentar zu „Günterstaler Gruselgeschichten über Windkraft“
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