Lass dich impfen

Ich bekomme immer wieder Anfragen für Impfungen für Kinder unter 12 Jahren, ich poste Hinweise dazu auf die Seite: sbamueller.com/Impfen

Ich bin auch in der Diskussion mit der Stadt Freiburg und der Uniklinik, wie man Kindern eine Impfung ermöglicht, deren Eltern das nicht wollen.


Auch das Sozialministerium geht auf seiner Website davon aus, das Kinder und Jugendliche selbst entscheiden können:

In der Regel ist eine Einwilligungsfähigkeit in einen medizinischen Eingriff – im speziellen Fall beispielsweise eine Impfung – ab einem Alter von 16 Jahren gegeben. Das heißt, dass Jugendliche ab einem Alter von 16 Jahren in der Regel hinsichtlich einer Impfung selbst entscheiden und in diese einwilligen können. Voraussetzung ist eine Aufklärung über die Behandlung und ihre Risiken.

Eine Impfung ist eine Routinemaßnahme des medizinischen Alltags, sodass eine Einwilligungsfähigkeit im speziellen Einzelfall auch schon früher als mit 16 Jahren, in der Regel aber nicht vor Vollendung des 14. Lebensjahres, vorliegen kann. Die Frage der Einwilligungsfähigkeit unterliegt einer individuellen Prüfung durch den Arzt.

Was ist bei Impfungen von Kindern und Jugendlichen zu beachten?

 

Plakat: „Lass Dich impfen!“

Wahrscheinlich hast Du oder Sie den Link eingegeben oder QR-Code abgescannt. Hier will ich die Hintergründe zu diesem Plakat erläutern. Farbig findest du jeweils den Text vom Plakat auch hier, darunter jeweils weitere Erklärungen und Hinweise.

Sehr viele Fragen werden, für Kinder und Jugendliche gut lesbar, auf der Website vom Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie beantwortet.

Impfungen sind dort auch ohne Impfpass oder Krankenkassenkarte möglich.
Es gilt die Schweigepflicht. Impfungen gibt es auch beim Kinderarzt/ärztin.

Möglicherweise kommen auch Impfteams an die Schulen. Ob hier eine Impfung ohne Information und Zustimmung durch die Eltern möglich ist, ist fraglich. Es ist auch bisher nicht klar, wann das passiert. (Stand: 1.9.2020)


Auf dem „Wahlplakat“ mache ich drei wichtige Aussagen für welche hier die Quellen zu finden sind:

Jugendliche dürfen selbst entscheiden, ob sie sich impfen lassen.

„Ab 16 Jahren könnten Jugendliche entscheiden, die Eltern müssten einer Impfung nicht zustimmen, ihr Widerspruch wäre unbeachtlich. Etwas Anderes gilt nur dann, wenn die Einsichtsfähigkeit erkennbar nicht vorhanden sei.

Von 14 Jahren bis 16 Jahren komme es auf die konkrete Einwilligungsfähigkeit des Jugendlichen an. Sei diese gegeben, genüge dessen Einwilligung. Sei sie nicht gegeben, müssten die Eltern zustimmen. Vor Vollendung des 14. Lebensjahres sei die Einwilligungsfähigkeit grundsätzlich nicht gegeben, so dass die Eltern zustimmen müssten. Doch auch hier könne es im Einzelfall Ausnahmen geben, wenn der Jugendliche für sein Alter schon sehr reif sei.

(…) In Fällen, bei denen zwar die Eltern eine Impfung wünschen, das Kind aber nicht, müsse die Impfung unterbleiben, so Lindner.“

Dieses Zitat stammt aus einem Artikel des Bayrischen Rundfunks vom 20.07.2021, 15:17 Uhr, „Corona-Impfung ab 12 Jahren: Müssen Eltern eigentlich zustimmen?“

Auch in diesem Video wird das Recht von Kindern und Jugendlichen, selbst zu entscheiden, nochmal erläutert. Der impfende Arzt/Ärztin muss prüfen ob der Jugendliche, weiß was er tut oder versteht. Eine Recht der Eltern eine Imfung zu verbieten gibt es nicht.

Die UN Kinderrechtskonvention (Art. 11) und das Sozialgesetzbuch (VIII §8) gibt Kindern das Recht selbst bei allen Fragen, die sie betreffen mit zu entscheiden. Wir möchten, dass Du dieses Recht wahrnimmst, dich informiert und nach Beratung durch einen Arzt/Ärztin selbst entscheidest.

Viele Jahre habe ich mich für mehr Kinder- und Jugendbeteiligung eingesetzt, zusammen mit Freunden habe ich mich dafür stark gemacht, dass etwa in der Gemeindeordnung (§41a) von Baden-Württemberg, eine Pflicht eingefügt wird, Kinder- und Jugendliche an den sie betreffenden Fragen zu beteiligen.


„Wer sich nicht impfen lässt, wird sich infizieren, und das vielleicht schon in diesem Winter“

„Durch ein Auslaufen der Pandemie von einer Corona-Erkrankung verschont zu bleiben, darauf könne laut Christian Drosten niemand hoffen. Aufgrund der inzwischen dominierenden Delta-Variante sei die Corona-Impfung keine Frage des Gemeinschaftsschutzes mehr. Vielmehr gehe es darum, sich selbst vor einer Infektion zu schützen.“

Dies ist ein Zitat von Prof. Christian Drosten, aus einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 19.08.2021. Seit Ende Februar 2020 beantwortet Prof. Dr. Christian Drosten (Leiter der Virologie an der Berliner Charité) Fragen zur aktuellen Situation, erklärt Zusammenhänge und schildert, wie er diese Monate persönlich erlebt in einem Podcast.

Es ist auch für Kinder und Jugendliche wahrscheinlich, dass sie sich im Laufe dieses Winters mit dem Corona-Virus anstecken werden. Bei Kindern und Jugendlichen ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie an dieser Infektion versterben, etwa im Gegensatz zu Erwachsenen über 70 Jahren. Aber sie sind möglicherweise genauso von Long-Covid betroffen.

Zitat aus dem Deutschlandfunk: „Häufig berichten auch jene Menschen von Erschöpfung, Müdigkeit und verminderter Leistungsfähigkeit, bei denen die akute Erkrankung gar nicht schwer verlaufen ist. Diese Spätfolgen einer Corona-Erkrankung werden im Gesamten auch als „Long Covid“ bezeichnet. Auch psychische Erkrankungen treten auf.

Mediziner berichten derzeit zudem immer häufiger über besonders gravierende Spätfolgen einer Coronavirusinfektion bei Kindern und Jugendlichen. Beim sogenannten „Paediatric Inflammatory Multisystem Syndrome“ – kurz PIMS – läuft das Immunsystem „Amok“ und könne lebensgefährlich für die Jungen und Mädchen werden, sagen Ärzte.“

Aufschlussreich dazu auch dieser Artikel von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: „Es handelt sich bei Long COVID nicht um ein einheitliches Krankheitsbild (…) Als Long COVID bzw. Post-COVID-19-Syndrom werden Krankheitszeichen und Symptome beschrieben, die mehr als 12 Wochen nach Krankheitsbeginn bestehen bzw. mehr als 12 Wochen nach Infektion auftreten, deren Entwicklung bisher nicht geklärt ist und für die keine andere Erklärung als die Folge einer SARS-CoV-2-Infektion festzustellen ist. Vorläufige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Long COVID schwere Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, die Lebensqualität, das soziale Leben und das Familienleben haben kann. Häufige Symptome sind anhaltende Erschöpfungszustände (Fatigue), Atembeschwerden, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Konzentrations- und Schlafstörungen, Kopfschmerzen, depressive Verstimmung und Herzrhythmusstörungen. Insgesamt ist die Symptomatik variabel und der Zeitraum variiert zwischen Wochen und Monaten. Die Datenlage zu Long COVID bei Kindern ist sehr limitiert, denn bisher wurden größtenteils Studien zu Long COVID bei Erwachsenen publiziert. Die Häufigkeit von Long COVID kann derzeit bei Kindern noch nicht verlässlich erfasst werden.“

Sehr selten trifft auch PIMS auf. PIMS ist ein schweres entzündliches Krankheitsbild, das in seltenen Fällen bei Kindern und Jugendlichen in der Regel drei bis vier Wochen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 (auch asymptomatisch) beobachtet wurde. Die Ursache der Entstehung der Erkrankung ist unklar und auch zur Häufigkeit gibt es derzeit keine verlässlichen Daten. Betroffene junge Patientinnen und Patienten mussten häufig wegen einer Schocksymptomatik oder vorübergehender Herz-Kreislauf-Insuffizienz behandelt werden und benötigen eine intensivmedizinische Versorgung, teilweise sogar maschinelle Beatmung. (…) Das zunächst neue Krankheitsbild wird von den behandelnden Kinderärztinnen und Kinderärzten zunehmend besser verstanden und ist inzwischen gut behandelbar. (…) In Deutschland ist kein Kind oder Jugendlicher an PIMS verstorben.“


Die Impfung gegen Corona hilft gegen schwere Verläufe und “Long Covid”.

“Die STIKO empfiehlt auch für alle 12- bis 17-Jährigen die Impfung gegen COVID-19 mit einem der beiden zugelassenen mRNA-Impfstoffe”

Empfehlung der Stiko. Damit folgt sie den Empfehlungen in den USA, Kanada, Frankreich, Dänemark, Österreichs, Schweden, der Schweiz, Israels, Finnlands, der Niederlande und vieler Länder. Mit der Zulassung eines Impfstoffs für Kinder ab 6, wird im Oktober gerechnet.

Dieser Twitter Thread gibt eine gute Übersicht, in welchen Ländern die Impfung für Kinder zwischen 12-18 Jahren empfohlen wird.

Zitat von der Website des Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, welches diese Informationen extra für Kinder und Jugendliche aufbereitet hat: „In Deutschland gibt die Ständige Impfkommission (STIKO) Empfehlungen ab. Die STIKO empfiehlt seit dem 19. August die Corona-Schutzimpfung für alle Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren. Zuvor hat die STIKO die Impfung nur für bestimmte Kinder und Jugendliche empfohlen, z. B. wenn diese bestimmte Vorerkrankungen haben.

Warum hat die STIKO jetzt Ihre Empfehlung geändert?

Bevor die STIKO den Impfstoff für alle Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren empfehlen konnte, mussten noch mehr Daten gesammelt werden, um ganz sicher zu sein, dass sich die Impfung wirklich für alle 12- bis 17-Jährigen lohnt, und nicht nur für die besonders gefährdeten. Mittlerweile ist die Datenlage ausreichend, um die Impfung für alle Kinder und Jugendlichen zu empfehlen. Auch andere Impfungen waren früher mal länger auf dem Prüfstand, das ist ein normaler Prozess.

Es gilt nach wie vor: Jede:r ab 12, der oder die das für sich wichtig findet, kann sich impfen lassen. Auch wenn die STIKO die Impfung allen Kindern und Jugendlichen empfiehlt, es gibt keine Impfpflicht.“

Die ständige Impfkommission (STIKO) ist eine unabhängige Gruppe von Wissenschaftlern, die sich mit Fragen der Impfung beschäftigt, die Empfehlungen, auch für die Impfung von Kindern und Jugendlichen findest du hier. Die STIKO-Empfehlungen basieren stets auf den derzeit besten verfügbaren, wissenschaftlichen Erkenntnissen. Neues Wissen wird fortlaufend bewertet und die Empfehlungen werden dementsprechend angepasst und aktualisiert („Living Guideline“).


Warum diese Aktion?

Seit vielen Monaten diskutiere ich mit „Coronarebellen“ und „Querdenkern“ und versuche auch immer wieder hier Fake News und falsch Informationen ins richtig zu stellen. Gleichzeitig bemerke ich aber viele Menschen, die sich durch Gerüchte, Verkürzungen oder ähnliches verunsichern lassen.

Ich arbeite im Impfzentrum und engagiere mich dafür, dass Menschen diese einfache Möglichkeit sich zu schützen, wahrnehmen.

Fragen und Kontakt

Wenn Du/Sie Fragen zu diesem Plakat/Aktion hast, dann schreib eine E-Mail an sbamuellerXXgmailXXcom oder schreib mir auf Threema.Oder bei Twitter.