Wehrdienst, Waffenlieferungen und Wir.

In Freiburg gab es diese Woche gleich zwei Podien in denen sich Politiker, Experten und dann auch Bürger:inen über den Krieg in der Ukraine, Einführung der Wehrpflicht und eigentlich auch viel über sich und die Befindlichkeiten ausgetauscht haben.

Die erste Veranstaltung war von Nadyne Saint-Cast von den Grünen: „Frieden & Sicherheit sichern – Wie gelingt uns das?“ und als Fragen: „Wehrpflicht? mit unserer starken Forschungslandschaft und Innovationskraft beitragen? Wie sicher sind wir heute?“, und unter dieser Vielzahl von Themen, über die man alle einen Abend lang hätte sprechen können, litt auch dieser Abend.

Toni Hofreiter war rhetorisch stark und auch inhaltlich sehr stark im Auftreten, außer ihm und Nadyne waren nur Männer auf dem Podium, Prof. Dr.-Ing. habil. Stefan Hiermaier, von dem man flapsig sagen würde er wäre eine Art Waffenforscher (Kleinsatelliten die Raketenstarts sehen können, aber mit klare militärischer Anwendung) und der Pressesprecher vom Landeskommando.

Auf dem Podium war man sich eher einig, die großen Kontroversen des Abends blieben aus, Publikum schien auch eher so grünes Umfeld und Soldaten bzw. Soldatenmütter zu sein. Die meldete sich und sagte: “Ich habe mich damals als Sport LK gefragt, warum ich nicht darf“, und heute sei ihr Sohn bei der Bundeswehr: „Mein Sohn hat in der Grundausbildung 13 kg abgenommen, weil es abends kein warmes Essen gab, ich muss die Abzeichen annähen und die Zelte zusammen. Außerdem gibt es in der Kaserne keine Waschmaschine und keine Trockner.“

Im Gewerkschaftshaus ging es dann schon kontroverser zu, auf Einladung des DGB Ortsvereins diskutierten Vinzenz Glaser, Linkspartei MdB, Klaus Thomas Schüle, CDU Stadtrat, Johannes Fechner SPD MdB und Tobias Pflüger, auch Linkspartei aber hier als Informationsstelle Militarisierung zum Thema „Zwischen Sozialabbau und Aufrüstung“.

Es waren ca 100 Menschen im Raum, die Verteilung der Sympathien war klar: alte Menschen aus der Freiburger Friedensbewegung, Gewerkschaftler und Linkspartei Anhänger klatschen bei Glaser und Pflüger, Junge Union, Ukrainesolidarische klatschen bei der Schüle und Fechner.

Pflüger startete erstmal mit einer Spitze: „Carlo Massalh, eine der Plaudertaschen aus dem Fernsehen“, der den Deutschen quasi einredete das es eine große Kriegsgefahr gäbe. Seine Grundthese klar: Weil das ganze Geld in die Rüstung geht, gibt es jetzt Sozialabbau und die gesamte Gesellschaft wird durch Militarisiert. Davon rückte er den ganzen Abend nicht ab und man wollte ihn Fragen: Ist diese Militarisierung jetzt im Raum. Außerdem sei die NATO schon jetzt Russland eh überlegen, Krieg schlecht fürs Klima und die Fridays täten nix.

Schüle fing an bei Robert Schuman, kam dann zu „Das erste mal seit 3000 Jahren deutscher Geschichte (sic!) haben wir Frieden zwischen Frankreich und Deutschland.“ Und war den Rest des Abends fest auf der Seite der Ukraine und Israels. Kritisierte das Schlingern von Glaser beim Existenzrecht Israels und der Freiburger Linkspartei. Immer wieder erinnerte an das Maß der Rüstungsausgaben bei Willy Brandt. Auch wenn ich inhaltlich viel bei ihm war, fand ich einige der Beiträge sehr phrasenhaft.

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Im Phrasendreschen stand im Vinzent Glaser, selbst Außenpolitischer Sprecher der Linkspartei Bundestagsfraktion mit Master in Friedenspädagogik. „Brauchen mehr Geld für Klimaschutz, Soziales, etc… das ist die Vorraussetung für echte Sicherheit. Sicherheit bedeutet auch am Arbeitsplatz abgesichert zu sein. Viele Menschen meines Alters fühlen sich nicht sicher angesichts des steigenden Rentenalters, Angriff auf 8 h Tag, …“ – Intellektuell war ich angesichts der Oberflächlichkeit häufig enttäuscht. Irgendwann gab es dann noch einen Hahnenkampf zwischen Schüle und Glaser, die sich gegenseitig vorwarfen sich zu unterbrechen. Glaser hatte bei der Friedensbewegung, die er rhetorisch bediente Heimspiel, die das auch goutierte aber substantielle Antworten, über keine Waffenlieferungen, keine Wehrpflicht und Phrasen direkt aus der Linkspartei Zentrale kamen leider nicht.

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Palantir Beschluss im Landtag: keine Enttäuschung, aber dennoch schlecht

Meine Enttäuschung über die gestrige namentliche Landtags Abstimmung zu Polizeigesetz & Palantir hält sich in Grenzen. Das Ergebnis war zu erwarten. Dennoch ist es nicht das was ich mir erhofft hatte.

Für uns Mitglieder Grünen in Baden-Württemberg: Jetzt gibt es die entsprechenden Anträge bei der LandesDelegiertenKonferenz zu unterstützen.

Es ist aber mehr als ein Konflikt unter Grünen! Daher kann und sollte man das Thema auch gegenüber CDU Abgeordneten oder FDP Kandidierenden anbringen. Fragen bei Veranstaltungen sind effektiver als Emails, die sich per Textbaustein beantworten lassen.

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Ich danke allen die uns geholfen haben, etwa im Bündnis Kein Palantir BW. Ich danke besonders den Experten die uns geholfen haben: Manuel Atug (CCC Köln), Stefan Leibfarth vom CCC Stuttgart und Constanze Kurz vom CCC Berlin sowie Netzpolitik.org.


In seiner Landtagsrede hat Innenminister Strobel das Wort Palantir nicht erwähnt und immer nur von VeRa gesprochen. Aber dafür so ziemlich alle Terroranschläge von Bataclan über Magdeburg (war ein AfD Anhänger), München (war auch rechte Ideologie), Solingen und Mannheim erwähnt und KinderXXX und wer gegen Gotha ist, sei ja auch irgendwie gegen „unsere Polizei“.

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Ich möchte es bei dem Thema allerdings etwas ruhiger angehen lassen und mich auf die Arbeit beim BalkonSolar Verein konzentrieren.

Valentin Wember bei der Christengemeinschaft Stuttgart-Möhringen

Veranstaltungsankündigung

Am Donnerstag war ich nicht nur im Landtag, sondern auch in einer Veranstaltung der Christengemeinschaft Stuttgart Möhringen von Valentin Wember, dessen Buch über den Ukraine Krieg ich hier auch schon besprochen habe.

Im Raum waren ca 50 Menschen, alle sicher 50 oder älter. Vom Aussehen könnten sie auch in einer Bürgerinitiative oder Publikum bei einem evangelischen Kirchentag sein, alle gut angezogen und sicher nicht arm. Der Raum war geschmackvoll in leichtem Rosa, Naturstein und Holz eingerichtet.

An einem Rednerpult stand Dr. Valentin Wember, Anzug, Krawatte, blaues Hemd. Man könnte meinen er ist Landtagsabgeordneter oder älterer Mitarbeiter bei einem Bürgermeister oder einer kleinen Bank.

Ich dachte, ja beim Vortrag und Seminar würde es sich um ein Vortrag/Seminar handeln, bei dem es im engeren Sinne um den Ukraine Krieg geht, sprich es werden irgendwelche Inhalte, vielleicht sogar Fakten, über den Krieg vermittelt und dann diskutiert. Die Grundlage im Sinne des Buchs gäbe es ja.

Die Veranstaltung am Donnerstag war ja nur der erste Teil und wurde am Freitag abend und Samstag morgen fortgesetzt, da war ich nicht da, sondern in Köln bei den Grünen. Das ganze war also nur der Auftakt.

Nach seinen Angaben, diente der Abend als Versuch die Grundlage zu legen zum Reden über den Ukraine Krieg. Gut aber, dass es bei Steiner schon eine Lösung gibt: “Wie soll man darüber sprechen, wenn täglich 1000 Menschen sterben… Währen des ersten Weltkiegs hat Steiner mit zwei Sprüchen eingeleitet. An die im Felde stehenden und an die im Felde gefallen. Viele kennen diese Sprüche.”

hohepriesterliches Gebet

Also begann er mit einem Text aus dem Johannesevangelium (bzw. Steiner hat diesen Originaltext stark verändert, er ist also nicht Teil der Standardübersetzung der Bibel, dem hohepriesterliche Gebet), den Steiner für die zwei Sakramente: „Letzte Öhlung“ und „Konfirmation“ vorgesehen habe, das hohe Priesterliche Gebet aus Johannes Kap 17, den Text hat er dann auch mehrfach vorgetragen, durchaus rhetorisch eindrucksvoll. Ich habe aber den gleichen Bibel Text so nicht gefunden, aber in anthroposophischen Quellen findet er sich.

Dann wurde dieser Text interpretiert. Er erzählte wie er über Musik zu diesem Text Zugang gefunden habe.

Lebermetapher

Es ging dann weiter mit einer seltsamen Lebermetapher: „Die Leber ist ein wunderbares Organ, sie produziert die Proteine, sie versorgt den Menschen mit Glucose, sie speichert auch die Vitamine. Ihr Leber Leben Lang. Umgekehrt hat die Leber über eine winzig kleine Arterie die Nährstoffe, die sie braucht.
Die Leber findet ihr Glück und ihre Erfüllung darin, für den Organismus die Proteine zu produzieren. Die Leber käme nicht auf die Idee zu sagen der Sauerstoff ist cool, ich wäre gerne Sauerstoff Millionär (…) ich sag auch ich verdiene das. Keine einzige Leber würde so sprechen. Das gilt für alle Organe. Sie arbeiten alle für das ganze… Das gilt auch für die Sinnesorgane, kein Auge sieht sich selbst.“
– Das kam mir auch seltsam vor, wenn mit einem Spiegel sieht es sich ja selbst – „Wenn das der Fall ist hat man ein Problem. Die Sinnesorgan sind zu 100% selbstlos. Das kosmische Prinzip der Selbstlosigkeit ist in den Sinnesorganen und Lebensorten bereits zu 100% inkarniert.“

Übrigens finde man dieses Lebersein, dann häufig bei Waldorfschülern die Projekt fokussiert arbeiten würden und über diesen die Arbeitszeit nicht beachten würden.

Dreigliederung statt Krieg

„Wenn die Leute anders erzogen wären, dann käme man nicht auf die Idee ein anderes Land zu erobern. Dann würde man denken: Die Rohstoffe gehörten Mutter Erde und Mutter Erde erwartet von uns, das wir geschwisterlich damit umgehen“.

Irgendwie schien die Metabotschaft hier: Wenn nur alle Leute im Sinne der Dreigliederung mit einem „freien Geistesleben“, das ist so ein Waldorfkonzept, ohne Übergriffe des Staates oder der Wirtschaft in die Bildung erzogen worden wären, dann gäbe es solche Kriege nicht. Das Schlagwort war die „Lebermentalität“. Aber die Staaten der Welt wollten kein freies Geistesleben, der erste Sündenfall wäre da der „Militärstaat Preußen“ gewesen, das ein staatliches Schulsystem errichtet hätte um Soldaten und Offiziere zu gewinnen. Auch da würde man sagen, ist nicht komplett falsch, aber die Einführung von allgemeiner Schulpflicht und eines staatlichen Schulsystems in den meisten Staaten Europas, war dann doch etwas komplexer.

Beide Motive, das der zweite Weltkrieg nicht gekommen wären, wenn man den Staat nach dem Vorbild der Dreigliederung organisiert hätte und die „Befreiung“ der Bildung von Demokratischer Kontrolle, kommen immer wieder bei den Antros vor.

Wird z.B. das Geistesleben durch Demokratie und Wissenschaft eingeschränkt, komme dies laut Steiner einer “Unterdrückung des Geistes” gleich und dies würde zu Revolten und gesellschaftlichen Erschütterungen – wie dem 1. Weltkrieg führen. Damals wie heute behaupten Anthroposoph*innen, dass gesellschaftliche Probleme, Krisen & Kriege nach Rudolf Steiner auf einen ‚kranken sozialen Organismus‘ zurückzuführen wären, weil im gesellschaftlichen System, die spirituellen Gesetzmäßigkeiten der angeblich ’naturgemäßen Dreigliederung‘ nicht berücksichtigt wurden. Von Anthroposoph*innen wird Steiners Idee der Sozialen Dreigliederung gerne zur Heilslehre verklärt, durch deren „konstruktive Annahme in den 1920er Jahren“ z.B. auch „die Katastrophe der Terrorherrschaft der Nazis & der 2. Weltkrieg“ hätte vermieden werden können

Gut analysiert hier: https://qrexrecherche.noblogs.org/post/2025/11/09/anthroposophie-rechtsaussen-anthro-verlag-auf-rechter-buchmesse-seitenwechsel/

Faschismus oder Demokratie, irgendwie das gleiche

Erschrocken hat mich dann eine Äußerung vom Wember, die im Anschluss folgte: Unter einem übergeordneten Gesichtspunkt machen doch die Staaten alle das gleiche: “Ist doch das beste für ein Kind wenn es ein guter Demokrat wird oder Kommunist oder Faschist.” Und das sei übergriffig, denn der Mensch dürfe nie Mittel zum Zweck sein.

Wie Demokratische Erziehung bzw. die Vorbereitung die Verzweckung des Menschen sein könnte, wurde nicht klar und die Pädagogen die hinter diesen Konzepten stehen, würden das auch ablehnen.

Am Ende dieses Vortrags, der irgendwo bei religiösen Texten Anfing, gab es dann doch noch einen Schwenk in Richtung Ukraine Krieg: Beim Krieg ginge es Selenskyj und Trump um Bodenschätze, vor allem um die sehr guten Schwarzerde Böden der Ukraine.

Man solle beim Konflikt nicht fragen: „Wer ist der Böse? Hältst du zur NATO oder zur Russland?“ Das seien Kindergartenfragen und beide nähmen sich nicht viel im Verhalten. Hier geht mir natürlich der Hut hoch, es ist ja nicht die NATO, die die Ukraine angegriffen hat, sondern Russland, dass einen imperialen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine führt.

Und dann wurde es richtig heiß, Wember berichtete: „Wenn jemand in einem meiner Bücher etwas NATO kritisches liest, dann ist man ganz schnell ein Rechtsradikaler oder ein NAZI, das passiert mir jede Woche. Wenn ich dann in einer Schule spreche, wird die Schule unter Druck gesetzt.“, sich damit abzugeben sei aber reine Zeitverschwendung.

Früher hätte ich Ulrike Meinhof versteckt.“

Denn früher, „Früher hätte ich Ulrike Meinhof versteckt.“, was irgendwie wohl ein Qualitätsmerkmal sein sollte und spannend klingt, denn Wember ist 1957 geboren, Meinhof starb 1976, daher hätte er das als 18-jähriger machen müssen.

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Wie war’s beim Petitionsausschuss in Stuttgart?

Am Donnerstag war ich beim Petitionsausschuss in Stuttgart und habe als Haupt-Petent, stellvertretend für die 13474 Mitzeichnende vorgetragen. Inzwischen ist die Petition unter „Petitionen in der Prüfung“ gelistet.

Interview bei RDL zur Anhörung im Petitionsauschuss (zum nach hören): https://rdl.de/beitrag/wie-lief-es-im-petitionsauschuss-des-landtag-baden-w-rttemberg-sebastian-m-ller

Der Ausschuss hat auch eine Pressemitteilung herausgegeben, die erklärt, dass untermittelbar nach meiner Anhörung in der nicht öffentlichen Sitzung der Petitionsausschuss mehrheitlich beschlossen habe, die Petition der Regierung als Material zu überweisen. Ich gehe davon aus, dass ich dann irgendwann mitgeteilt bekommen werde, das meiner Petition nicht abgeholfen werden kann. Außer, der Landtag würde, wieder erwarten, den vorliegenden Gesetzesentwurf so verändern, das Palantir oder gar keine ontologische Datenanalyse Software genutzt werden kann.

Bei der Anhörung gab zunächst der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg, Prof. Dr. Tobias Keber, ein Statement ab, das war das erste mal, dass er als Person angehört wurde, bei der Jubelanhörung im Innenausschuss war er nicht eingeladen worden. Keber äußerte sich kritisch zum Gesetzentwurf der Landesregierung zum Polizeigesetz und bemerkte, dass die flankierende Verwaltungsvorschrift noch nicht vorliege. Keber erklärte, die neue Vorschrift zum Data Mining im Polizeigesetz nicht vollständig im Einklang mit den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts. Er legte seine Bedenken dar. Letztlich sei es wichtig, Freiheit und Sicherheit nicht gegeneinander auszuspielen.

Dann durfte ich fünf Minuten vortragen, meinen Vortrag und die ganze Anhörung kann man auf der Landtagswebsite anschauen und auch nachlesen. Dann trug die Landespolizeipräsidentin vor.

Was dann im Ausschuss folgte lief so: Abgeordnete stellen Fragen. Teils drei auf einmal, teils mit langen Vorreden, die wurden dann irgendwie gesammelt. Gesammelt bedeutet, dann bekommen alle die sich melden noch mal das Wort und dürfen Dinge sagen. Dieses Verfahren: Alle Abgeordneten fragen reih um, dann darf jeder was sagen führt dann aber halt auch dazu, das ganz viele Fragen auch einfach untergehen oder etwa die Polizeipräsidenten gefragt werden, wie sie mit der Sicherheitsüberprüfung von Ausländern umgehen die als Palantir Mitarbeiter Zugriff auf die Daten haben könnten – durchaus ein wichtiger Punkt, obwohl der stark von der AfD kam – und dann irgendwas erzählen, dass sie als Geheimnisträger nicht einfach nach China reisen dürfen.

Polizeipräsident, der Petent, daneben Stefan Leibfarth vom CCC Stuttgart, daneben der Landesdatenschutzbeauftragte und eine Mitarbeitende

Ich konnte mir auch des Eindrucks nicht verwehren, dass man bei der CDU sehr auf Stilfragen bedacht war und gerne entsprechende Anlässe aufnahm um sich nicht zur Sache zu äußern und auch sehr gerne lange sprach um so irgendwie Zeit zu schinden, damit weniger Zeit für die Antworten der Petenten bleibt.

Für Alle die in Zukunft dieses Instrument nutzen wollen: Damit man gehört wird, muss man sich im Ausschuss aktiv melden und auch schauen das man zu Wort kommt.

Wir haben es immerhin geschafft, durch unsere Anhörung und das Mitbringen von Experten, einen Contrapunkt zur Jubelanhörung zu setzen.

Je mehr Anhörungen es gibt, desto mehr kommt dann auch raus und auch raus wo die offenen Punkte liegen und viele bleiben nach wie vor offen:

Die Prüfung der Gotham Software durch das Fraunhofer Institut wurde in der Sitzung und davor mehrmals genannt und betont das ja hier rauskam, dass die Software keine Hintertüren hat. Das ist wie von Manuel Atug bereits erwähnt das ein Trugschluß: Um Klarheit u schaffen müsste das Innenminsterium Pen-Tester (Penetration Tester) befragen auf was und natürlich auch offenlegen wie was geprüft wurde. Aus der Aussagen von Frau Dr. Hinz wird klar, dass die Expertise natürlich hier auch zu fehlen scheint. Hinzuzufügen ist ja noch, dass die Mitarbeiter von Palantir es sind, die die Updates und Änderung vornehmen. Daher, selbst wenn in allen Schritten die Polizei selbst oder das Fraunhofer Institut jedes Mal eine Quellcodeprüfung durchführen würde, dann wäre hier immer noch gewährt, dass nichts eingespeist wird und das auch keine Daten ausgeleitet werden.

Petent und Unterstützer

Richtig geklärt bzw. beantwortet wurden die Fragen nach dem Cloud auch nicht. Hier führt die Polizei bzw. das Innenministerium immer aus, das es keinen Zugriff auf die Daten geben könne – denn die Daten lägen ja bei der hessischen Polizei, das sei nur über das abgetrennte Netz der Polizei zugänglich und den Vertrag hätte man ja mit der deutschen GmbH.

Ein abgetrenntes Netz ist nur dann abgetrennt, wenn es nirgends angebunden ist. Sobald eine Datenpipeline gebaut wird ist damit die Abtrennung nicht mehr vorhanden. Es mag sein, dass die Datenpipelines gegenüber dem Internet abgetrennt sind, wie das immer betont wird, aber Einspeisung von Daten bzw. Bau der Datenpipeline wird von Palantir Mitarbeitern durchgeführt und die Updates werden wohl durch Palantir Mitarbeiter stattfindet. Palantir hat hier ein riesiges Interesse diese Daten aus dem deutschen Netz zu entnehmen um ihren eigenen KI-Systeme zu trainieren, auch um die Stellung als Marktführer zu verteidigen.

Das könne man irgendwie umgehen, denn die ganzen Palantir Mitarbeiter, die man an das System lässt hätten ja eine Sicherheitsüberprüfung. Aber, wenn man den Berichten glauben schenkt, dann kommen ja viele dieser Mitarbeiter aus dem (nicht europäischen) Ausland, und selbst auf die mehrfache Frage, wurde nicht klar, wie das mit der Sicherheitsprüfung bei diesen laufen würde. Möglicherweise unterliegen diese dann in den Heimatländern, ganz anderen Pflichten.

Erstaunt war ich, als das Thema „Daten aus dem Internet“ aufkam. Die Polizisten vor Ort, betonten Daten könnten nicht aus dem Internet eingelesen werden. Das System sei ja gar nicht damit verbunden. Im neuen § 47a stehe auch: „(2)…  Eine direkte Anbindung der Analyseplattform an Internetdienste ist unzulässig.“ Aber in (3) steht dann: „sowie einzelne gesondert gespeicherte Daten aus Internetquellen können ergänzend einbezogen werden, soweit dies im Einzelfall erforderlich ist.“

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Anhörung der öffentlichen Petitionen „Keine Nutzung der Software „Gotham“ von Palantir in Baden-Württemberg“ am Do, 6. November 2025, 13:00

Eingangsbeitrag von Sebastian Müller

Anhörung zu Der öffentlichen Petitionen von Herrn Sebastian Müller:
„Keine Nutzung der Software „Gotham“ von Palantir in Baden-Württemberg“ (Petitionsnummer 17/4192i)
Do, 6. November 2025, 13:00 Uhr, Elly-Heuss-Knapp-Saal

Eingangsbeitrag von Sebastian Müller

(es gilt das gesprochene Wort)

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
sehr geehrter Herr Vorsitzender,

vielen Dank, dass wir heute, noch vor der dritten Lesung des Polizeigesetzes im Petitionsausschuss die Möglichkeit haben, die erste Online-Petition in Baden-Württemberg, die in einer Woche von mehr als 10.000 Baden-Württemberger:innen mitgezeichnet wurde, vorzustellen. Dieses außergewöhnliche Interesse zeigt, wie wichtig dieses Thema den Menschen in Baden-Württemberg ist. Und zeigt auch wie wichtig das Instrument der Online Petition ist.ii

Der Präsident des Präsidiums für Technik war nicht immer begeistert.

Ich bin Sebastian Mülleriii Mitglied des CCC Freiburg. Neben mir sind als Experten Herr Manuel HonkHase Atugiv vom CCC Köln, Stefan Leibfarthv vom CCC Stuttgartvi dabei.

Grundsätzlich sehen wir, dass es bei der Entscheidung für Palantir darum geht, unsere Strafverfolgungsbehörden und ihre Arbeitsweisen zu modernisieren. Dieses Anliegen ist gut und richtig.vii

Der richtige Weg wäre allerdings gewesen, zunächst die Anforderungen für eine Datenanalyse Software dieser Art festzulegen, dafür dann eine verfassungskonforme Rechtsgrundlage zu schaffen und anschließend gemäß dieser Vorgaben selber zu entwickeln oder auszuschreiben. 

Mein Eingangsstament

Die geplante Nutzung von Software wie Palantir oder vergleichbarer Alternativen, die ontologische Datenmodelle nutzt, ist offensichtlich verfassungswidrig.viii

Zur Nutzung müssen Mitarbeitende von Palantir sogenannte Daten-Pipelines bauen. Diese Daten-Pipelines lesen aus den bestehenden Polizei-Datenbanken kontinuierliche alle Informationen aus und speisen diese strukturiert in Palantir Gotham als Datenbasis ein.

Daten aus diesen polizeilichen Datenbanken wurden allerdings mit strenger Zweckbindung erhoben, beispielsweise Zeugendaten und -aussagen und dürfen nicht ohne weiteres anderweitig genutzt bzw. zweckentfremdet missbraucht werden.

Zum Anschauen auf der Website des Landtags: https://www.landtag-bw.de/de/mediathek/videos/oea-peta-vom-6-november-2025-602650

Durch das kontinuierliche und strukturierte Einspeisen aller Daten in Palantir stellt diese Form der Verarbeitung eine Rasterfahndung by Design und Default dar.

Die Zweckbindung der Daten muss vor Einspeisung in die Daten-Pipelines von Palantir vorgenommen werden. Daher ist eine Klassifizierung der Daten in allen Polizeilichen Datenbanken der Strafverfolgungsbehörden vor einem solchen Softwareeinsatz vorzunehmen und nur verfassungsrechtlich legitimierte Daten dürfen in ein automatisches Datenanalyse und -Recherchesystem überführt werden. 

Dies muss sowohl gesetzlich als auch technisch sichergestellt werden, anderenfalls bleibt der offensichtlich verfassungswidrige Zustand erhalten, selbst bei Einsatz von alternativen Lösungen.ix

Diese Daten-Pipelines werden des Weiteren nicht von den Strafverfolgungsbehörden selber, sondern von Mitarbeitenden von Palantir entwickelt und gepflegt. Dadurch haben diese Palantir-Mitarbeitenden Zugriff auf die Verarbeitungslogik als auch auf die Daten selbst.

Manuel Atug

Palantir setzt wie erwähnt sog. Ontologie ein, um die Daten der Strafverfolgungsbehörden mittels Daten-Pipelines kontinuierlich in die eigene Datenbasis zu integrieren. Ontologie steht dabei für ein formales Bedeutungsmodell, das definiert, wie Daten des jeweiligen LKAs verstanden, verknüpft und im operativen nutzbar gemacht werden.x

Beispiel: Es wird ein Mensch als semantisches Objekt angelegt, dem ein Name und ein Geburtsdatum als Merkmal zugeordnet wird. Aber eben auch eine Tätowierung, eine Narbe, Fotos und Videos oder Fallaktennummern. Darüber hinaus auch ein Fahrzeug, dem das Kennzeichen, die Marke und Farbe als Merkmale zugeordnet werden. Und ein Handy, die Nummer und damit auch alle Kommunikationen und Kommunikationspartnerinnen dieser Nummer.

Das alles ist als Beziehungsgeflecht der Objekte und Merkmale in Palantir visualisiert und umgehend verfügbar. Mit allen Daten aus allen Datenbanken, die in Palantir eingespeist wurden. Auch, wenn diese verfassungsmäßig nicht von der Strafverfolgungsbehörde hätten verarbeitet werden dürfen. Faktisch wird damit nicht nur eine Rasterfahndung standardmäßig implementiert und die Zweckbindung aufgehoben, sondern auch das verfassungsmäßige Trennungsgebot unterwandert und aufgehoben.

Nach der Anhörung

Datengetriebene Entscheidungen und Prozesse der Strafverfolgungsbehörden, die auf diesen Beziehungsgeflechten in Palantir oder gleichwertigen Alternativen basieren, verändern sogar die Arbeitsweise eines Landeskriminalämtern. NRW und Bayern haben öffentlich Ihre Abhängigkeit von Palantir kommuniziert.xi

Bei einer vorgesehenen Nutzung von Palantir Gotham kommen noch zwei weitere konkrete Gefährdungen hinzu: Es ist ein Produkt aus den USA und es ist ein Produkt der Firma Palantir.

Das Editorial Board der New York Times hat am 31.10.2025 festgestellt: Die Vereinigten Staaten sind heute keine Autokratie. Sie verfügen immer noch über eine weitgehend freie Presse und eine unabhängige Justiz, (…) Doch sie haben einen antidemokratischen Weg eingeschlagen.xii

Eine autoritäre USA können auf dem Papier Verbündete von Staaten wie dem unseren mit freiheitlich demokratischer Grundordnung sein, sie sind aber in Wahrheit mindestens systematische Rivalenxiii demokratischer Staatswesen. Wir dürfen unsere kritische Infrastruktur – das ist auch die Software in unseren Behörden als KRITIS Sektor Staat und Verwaltung – nicht von Ihnen abhängig machen.

Danke an alle die mich begleitet haben

Gründer und Mitinhaber der Firma Palantir ist Peter Thiel, ein erklärter Feind der Demokratie und in meinen Augen bekennender Faschist.xiv Auch der Geschäftsführer Alex Karp äußert sich anti-demokratisch und teilt mit, dass Feinde von USA – auch durch den Einsatz der Palantir Software – getötet werden müssen.xv Das disqualifiziert die Firma als Partner für die öffentliche Verwaltung einer Demokratie.

Deshalb, so wollen es die Unterzeichner, soll durch fachlich versierte und darauf spezialisierte Rechtsanwälte geprüft werden, welche Optionen es zum Kündigen der Verträge gibt, von denen wir nicht mal wissen, welchem Gerichtsstand sie unterliegen. 

Und deshalb ist es heute an der Zeit, auch das ist Teil der Petition, unsere gesamte Software im Bereich der kritischen Infrastrukturen auf freie Software umzustellen, über die wir die vollständige Kontrolle haben, diese verfassungskonform einzusetzen.

Alles andere gefährdet die nationale Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und unsere Freiheitlich Demokratische Grundordnung. 

„Anhörung der öffentlichen Petitionen „Keine Nutzung der Software „Gotham“ von Palantir in Baden-Württemberg“ am Do, 6. November 2025, 13:00“ weiterlesen

Anhörung der Petition gegen Palantir am 06.11. im Landtag, bereits über 13.000 Unterzeichnende

Stuttgart, 04.11.2025 – Die Online-Petition „Keine Nutzung der Software ‚Gotham‘ von Palantir in Baden-Württemberg“ (Az.: 17/04192), veröffentlicht am 14. Oktober 2025, erreichte bereits am 19. Oktober die für eine Anhörung notwendige Zahl von 10.000 Unterschriften und wurde nach drei Wochen bereits von 13.000 Menschen auf der Website des Landtags unterzeichnet.

Die Anhörung findet am Donnerstag, 06. November 2025 um 13:00 Uhr im Petitionsausschuss des Landtags im Elly-Heuss-Knapp-Saal statt.

Zugang über Bürger- und Medienzentrum, Konrad-Adenauer-Straße 3, Stuttgart.

Petent Sebastian Müller freut sich: “In nur drei Wochen haben bereits über 13.000 Menschen auf der Landtagswebsite unsere Petition gegen den verfassungswidrigen Einsatz der Überwachungssoftware Gotham der Firma Palantir und damit ein klares Zeichen an alle Landtagsfraktionen gesendet. In der Anhörung bekommen wir die Gelegenheit den Landtagsfraktionen unsere Argumente gegen den Einsatz von Gotham darzulegen.”

Der gesamte Landtag sei jetzt gefordert, die Petition im weiteren Gesetzgebungsprozess zu beachten. Falls nötig, müssten die Beratungen gestreckt werden, damit öffentliche Beteiligung nicht nur formal, sondern wirksam möglich sei, forderte Müller.

Bei der öffentlichen Anhörung werden neben Hauptpetent Sebastian Müller, auch Manuel Atug (IT Sicherheitsexperte), Stefan Leibfahrt vom Chaos Computer Club Stuttgart und der Landesdatenschnutzbeauftragte Prof. Dr. Keber den Abgeordneten zur Verfügung stehen.

„Anhörung der Petition gegen Palantir am 06.11. im Landtag, bereits über 13.000 Unterzeichnende“ weiterlesen