Vor 2 Wochen gab es eine Diskussion zwischen mir und Anmeldern der „Freies Mikrofon Freiburg“ (FMF) Kundgebung auf dem Münsterplatz.
Screenshot vom YouTube Kanal „Profiteam“ – einem Angebot das live zahlreiche rechte Demonstrationen streamt. Quelle: https://youtu.be/O9hhyMwvjQw).
Auf der Kundgebung am 11.07.2020 kam schon ein älterer Herr, Typ Rentner auf Ausflug und hat das Mikro ergriffen und Antwort gegeben, so wie halt ein normaler Mensch, der nicht alles sehr verzerrt sieht, Antwort gibt. Am Samstag 25.07.2020 platze mir der Kragen und ich habe selbst auch Antwort gegeben. (Nachzusehen auf dem rechten YouTube Kanal https://youtu.be/O9hhyMwvjQw).
Daraus ergab sich dann mit dem Veranstalter eine Diskussion und die Einladung wieder zu diskutieren. Ich bat an am Samstag 8.8.2020 zu diskutieren. Allerdings kam erst gestern eine E-Mail des Veranstalters, so dass erst der 22.8. denkbar wäre, da ich vorher beruflich verhindert bin.
Spannender twist: weil so viel Schwurbel geredet wurde, habe ich es nicht mehr ausgehalten und selbst das Wort ergriffen, nach mir zahlreiche Personen aus der „#Antifa“, wir haben mit den Veranstaltern diskutiert. Was zunächst eine angespannte Situation war hat sich dann beruhigt
— Sebastian Müller ?????? (@sbamueller) July 25, 2020
Allerdings gibt aus meiner Sicht für so eine Diskussion Bedingungen und klare Regeln: Etwa einer neutralen Moderation, ein vorher vereinbarten Ablauf des Gesprächs, Eingrenzung der Themen bzw. Des Themas.
Der Veranstalter bat mir an auch vorher einen Artikel zuzusenden, der Grundlage der Diskussion sein solle. Als Moderation schlug der Veranstalter einen Polizisten vor – das halte ich aufgrund der Rolle, die die Polizei bei einer solchen Veranstaltung einnehmen muß für eher schwierig – daher war mein Vorschlage ein Freiburger Moderator, etwa Thomas Uhlendahl oder Michael Wehner, den Leiter der LpB.
Trotzdem wollte Herr Hochulli, Leiter des Revier Nord, sogar prüfen ob die Polizei moderieren kann.
— Sebastian Müller ?????? (@sbamueller) July 25, 2020
Warum diskutieren?
Seit es die „Freies Mikrofon Freiburg“ Kundgebungen gibt, gibt es auch Störaktionen und Gegenkundgebungen. Das ist aus meiner Sicht sehr berechtigt, denn auf den FMF Kundgebungen wurden von den Redner*innen – aus meiner Sicht – rassistische, menschenverachtende Inhalte, Verschwörungstheorien, Reichsbürgerquatsch und auch rechtsextreme Aussagen zum besten gegeben und unser Staat und die Freiheitlich Demokratische Grundordung verächtlich gemacht.
Digitalisierung, Klimaschutz, Kinder- und Jugendbeteiligung, Solidarität und sozialer Zusammenhalt alles das sind große Worte, uns für diese Werte einzusetzen, wird uns aber nur im Konkreten gelingen.
Ich will kämpfen
Ich will kämpfen, für ein Schulsystem, das Kinder nicht dazu zwingt morgens um 5:30 aufzustehen um einen Bus um 6:08 zu erreichen, damit sie rechtzeitig in der Schule sind. Für viele Familien wäre das eine morgendliche Entlastung.
Ich will kämpfen, das wir beim Digitalisierungsschub der sich gerade an unseren Schulen vollzieht Quelloffene Software ankommt und wir nicht noch abgehängiger von großen amerikanischen Konzernen werden. Deshalb sollte der Grundsatz „Public Money Public Code“, so wie bei der Corona-Warn-App für alle öffentliche Software gelten, besonders auch im kritischen Sicherheitsbereich bei Polizei und im Gesundheitswesen.
Ich will kämpfen für ein Windrad auf jedem Berg, ein Solargerät an jedem Balkon und eine Solaranlage auf jedem Dach. Dafür soll die Entscheidung für das Winbdkraftplanungsrecht weg von Kommunalverbänden und zum Landesumweltamt.
Ich will ein Baden-Württemberg, das nicht in 22 Verkehrsverbände mit über 100 Zonen für Monatskarten geteilt ist.
Ich will eine Öffi-App für das ganze Land, mit Carsharing, Leihrädern und allem was sonst noch fahren und man teilen kann.
Ich will dafür kämpfen, dass wir jedes Jahr soviel Geld für den Ausbau der Radwege ausgeben, wie für den Ausbau unserer Straßen. Über wenig werden sich die Autofahrer – beruflich bin ich das auch – mehr freuen, denn gut ausgebaute Radwege und attraktiver ÖPNV heißt leere Straßen.
Der Freiburger Wochenbericht hat den Chaos Computer Club zur neuen Corona Warn App der Bundesregierung gefragt, ich habe auch mit viel Input von anderen Menschen im Club versucht die Fragen zu beantworten.
Für einen Laien kurz erklärt, wie funktioniert die neue Corona-App, die eine bessere Nachverfolgung der Infektionsketten möglich machen soll? Was verbirgt sich hinter dem vieldiskutierten „dezentralen Ansatz“?
Mein Smartphone strahlt in Abständen von 2,5 bis fünf Minuten via Bluetooth Low Energy zufällig erzeugte Krypto-Schlüssel aus. Quasi ein sich ständig änderndes verschlüsseltes Autokennzeichen. Andere Handys speichern dieses Kennzeichen und schätzen aufgrund der Signalstärke die ungefähre Entfernung. Werde ich nun positiv auf eine COVID-19 Erkrankung getestet kann ich diese Information über die App an die anderen Nutzenden weitergeben. Das Handy lädt einmal am Tag die Liste der Corona positiven Kennzeichen herunter und vergleicht selbst ob es in letzter Zeit ein solches Kennzeichen gesehen hat. Findet es eine solche Übereinstimmung, warnt es mich. Es gibt eben keine zentrale Liste, wer wen gesehen hat. Das Smartphone kann aber nicht wissen ob ich wirklich in Gefahr war oder nicht weil ich z.b. eine Maske trug, durch eine Glasscheibe oder Wand getrennt war, so genau geht es einfach technisch nicht. (Eine gute Visualisierung gibt es bei: https://corona-tracing.cryptool.org/ )
Dank des Gemeinderatsbeschlußes, der Parklets erlaubt, gibt es nun in Freiburg einen kleinen Parkletboom. Ich will, dass der nicht nur auf „Im Grün“ oder die Sedantraße beschränkt bleibt, sondern möglichst Wirten, Cafés und Restaurants in der ganzen Stadt zu Gute kommt. Daher gibt es nun einen Flyer um die Menschen darüber zu informiere.
Corona-Rebellen-Rebellen befragen einen Demoteilnehmer
Auf beiden Corona Rebellen Demos. der von „nicht ohne uns“ / Informationsstelle Demokratischer Wiederstand, die sich inzwischen wegen der Frage des Schwarz-Weiß-Roten-Transpi, das an die Reichskriegsflagge erinnert, gespalten hat und der „Freunde der Freiheit“ Demos, waren jeweils nicht mehr als 100 Leute. Die Stadt war normal voll.
Die Farbkombi kennen wir.
Wieviele gernau da waren bzw. Teil der Demo oder Teil der „Demoübernahme“ durch Corona Solidarität Freiburg, läßt sich auch nicht genau sagen und war Stellenweise nicht auseinanderzuhalten.
An den Aktionen von Corona Solidarität Freiburg dürften sich rund 50 Personen beteiligt haben. Die gingen mit eigenen Schildern auf die Demos der „Corona-Rebellen“ und forderten Solidarität und wandten sich gegen Verschwörungsmythen.
Die mischten sich unter die #nichtohneuns#coronademo und hielten Schilde hoch und erinnerten an Solidarität. So richtig wussten die Veranstalter aus meiner Sicht nicht wie sie damit umgehen sollten, weil sie sich ja auch selbst als irgendwie Links sehen pic.twitter.com/qUHojYPuH3
— Sebastian Müller ?????? (@sbamueller) May 30, 2020
Die Platz der alten Synagoge Leute waren davon irritiert. Die Leute auf dem Münsterplatz waren durch diese Beteiligung, die friedlich verlief und bei der es maximal zu Diksussionen kam, erstmal nicht in der Lage ihre Demo zu starten. Die fing dann trotzdem an. Ich habe nicht so zugehört, es trat ein Arzt auf der irgendwie behauptete Corona sei nicht so gefährlich und ein Herr der in einem wenig strukturieren Beitrag erklärte, die Gegendemo seien Satanisten, Gottlos, wie auch Merkel und irgendwie eine Theokratie forderte.
— Sebastian Müller ?????? (@sbamueller) May 30, 2020
Sonst waren wieder die üblichen Menschen am Start. Etwa der Betreiber eines Freiburger Telegram Channels, in dem er haufweise rechtsextremes Zeug postet, etwa von der Identitären Bewegung. Inzwischen scheinen neben Menschen aus der rechten Szene in Freiburg auch die 5G-Gegner die Demos für sich gefunden zu haben. Auch sonst scheint die „Abgrenzung gegen Rechts“ auf dem Münsterplatz nicht so recht zu gelingen, auch bei einem Teil der Ordner wurde mir zugetragten, die seien Teil der Szene.
— Sebastian Müller ?????? (@sbamueller) May 30, 2020
Ich durfte am Rand wieder mit Menschen diskutieren, die mir erklärten, das einem „eine Bank keinen Kredit gibt, wenn man zu der kommt und sagt ich brauche 3 Mio EUR um meinen 80 Jährigen Opa zu retten“ und dass die Volkswirtschaftlichen Schäden ja in keinem Verhältniss mehr zu dem Stünde was man erreicht hätte. Außerdem sei der R Wert ja schon vor den Shut-Down-Maßnahmen unter 1 gewesen und auch mit Shut-Down immer so unter 1 geschwankt, sprich der hätte gar nix gebracht. Das empfand ich als krass Sozialdarwinistisch. Irgendwie ist der Neoliberale Ungeist schon tief eingedrungen.
Unter jedem Pflaster ist ein Strand.
Auf dem PdaS und dem Münsterplatz ist immer weniger los. Wenn man den Berichten glauben schenken mag, dann sind die Organisatoren irgendwas zwischen überfordert und wenig Einsichtig. So richtig scheint das ganze, auch aufgrund der immer weniger krassen Beschränkungen kaum noch zu ziehen.
Hut ab vor den Polizisten (und dem Punk Polizisten) die gleichzeitig zwei Funkkanäle verfolgen. Auf jedem Ohr einer.
Seite 2 der Badischen Zeitung vom Freitag 23.5.2020
Am Freitag berichtete die Badische Zeitung über die Herausforderungen bei der Entwicklung eines möglichen Impfstoffs gegen die SARS–Covid–19 Erkrankungen. Das ist ein spanendes Thema und sicherlich angebracht. Ein Übersichtsartikel informiert über die Schwierigkeiten: Virus mutiert, gegen kein Coronaviren gibt es bisher einen Impfstoff, wir wissen nicht wie lange die Imunantwort erhalten bleibt.
Es kommt Hartmut Hengel, Ärztlicher Direktor des Instituts für Virologie an der Universitätsklinik Freiburg zu Wort: „Rund 100 Kandidaten für einen Impfstoff, schätzt der Virologe, werden gegenwärtig entwickelt: „Wenn wir Glück haben und ein guter dabei ist, haben wir in einigen Jahren einen effektiven und sicheren Impfstoff.“
Soweit so gut. Alles ganz stimmig und nichts auszusetzen. Unten dran gibt es dann aber ein Interview mit einem Kinderarzt, nicht irgendein Kinderarzt sonder jemand der vorgestellt wird als: „Impfkritiker“ und „Sprecher des Vorstands im Verein Ärzte für individuelle Impfentscheidung“. Sowohl für Herrn Raabe als auch den Verein gibt es Einträge auf der Anti–Schwurbel oder man sollte besser sagen Anti–Verschwörungsmystiker Website, Psiram:
„Er verharmlost schwere Infektionskrankheiten, wie z.B. die Masern, und betreibt Panikmache vor Nebenwirkungen der Schutzimpfungen. Von wissenschaftlichen Studien, die nachweisen, dass Impfnebenwirkungen äußerst selten sind, behauptet er, diese seien durch die Pharmaindustrie gefälscht und es gebe tatsächlich viel mehr gravierende Nebenwirkungen, eine Aussage, die allerdings epidemiologisch nicht belegt ist. Unter anderem behauptet Rabe, dass Impfungen sogar gefährlich seien, z.B. wegen schädlicher Zusatzstoffe (z.B. Thiomersal könne Autismus verursachen) oder indem er in seiner „Impfaufklärung“ den juristischen Tatbestand der Körperverletzung und Fehlbehandlung im Zusammenhang mit Impfungen aufführt. Weitere Beispiele sind Behauptungen, wonach Impfungen eine Reihe anderer Krankheiten verursachten, wie z.B. Allergien, Autoimmunerkrankungen oder eine generell verminderten Immunabwehr nach einer Impfung (speziell Masern und HIB). Dabei lässt er unerwähnt, dass in der DDR die Durchimpfungsrate beinahe 100% betrug, die Allergierate hingegen viel niedriger war als in der Bundesrepublik. Eine Tatsache, die sich nicht mit diesen Behauptungen in Einklang bringen lässt.“
Nun kann man sich fragen, was ein solcher Akteuer beitragen kann zur Diskusion um einen möglichen Corona Impfstoff. Für Raabe und seinen Verein gibt es im Grunde keinen Impfstoff der sicher ist oder sinnvoll. Ja er propagiert sogar: „Für bestimmten Krankheiten einen „individueller Wert“ für den Betroffenen zugesprochen, vor allem den Masern.“ Jetzt ist eine Masernerkrankung für den betroffenen keine angenehme Sache und hat je nach Studie eine Todesrate von 1:500 bis 1:1000.
Die Bezeichnung Impfkritiker ist in dem Zusammenhang so ein Euphemismus, wie wenn man Lutz Bachmann interviewen würde und mit der Bezeichnung „Migrationskritiger“ einleiten. Soviel fragwürdiges zus Person. Aber nun zum eigentlichen Text:
Zum einen erweckt Steffen Raabe sprachlich den Eindruck er forsche an einem Impfstoff: “Wir forschen aber seit weit mehr als 10 Jahren an derartigen Impfstoffen”. Richtigerweise müßte er sagen: “Virologen und andere Forscher” arbeiten seit Jahren daran. Er als Kinderarzt, der gegen Impfen ist, wohl eher nicht.
Die zweite Aussage ist: „Eine besondere Schwierigkeit ist noch, dass bei einem großen Teil der Impfstoff-Kandidaten gegen das neue Coronavirus völlig neue Impfstoff-Technologien verwendet werden, etwa die mRNA-Technologie“. Das ist halb richtig: CEPI zählt 119 Ansätze, die derzeit in der Entwicklung sind. Mit allen möglichen unterschiedlichen Techniken zur Impfstoffentwicklung. Eben nicht nur mRNA.
Richtig absurd werden die Antworten aber, wenn Raabe sagt: “Schon von den konventionellen Impfstoffen auf dem Markt, erzeugt nur ein kleiner Teil Herdenimunität”. Das hat vielleicht mit dem Impfstoff aber sicher auch mit der Impfquote in der Bevölkerung. Es sind ja Ärzte gerade wie er, die die Impfquote niedrig halten, in dem sie Eltern mit Unsicherheiten vom Impfen abraten oder es verzörgern. Wodurch eben die bei den sehr ansteckenden Masern notwendigen 95% nicht erreicht werden.
Auch auf seinem Blog stehen seltsame Dinge, so unterstellt er etwa Herrn Drosten faschistoide Gedanken im Bezug auf die mögliche Corona Warn App. Weil dieser im Podcast ausgeführt habe, man könne diese auch bei einem starken Ausbruch „schärfer Stellen“, so das bereits Menschen die nur Symptome zeigen, aber (noch) nicht getestet wären, ihre Kontakte warenen könnten.
Ich finde Steffen Raabe als kompetenten Interviewpartner ungeignet, Impfablehnung ist sein Buisness und er stellt auch eine Reihe von Behauptungen auf, die meiner Meinung nach zumindest verkürzend, aber eher falsch sind und wird damit nicht konfrontiert oder eingeordnet.
Übrigens: diese kruden Thesen „an Masern sterben nur 6 Kinder pro Jahr in Deutschland, deshalb braucht man keine Impfpflicht“, sind es mit denen die Leute mit Schwedenfahne auf den Coronarebellen Demos, argumentieren.
„Das Hauptziel der App ist, die Europa-Park Besucher auf spielerische Art daran zu erinnern und zu motivieren, die geltenden Abstandsregelungen (Social Distancing) während des Parkbesuchs einzuhalten (…) Es wird der Bluetooth LE (Low Energy) Standard genutzt. Über die Signalstärke wird die Distanz zu anderen Smartphones gemessen. Jedes Smartphone, auf welchem die App installiert ist, sendet gleichzeitig als iBeacon, und scannt die Umgebung nach anderen Geräten.“
Von der Badischen Zeitung wurde der CCC gefragt ob und wie das gehen kann und was wir dazu denken. Als Privatperson habe ich dazu geantwortet: Was muss eine App können, damit sie sinnvoll ist?
Ich weiß persönlich nicht bzw. halte es für zumindest technisch schwierig, über Bluetooth den Abstand zwischen zwei Geräten so genau feststellen zu können, das man anzeigen kann ob jemand mehr oder weniger als 1,5 m entfernt ist. Das könnte vielleicht noch einigermassen gehen zwischen iphones – die haben wahrscheinlich alle den gleichen Bluetooth Chip und Antenne, aber zwischen den unzähligen Android Geräten? Das stelle ich mir schwierig vor. Es müßte quasi jedes Gerät abstrahlen was es für eines ist, also etwa “Iphone 6s+” oder “Redmi Note XY” und dann müßte es eine Datenbank geben, die genau sagt: Dieses Bluetooth ist “laut”, das strahlt immer sehr stark und dieses Bluetooth “flüstert”.
Wenn man aber die Art des Gerätes abstrahlt, dann hat man schon einiges an Daten, gerade wenn Leute exotische Geräte verwenden. Da ist dann ggf. weniger Anonymität. Möglicherweise haben auch Umgebung (Wände) und die Art des Tragens des Geräts (Körpernah, im Rucksack, Handtasche, …) Auswirkungen auf die Verbreitung und damit “Lautstärke”, weil ja der eigene Körper dämpft. Ggf. auch Unterschied zwischen dicken und dünnen Personen, ggf. muß die App auch unterscheiden können, ob ich etwa Rücken an Rücken getrennt durch eine Wand/Plastikfolie/… sitze oder eng beisammen stehe. Schon allein die Lage des Telefons und damit der Antenne verändert die Empfangsqualität.
Das stelle ich mir schwierig vor. Vielleicht kann man das auch lösen.
Bei Apple Geräten kommt meines wissen noch dazu – daran kranken alle bisherigen Apps – das ich vermute die App im Vordergrund mit Bildschirm an laufen muß, was recht zügig die Batterie leer saugt.
Bei einer Kontaktnachverfolgung gelten die gleichen Probleme wie auch bei der geplannten offiziellen App. Ich muß Datenschutzkonform und anonymisiert nachtvollziehen können, mit wem ich Kontakt hatte, und diese Personen irgendwie kontaktieren können. Damit die offizielle App funktionieren kann braucht sie Zugriff auf bestimmte Features, die Apple – so wie ich das verstehe – nur jeweils einer App pro Land freischalten wird, weil etwa die offizielle App dann auch Dinge festlegen muß wie “Kontaktintensität”, Nähe, …
Ob das ohne Zugriff auf diese speziellen Features geht: Ich wäre da skeptisch. Im Zweifel wickel ich mein Telefon in Alufolie vom Vesperbrot um so das Bluetooth LE zu dämpfen und bin dann weiter weg.
Denken Sie, ein Unternehmen kann es mit einer App wie dieser schaffen, was die Bundesregierung nicht schafft?
Die Tracing App der Bundesregierung soll ja helfen die Arbeit der Gesundheitsämter beim Zurückverfolgen der Kontakte zu vereinfachen. Gerade auch für Zufallskontakte (ÖPNV, Schlange, Supermarkt, …) kann das sicher hilfreich sein, weil ich da ja gar nicht die Leute kenne. Die App des Europapark wil ja Menschen helfen Abstand zu halten. Das ist erstmal eine charmante Idee, die ja auch in anderen Situationen hilfreich sein könnte.
— Sebastian Müller ?????? (@sbamueller) May 10, 2020
Das Schwedische Fernsehen hat eine Datenjournalismus Seite eingerichtet, bei der man selbst auswählen kann, welche Kurven angezeigt haben will. Jeweils auswählbar sind viele Länder, die Gesamtzahl der Erkrankten, der Toten und die Relation beider Zahlen auf 100.000 oder 1 Mio Einwohner. Dadurch lässt sich relativ gut ein Zeitverlauf darstellen und auch Länder in Beziehung setzen.
nichts ist besser in Schweden
Bezogen auf Schweden sollte man davon ausgehen, dass dort das Gesundheitssystem ähnlich gut ist wie in Deutschland und vielleicht die Leute sogar noch etwa gesünder. Die Lebenserwartung in Schweden betrug 82,31 Jahre (2017), zum Vergleich in Deutschland nur 80,99 Jahre (2017), als mehr als ein Jahr weniger.
Schaut man sich jetzt aber die Outcome Performance an, dann sieht man, dass deutlich mehr Menschen an der Infektion mit dem Corona Virus sterben als Deutschland.
Todesfälle auf Millionen Einwoner. Schwarze Kurve Deutschland, gelbe Kurve Schweden. graue Kurve Südkorea, blaue UK. Bild vom 9.5.2020 / Quelle: SVT
Im Gegensatz zu Deutschland gib es auch deutlich mehr Infektionen:
Infektionen pro 1 Mio Einwohner. Die schwarze Kurve aus Deutschland geht deutlich zurück, die gelbe Kurve aus Schweden scheint auf hohem Niveau zu stagnieren. Ähnlich in UK. Bild vom 9.5.2020 / Quelle: SVT
Auch andere Daten stützen diese These. So steigt etwa die Exzess Mortalität in Schweden deutlich an, gerade im Gegensatz zu anderen nordischen Ländern. Gerade die Tweet von Markuu Peltonen dürften als gute Quellen gelten, der arbeitet als Professor für Epedemiologie bei der Finnischen Gesundheitsbehörde.
— Sebastian Müller ?????? (@sbamueller) May 10, 2020
Auch im Vergleich mit anderen ähnlich großen Ländern in Westeuropa schneidet Deutschland, was die Anzahl der Verstorbenen oder Erkrankten angeht, besser ab.
Nur mal der Vergleich mit anderen großen Ländern in ??: ?? = ? ?? = ? ?? = ? ?? = ? ?? = ? 1 ? Kranke ?/1Mio Einwohner 2 ? ? Anzahl 3 ? Tote ??/1Mio Einwohner 4 ? Tote Anzahl In allen Metriken schneidet ?? besser ab als vergleichbare Länder. Einfach dran denken! pic.twitter.com/6rpRWpSbmO
— @sbamueller@mastodon.social (@sbamueller) May 10, 2020
Jetzt ist es relativ schwierig genau herauszubekommen, welche Maßnahmen unterschiedliche Länder genau ergriffen haben. Im ZDF heute Journal von gestern hieß es in Schweden plane man einen Weg der Herdenimunität, Arbeit finde im wesentlichen im Homeoffice statt, aber Freizeit sei nicht runtergefahre. Zumindest die weiterführenden Schulen sind wohl geschlossen, Grundschulen aber wohl nicht.
Als Zusammenfassung in Schweden gibt es derzeit 3.225 Todesfälle auf 10,23 Mio Einwohner durch Covid19, in Deutschland 7.569 auf 82 Mio Einwohner. Oder um es mal zu vergleichen in Baden-Württemberg wohnen mit 11 Mio Menschen etwas mehr, es gibt aber nur 1.545 Tote von Corona.
Was die Schweden machen oder nicht, ist doppelt so tödlich wie das wir in Deutschlan machen. Das muß nicht sein!
Update: Auch die Exzess Mortalität in Schweden ist deutlich höher als in Deutschland.
Hier nochmal als Grafik von der Financial Times: ?1)?/1 Mio Einwohner in ?? und ?? Logarithmische Grafik ?2)?/1 Mio Einwohner in ?? und ?? ?3 &4) Exzess Mortalität daher wieviele Menschen sind zusätzlich gestorben ?? 4.800/82 Mio vs ?? 3000/10,2Mio! #schweden#covid19sepic.twitter.com/cry5EsjwXo
— Sebastian Müller ?????? (@sbamueller) May 13, 2020
Herdenimunität
Als ein Argument warum Schweden vielleicht doch nicht so schlecht dastünde, wird die bereits erreichte Herdenimunität gennant. Auch dieses Argument zieht aus meiner Sicht nicht wirklich.
Zum einen sind die Berechnungen einer Durchseuchung von bereits 25% der Bevölkerung im Großraum Stockholm wohl deutlich zu hoch:
This would imply 5–10% will have been infected by 1 May, consistent with our estimate (and Imperial: https://t.co/NA0Kz46xzy). The above is of course just a rough estimate, but it shows that it's always worth checking results against other data sources. 7/7
Auch in weiteren Ländern, deuten Untersuchungen in der breiten Bevölkerung eher auf Durchseuchung bzw. Antikörper bei etwa 5% der Bevökerung.
Meanwhile, a survey of 7,087 people in the UK using antigen testing has found just 0.24% infected.https://t.co/VjKRpDm9GU I think the current global case fatality rate of 6.7% is real, and these model based, antibody based studies are overestimating how many have had the disease pic.twitter.com/GZycXXmCnp
Für Frankreich – mit inzwischen 27.000 Toten und einem deutlich schlimmeren Ausbruch als in Deutschland – wird inzwischen eine Durchseuchung der Bevölkerung zwischen 2,2 – 7,2% angenommen.
In Frankreich sind bislang ca. 27Tsd Menschen an #COVID19 verstorben. Nach dieser Modelierungsstudie in der @ScienceMagazine hätten erst 4.4% (2.8–7.2) der Bevölkerung die Infektion durchgemacht. Der Weg zur Herdenimmunität wäre noch sehr lang. https://t.co/rOqQFVibqO
Für Spanien wie auch Frankreich in den betroffenstend Gebieten ca 10%.
Even the worst hit Spanish regions appear to be at ~10-14% seroprevalence. Hopefully we'll have more distribution/network data—but one guess would be the spread in nursing homes/vulnerable populations couldn't be checked even as everyone else locked down. https://t.co/WaWE3xa2lh
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