Ich hatte zur Demo gegen den Vortrag des Bündnis Sahra Wagenknecht in Freiburg aufgerufen. 110 Leute habe ich bei der BSW Veranstaltung mit Michael von Schulenburg in Freiburg gezählt als ich rein gegangen bin. Das Publikum überwiegend 60+, viele noch älter.
Diverse Gesichter kannte ich aus der örtlichen Querdenker Szene und der Friedensbewegung, oder auch von den Frauen in Schwarz. Es war auch Graf G., Filmemacher Bodo K., Hagen und Max von der Friedensbewegung oder Opa Didi da. Hatte also was von Klassentreffen.
Dabei aber auch viele ältere Männer mit grauen Haaren, die zum Pferdeschwanz zusammen gebunden sind. Einer von ihnen wird im Laufe der Veranstaltung aufstehen und eine engere Zusammenarbeit mit der AfD fordern, die sei ja auch „für den Frieden“. Die sind viel unheimlicher als optische Nazis. Rechtes Gedankengut in der Verpackung des alternden Sozialpädagogen.
Schwurbelburg
Michael von Schulenburg hatte ein Heimspiel und durfte unhinterfragt und rhetorisch durchaus gut das klassische Bullshitbingo, das man aus Friedensbewegungsveranstaltungen kennt vortragen, ich werde nicht alle Behauptungen hier direkt widerlegen, dazu habe ich keine Zeit.
- Die NATO hat Russland provoziert.
- Die Ukraine hat den Krieg quasi verloren.
- Westen hat Friedensverhandlungen im März 22 blockiert
- „Trump bringt den Frieden“, Amerikanisch-Russisch verhandelten Waffenstillstand oder „Trump wird mit Putin direkt verhandeln ohne die Europäer“ – immer wieder kam der Topoi von Verhandlungen der USA und Russlands, ohne Einbeziehung der Ukraine, die dann irgendwie zu einem Waffenstillstand oder Ende des Kriegs führen würden.
- Atomkriegsgefahr durch Ukrainekrieg, die ist aber wieder gebannt weil jetzt Trump Präsident ist – auch das ist eine sehr spannende Weltsicht. So haben ja die USA gerade alles vermieden, was etwa bei Waffenlieferungen oder Einsatz das russiche Atomarsenal gefährden konnte. Ukrainer und einige westliche Experten kritiseren die „Selbstabschreckung“.
- Auswirkungen für die Ukraine werden katastrophal sein – also wenn der Frieden kommt. Diese Aussage führte beim Publikum doch zu ungläubigen Staunen oder auch Reaktionen, weil der gemeine „Friedensaktibist“ ja immer der Meinung ist, das jeder Frieden, egal welcher besser sei als Krieg.
- „kann mir vorstellen dass es bei Frieden Bürgerkrieg in der Ukraine gibt“ und ss wäre gut möglich das ukrainische Milizgruppen (irgendwie Faschisten) nach einem Friedensschlussdie Ukraine unregierbar machen – beide Aussagen zeigen eigentlich gut, das Schwurbelburg überhaupt keine Ahnung von der Ukraine hat, in der er nach eigenem bekunden auch selbst noch nie war. Aber das Geraune von „rechten Gruppen“ oder irgendwelchen Faschisten passt perfekt in die russische Propaganda. (Für ein Land das von einem jüdischen Präsidenten regiert wird und in dem keine rechte Partei im Parlament sitzt im Gegensatz zu Deutschland)
- Trump & Vance kein Respekt vor Zelensky
- Zelensky habe in Ukraine keine Unterstützung mehr. (Statistiken zu Zustimmungsraten kann man einsehen, die sind immer noch höher als bei vielen westlichen Politikern)
- Ukraine wird Territorium verlieren.
- Ukraine hat ihre Kinder im Schützengraben und an der Front verloren, „junge Leute die 1-2 Jahre im Schützengraben liegen“. (Auch das ist quatsch, der Durchschnittliche Ukrainische Sodlat ist im Mittel Menschen Anfang 40! Menschen unter 25 sind vom Wehrdienst ausgenommen, es gibt zwar Diskussionen über eine Ausweitung und Probleme bei der Rekrutierung, aber eben kein verheizen der jungen Generation. Wer sich darüber gut informieren will, dem sei der Wikipedia Artikel ans Herz gelegt.)
- jetzt hat die Ukraine nur ½ der Einwohner zur Zeit der Unabhängigkeit. Auch diese Behauptung ist Quatsch. 1990 als die Ukraine unabhänig wurde hatte sie 51 Mio Einwohner, vor Ausweitung des Krieges auf die ganze Ukraine 2022 41 Mio und heute 37 Mio Einwohner. (Wikipedia Artikel)
- wir sind alle im Westen dran schuld, weil wir den Krieg immer weiter geführt haben
Wer sich als "Online-Wahlkämpfer" beim BSW bewirbt, bekommt einen Telegram-Link zum "Team Wagenknecht: Social-Media-Supporter", über 2.000 Trolle äh Supporter sind bereits dabei. Über diesen Telegramkanal bekommt man dann den Zugang zur Wahlkampf-Cloud. Und dort wirds richtig übel.
— Hoywoj (@aushoywoj.bsky.social) 21 January 2025 at 18:28
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Es gibt also eine Cloud, in der übelste Hasspropaganda gegen politische Gegner zu finden ist. Es werden ehrenamtliche "Online-Wahlkämpfer" rekrutiert, welche die Inhalte des BSW verbreiten sollen. Diese Cloud ist "Sarahs kleine Trollfabrik", ganz nach russischem Vorbild.
— Hoywoj (@aushoywoj.bsky.social) 21 January 2025 at 18:28
Wer den Spiegel-Artikel nicht lesen kann, hier noch der wichtigste Satz: "Das BSW bestätigte dem SPIEGEL auf Nachfrage, sowohl den Telegram-Kanal als auch die verlinkte Datenbank zu betreiben."
— Hoywoj (@aushoywoj.bsky.social) 21 January 2025 at 19:44
Fragerunde
Dann konnte ich den ganzen Beitrag von Michael nicht weiter verfolgen, weil der Alarm in meinem Handy losging und es in der Nähe des Bürgerhaus einen Einsatz der Region der Lebensretter gab. Patient war aber beim Eintreffen von leichenstarr.
Als ich zurückkam – ich wurde immer gut von einem „Ordner“ bewacht, waren wir bei einer Fragerunde angekommen. Landesvorsitzende, Spitzenkandidaten und Reutlinger Bundestagsabgeordnete Jessica Tatt ist gegen schlechtes Gewissen der Einzelnen beim Klimaschutz, es müssten die Konzerne ran. Man solle mal eine Studie machen welche Gebäude man dämmen kann – Tipp die findet sich hier und mehr Infos dazu. Auf diesem fachlichen Niveau blieb die Antworten dann auch.
Eine CO2 Steuer sei abzulehnen. Sie sind gegen Beitritt der Ukraine in die EU. Dann durfte wieder Schulenburg ein bisschen was antworten: Überall wo er hinkomme käme die Presse, mache Aufnahmen, aber sobald er redet, würden sie gehen. Dies sei Zeichen für den Verfall sich der Realität zu stellen. Auch ganz viele aus dem Publikum beschwerten sich über die schlechte und mangelnde Berichterstattung, gerade auch der öffentlich-rechtlichen Medien. Das am gleichen Abend wo bei Maischberger Alice Weidel und Sarah Wagenknecht zusammen saßen und diskutierten. (Statistik für das erste Halbjahr 2024, da war Zarenknecht immerhin 14-mal zu Gast und deutlich häufiger als es die Sitzverteilung im Bundestag zulassen würde).
Auch sonst war plump Trump(f): „Friedenspolitik ist auch Umweltpolitik.“, sagte Schulenburg und „Ich lebe in Wien und Zürich (!) und da sind die Städte sind voller BMWs, Maserattis mit ukrainischem Kennzeichen.“, „der Frieden wird teurer als der Krieg und das Zahlen dann wir Deutschen“, dazu gibt es Widerspruch aus dem Publikum. Der wird aber abgebügelt. Auch sonst waren die Zinger gut aufs Publikum zugeschnitten: „in einigen Jahren wird man sagen, es ist der Krieg des Westens und nicht der Putins“.
Bitte, bitte mehr Zusammenarbeit mit der AfD
Auch sonst war das Publikum irgendwie noch schlimmer als die auf der Bühne, so gab es Fragen aus dem Publikum, da gab es die Frau, die sagte „es geht um die Vernichtung Russlands“ und forderte weniger Abgrenzungen von der AfD, es sei das US Megakapital und unsere Vasallenregierung, die ja alles mitmache.
Oder auch die Frage: „Bei Kriegen leiden so viele Tiere“, um dann weiterzugehen und zu bitten mehr den Unterschied zu den Linken & Grünen erläutern.
Dann kam der Herr mit dem grauen Haaren im Pferdeschwanz, Typ älterer Sozialarbeiter, den man auch bei den Parents for Future finden könnte und war bitter enttäuscht: „im Osten betreibt die AfD zu viel Anti-AfD Hetze (…) Sektierertum durch das BSW gegen die AfD.“
Nach der dritten oder vierten Frage bzw. AfD-ist-auch-nur-für-den-Frieden-Beitrag, sah sich Schulenburg genötigt, irgendwie diplomatisch dem Publikum gentgegen zu kommen: „wir haben keine Brandmauer“, (dafür Beifall) „und man muss mit allen Reden (…) wir haben den Orban in der Sache verteidigt auch wenn wir den sonst nicht gut funden (dafür Applaus). (…) In der Charta von Paris, steht nichts von NATO drin (…) die Ausweitung der NATO hat zum Krieg geführt“.
Jochen Sautter findet auf seinem Blog große Übereinstimmungen zwischen AfD und BSW bei CO2 Preis, Verbrenner Aus, Wärmepumpe, Windenergie und GAs aus Russland: https://jochen-sautter.blogspot.com/2025/01/ein-blick-auf-die-energie-und.html
Auch da war wieder das Verdrehen und Weglassen, das ihn so auszeichnet. So steht in der Charta von Paris auch: „erneuern wir unser feierliches Versprechen, uns jeder gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit eines Staates gerichteten Androhung (…) friedlichen Beilegung von Streitfällen. (…) oder Anwendung von Gewalt“
Gegen 21:00 wollten die Veranstalter den Abend beenden, aber das ging nicht weil ein Fragender empört darauf hinweist das Jürgen Elsässer von der Berliner Friedensdemo der BSW entfernt wurde.
Man konnte dann denoch Schluß machen und aufrufen auf die Website von Freiburger Diskurse zu gehen. Der Gründer des Vereins hatte 50.000 EUR an den BSW gespendet.
Davor
Die von mir organsiierte Gegendemo wurde vom SWR interviewt, ein Herr gab sich als BZ Journalist aus und fragt sehr aggressiv und gefühlt im Duktus der Veranstaltungsteilnahmer von welcher Organisation wir wären.
Update: Heute am 24.1. ist ein Artikel in der BZ erschienen: https://www.badische-zeitung.de/die-suedwest-spitze-des-bsw-setzt-bei-der-wahlkampftour-in-freiburg-auf-die-friedenssehnsucht-der-de
Der Herr von den Freiburger Diskursen will sich mit uns treffen und über Mittelstreckenraketen diskutieren.
Die Teilnehmer der Veranstaltung sind nur bedingt diskussionsfähig, es gibt viel Westsplainning.
Material
Es gibt einen BZ Artikel: „Putin go home“ steht auf einem Pappschild, „Unterwerfung ist kein Frieden“ auf einem anderen. Aus einem Megafon schallt: „Russland raus aus der Ukraine, Sahra Wagenknecht raus aus den Parlamenten!“ Das BSW sei nichts anderes als der verlängerte Arm des verbrecherischen Moskauer Regimes, finden die Demonstranten. (…) Laut Wahlprogramm hat sich die Zuwanderung vor allem „in einem weit überproportionalen Anstieg von Messerkriminalität, Sexualdelikten und religiös motiviertem Terrorismus bemerkbar gemacht“. (…) Seine Aussage, dass alle Journalisten immer boykottartig den Saal verließen, wenn er zu sprechen beginne, ist zumindest an diesem Abend unzutreffend. Sonst könnte an dieser Stelle nicht über seine Ausführungen berichtet werden.“
Leider kommt im Artikel nicht die vier Leute aus dem Publikum vor, die fordern, dass der BSW und AfD enger zusammenarbeiten.

