„Wir von der CDU wollen, dass wenn eine neue Vorschrift eingeführt wird, zwei alte abgebaut werden!“, sagte Kathrin Kern CDU Landtagskandidatin bei der Diskussion des Kolpingwerks in Freiburg St. Georgen.
„Man traut mir als Polizistin zu mit einer 9 mm zu schießen, aber für das Steigen auf eine Leiter, brauche ich eine jährliche Einweisung.“
Katrin Kern.
Das Publikum applaudierte und alle anderen Kandidaten auf dem Podium pflichteten bei. Bürokratieabbau sei notwendig und wichtig.

Nach Karin Kern waren noch Nadyne Saint-Cast von den Grünen und Viviane Sigg von der SPD dran, keine hat nachgefragt was das bedeutet, so rein praktisch. Heißt dass, wenn jetzt bei der Polizei der Taser eingeführt wird und dazu gibt es eine Vorschrift, dass dann zwei Vorschriften gestrichen werden? Wenn ja welche? Die neue Taser Vorschrift ist vielleicht zehn Seiten lang, die beiden alten nur zwei, ist das dann OK? Kann das Umweltministerium zwei Vorschriften streichen und die dann dem Innenministerium „verkaufen“? Gibt es zwischen den „Vorschriften“ auch Hierarchien, daher wenn ich es schaffe Art 104 (2) Satz 2 „Die Polizei darf aus eigener Machtvollkommenheit niemanden länger als bis zum Ende des Tages nach dem Ergreifen in eigenem Gewahrsam halten.“, der sicherlich hinderlich für die Polizei ist, aus dem Grundgesetz streichen zu lassen, kann ich dann zwei neue Vorschriften erlassen?
Ich habe Frau Kern dann in der Tischhopping runde gefragt welche fünf Vorschriften sie denn streichen würde, egal wo, so als Vorschlag – da hat sie keine nennen können. Die einzige Vorschreibt die sie nach etwas nachdenken fand, war das sie es unnötig findet einmal im Jahr auf die Benutzung der Leiter eingewiesen zu werden.

Ich habe mal nachgeschaut wo diese Vorschrift herkommt – das ist als Mitarbeitervertretung quasi Fortbildung, so sind wir halt auch für Arbeitssicherheit zuständig – das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet den Unternehmer zur Sicherheit und konkretisiert wird dies dann in den Technische Regeln für Betriebssicherheit (TRBS 2121). Die werden übrigens von einem Gremium aus Industrie, Gewerkschaft, Wissenschaft, Unfallversicherung und Länderbehörden gemacht.
Letztlich ist das eine Arbeitnehmerschutzvorschrift! Die Unfälle und Verletzungen vorbeugen soll und damit auch Unternehmer entlastet, die sonst ggf. bei mangelnder Einweisung haften und dem Querschnitsgelähmten Bauarbeiter ohne Einweisung die Lebenslange Rente bezahlen müssten.

Es ist eigentlich logisch, dass in einer komplexer werdenden Welt auch die Zahl der Regeln komplexer wird. Wenn man so Krams wie Computer, Internet, KI dazu bekommt, ist es logisch, dass diese neuen Bereiche Regeln benötigen. leichzeitig gibt es auch nur wenige Bereiche, die so vollkommen obsolet geworden sind, dass man die Regulierungen komplett streichen könnte. Natürlich könnte man die Gesetze zum Betrieb von Dampflokomotiven oder Pferdefuhrwerken streichen, aber diese haben sich jahrzehntelang bewährt und es gibt immer noch Dampflokomotiven und Pferdefuhrwerke, die man auch nicht völlig entregulieren sollte.
Und je länger ich darüber nachdenke und schreibe, desto dümmer und schlimmer finde ich das Beispiel. Und desto schwieriger finde ich, dass da keiner was gesagt hat und sich diesem plumpen Populismus, der dann auch bei Palantir raus kam, nichts entgegen setzte.
Es ist halt absurd, wenn die CDU Kandidatin was von Kinderschutz erzählt, wenn gleichzeitig ein Video vom Spitzenkandidaten kursiert, in dem er Realschülerinnen sexualisiert.
Nochmal zurück zum Taser. Ich war bei der Info Veranstaltung für Rettungskräfte. Da hat die Polizei genau erläutert, wann dieser eingesetzt werden darf und wann nicht. Die Notärzte haben die medizinischen Folgen erläutert. Es gibt immer die Möglichkeit von Kollateralschaden und da ist es doch für den Beamten nachher gut wenn er sagen kann: Ich habe genau nach Vorschrift gehandelt und ist so doch erstmal entlastet.






































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