„These are anti-vaxxer turned peace protest or Pro-Putin”

Die alten Slogans liegen lieblos abgelegt hinter der Bühne, Querdenken in Freiburg hat neue Themen gefunden

War die kurze Erklärung, die ich zwei amerikanischen Austauschstudierenden gab, die mich fragten, was das da eigentlich für eine Versammlung sei.

Die Freiburger Querdenker Szene hat den Themenwechsel endgültig vollzogen. Im Herbst bestanden die Demos – wenn man die Plakate anschaute – aus ca 2/3 Frieden und 1/3 Corona. Gestern am 4.2.23 gab es noch eine Frau, die wohl das Memo nicht gelesen hatte und die ein „Digitaler Impfpass stoppen“ Schild mit sich rumtrug.

Alle anderen Schilder, die Rede von Uwe Sacher, der den inneren Ganser channelte und der auch stellenweise ein wenig wie Goebbels klang und auch die Sprechchöre („Stalingard nicht mit uns“), drehten sich alle um „Frieden“.

Seltsamerweise gab es keinerlei Kritik an der Politik der Russländischen Föderation, ihrer Eliten oder Präsident Putin. Die Schuldigen am Ukraine Krieg sind die NATO mit ihrer Osterweiterung. Auch sonst war spannend, was Uwe Ganser in seiner Rede so fabulierte: „Die Krim schließt sich Russland (…) Russland bettelt um Sicherheitsgarantien“, als es die bekam, sei es quasi genötigt gewesen 2014 im Osten der Ukraine einzufallen. Boris Johnsom habe einen bereits fertig ausgehandelten Friedensvertrag, der die Neutralität der Ukraine umfasste, vom Tisch gewischt und dafür gesorgt, dass die Ukraine weiter mache mit dem Krieg.

Gezählt haben Aktivisten aus dem BündnisFreiVAC 1001 Teilnehmer auf der Demo. Die Demographie war, so fassten es zwei zufällig anwesende amerikanische Austausstudierende auf: “This seems to be the same demographic as the Trump supporters”, sicher 70 – 90% Menschen, die sonst auf den Querdenker Demos der letzten Jahre waren.

Und dann ist die Zahl von 1001 auch nicht mehr verwunderlich: Seit über sechs Wochen gab es keine größere Querdenker Veranstaltung mehr in der Region. In den letzten Wochen wurde über die eigenen Kanäle in ganz Baden-Württemberg mobilisiert und halb Freiburg mit Stickern zugeklebt.

Da man in der Bewegung bemerkt hat: Corona zieht nicht mehr und auch die Forderung nach einer Aufarbeitung schien keinen – außerhalb der Szene – zu interessieren, hat man sich strategisch nach einem neuen Thema umgesehen. Nachdem „Inflation“, „Frieren“/Energiepreise, wohl aufgrund voller Gasspeicher und LNG Terminals nicht ziehen, ist es nun „Frieden“ und „Waffenlieferungen“.

Das wäre immerhin soweit Anschlussfähig, als das es viele Leute beschäftigt und sich bei der Linkspartei und der AfD Parteien auch dagegen positionieren.

Aber selbst vor diesem Hintergrund, hat man nur 1001 Person auf die Straße bekommen und die Bewegung will nicht wöchentlich weiter machen – was auch für ein vermindertes Mobilisierungspotential spricht – sondern Themenbezogen einmal im Monat. Im März soll es dann wohl um Impfschäden gehen, man sucht aber derzeit wohl noch Impfopfer.

Sonst war die Demo, so wie jede Querdenker Demo auch: Von der AfD war Robert H und andere da, mit Friedenstaube, AfD Fahne und Russlandflagge. Reichsbürger trugen eine weiße Fahne und eine umgedrehte Deutschlandflagge rum. Und es wurde heftig gegen die Grünen gehetzt.

Es sollte eigentlich jedem klar sein: Die Querdenker bewegen sich seit zwei Jahren in einem Informationsumfeld, das massiv durch russische Propaganda beeinflusst wird. Zuerst waren das die ganzen Impfkritischen Narrative und Querdenker Proteste, bei denen Russia Today stets wohlwollend und umfassend berichtet hat, nun ist es eben Propaganda für den Krieg.

Eine Friedendsmeo, bei der keine Kritik an russischen Angriffskrieg auf die Ukraine geäußert wird, ist eben keine Demo für den Frieden, sondern im runde eine für den Krieg.

Warum ich die Frauen in Schwarz für eine problematische Gruppe halte

Demonstration der „Frauen in Schwarz“

Letzte Woche wurde mir eine E-Mail weitergeleitet. Darin rief eine Gruppe, die sich „Frauen in Schwarz“ nennt, auf am Samstag 4.2.23 in Freiburg gegen den Ukraine Krieg zu demonstrieren. Eine löbliche Sache, denk man sich, erstmal.

Im Aufruf hieß es:

gegen Aufrüstung und Militarisierung protestieren und zu sofortigem Waffenstillstand und Verhandlungen aufrufen. (…) Für uns ist diese Aktionsform gut, um unsere Verzweiflung über das schreckliche Geschehen in der Ukraine und die todbringende Politik der Bundesregierung in ein wenig Handlungsfähigkeit umzusetzen.“

Frauen in Schwarz, Aufruf zur Demo am 4.2.23

Diese Formulierung verwunderte mich, so war im Aufruf keinerlei Kritik an der Politik der Russländische Föderation oder an Präsident Putin zu lesen. Die einzige konkrete Formulierung, war „todbringende Politik der Bundesregierung“.

Deshalb schrieb eine E-Mail (27.1.23) an die Gruppe und bat um Auskunft:

Mich verwundert nun ein wenig der Halbsatz: „die todbringende Politik der Bundesregierung“, nun habe ich im aktuellen Fall des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, nicht den Eindruck, dass sich die Bundesregierung in irgendeiner Weise besonders hervortut mit Waffenlieferungen und eher zurückhaltend agiert. Vielleicht könnten Sie diesen Satz ein wenig erklären?“

E-Mail des Autors am 27.1.23 an die „Frauen in Schwarz“

Darauf bekam ich von einer Person, die sich „Susanne“, nannte eine Antwort (29.1.23):

der Einsatz von deutschen Waffen und anderem Kriegsgerät in diesem Krieg führte bereits zu vielen toten und verwundeten Soldaten auf beiden Seiten sowie zu Toten und unermesslichem Leid auf Seiten der ukrainischen Zivilbevölkerung“, im weiteren folgten noch einige Phrasen: „Je mehr Kriegsgerät im Einsatz ist, je länger der Krieg dauert, desto größer wird das Risiko einer Eskalation, desto mehr verhärten die Positionen der Kriegsparteien. Wir Frauen in Schwarz stehen für das Leben – für das Leben heute wie auch für das Leben der nachfolgenden Generationen.“

Nun sind dies alles Sätze, die eben nicht aus sich heraus gelten. So ist ja durchaus denkbar, dass durch die Lieferung von genug Kriegsgerät eine Situation eintritt, in der die eine Seite einen entscheidenden Vorteil erlangt und es dann zu Friedensgesprächen kommt oder ein Konflikt auch ganz ohne Waffenlieferungen lange anhält, weil beide Seiten selbst genug Waffen haben oder herstellen können.

Da ja in dieser E-Mail auch eine Reihe von Behauptungen aufgestellt wurden und ich gerne dafür Belege oder Hinweise hätte, schrieb ich zurück (29.1.23). Schließlich wäre es ja ein Skandal, wenn mit Deutschen Waffen, die Ukraine angegriffen würde.

Ich fragte deshalb: „haben sie konkrete Berichte, wie entweder auf Seitens Russlands Deutsche Waffen genutzt werden oder wie Deutsche Waffen auf Seiten der Ukraine, die ukrainische Zivilbevölkerung töten?“

Da in der Antwort auch erwähnt wurde, dass die „Frauen in Schwarz“, eine Lösung des Konflikts anstrebten, bei der die „Sicherheitsinteressen aller beteiligten Staaten“ ernst genommen werden, fragte ich ebenfalls: „Können sie erklären, was genau die Sicherheitsinteressen der Ukraine ernst nehmen, in ihrer Meinung bedeuten würde? (…) Wäre ihren Forderungen nicht treffender an Russland gerichtet? So könnte ja die Regierung der Russländischen Föderation jederzeit den Krieg in der Ukraine beenden, indem sie ihre Truppen vom Staatsgebiet der Ukraine abzieht.“

Noch am gleichen Abend erhielt ich Antwort: „das tut mir leid, dass Sie so eine Menge weitere Fragen haben. Wir können darauf jedoch nicht weiter eingehen.“

Die Demonstration am 4.2.23

Am Samstag 4.2. beobachtete ich dann die Demonstration. 12 ältere Frauen, darunter etwa Renate Bert und auch „Susanne“ liefen im Kreis am Bertholdsbrunnen und hatten Schilder an. Daneben waren noch vier Männer, wie der ehemalige Vorsitzende des DGB Ortsvereins Freiburg Bernd Wagner.

Die Gugge gegenüber

Gegenüber spielte eine Fasnacht Blaskapelle und irgendwie war das ganze kaum als Kundgebung zu erkennen. Immer wieder liefen Passanten durch die Demo und schienen kaum Notiz zu nehmen.

Ich versuchte dann mit Susanne zu diskutieren, sagte dass ich auch Probleme habe eine Gruppe ernstzunehmen, die nicht mal einfache Fragen beantworten kann, die sich ja bei so einer Demo auftun. Darauf gab es keine Antwort. Man überlege sich seit einem Jahr, was man unternehmen könne und habe sich jetzt für diese Aktionsform entschieden.

Dabei wurde auch ein Handzettel verteilt, der zwar die 100 Mrd für die „Zeitenwende“ kritisiert und allgemein „den Krieg“, aber wenig Konkretes enthält.

Handzettel der verteilt wurde

Die Personen und der Aufruf klingen zwar durchaus ähnlich wie die Querdenker, die am Samstag ab 14:00 demonstriert haben, aber sie sind nicht Personenidentisch. Es handelt sich hier, nach meiner Einschätzung, um ältere, teils auch Friedensbewegte Frauen (und Männer), die eine Aktionsform von früher aufleben lassen, die aber auch in ihrer Analyse irgendwann so gegen 1988 stehen geblieben sind. Hier scheint auch eine gewisse Priese Antiamerikanismus und Orientalismus gegenüber der Ukraine ursächlich eine Rolle zu spielen.

Mir ist eine „Friedensdemo“ suspekt, bei der nicht klar benannt wird, wer verantwortlich für den Krieg ist: Die Russländische Föderation und ihr Präsident. An diesen sind klare Forderungen zu richten. Eine Demonstration, die sich das nicht traut oder im sprachlichen Raunen verbleibt, stellt sich auf die Seite des Aggressors.

Addendum:

Verteidigungsausgaben der Bundesrepublik Deutschland, seit Gründung der Bundeswehr (Grafik: BMVg, veröffentlicht in: Europäische Sicherheit & Technik 6/2019)

Military spending, percent of GDP, Germany,
SourceStockholm International Peace Research Institute

So ganz Schwurbelfrei scheint die Gruppe nicht zu sein. Ich konnte eine Unterhaltung zwischen einem Mitglied der Gruppe hören und einer Passantin, in der sich beklagt wurde, das sich das Friedensforum so stark fürs Impfen eingesetzt habe und man das irgendwie dem „Druck der Regierung“ zuschrieb.

BalkonSolar Buch

Rolf Behringer und unserer Fotograf, der uns bei der Arbeit unterstützt.

Seit einiger Zeit schreibe ich zusammen mit Rolf Behringer vom Verein Solare Zukunft an einem Buch über Balkonsolargeräte.

Über das Buch, welches im Ökobuch Verlag erscheinen wird, heißt es: „Selbsthilfe ist die beste Hilfe: Kleinanlagen bis 600 W (ca. 3 qm) können u?ber eine Schuko-Steckdose Strom einspeisen und liefern bis zu 500 kWh pro Jahr, die im Haus oder in der Wohnung genutzt werden können. Die Montage ist – mit diesem Ratgeber! – relativ einfach und der Anschluss ohne Genehmigung möglich; eine Anmeldung ist zwar notwendig, aber unkompliziert.

Es wird um Themen gehen:

  • Wie plane ich mein Balkonsolargerät
  • Upcycling: aus alten Solarmodulen ein neues Balkonsolargerät machen
  • Geschichte der (Solar)-Energie
  • Sicher Anbringen
  • Rechtliche Fragen
  • Energie intelligent nutzen
  • Strom, Leistung, Energie, Einheiten, Stromnetz
  • Solartisch

Das Buch soll im März erscheinen.

Pressefreiheit nur in homöopathischen Dosen?

Eine Freiburger Homöopathin versucht, den Blogger Sebastian Müller abzumahnen. Dieser wehrt sich gegen die SLAPP Klage gegen ihn und die Pressefreiheit im Allgemeinen. 

Müller: “Pressefreiheit gibt es nicht in homöopathischen Dosen. Wer fragwürdige Therapieformen bewirbt, der muss ertragen, dafür kritisiert zu werden.”

Die Freiburger Homöopathin Dr. med. Birgitt Montz versucht den Freiburger Blogger Sebastian Müller abzumahnen. Dieser hatte am 23.11.2022 (!) einen Beitrag über die bevorstehenden Wahlen zur Ärztekammer verfasst und auf die Verbindungen der Liste “hippokratischer Eid”  zur Querdenken Szene hingewiesen und die Listenverbindung “Intergrative Medizin” für ihre Nähe zur Homöopathie kritisiert.

Auf der Liste kandidierten Ärzte, die eine ganze Reihe von mindestens umstrittenen, teils sogar schädlichen, meist jedoch unwirksamen Therapien ohne Wirkungsnachweis bieten oder boten. Weitere Kandidaten hatten oder haben eigene Homöopathie Praxen oder sind als Dozenten im Bereich Homöopathie tätig.

Auch die Spitzenkandidatin, in ihrer inzwischen aufgegebenen Praxis entsprechende “Alternativmedizinische” Therapien wie z.B. Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin TCM, Akupunktur an.

Die “Liste integrative Medizin” ist mit der Anthroposophische Hufeland Gesellschaft verknüpft, auf ihrer Website finden sich deren Wahlprogramm.

“Mitglieder der (Hufeland-) Gesellschaft sind die wichtigsten und größten Ärztevereinigungen aus dem CAM-Bereich, im wissenschaftlichen Beirat sind nahezu alle prominenten Protagonisten der Szene versammelt. Zu den Fördermitgliedern gehören alle großen und viele kleinere Hersteller von Homöopathika, anthroposophischen Mitteln und zugehörigen Geräten. Erklärtes Ziel ist die politische Einflussnahme” (Zitat aus: https://www.homöopedia.eu/index.php?title=Artikel:Hufelandgesellschaft

In der auch formal zweifelhaften Abmahnung einer Freiburger Rechtsanwaltskanzlei wird verlangt Sebastian Müller solle unter anderem unterlassen zu behaupten, dass die Homöpathin Montz auch Heilmethoden anbietet, die gar nicht nachweislich wirksam seien. 

Beitrag bei Radio Dreieckland: Vorgehen gegen Anfeindungen seitens Querdenkern – Webaktivist Sebastian Müller zur Abmahnung durch eine homöopathische Ärztin

Beitrag zum Nachhören

Dazu sei aus Psiram zitiert: “Die zusammenfassende Endbewertung der Stiftung Warentest für die „Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)“ kommt zu folgendem Ergebnis: „[…] Die Wirksamkeit der TCM ist außer für Kopfschmerzen für keine andere Erkrankung belegt. Die Risiken sind erheblich. Den diagnostischen Techniken der TCM konnte keine Zuverlässigkeit bestätigt werden.” (https://www.psiram.com/de/index.php/Traditionelle_Chinesische_Medizin)

Auch die allgemeine Bezeichnung von Homöopathie, TCM und anderer “alternativer Behandlungsmethoden” als Schwurbel, sind nicht angreifbar und von der Meinungsfreiheit gedeckt.

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Bei den Omas gegen Rechts: Wie steht es um die Freiburger Querdenker

Den Desinformator haben mir die Omas gegen Rechts zum Dank für meinen Vortrag geschenkt

Am Donnerstag 19.01.23 war ich bei der Freiburger Ortsgruppe, der „Omas gegen Rechts“ eingeladen über die Freiburger Coronaleugner Szene zu referieren.

Mein Beitrag bestand im wesentlichen aus einem Vortrag, den ich ein wenig angepasst, schon bei der Senioren Union gehalten hatte. Das war im Oktober 2022 und seither hat sich in der Freiburger Querdenker Szene nicht mehr so viel getan.

Am 20.1.23 „erschien“ aber in einem Telegram Kanal eines Freiburger Querdenkers, der am Montag zuvor wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, eine umfassende Zusammenfassung bzw. nahezu stenographischer Bericht über meinen Vortrag. Es war nicht nur er im Raum, sondern auch noch ein Herr der sich als „Waldorflehrer“ vorstellte, aber die ganze Zeit auf seinem Handy rumtippte, daher ist es durchaus möglich, dass es eine Aufnahme gibt, die in irgendwelchen Telegramm Kanälen kursiert.

Nun war es so, dass die Omas und ich, von der Resonanz etwas überrascht waren und der Raum recht klein und das Publikum, ja durchaus eines dass der Risikogruppe entspricht und der Raum nicht gut zu lüften war. Spannenderweise hatte auch eine der Omas ein Maskenattest, das vermeintliche Attest des „Waldorflehrers“ wurde aber nicht geprüft. Und die Omas stimmten Basisdemokratisch darüber ab, das auch Menschen die keine Maske trügen im Raum bleiben durften.

Man möge sich fragen, warum jemand über Stunden ohne Maske auf Demonstrationen gehen kann, wenn durch die Maske dermaßen seine Atmung eingeschränkt sei, dass er noch nicht einmal damit Straßenbahn fahren kann.

Sebastian Müller beim Vortrag

Ich wies darauf hin, dass mit Meinrad S. auch mindestens eine Person im Raum sei, die der Querdenker Bewegung zuzuordnen ist und eben auch am letzten Montag wegen Volksverhetzung verurteilt – was aus meiner Sicht auch zum Schutz der Anwesenden nötig war. Daraufhin stand Malte S. auf, produzierte sich, stand auf und störte eigentlich die Veranstaltung. Die Omas brachten ihn dazu, sich wieder hinzusetzen und still zu verhalten.

Einige Punkte die im Telegramm etwas entstellt wiedergegeben werden:

  • Die Sinkende Anzahl betreibbarer Intensivbetten, sind dem Schwund von Pflegekräften (sog. Pflexit) geschuldet und nicht, dass man Intensivbetten abgebaut hat. Zudem ist nicht jedes kleine Krankenhaus in der Lage eine hochkranke Person zu versorgen. Deutschland hat immer noch mehr Intensivbetten als vergleichbare Industrieländer.
  • Die Maßnahmen der Regierung (Kontaktbeschränkungen, …) wirken nicht nur über die eigentlichen Maßnahmen, sondern haben auch kommunikativen Charakter, da die Menschen damit signalisiert bekommen „jetzt ist ernst, aufpassen“. Deswegen wirken Maßnahmen halt doppelt.
  • Menschen die mehrfach Corona bekommen, haben ein höheres Krankheitsrisiko.

Ganz empört waren die beiden Querdenker, dass die Impfung nicht vollständig gegen die Ansteckung schütze. Das war übrigens auch der einzige Einwand denn sie formulierten – zweimal mit Fragen bei denen immer der gefühlte Skandal, ganz empörend war. Übrigens eine Tatsache, die man ungefähr seit Mitte 2021 weiß und darum ja den Leuten nach wie vor zum Tragen von Masken rät.

Ja, die Impfung schütze vor Ansteckung, leider nicht so wie man es gerne hätte, dass sie einen selbst vollständig immunisiere aber erstens, sei der erkrankt Geimpfte weniger ansteckend, weil er weniger Viren produziere und zweitens trete bei den Geimpften die Symptome früher auf, weil der Körper früher in der Lage sei, Abwehrmechanismen zu entwickeln. Die so erkrankten Menschen würden somit früher die Symptome bemerken, sich früher Testen lassen und entsprechend früher Zuhause bleiben. Deshalb schütze die Impfung vor Ansteckung.

Quelle: Telegram „Freiburg- Berlin“ Mitschrift von Meinrad S.

Die Querdenker

Die Zusammensetzung der Freiburger Querdenker Protest-Szene.

Ich nenne sie nicht mehr Coronaleugner, da ein Großteil der Inhalte ihrer Demonstrationen, sich gar nicht mehr mit Corona und Schutzmaßnahmen beschäftigt, sondern sie andere Themen haben.

Gründe für den Rückgang der Beteiligung an den Demos:

  • der Schweizer Extremist Rimoldi und der Baden-Württembergische Rechtsextremist Fiechtner, die am 26. 3. könnten Maßnahmenkritiker aus dem gemäßigten Lager verprellt haben.
  • Ab Anfang April keine Maskenpflicht in vielen Bereichen mehr
  • Am 12. März wurde die Demo auf der blauen Brücke von der Polizei angehalten weil im hinteren Teil des Aufzuges fast keine Masken getragen wurden.
  • Am 19. 3.21 dann die kindische Reaktion mit „Maske weg auf dem Platz der alten Synagoe und daraufhin ein „Polizei -Kesselchen“, mit dann über 50 Bescheiden am Ende.
  • Am 26. 3. dann die Aktion einfach in mehreren Gruppen durch die Innenstadt zu laufen.

In Folge dieser Aktionen gab es jeweils Ermittlungen der Polizei und im Nachgang Bescheide des Ordnungsamts von mehreren Hundert Euro pro Verstoß und Aktion. Diese Repressionen dürfte auch einige davon abhalten, sich weiter zu beschäftigen. Es folgte seit Herbst 2022 eine Neuorientierung der Inhalte der Bewegung auf Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk und Ukrainekrieg. Beides sei jedoch nicht sonderlich erfolgreich gewesen.

Seit der Ausweitung, des russischen Angriffskriegs auf die gesamte Ukraine, geht es es ihnen nicht mehr nur um Corona, sondern um „Frieden“. Dabei haben sich durchaus Personen von der Bewegung abgewandt, die im Umfeld davon betroffen waren. Auch der Versuch sich hin zu pro-russischen Autokorso zu öffnen, schien nicht erfolgreich, diese sind auch als Aktionsform in Südbaden kaum mehr in Erscheinung getreten.

Ich gehe davon aus, dass der harte Kern der Querdenker Szene in Südbaden etwa 300 Personen umfasst.

Aufruf zur Demo am 4.2.23

Aktuell ist man mit Nationalpazifitischen Inhalten unterwegs und redet von Frieden, stellt sich aber durch die Forderungen auf die Seite des russischen Agressors. Das ist in sofern wenig verwunderlich, da die Coronaleugner Bewegung in Deutschland massiv von russischen Propagandamedien gespuscht wurde.

Dann gab es ein kleine Fragerunde, bei der die Omas, zuerst ihre eigenen Mitglieder dran kommen ließen – auch das empörte die beiden Querdenkerherren im Publikum.

Da gab es einige Fragen, auf die ich mich nicht vorbereitet hatte. Aber: Eine Coronainfektion schützt nicht vor einer weiteren Coronainfektion, besonders nicht vor einem neuen zumal mutierten Virus. Sie reduziert wahrscheinlich das Risiko von Long-Covid, aber sie schützt auch nicht davor.

„Bei den Omas gegen Rechts: Wie steht es um die Freiburger Querdenker“ weiterlesen

Leserbrief zu: Freiburgs Schulbürgermeisterin rät zum Stoßlüften, Fr, 18. November 2022

Sehr geehrte Damen und Herren,

Winter 2020, 2021 und 2022: Hätten wir doch im Sommer was vorbereitet für Schulen und Kitas.

Wieder streckt eine Erkrankungswelle Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser und andere wichtige öffentliche Einrichtungen nieder. Unterricht fällt aus, Kinder bleiben unbetreut, Behandlungen werden verschoben. Menschen werden vermeidbar krank und müßen ins Krankenhaus.

Neben dem Tragen von FFP2-Masken in Innenräumen ist eine einfache, kostengünstige und nachgewiesene Maßnahmen zum Schutz vor Krankheiten, die sich durch die Luft verbreiten, Räume mit Luftreinigern auszustatten.

Viele Landtage sind das bereits. Vor diesem Hintergrund wundert es, dass Frau Streif die Schulbürgermeisterin fragt: „im Nachhinein froh, keine energiefressenden Luftfilter für die Klassenräume angeschafft zu haben?“, und dann die Schulbürgermeisterin antwortet: „Tatsache ist, dass es bislang keine Evidenz dafür gibt, dass Luftfilter das Infektionsgeschehen beeinflussen. (…) Und ja, im Nachhinein hat sie sich als richtig erwiesen. Diesen Winter haben wir dadurch ein Problem weniger.“ Und zum Stoßlüften rät.

Stoßlüften im Winter braucht auch viel Energie. Es gibt seit Herbst 2020 haufenweise Anleitungen wie man Austauschanlagen mit geringen Kosten selbst bauen kann, etwa vom Max-Planck-Instituts für Chemie (https://www.mpg.de/15962809/corona-lueftung-aerosole-luft). Oder Luftfilter, wie die Corsi–Rosenthal Box (https://cleanaircrew.org/box-fan-filters/), ein einfacher Ventilator mit HEPA Filtern, der pro Einheit etwa 50 EUR kostet und im Betrieb 30 Watt braucht.

Der Nutzen der Geräte ist übrigens nachgewiesen. Entsprechende Studien und Berichte finden sich in: Nature 6.10.21 „Real-world data show that filters clean COVID-causing virus from air“ (https://www.nature.com/articles/d41586-021-02669-2), Clinical Infectious Diseases, Volume 75, Issue 1, 1 July 2022, Pages e97–e101,: „SARS-CoV-2 wurde in einer COVID-1) Station vor der Aktivierung der HEPA-Luftfiltration, aber nicht während des Filterbetriebs nachgewiesen; SARS-CoV-2 wurde nach der Deaktivierung des Filters erneut nachgewiesen“ (https://doi.org/10.1093/cid/ciab933).Oder auch in Science of The Total Environment, Volume 785, 1 September 2021: „Portable HEPA cleaners usage allowed the removal of SARS CoV-2“ (https://doi.org/10.1016/j.scitotenv.2021.147300).

Inzwischen gibt es Metastudien aus, etwa aus Neuseeland zur Wirksamkeit mobiler Luftfilter in Klassenräumen mit Fensterlüftung „The Performance of Portable HEPA Air Cleaners in Naturally Ventilated Classrooms – A Systematic Literature Review“ (https://temahau.govt.nz/covid-19/advice-schools-and-kura/ventilation-schools/covid-19-ventilation-research-and-studies) .

Ähnliche Ergebnisse gibt es aus Studien in Italien, oder auch Positionspapier der Deutschen Forschungsgemeinschaft den Einsatz von mobilen HEPA-Filtern als Pandemieschutzmaßnahme in Schulen empfohlen.

Es verwundert mich sehr, das Frau Streif, als bei der BZ für Bildungsfragen zuständige Redakteurin und die Bildungsbürgermeistern diese Studien nicht kennen.

Interview: https://www.badische-zeitung.de/freiburgs-schulbuergermeisterin-raet-zum-stosslueften–225200989.html

Erfahrungen mit Mastodon

Ich bin schon vor den aktuellen Wellen Mastodon beigetreten. Für den Volksverpetzer haben wir einen Einsteiger und Übersichtsartikel geschrieben, wie das mit Mastodon funktioniert. Eine nette Anleitung findet ihr auch hier. Oder natürlich direkt bei Mastodon auf Englisch.

Am Montag habe ich bei RDL Chaosradio auch ein wenig über die Themen informiert. Immerhin hat der CCC Freiburg, ja auch angekündigt von Twitter auf Mastodon umzusteigen.

Die Plattform war ihm 44 Milliarden Dollar Wert, umgerechnet 175 Euro pro Nutzerin bei angenommen 240 Mio. Nutzerinnen. Davon sehen diese natürlich nichts. Im Grunde sind die Nutzerinnen die heimlichen Twitter-Arbeiter – sie erschaffen den Wert der Plattform den dann die Werbenetzwerke abgreifen. Was Nutzerinnen allerdings spüren sind die vielen radikalen Veränderungen die mit der Übernahme einhergehen. Ein großer Teil rechtsoffener Menschen kehrt zu Twitter zurück, viele Compliance-, Moderationsstellen und IT Fachkräfte wurden entlassen oder mit völlig überzogenen Forderungen („80 Stunden Woche oder Kündigung“) massiv unter Druck gesetzt. (…)
Man ist schlicht nicht in der Lage alle Meldungen bezüglich Rechtsvertößen, Mobbing und handfesten Drohungen zu bearbeiten – weder bei Twitter, noch durch Deutsche Behörden, Polizei und Justiz.   Unser Fass zum überlaufen brachten Schlussendlich die Sperrung des Crimethinc Accounts, Bekannt durch Infohefte, Kommentare und eingängigen Zeichnungen zu Graswurzelbewegungen und Machtverhältnissen in westlichen Gesellschaften  (https://crimethinc.com/posters/das-pyramiden-schema-des-kapitalismus ). Twitter entstand als Werkzeug für eine Graswurzelbewegung um SMS schnell auszutauschen und Proteste zu organisieren. Crimethinc. hat am 12. November, kurz nach der Übernahme durch Elon Musk, genau daran erinnert. https://crimethinc.com/2022/10/28/the-billionaire-and-the-anarchists-tracing-twitter-from-its-roots-as-a-protest-tool-to-elon-musks-acquisition und wurde daraufhin gesperrt.

Pressemitteilung des CCC fr

Hier will ich noch ein paar zusätzliche Tipps geben für den Einstieg, Umstieg oder auch Aufstieg bei Mastodon.

Auf dem Mac trööte ich gerne direkt aus der Website, das finde ich bisher noch immer eine sehr gute Oberfläche. Es gibt aber ein Firefox-Addon, dass die Bedienung von Mastodon erheblich einfacher machen sollt und mit der neuen Version 4 funktioniert: Mastodon4-Redirect. Es zeigt Posts und Profile fremder Instanzen und macht folgen und teilen erheblich einfacher.

  • Man kann Trööts, im Gegensatz zu tweets editieren.
  • Mastodon feeds gibts auch als rss
  • Der Umgang mit „Content Warnungen“ ist ein anderer als auf twitter: „Use Content Warnings on anything that people may not want to read right now. It could be upsetting like violence or politics, mild like movie spoilers, but either way it shows empathy and consideration for strangers.“ sagt feditipps.

Für viele von uns wird es anders und ggf auch langweilig vorkommen, das ist weil Twitter – wie viele soziale Medien – optimiert wurde uns über Algorithmen die Dinge zu zeigen, die uns lange dort bleiben lassen.

Apps fürs Handy

Nachdem Bianca Kastl in einem Thread unterschiedliche Apps bewertet hat, habe ich toot ausprobiert. Es ist derzeit mein Lieblingsclient und ich hoffe er wird auch weiter entwickelt.

Man sollte bedenken: Es gibt aktuell nicht den einen iOS-Client für Mastodon, aber es gibt viele mit individuellen Stärken und Schwächen. Evtl. braucht es für bestimmte Zwecke daher vielleicht mehrere Clients auf dem Smartphone. Mastodon-Clients sind bisher eher so Nebenprojekte von Entwicklern.

App 1: die offizielle Mastodon iOS App 

im Store bei https://apps.apple.com/de/app/mastodon/id1571998974

Vorteile der offiziellen App: Sie ist relativ aktuell, hat einen “cleanen Look” und einen vereinfachter Funktionsumfang, sowie diverse Discovery-Funktionen (Beiträge, Hashtags). Das macht die App zum Einstieg und Reinschnuppern ganz hilfreich, aber für dauerhafte Nutzung hat sie Stand jetzt keine besonderen Funktionen. Für meien Accounts verwend eich sie und sie macht Spaß. (hier könnten ja die Prof Nutzer vom VVP auch was schreiben)

Die Nachteile der offiziellen App: Sie lässt Detailfunktionen vermissen und die Thread ist gerade komisch verbuggt, irgendwas stimmt mit der Sortierung nicht. Vielleicht bekommen sie es da noch hin. 

„Erfahrungen mit Mastodon“ weiterlesen

Mibu Vereinigung mit Erzengel Fahne unterwegs

22.10.22 Demo in Freiburg

Im Oktober tauchte in Freiburg zum ersten mal eine seltsame gelbe Fahne mit einem Bild des vier Adlern, wohl ein Symbol des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation und Darstellung einer Figur des Erzengel Michael, auf. Mit Auftauchen meine ich, es wurde rumgetragen auf einer Querdenker Demo.

Das ganze verwunderte ein wenig, weil das Symbol neu war und auch erst mal gar nicht zu erklären. Ein wenig googlen, nachdem man die Symbole identifiziert hatte, brachte dann ein wenig Aufklärung. Der Erzengel Michael gilt wohl bei bestimmten Reichsbürgern oder rechten Gruppen als Drachentöter, als Symbol gegen das Satanische, Materialismus, Aufklärung. Daher ist es also Anschlussfähig, möglicherweise sogar zu esoterischen Gruppen.

Darauf fing ein Freiburger Twitter Account wohl an, das ganze weiter zu untersuchen. Da derzeit die Gefahr besteht, dass diese Tweets verschwinden, möchte ich hier den Bericht wiedergeben.

Die Vereinigung nennt sich „Mibu“ und stammt aus Kenzingen, das ist ein kleiner Ort zwischen Emmendingen und Lahr in der Rheinebene. Der twitter Account fasst das ganze so zusammen: „rechten Vereinigung „Mibu“ aus #Kenzingen: Völkischer #Nationalismus, #Vaterland & Wunsch nach Kaiser. Ein Thread zu #AfD, #Nazis & #Piusbrüdern.“Bild

Auf der Website ist dann die Selbstbeschreibung zu finden, die spricht davon einen „Zusammenschluss von gleichgesinnten Männern zu bilden, denen das Ideal einer geistlichen Ritterschaft für Gott und Deutschland der Leitstern ist“

Und da sehen wir dann die Anschlussfähigkeit in Richtung der Freiburger AfD, von denen ja einzelne aber prominente Mitglieder auf Veranstaltungen der Piusbrüder mitlaufen und von der Rhetorik her auch – mindestens Reichsbürger Nähe und auch einen gewissen Revisionismus.

Im Impressum tauche: „Annelore Günther“ aus Dresden auf. Sie kandidierte dort 2014 für die AfD bei einer Ortschaftsratswahl und unterstützte die verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck. Dann werde auf der Seite des Mibu auf den „Seelenburg Verlag“ aus Rheinhausen, quasi gegenüber von Kenzingen verlinkt, ebenso wie in den Datenschutzbestimmungen. Und hinter diesem Verein, stecken wiederum die Piusbrüder.

Nun scheinen ähnliche Flaggen auch anderswo aufzutauchen.