Die Ortsgruppe der Natufreunde Freiburg, einer der SPD bzw. Arbeiterbewegung nahestehende Gruppe hatte den Vorsitzenden Michael Müller eingeladen. Zu einem Vortrag und Diskussion: Zeitenwende: Frieden mit Mensch und Natur. Müller ist 71 Jahre alt, wirkte aber älter und war 1983 bis 2009 war er im Bundestag, zuletzt als als Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Umwelt, der damals Sigmar Gabriel war.

Das Publikum waren 20 Leute, deren Gesichter man auch sonst von Veranstaltungen der Friedensbewegung kennt. Darunter auch Gernot Erler, der den ganzen Abend nichts sagte, Winfried Cordi oder Georg Löser. Alle gefühlt die gleiche Altersgruppe.
Müller, schien frei vorzutragen: Er habe bereits 1986 ein Buch über Gorbatoov geschrieben, weil ihn der damalige Spiegel Auslandschef ihm in einem Brief geschrieben hat, das seine These von möglichen Reformen Gorbatschows, die dann scheitern werden nicht glauben konnte. Der Spiegel Auslandschef habe ihm erklärt, der sei der neue Stalin. (Das Buch habe ich in der DNB gefunden, es hat als Erscheinungsjahr 1987)
Auch die aktuelle Situation und Russland müsse man mit Mündigkeit ohne Anleitung von Dritten betrachten.: Freunde von ihm hätten die Berichterstattung von Kriegsbeginn 2022 bis Ende des Jahres (in den großen Fernstehanstalten) analysiert. Fast 90% waren verbunden mit der Forderung nach schweren Waffenlieferung. In der Bevölkerung wurde das zu 70% abgelehnt. Leider gab es dazu keine Belegstellen. So dass sich diese Zahlen nicht verifzieren lassen – wenn ich Umfragen aus dem April 2022 google (Erhebungszeitraum 11. bis 12. April 2022), dann finde ich das etwa die Hälfte für Waffenlieferungen ist. Und etwa die Hälfte die dafür oder dagegen ist.
„Wie kann es sein, dass die Russische Politik 2009 nach dem NATO Rat mit dem Beschluss zur Erweiterung der NATO sich geändert hat. Wir haben auch nicht erfasst, dass in Russland die Verfassung geändert wurde mit völkischen Ideologie, auch das Fernsehen hat sich geändert. Auch in der Ukraine fand ab 2009 ein wahnsinniges Bashing gegenüber Russland statt. (…) Es ist schon lang ein Krieg der nicht nur Russland Ukraine umfasst. Wir haben nicht genug getan um die Welt zu verstehen.“
Look it this amazing exchange! Jeffrey Sachs's fake indignation gives it away. He knows full well what he is doing (spreading Putinist propaganda). He has gotten used to never being called out as the brazen liar that he is. This is a model of dealing with vatniks like him.
— Joerg Lau (@joerglau.bsky.social) 25 October 2025 at 15:36
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Italian Senator speaks the truth about European appeasement towards Putin after the annexation of Crimea. Not so common in the Italian TV. I hope more politician will follow.
— Ander Bruckestand (@anderbruckes.bsky.social) 24 October 2025 at 15:35
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Trauer um Tote Russen, tote Ukrainer kommen nicht vor
Auch wenn er gleich zu Anfang klar gemacht hat, das er gegen jeden Krieg sei, wurden von ihm lediglich die russischen Opfer erwähnt: „Ich will nicht wissen wieviele junge russische Soldaten in der Ukraine sterben. Auch die russischen Soldaten kommen oft aus ärmsten Regionen.“ Ukrainische Opfer gab es an dem Abend keine. Dabei ist die Tatsache, das gezielt Minderheiten und Arme für die russische Arme rekrutiert werden, gut dokumentiert.
„Die USA haben in den letzten zwei Jahren über 40 Mrd USD für die Modernisierung der Atomwaffen ausgeben.“ – Die Zahl habe ich nicht geprüft, aber ja die Modernisierung von Kernwaffen ist teuer. Und dann mußte man doch aufhorchen, weil das gesagte irgendwie abstrus wurde: „Man versucht über SMR Reaktoren kleine Atomwaffen herzustellen, man will damit auch mehr Energie für Energieintensive Drohnen herstellen“.

Small Medium Reactors als Stromquelle für Drohnen
Jetzt habe ich mich in den letzten Monaten auch mit dem Thema Small Medium Reactors beschäftigt, weil die Windkraftgegner aus Günterstal ja gelegentlich davon reden. Aber in keinem Fall habe ich von einem Einsatz in Kriegsgebieten gelesen oder einer Planung (Mal abgesehen von Atom-U-Booten oder Flugzeugträgern). Auch weil die Drohnen – sowhl Kleindrohnen oder große wie Global Hawk/Bayraktar – ja nicht mit Strom laufen, sondern Flugbenzin. Und zum steuern braucht man auch nicht viel Strom.
„Schulmeisterlich und überheblich und arrogant gegenüber der Welt umgehen.“ – Der Kommentar bezog sich NICHT auf die Klage vieler Politiker und Diplomaten aus Osteuropa oder dem Baltikum wie sich Frank Walter Steinmeier und andere deutsche Politiker gegenüber ihnen verhielten als sie vor Nordstream II oder russischem Imperialismus warnten. (siehe auch: https://www.spiegel.de/kultur/frank-walter-steinmeier-soll-auf-rede-von-marko-martin-wutentbrannt-reagiert-haben-a-d8e5dd3b-df51-4f99-a86d-58a0cf00cd74 oder https://vrds.de/die-rede-die-den-bundespraesidenten-wuetend-machte/ oder auch: https://news.err.ee/104774/ilves-western-europe-still-arrogant-towards-east)
Bündnis aus Netflix und antisolidarischen Bewegungen
Irgendwie gab es dann zur Gesamtsituation noch eine Analyse, es gäbe eine Art „Das Bündnis von Netflix mit antisolidarischen Bewegungen.“, das muß dann wohl die Neu-Auflage des »Bündnis von Eisen und Roggen« aus dem Kaisserreich sein. Überhaupt von Netflix hatt er es den Abend immer wieder, Netflix in das Blackrock einsteigt und irgendwie die Leute mit Werbung und bald Kriegspropaganda versorgt.
KI sei auch nicht so toll, Müller habe das ausprobiert und wenn man Naturfreunde eingebe, dann käme immer das gleiche raus.
Bei ihn im Ministerium gäbe es jetzt so Seminare wo die Leute lernen, auf welche Worte sie bei Anträgen achten sollen und wenn die Vorkämen das melden. Irgendwie klang das entweder nach Umsetzung der Whistleblower Richtlinie oder Compliance Abteilung. Auf jeden Fall sei das alles Gesinungsschnüffelei. In dem Zusammenhang fiel dann auch irgendwie „Verhältnisse wie in der DDR“.
Überhaupt gäbe es viel zu wenig Diskurs – weder über Krieg noch über die Ideologie der AfD.
Fragen
Und nach diesem etwa unstrukturierten Vortrag gab es dann Fragen aus dem Publikum.
Die erste Frage war ein Herr der fragt, immer wenn er sage, das man der Ukraine keine Waffen liefern solle, werde er beschuldigt unsolidarisch zu sein und auf der Seite Russlands zu stehen. Was soll er da sagen? Wie soll man den Krieg beenden? Die Antwort war dann: „Die Ukraine kann den Krieg nicht gewinnen. Russland wollte einen Enthauptungschlag machen. Deshalb die Panzer Aufmärschen, das hat nicht geklappt. Die russische Kriegführung hat sich geändert. Es kommt zu einem dramatischen Raketen und Drohnenkrieg.“, als ich dann noch dachte, sagt er was dazu: „Wir müssen über die BRICS Staaten Russland sagen, dass es den Krieg stoppen soll.“ Ein Vorschlag den unterschiedliche BRICS Staaten, Südafrika (während Zelensky mit Cyril Ramaphosa in Süd Afrika sprach, liess Putin Kiev bombardieren), Brasilien, ja auch probiert haben und Putin sie abblitzen ließ.
Auch sonst waren die Wortmeldungen heiß. Da gab ein Herr zu Protokoll: „Man muss als junger Mensch die Nachrichten gucken, damit man weiß was man zu vertreten hat. Dass die Menschen sich nicht mehr trauen zu sagen was sie denken, weil sie sofort Shitstom bekommen. (…) Diese ganze Brandmauer gegen rechts, je mehr ich was bekämpfe desto stärker wird es.“
Shitstorm oder Fehlerkorrektur
Das wurde dann weder von Gabi Rolland, Gernot Erler oder Michael Müller irgendwie ablehnend kommentiert oder nachgefragt. Ich hatte den Herrn dann nach dem Ende der Veranstaltung gefragt ob er denn schon mal einen Shitstorm abbekommen hat (hatte ich schon mal), aber das war wohl für ihn nicht der Fall und Müller meinte, er habe ja nach seinem ApuZ Artikel 900 negative Rückmeldungen bekommen. (Den hat er z.b. mit Rainer Braun, uns auch schon bekannt von der mangelnden Abgrenzung gegen Rechts).
Interessanterweise finde ich viele recht gut formulierte und sachliche kritische Beiträge zu dem ApuZ Artikel:
„Die Ukraine kommt als Subjekt in diesem Text nicht vor. Sowohl die Darstellung ukrainischer Geschichte als auch die Abhandlung des Verhältnisses Russlands zum Westen seit 1991 ist in diesem Text von zahlreichen Fehlern und Verzerrungen gekennzeichnet.“
Eine Kritik am Text Frieden schaffen. Europas Verantwortung für
eine gemeinsame Sicherheit von Michael Müller, Peter Brand und
Reiner Braun aus Sicht der Osteuropäischen Geschichte
Martin Aust Bonn, im März 2023
Aber was will man erwarten, von jemandem der die von Holger Friedrich war für die Stasi tätig, übernommen „Berliner Zeitung“ im Laufe des Abends noch mal lobte: „Nur noch da kann kritische Diskurse führen. Letzte Woche hat (Harald) Welzer geschrieben wie er für Friedenslösung eingesetzt hat und gegen die Gleichschaltung der Presse.“ Auch da kein Wiederspruch bei Erler oder Rolland.
Aber da passt es dann auch, das Müller die bereits im Text kritisierte Vorstellung auch an diesem Abend wiederholte, der Kiever Rus sei der Ursprung Russlands und Kiev irgendwann mal die „Hauptstadt Russlands“ gewesen.
Es wird kollegiale Hilfe oder die eines Politikwissenschaftlers benötigt
Aber weiter zu den Gästen im Publikum. Es meldete sich ein Herr und stellte sich als Ärztlicher Psychotherapeut aus Freiburg vor. Der bei der Friedensbewegung aus Freiburg jetzt mit mache weil er Angst habe: Die Mehrheit ist nicht Vernunft begabt, wir seien emotional gesteuert. Die Wahl von Friedrich Merz bezeichnete er als „Machtergreifung von Herr Merz mit Migration als Ausgang.“ Der skandalöserweise mit dem alten Parlament (Aufrüstung) durchgesetzt habe. Es werde wieder der große Führer hingestellt (da war es nicht klar wen er meinte). Beim (Ukraine) Krieg gehe es um seltene Ende, schwarze Erde, Blackrock, Monsanto, Patrick Bahrt hat ein schönes Buch geschrieben (Wahrscheinlich war „Auf beiden Seiten der Front – Meine Reisen in die Ukraine“ gemeint. Laut MDR: „Analysen zeigen jedoch, dass sein Buch „Auf beiden Seiten der Front“ Falschbehauptungen wiedergibt und zweifelhafte Wertungen enthält“) , Verstrickung von Biden und seinen Söhnen (längst wiederlegt by the way), die Rüstungsindustrie profitiert extrem. In Deutschland vermisse er Vaterlandsliebe, der DAX ist ausländische Investoren (ausgeliefert) und hier gäbe es keine Vaterlandsliebenen Kapitalisten mehr (!). Die 5 reichsten Familien sind keine Patrioten mehr (!!).
Auch dieser Beitrag gab keinen Widerspruch. Der Herr Ärztlicher Psychotherapeut unterstellte jedoch dem einzigen Gast des Abends, der eine etwas abweichende Meinung vertrat einen „Freudschen Versprecher“, weil der von einem Angriff der UdSSR gegen die Ukraine sprach.
Fazit
Das Michael Müller es nicht so mit den Details hat, war spätestens klar, als er behauptete die New York Times gehöre Jeff Bezos. Als ich das korrigierte und Einwarf das sei die Washington Post, bedankte er sich nicht sondern blieb bei seiner Aussage. Und auf diesem Niveau ist der ganze Abend gelaufen.
Obwohl Müller schon häufiger aufgezeigt bekommen hat, dass viele seiner Thesen historisch einfach falsch sind oder seltsames Framing, ist er gegen Kritik immun – ist halt alles Shitstorm. Diskurs an dem Abend gab es nicht wirklich, dafür viel Meinung, Selbstbestärkung und auch einzelne kurze und schräge Anklänge an Corona und grenzwertiges teils rechtes Geraune, dem weder Gabi Rolland noch Gernot Erler irgendwas entgegensetzten.

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