In Freiburg gab es diese Woche gleich zwei Podien in denen sich Politiker, Experten und dann auch Bürger:inen über den Krieg in der Ukraine, Einführung der Wehrpflicht und eigentlich auch viel über sich und die Befindlichkeiten ausgetauscht haben.

Die erste Veranstaltung war von Nadyne Saint-Cast von den Grünen: „Frieden & Sicherheit sichern – Wie gelingt uns das?“ und als Fragen: „Wehrpflicht? mit unserer starken Forschungslandschaft und Innovationskraft beitragen? Wie sicher sind wir heute?“, und unter dieser Vielzahl von Themen, über die man alle einen Abend lang hätte sprechen können, litt auch dieser Abend.
Toni Hofreiter war rhetorisch stark und auch inhaltlich sehr stark im Auftreten, außer ihm und Nadyne waren nur Männer auf dem Podium, Prof. Dr.-Ing. habil. Stefan Hiermaier, von dem man flapsig sagen würde er wäre eine Art Waffenforscher (Kleinsatelliten die Raketenstarts sehen können, aber mit klare militärischer Anwendung) und der Pressesprecher vom Landeskommando.
Auf dem Podium war man sich eher einig, die großen Kontroversen des Abends blieben aus, Publikum schien auch eher so grünes Umfeld und Soldaten bzw. Soldatenmütter zu sein. Die meldete sich und sagte: “Ich habe mich damals als Sport LK gefragt, warum ich nicht darf“, und heute sei ihr Sohn bei der Bundeswehr: „Mein Sohn hat in der Grundausbildung 13 kg abgenommen, weil es abends kein warmes Essen gab, ich muss die Abzeichen annähen und die Zelte zusammen. Außerdem gibt es in der Kaserne keine Waschmaschine und keine Trockner.“




Im Gewerkschaftshaus ging es dann schon kontroverser zu, auf Einladung des DGB Ortsvereins diskutierten Vinzenz Glaser, Linkspartei MdB, Klaus Thomas Schüle, CDU Stadtrat, Johannes Fechner SPD MdB und Tobias Pflüger, auch Linkspartei aber hier als Informationsstelle Militarisierung zum Thema „Zwischen Sozialabbau und Aufrüstung“.
Es waren ca 100 Menschen im Raum, die Verteilung der Sympathien war klar: alte Menschen aus der Freiburger Friedensbewegung, Gewerkschaftler und Linkspartei Anhänger klatschen bei Glaser und Pflüger, Junge Union, Ukrainesolidarische klatschen bei der Schüle und Fechner.
Pflüger startete erstmal mit einer Spitze: „Carlo Massalh, eine der Plaudertaschen aus dem Fernsehen“, der den Deutschen quasi einredete das es eine große Kriegsgefahr gäbe. Seine Grundthese klar: Weil das ganze Geld in die Rüstung geht, gibt es jetzt Sozialabbau und die gesamte Gesellschaft wird durch Militarisiert. Davon rückte er den ganzen Abend nicht ab und man wollte ihn Fragen: Ist diese Militarisierung jetzt im Raum. Außerdem sei die NATO schon jetzt Russland eh überlegen, Krieg schlecht fürs Klima und die Fridays täten nix.
Schüle fing an bei Robert Schuman, kam dann zu „Das erste mal seit 3000 Jahren deutscher Geschichte (sic!) haben wir Frieden zwischen Frankreich und Deutschland.“ Und war den Rest des Abends fest auf der Seite der Ukraine und Israels. Kritisierte das Schlingern von Glaser beim Existenzrecht Israels und der Freiburger Linkspartei. Immer wieder erinnerte an das Maß der Rüstungsausgaben bei Willy Brandt. Auch wenn ich inhaltlich viel bei ihm war, fand ich einige der Beiträge sehr phrasenhaft.
Im Phrasendreschen stand im Vinzent Glaser, selbst Außenpolitischer Sprecher der Linkspartei Bundestagsfraktion mit Master in Friedenspädagogik. „Brauchen mehr Geld für Klimaschutz, Soziales, etc… das ist die Vorraussetung für echte Sicherheit. Sicherheit bedeutet auch am Arbeitsplatz abgesichert zu sein. Viele Menschen meines Alters fühlen sich nicht sicher angesichts des steigenden Rentenalters, Angriff auf 8 h Tag, …“ – Intellektuell war ich angesichts der Oberflächlichkeit häufig enttäuscht. Irgendwann gab es dann noch einen Hahnenkampf zwischen Schüle und Glaser, die sich gegenseitig vorwarfen sich zu unterbrechen. Glaser hatte bei der Friedensbewegung, die er rhetorisch bediente Heimspiel, die das auch goutierte aber substantielle Antworten, über keine Waffenlieferungen, keine Wehrpflicht und Phrasen direkt aus der Linkspartei Zentrale kamen leider nicht.
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