Valentin Wember bei der Christengemeinschaft Stuttgart-Möhringen

Veranstaltungsankündigung

Am Donnerstag war ich nicht nur im Landtag, sondern auch in einer Veranstaltung der Christengemeinschaft Stuttgart Möhringen von Valentin Wember, dessen Buch über den Ukraine Krieg ich hier auch schon besprochen habe.

Im Raum waren ca 50 Menschen, alle sicher 50 oder älter. Vom Aussehen könnten sie auch in einer Bürgerinitiative oder Publikum bei einem evangelischen Kirchentag sein, alle gut angezogen und sicher nicht arm. Der Raum war geschmackvoll in leichtem Rosa, Naturstein und Holz eingerichtet.

An einem Rednerpult stand Dr. Valentin Wember, Anzug, Krawatte, blaues Hemd. Man könnte meinen er ist Landtagsabgeordneter oder älterer Mitarbeiter bei einem Bürgermeister oder einer kleinen Bank.

Ich dachte, ja beim Vortrag und Seminar würde es sich um ein Vortrag/Seminar handeln, bei dem es im engeren Sinne um den Ukraine Krieg geht, sprich es werden irgendwelche Inhalte, vielleicht sogar Fakten, über den Krieg vermittelt und dann diskutiert. Die Grundlage im Sinne des Buchs gäbe es ja.

Die Veranstaltung am Donnerstag war ja nur der erste Teil und wurde am Freitag abend und Samstag morgen fortgesetzt, da war ich nicht da, sondern in Köln bei den Grünen. Das ganze war also nur der Auftakt.

Nach seinen Angaben, diente der Abend als Versuch die Grundlage zu legen zum Reden über den Ukraine Krieg. Gut aber, dass es bei Steiner schon eine Lösung gibt: “Wie soll man darüber sprechen, wenn täglich 1000 Menschen sterben… Währen des ersten Weltkiegs hat Steiner mit zwei Sprüchen eingeleitet. An die im Felde stehenden und an die im Felde gefallen. Viele kennen diese Sprüche.”

hohepriesterliches Gebet

Also begann er mit einem Text aus dem Johannesevangelium (bzw. Steiner hat diesen Originaltext stark verändert, er ist also nicht Teil der Standardübersetzung der Bibel, dem hohepriesterliche Gebet), den Steiner für die zwei Sakramente: „Letzte Öhlung“ und „Konfirmation“ vorgesehen habe, das hohe Priesterliche Gebet aus Johannes Kap 17, den Text hat er dann auch mehrfach vorgetragen, durchaus rhetorisch eindrucksvoll. Ich habe aber den gleichen Bibel Text so nicht gefunden, aber in anthroposophischen Quellen findet er sich.

Dann wurde dieser Text interpretiert. Er erzählte wie er über Musik zu diesem Text Zugang gefunden habe.

Lebermetapher

Es ging dann weiter mit einer seltsamen Lebermetapher: „Die Leber ist ein wunderbares Organ, sie produziert die Proteine, sie versorgt den Menschen mit Glucose, sie speichert auch die Vitamine. Ihr Leber Leben Lang. Umgekehrt hat die Leber über eine winzig kleine Arterie die Nährstoffe, die sie braucht.
Die Leber findet ihr Glück und ihre Erfüllung darin, für den Organismus die Proteine zu produzieren. Die Leber käme nicht auf die Idee zu sagen der Sauerstoff ist cool, ich wäre gerne Sauerstoff Millionär (…) ich sag auch ich verdiene das. Keine einzige Leber würde so sprechen. Das gilt für alle Organe. Sie arbeiten alle für das ganze… Das gilt auch für die Sinnesorgane, kein Auge sieht sich selbst.“
– Das kam mir auch seltsam vor, wenn mit einem Spiegel sieht es sich ja selbst – „Wenn das der Fall ist hat man ein Problem. Die Sinnesorgan sind zu 100% selbstlos. Das kosmische Prinzip der Selbstlosigkeit ist in den Sinnesorganen und Lebensorten bereits zu 100% inkarniert.“

Übrigens finde man dieses Lebersein, dann häufig bei Waldorfschülern die Projekt fokussiert arbeiten würden und über diesen die Arbeitszeit nicht beachten würden.

Dreigliederung statt Krieg

„Wenn die Leute anders erzogen wären, dann käme man nicht auf die Idee ein anderes Land zu erobern. Dann würde man denken: Die Rohstoffe gehörten Mutter Erde und Mutter Erde erwartet von uns, das wir geschwisterlich damit umgehen“.

Irgendwie schien die Metabotschaft hier: Wenn nur alle Leute im Sinne der Dreigliederung mit einem „freien Geistesleben“, das ist so ein Waldorfkonzept, ohne Übergriffe des Staates oder der Wirtschaft in die Bildung erzogen worden wären, dann gäbe es solche Kriege nicht. Das Schlagwort war die „Lebermentalität“. Aber die Staaten der Welt wollten kein freies Geistesleben, der erste Sündenfall wäre da der „Militärstaat Preußen“ gewesen, das ein staatliches Schulsystem errichtet hätte um Soldaten und Offiziere zu gewinnen. Auch da würde man sagen, ist nicht komplett falsch, aber die Einführung von allgemeiner Schulpflicht und eines staatlichen Schulsystems in den meisten Staaten Europas, war dann doch etwas komplexer.

Beide Motive, das der zweite Weltkrieg nicht gekommen wären, wenn man den Staat nach dem Vorbild der Dreigliederung organisiert hätte und die „Befreiung“ der Bildung von Demokratischer Kontrolle, kommen immer wieder bei den Antros vor.

Wird z.B. das Geistesleben durch Demokratie und Wissenschaft eingeschränkt, komme dies laut Steiner einer “Unterdrückung des Geistes” gleich und dies würde zu Revolten und gesellschaftlichen Erschütterungen – wie dem 1. Weltkrieg führen. Damals wie heute behaupten Anthroposoph*innen, dass gesellschaftliche Probleme, Krisen & Kriege nach Rudolf Steiner auf einen ‚kranken sozialen Organismus‘ zurückzuführen wären, weil im gesellschaftlichen System, die spirituellen Gesetzmäßigkeiten der angeblich ’naturgemäßen Dreigliederung‘ nicht berücksichtigt wurden. Von Anthroposoph*innen wird Steiners Idee der Sozialen Dreigliederung gerne zur Heilslehre verklärt, durch deren „konstruktive Annahme in den 1920er Jahren“ z.B. auch „die Katastrophe der Terrorherrschaft der Nazis & der 2. Weltkrieg“ hätte vermieden werden können

Gut analysiert hier: https://qrexrecherche.noblogs.org/post/2025/11/09/anthroposophie-rechtsaussen-anthro-verlag-auf-rechter-buchmesse-seitenwechsel/

Faschismus oder Demokratie, irgendwie das gleiche

Erschrocken hat mich dann eine Äußerung vom Wember, die im Anschluss folgte: Unter einem übergeordneten Gesichtspunkt machen doch die Staaten alle das gleiche: “Ist doch das beste für ein Kind wenn es ein guter Demokrat wird oder Kommunist oder Faschist.” Und das sei übergriffig, denn der Mensch dürfe nie Mittel zum Zweck sein.

Wie Demokratische Erziehung bzw. die Vorbereitung die Verzweckung des Menschen sein könnte, wurde nicht klar und die Pädagogen die hinter diesen Konzepten stehen, würden das auch ablehnen.

Am Ende dieses Vortrags, der irgendwo bei religiösen Texten Anfing, gab es dann doch noch einen Schwenk in Richtung Ukraine Krieg: Beim Krieg ginge es Selenskyj und Trump um Bodenschätze, vor allem um die sehr guten Schwarzerde Böden der Ukraine.

Man solle beim Konflikt nicht fragen: „Wer ist der Böse? Hältst du zur NATO oder zur Russland?“ Das seien Kindergartenfragen und beide nähmen sich nicht viel im Verhalten. Hier geht mir natürlich der Hut hoch, es ist ja nicht die NATO, die die Ukraine angegriffen hat, sondern Russland, dass einen imperialen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine führt.

Und dann wurde es richtig heiß, Wember berichtete: „Wenn jemand in einem meiner Bücher etwas NATO kritisches liest, dann ist man ganz schnell ein Rechtsradikaler oder ein NAZI, das passiert mir jede Woche. Wenn ich dann in einer Schule spreche, wird die Schule unter Druck gesetzt.“, sich damit abzugeben sei aber reine Zeitverschwendung.

Früher hätte ich Ulrike Meinhof versteckt.“

Denn früher, „Früher hätte ich Ulrike Meinhof versteckt.“, was irgendwie wohl ein Qualitätsmerkmal sein sollte und spannend klingt, denn Wember ist 1957 geboren, Meinhof starb 1976, daher hätte er das als 18-jähriger machen müssen.

Wember: „Wenn ich etwas an Herr Putin kritisiere, dann kommen Leute zu mir und sagen, das geht nicht, der ist der Bewahrer der sechsten nachatlantischen Kulturepoche.“

Das ist ein wenig seltsam, denn nach Verständnis der Anthroposophie leben wir gerade im 5. nachalantischen Zeitalter (Germanisch-Angelsächsisch). Als nächstes bricht eine neue Zeit an: Das slawische Zeitalter, die sechste nach-atlantische Kulturepoche. Das dauert aber noch ein wenig: 3573 – 5733 n. Chr. geht das erst los, wenn man dem glauben Schenken will. (siehe: https://anthrowiki.at/Kulturepochen)

Schwarzmagische Herscher

Er wies dann auf das Verhalten Steiners im Ersten Weltkrieg hin: „Steiner kannte die geopolitischen Hintergründe unfassbar gut, lesen sie in GA 178 nach. Inklusive der schwarzen magischen Herscher die dabei wirken“. Mit GA meint er die Gesamtausgabe der Steiner Publikationen. Und wenn man sich damit intensiv befasse, dann „besteht die Gefahr das man in den Sog geopolitischer und schwarzmagischer Fälle gerät.“

„Steiner kannte das alles besser als jeder von uns. Aber Steiner hat sich 9:1 konzentriert auf den Ausbau des zukünftigen konzentriert“

Er sprach, dann noch mal von „über einer Mio Gefallenen in der Ukraine“, eine Zahl, die nach meiner Einschätzung übertrieben ist, die einschlägigen Schätzungen gehen immer von ca 1 Mio Menschen an, die verwundet oder getötet wurden. Aber nicht von Toten.

Zum Schluss bedankte er sich noch mal, dass dieser Abend hier möglich wäre und dann gab es Applaus. Ich höre eine Frau von hinten sagen: „er spricht nicht einseitig“.

Fazit

Wenn man sich diesen Abend so gab, dann war da schon Atmosphäre und Andacht im Raum. Das Ganze hatte was sakrales, Fragen wurden nicht gestellt und irgendwie war das auch eine ganz angenehme Stimmung – besonders wenn man gerade aus einer Landtagsanhörung kam.

Und wahrscheinlich glauben die Menschen in diesem Raum was Wember sagt. Sein Vortrag, mit dem ganzen Andächtigen und Besinnlichen ist für sie ein valider Weltzugang, auch um sich dem Thema zu widmen. Ich hatte auch den Eindruck, die Menschen im Raum finden das gut.

Und für die ist Steiner so was wie ein Prophet und wer den gut auskennt und such auf den beruft, der ist ein gebildeter Mann.

Wahrscheinlich habe ich viele Referenzen und Bedeutungen des Abends als Antrospophisch ungebildeter gar nicht erfasst – für mich war das kulturell fast so fremd wie ein Besuch in einer indonesischen Moschee.

Bei meiner Mitschrift war ich mir teils nicht sicher ob ich alles so richtig mitgeschrieben habe, die Aussagen lesen sich teils im nachhinein deutlich schwurbeliger als wenn man sie hört.

Für Außenstehende wirkt das irgendwie zwischen Schwurbel und Sekte und eines wird man aber meiner Meinung nach sicher nicht finden: eine Lösung für den Ukraine Russland Krieg.

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