
Im „Günterstäler Tor“ der Zeitschrift des Ortsvereins Günterstal gibt es einen auch als solchen gekennzeichneten Beitrag der „Bürgeriniative Windkraft Günterstal“, das steht sowohl drüber als auch drunter. Ich kann leider nicht direkt verlinken, davor gibt es auch einen Artikel von Wolf Kalkreuth der auf einer Art Wandertour die Windräder besucht hat und die Geräuschemissionen gemessen und subjektiv berichtet, wieviel er hört.
Besonders der erste Artikel der Bürgeriniative stößt bei einigen auf Verwunderung, die sich fragen ob das mit der „Neutralitätspflicht“ eines Mediums vereinbar ist.
Grundsätzlich unterliegt auch das Dorfblatt Günsterstal oder mein Blog keiner Pflicht zur “politische Neutralität”. Es handelt sich nicht um öffentlich-rechtliche Medien, übrigens kommt bei diesen auch keine Verpflichtung zur “Neutraltität” im Medeinstaatsvertrag vor.
Selbst wenn man die für die Öffentlich-Rechtlichen Medien relevanten „Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit“ – die nicht auf die das Günterstäler Tor und schon gar nicht auf mein Blog zutreffen, anwenden würde, wären diese aus meiner Sicht nicht verletzt, weil es sich ja um einen Beitrag handelt, bei dem der Absender, die Günsterstäler Anti-Windkraft-Initiative klar gekennzeichnet ist. Und die darf natürlich darlegen warum sie gegen Windkraft ist. Ob man deren Inhalte glauben schenken mag, ist dann was anderes. Argumente wie „Wertverlust von Immobilien“, Mikroplastik, … haben wir hier schon x-mal wiederlegt.
So wie ich darlegen darf auf diesem Blog und anderswo, warum ich für Windkraft bin. Übrigens gibt es auch einen redaktionellen Beitrag „Ebike Tour zu den drei Windrädern“.
Selbstverständlich kann man als Bürger:in die sich an dem Beitrag stört auch mit einem Leserbrief antworten.
Ich hatte ja zunächst auch nicht geglaubt, dass die Anti-Wind-BI einen Referenten einlädt, der erklärt warum wir lieber Atomkreaktoren bauen sollen. Und das Wind nicht ausreicht um unseren Energiebedarf zu decken – was auch ein Scheinargument ist, denn keiner sagt wir sollten unseren Strombedarf ausschließlich durch Windenergie decken.
Reicht der Wind?
Ein Thema möchte ich vielleicht noch mal klarstellen, weil das auch zentral beim Vortrag von Prof. Dr. Michael Thorwart war: Haben wir überhaupt genug Wind und sind kleine Atomkraftwerke ein möglicher Ersatz?
Der Stromverbrauch für ein CO2-neutrales Energiesystem hängt insbesondere von der angenommenen Importquote ab, daher wie viel des Wasserstoffs, wie viel des Ammoniaks, wie viel synthetischer Kraftstoffe und wie viele energieintensive Vorprodukte importiert werden (müssen).
Die Szenarien des Fraunhofer gehen dabei von einem Gesamtstromverbrauch von 1000 – 1500 TWh pro Jahr aus.
Nimmt man das neue Windrad auf der Holzschlägermatte als Basis, ergeben sich folgende Werte. Dabei ist noch nicht gerechnet, dass in Zukunft die Windräder auf jeden Fall noch mal effizienter werden und pro Windrad noch mal mehr Strom erzeugt wird.
Bilanzielle Deckung des heutigen Stromverbrauchs von 495,5 TWh/Jahr, bräuchte man 54.100 Windräder – das hört sich erstmal nach sehr viel an, aber in Deutschland standen zum Ende des Jahres 2024 insgesamt 28.766 Onshore-Windenergieanlagen und damit sind alle erfasst, auch sehr kleine alte Windräder. Rechnet man noch einen 25% Effizienzaufschlag, dann wären es nur 43.300 Windräder.
Die Volllaststunden unterscheiden sich im Übrigen kaum zwischen den Bundesländern, was auch damit zu tun hat, das natürlich die Leute keine Quatsch Standorte auswählen, wo kein Wind weht. Wäre ja auch irrsinnig für den Investor.
Auch die Aussage, das in Süddeutschland vorallem wegen des sog. Referenzmodells zugebaut würde, obwohl sich die Anlagen nicht lohnen würden, ist falsch!
„Schwächere Standorte produzieren nicht zwangsläufig weniger Strom. Tatsächlich zeigen die Volllaststunden, dass süddeutsche Anlagen durchaus mit dem Bundesdurchschnitt mithalten. In Bayern lagen sie seit 2015 sogar darüber. Was den Unterschied ausmacht, sind höhere spezifische Kosten: Schwachwindanlagen benötigen oft größere Rotoren, höhere Türme oder erschwerte Zuwegungen an exponierten Standorten. Nicht die Windmenge, sondern die Investitionskosten sind höher – und rechtfertigen eine leicht angepasste Vergütung.“
Leonhard Probst auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/posts/leonhard-probst-4b2666284_energiewende-windenergie-referenzertragsmodell-activity-7318386541192507397-h-rn?rcm=ACoAAEUnGUYB1ovyeOIYF2zi2bukIcR2TW91cc4
Würde man jetzt ein Modell durchrechnen in dem sehr vieles elektrifiziert ist: Wir also Elektroauto fahren und per Wärmepumpe heizen – was ja auch billiger ist für den Verbraucher – dann hätten wir einen größeren Stromverbrauch. Da rechnet das Fraunhofer ISE mit zwei möglichen Werten:
Stromverbrauch von 1000 TWh/Jahr in 2045 bei hohe Importabhängigkeit: Wir bräuchten 109.200 k Windkraftanlagen (oder nur 87.300 wenn die 25% mehr erzeugen als die aktuellen)
Stromverbrauch von 1500 TWh/Jahr in 2045 (niedrige Importabhängigkeit): 163.800 Windkraftanlagen oder „nur“ 113.000 Windräder, wenn wir wenig importieren und viel Wertschöpfung und Arbeitsplätze im Inland wären.
Aber in keinem Szenario rechnet man mit 100% Wind, das hat der Herr Professor leider zufällig unterschlagen, sondern immer mit einem großen Anteil an Solarenergie.
Es ist ja auch nicht so, dass die Solaranlagen plötzlich von Siliziumfäule betroffen wären, sondern unkaputte Solarpannels halten quasi unbegrenzt. Kann ich als Leiter von zig Solar Upcycling Workshops bestätigen.
Auch das mit dem Speicher ist kein Problem. Selbst die Hälfte der Steckersolargeräte wird nach Marktstudie inzwischen mit einem kleinen Speicher verkauft.
Aber kleine Atomkraftwerke
Keines der seriösen Szenarien sieht Atomkraftwerke, egal welche Größe als Lösung vor. Das hat zum einen mit den enormen Baukosten zu tun und damit, dass keiner behauptet, er könnte heute dies kleinen Reaktoren bauen oder in den nächsten 5 Jahren.
Guter Überblick warum das mit den kleinen Reaktoren nicht so einfach ist: https://www.theenergymix.com/the-nuclear-mirage-why-small-modular-reactors-wont-save-nuclear-power/. Nimmt auch schön die Firmen auseiander die einen bauen wollen:
- Holtec: Das Unternehmen hat noch nie einen Reaktor gebaut. Sein Design wurde innerhalb von drei Jahren dreimal geändert, jede Version größer, komplexer und teurer als die vorherige.
- Natrium: Der einzige verfügbare Brennstoff für Natriums erste Kernladung sollte aus Russland kommen. Als Russland in die Ukraine einmarschierte, verzögerte sich das Projekt sofort um mindestens zwei Jahre.
- NuScale: Das erste Unternehmen, das die NRC-Zulassung für ein SMR-Design erhielt, hat jedoch keine Kunden und stellte sein Vorzeigeprojekt schließlich aufgrund von Kostenüberschreitungen ein. Das ursprünglich auf 50 Megawatt ausgelegte Projekt wurde rasch auf 77 Megawatt erweitert, nachdem sich die Wirtschaftlichkeit nicht mehr erwies.
- Westinghouse will seinen AP1000 als AP300 verkaufen. Aber bisher auch noch keiner gebaut.
Neue Anti Wind Website
Christoph Boldt aus St Peter, regelmäßiger Schwurbel-Demo-Teilnehmer und Anmelder, hat ne neue Website Anti-Windenergie-Website gemacht. Das ist in sofern erwähnenswert, als das wieder mal ein Beweis ist, dass sich die Querdenker-Szene nun dem neuen Thema „Windenergie“ zuwendet und dort nach Menschen fischen will.
Die Website operiert mit den üblichen Tropes: Unser „Märchenwald“ (damit ist der von Straßen, Wohn- und Industriegebieten, Freileitungsmasten, Intensiv-Landwirtschaft, und nicht zuletzt Fichtenmonokulturen industrialisierte Schwarzwald gemeint) wird von 20.000 geplanten WKA bedroht!
Verlinkt wird auf der Website auch auf das Multipolar Magazin. Wikipedia: „Das Medium wird zu den verschwörungstheoretischen Alternativmedien gerechnet.“
