Am Donnerstag war ich beim Petitionsausschuss in Stuttgart und habe als Haupt-Petent, stellvertretend für die 13474 Mitzeichnende vorgetragen. Inzwischen ist die Petition unter „Petitionen in der Prüfung“ gelistet.
Interview bei RDL zur Anhörung im Petitionsauschuss (zum nach hören): https://rdl.de/beitrag/wie-lief-es-im-petitionsauschuss-des-landtag-baden-w-rttemberg-sebastian-m-ller
Der Ausschuss hat auch eine Pressemitteilung herausgegeben, die erklärt, dass untermittelbar nach meiner Anhörung in der nicht öffentlichen Sitzung der Petitionsausschuss mehrheitlich beschlossen habe, die Petition der Regierung als Material zu überweisen. Ich gehe davon aus, dass ich dann irgendwann mitgeteilt bekommen werde, das meiner Petition nicht abgeholfen werden kann. Außer, der Landtag würde, wieder erwarten, den vorliegenden Gesetzesentwurf so verändern, das Palantir oder gar keine ontologische Datenanalyse Software genutzt werden kann.

Bei der Anhörung gab zunächst der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg, Prof. Dr. Tobias Keber, ein Statement ab, das war das erste mal, dass er als Person angehört wurde, bei der Jubelanhörung im Innenausschuss war er nicht eingeladen worden. Keber äußerte sich kritisch zum Gesetzentwurf der Landesregierung zum Polizeigesetz und bemerkte, dass die flankierende Verwaltungsvorschrift noch nicht vorliege. Keber erklärte, die neue Vorschrift zum Data Mining im Polizeigesetz nicht vollständig im Einklang mit den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts. Er legte seine Bedenken dar. Letztlich sei es wichtig, Freiheit und Sicherheit nicht gegeneinander auszuspielen.
Dann durfte ich fünf Minuten vortragen, meinen Vortrag und die ganze Anhörung kann man auf der Landtagswebsite anschauen und auch nachlesen. Dann trug die Landespolizeipräsidentin vor.
Was dann im Ausschuss folgte lief so: Abgeordnete stellen Fragen. Teils drei auf einmal, teils mit langen Vorreden, die wurden dann irgendwie gesammelt. Gesammelt bedeutet, dann bekommen alle die sich melden noch mal das Wort und dürfen Dinge sagen. Dieses Verfahren: Alle Abgeordneten fragen reih um, dann darf jeder was sagen führt dann aber halt auch dazu, das ganz viele Fragen auch einfach untergehen oder etwa die Polizeipräsidenten gefragt werden, wie sie mit der Sicherheitsüberprüfung von Ausländern umgehen die als Palantir Mitarbeiter Zugriff auf die Daten haben könnten – durchaus ein wichtiger Punkt, obwohl der stark von der AfD kam – und dann irgendwas erzählen, dass sie als Geheimnisträger nicht einfach nach China reisen dürfen.

Ich konnte mir auch des Eindrucks nicht verwehren, dass man bei der CDU sehr auf Stilfragen bedacht war und gerne entsprechende Anlässe aufnahm um sich nicht zur Sache zu äußern und auch sehr gerne lange sprach um so irgendwie Zeit zu schinden, damit weniger Zeit für die Antworten der Petenten bleibt.
Für Alle die in Zukunft dieses Instrument nutzen wollen: Damit man gehört wird, muss man sich im Ausschuss aktiv melden und auch schauen das man zu Wort kommt.
Wir haben es immerhin geschafft, durch unsere Anhörung und das Mitbringen von Experten, einen Contrapunkt zur Jubelanhörung zu setzen.
Je mehr Anhörungen es gibt, desto mehr kommt dann auch raus und auch raus wo die offenen Punkte liegen und viele bleiben nach wie vor offen:
Die Prüfung der Gotham Software durch das Fraunhofer Institut wurde in der Sitzung und davor mehrmals genannt und betont das ja hier rauskam, dass die Software keine Hintertüren hat. Das ist wie von Manuel Atug bereits erwähnt das ein Trugschluß: Um Klarheit u schaffen müsste das Innenminsterium Pen-Tester (Penetration Tester) befragen auf was und natürlich auch offenlegen wie was geprüft wurde. Aus der Aussagen von Frau Dr. Hinz wird klar, dass die Expertise natürlich hier auch zu fehlen scheint. Hinzuzufügen ist ja noch, dass die Mitarbeiter von Palantir es sind, die die Updates und Änderung vornehmen. Daher, selbst wenn in allen Schritten die Polizei selbst oder das Fraunhofer Institut jedes Mal eine Quellcodeprüfung durchführen würde, dann wäre hier immer noch gewährt, dass nichts eingespeist wird und das auch keine Daten ausgeleitet werden.

Richtig geklärt bzw. beantwortet wurden die Fragen nach dem Cloud auch nicht. Hier führt die Polizei bzw. das Innenministerium immer aus, das es keinen Zugriff auf die Daten geben könne – denn die Daten lägen ja bei der hessischen Polizei, das sei nur über das abgetrennte Netz der Polizei zugänglich und den Vertrag hätte man ja mit der deutschen GmbH.
Ein abgetrenntes Netz ist nur dann abgetrennt, wenn es nirgends angebunden ist. Sobald eine Datenpipeline gebaut wird ist damit die Abtrennung nicht mehr vorhanden. Es mag sein, dass die Datenpipelines gegenüber dem Internet abgetrennt sind, wie das immer betont wird, aber Einspeisung von Daten bzw. Bau der Datenpipeline wird von Palantir Mitarbeitern durchgeführt und die Updates werden wohl durch Palantir Mitarbeiter stattfindet. Palantir hat hier ein riesiges Interesse diese Daten aus dem deutschen Netz zu entnehmen um ihren eigenen KI-Systeme zu trainieren, auch um die Stellung als Marktführer zu verteidigen.
Das könne man irgendwie umgehen, denn die ganzen Palantir Mitarbeiter, die man an das System lässt hätten ja eine Sicherheitsüberprüfung. Aber, wenn man den Berichten glauben schenkt, dann kommen ja viele dieser Mitarbeiter aus dem (nicht europäischen) Ausland, und selbst auf die mehrfache Frage, wurde nicht klar, wie das mit der Sicherheitsprüfung bei diesen laufen würde. Möglicherweise unterliegen diese dann in den Heimatländern, ganz anderen Pflichten.
Erstaunt war ich, als das Thema „Daten aus dem Internet“ aufkam. Die Polizisten vor Ort, betonten Daten könnten nicht aus dem Internet eingelesen werden. Das System sei ja gar nicht damit verbunden. Im neuen § 47a stehe auch: „(2)… Eine direkte Anbindung der Analyseplattform an Internetdienste ist unzulässig.“ Aber in (3) steht dann: „sowie einzelne gesondert gespeicherte Daten aus Internetquellen können ergänzend einbezogen werden, soweit dies im Einzelfall erforderlich ist.“
„Wie war’s beim Petitionsausschuss in Stuttgart?“ weiterlesen




















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