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„Kriegstüchtigkeit“, der Globale Süden und die Armut im NSTTTZRWHRKRFTZRSTZNG aber am Ende doch wieder Ukraine Krieg Bullshit Bingo

Marek Kralewski hat seine Galerie in NSTTTZRWHRKRFTZRSTZNG umbenannt. Das soll Institut Wehrkraftzersetzung heißen und spielt mit der Verkürzung auf Aufklebern wie „FCK NZI. Irgendwie soll das ein Zeichen, gegen die „Kriegstüchtigkeit“ oder „Alternativlosigkeit des Krieges“ der in Europa drohe sein. Ganz schlüssig und durchdacht erscheint diese Zeichen aus meiner Sicht nicht, besonders ist nicht klar welche „Wehrkraft“, denn nun zersetzt werden soll.

Heute Abend waren in der Galerie – also zwei Räume von der Größe einer Zweizimmerwohnung – 22 Leute und als Vortragender Jörg Kronauer. Jörg Kronauer veröffentlicht in der junge Welt, Jungle World, konkret, Lotta und der Wochenzeitung der DKP Unsere Zeit. Hauptsächlich scheint er jedoch für „German Foreign Policy“ tätig zu sein. Die unter dem Namen german-foreign-policy.com bekannte Webseite tritt mit dem Anspruch auf, die „hegemonialen Taktiken und Strategien des vereinigten Deutschland“ nachzuweisen. Schon das dürfte klar machen aus welcher Richtung die „Analyse“ kommt.

Das Publikum waren Leute eher 70+ als 50+, eine Mischung aus Freiburger Friedensbewegung und Kulturpublikum, sowie einige Schweizer:innen.

Der Vortrag begann erstmal mit einer recht langatmigen Einschätzung der Weltlage: Die USA und Europa befinden sich auf dem Absteigenden Ast, überall in der Welt tritt China mit seinen Interessen, nicht nur wirtschaftlichen Interessen auf. Aber auch die Türkei und Russland seien am Erstarken. Die Länder der Sahelzone hätten ihre Kolonialmacht Frankreich und die Soldaten rausgeworfen und würden jetzt mit Hilfe von Russland (Wagner Söldnern) den Islamismus bekämpfen.

In dieser Situation würden nun „die Eliten“, auf Nachfrage blieb eher unklar wen er damit meint, angedeutet wurden „wirklich Reichen“, „die Politiker“ und auch so im soziologischen Sinn der Wissenschaftsbereich. Ob das einfach nur eine Leerstelle in der Analyse war oder auch ein gewisser Populismus „gegen die da oben“, aber halt feiner ausgedrückt oder auch wenn man es ganz böse will so der Ansatz einer strukturell antisemitischen Verschwörungserzählung, will ich hier dahingestellt lassen.

Eckpfeiler der Analyse scheint die These zu sein, es gäbe einen Abstieg des Westens (ein Zuhörer fragte nach, was denn der Westen genau sein, der sei sich ja auch nicht so wirklich immer einig. Eine substanzielle Antwort gab es aus meiner Sicht nicht) und einen partiellen Aufstieg Russlands, das in Sysrien, Westafrika und dem Kaukasus gewonnen habe. Und nun bekämpfe es der Westen.

Nach dem – irgendwas wurde gesagt um den Krieg zu verurteilen – gegen die Ukraine habe es dann vom Westen knallhart durchgedrückte Sanktionen gegeben und das Leerkaufen des LNG Weltmarkt habe etwa Pakistan in den Ruin getrieben. Außerdem habe sich keiner Gedanken gemacht, was passiert wenn man den russischen Export von Weizen und Dünger behindert. Die EU Sanktionen verhinderten, das russische Handelsschiffe diesen in arme Länder exportieren.

Ich will hier keinen Faktencheck betreiben, aber darauf hinweisen, dass die EU Kommission auf ihrer Website schreibt: „Nahrungsmittel und Düngemittel sind von den EU-Sanktionen ausdrücklich ausgeschlossen: Es gibt keine Sanktionen gegen russische Nahrungsmittelausfuhren auf die Weltmärkte. Es ist jedem gestattet, mit aus Russland stammenden Nahrungsmitteln und Düngemitteln zu handeln und diese anzukaufen, zu befördern und ihre Erlangung sicherzustellen.“

Die Vorgeschichte des Ukraine Kriegs sei ganz einfach: Die NATO Osterweiterung. Die Ostsee sei ein NATO Binnenmeer, das ganze eine Machtoffensive des Westens. Dabei müsse man sich in Erinnerung rufen, Russland sei immer vom Westen her angegriffen worden, erst von Napoléon, dann zwei mal von Deutschland. Es sei für Russland lebensnotwendig, dass die Ukraine als Puffer da ist, sonst ist Russland nicht zu halten.

Dann gab es noch einen kleinen Schwenk nach Hause. Wenn der Krieg komme, dann trifft uns ganz akut! Operationsplan Deutschland.

Es gab dann eine Pause. Die Luft im Raum war schlecht, weil die Tür trotz hoher Außentemperaturen geschlossen war. Ein Großteil der Anwesenden ging raus zum Rauchen. Danach gab es Fragen oder so was ähnliches. Ähnlich weil die meisten Anwesenden nicht so richtig zwischen Frage, Statement oder ein Mischung sich entscheiden konnten und weil viele der Beiträge seltsam fahrig und ziellos klangen.

Auf meinen Beitrag – bewusst keine Frage – zur Geschichte der russischen Okkupation der Krim und der nicht Reaktion des Westens, gab es dann von Kronauer, doch den Rückgriff auf das übliche Bullshit Bingo. Maydan als westliche Einmischung, bei dem ca 1/3 Bandera Anhänger dabei gewesen seien. Die Ukraine sowieso gespalten zwischen Westen wo man Ukrainisch spricht und Osten eher Russisch, auf der Krim hätte es eine Volksabstimmung zugunsten Russlands gegeben. (Interessanterweise waren die Urnen durchsichtig und man konnte gar nicht für den Verbleib in der Ukraine stimmen). Übrigens fand die Abstimmung erst nach dem Einmarsch der „kleinen grünen Männchen“ statt.

Das alles stellte er in Abrede, dann gab es eine kleine Diskussion. Auf die von mir gestellte Frage: Hat der Krieg die Sicherheit Russlands verbessert? Gab es keine Antwort. Auch sonst gab es manchmal auf Fragen gar nicht so passende Antworten. Als etwa ein Herr nach der Verflechtung Deutschlands und Chinas fragte und Kronauer eine Antwort über die wirtschaftlichen Verflechtungen zur USA gab.

Irgendwann ging das ganze zu Ende. Eine ältere Frau hielt noch einen zusammengetackerten Flyer der Friedensbewegung hoch, sie hoffe dass am Freitag mehr Menschen kommen als sonst und eine Schweizerin beklagte sich, „die Linken“ seinen ja gar nicht mehr für den Frieden, nur noch die SVP.

Fazit:

Dem Publikum wurde geliefert was es sich erhofft hatte, Antiamerikanismus und die Bestätigung, dass der Westen am Ukraine Krieg Schuld ist. Das ganze war weniger rabulistisch als Jürgen Rügemer, weniger charmant als bei Hajo Funke, aber wenn man ein wenig bohrt dann kommt halt doch, dass die gleiche Substanz raus: Der Westen ist am Krieg Schuld, Waffenlieferungen sind ganz schlimm, irgendwie ist das Russland tut nachvollziehbar, die Ukraine rechtsextrem oder Faschisten. Das ganze garniert mit dem Selbstmitleid der örtlichen Friedensbewegung, die sich mehr an der Rhetorik einzelner Politiker stört („Kriegstüchtig“, ganz böses Wort) als am russischen Überfall auf die Ukraine. Wie üblich kommen die Betroffenen nicht zu Wort und die Verurteilung des Kriegs bleibt Formelhaft. Auch Intellektuell sind die Vortragenden dann fast aus dem Stegreif zu widerlegen. Ob man sich das vor 20 Leuten antut, sei dahingestellt. Ukrainern oder persönlich durch Verwandte Betroffenen würde ich eher abraten da hinzugehen, das kann nur zu retraumatisierung führen.

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