Warum Corona immer noch gefährlich ist

Jetzt bin ich von Beruf Rettungsassistent und kein Virologe oder Epidemiologe. Daher habe ich soviel Ahnung wie der Dachdecker von der Klempnerei. Aber so wie der Klempner weiß, dass wen er aufs Dach steigt, sich sichern sollte und vielleicht auf den Dachdecker hören, hat er vielleicht mehr Verständnis davon, als ein sagen wir mal Kulturwissenschaftler.

Zunächst mal: Wir haben Glück. Die Covid-Fälle in Freiburg und Südbaden gehen deutlich zurück.

Die Grafik von mir zeigt auch, das es auch bei einem R, das unter 1 liegt noch fast 3 Wochen dauert, bis es keine neue Infektionen mehr gibt. Dann wird es noch weitere Wochen geben, bis die letzten die Infektion überstanden haben.

Bei der Arbeit sehe ich wie gut sich Kliniken und auch der Rettungsdienst auf das Thema eingestellt haben und auch die Kontaktbeschränkungen – die wesentlich weniger streng waren als in Italien, Spanien oder Frankreich – vielleicht gewirkt haben. Wir sehen glücklicherweise in Deutschland keine Übersterblichkeit, wie etwa in der Schweiz.

Diese Übersterblichkeit betrifft vorallem alte Menschen:

Quelle: Statisik England

Auch für diejnigen die nicht daran sterben, ist Corona gefährlich:Sicherlich verlaufen etwa 80% der Infektionen, leicht, viele davon sogar erstmal ohne Symptome. Auch von denen die Symptome bekommen, die dann ins Krankenhaus müßen, dürften sich die meisten erholen.
Schwerst krank und beatmungspflichtig werden eben nicht nur alte, kranke und schwache, sondern auch gesunde Menschen (und selbst wenn: ist das Lebensunwertes Leben?).

Quelle: Economist – die meisten gestorbenen hätten noch 10 Jahre Leben vor sich.

Oder um das RKI zu zitieren: „Schwere Verläufe können auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung auftreten (29) und werden auch bei jüngeren Patienten beobachtet (35)“

Wir wissen aber, dass der Virus noch ganz andere Symptome machen kann:

Auch über die Ausbreitung und welche Interaktionen gefährlich sind und welche nicht, lernen wir täglich mehr. Deshalb gilt aus meiner Sicht, immer noch: Vorsichtig bleiben.

Die Querfront ist die Herausforderung, nicht die AfD

Die Querfront und Hygiene Demos sind nicht harmlos, sie sind gefährlicher als die AfD Veranstaltungen und brauchen eine Antwort der Zivilgeselschaft.

Bild von der letzten Demo in Freiburg

Am Samstag gab es in Freiburg diverse Demos. Mandic von der AfD schaffte es, trotz drücken auf alle rhetorischen Knöpfe des rechten Lagers kaum eine Schulklasse an Anhängern zu mobilisieren. Denen stellten sich im Regen über 800 Personen entgegen.

Man hat den Eindruck, diese Afd Demos dienen mehr zum Ausleben des eigenen Na(r)zißmus als dem Versuch „das Volk“ zu erreichen. Und bei den Gegendemonstranten vielleicht auch nur um sich gegenseitig zu vergewissern, was man für tolle Antifaschisten ist.

Denn trotz Aufforderungen – wie man sie im Stil nicht anders vortragen würde, wenn man eine Satire über Nazisdemos inszenieren würde – schloß sich keiner an. Auch sonst ist die AfD ziemlich eingeschlafen in der Krise: Sie wiederspricht sich selbst und ist nur peinlich, Weidel ist wohl in der Schweiz abgetaucht und in Umfragen bricht sie ein.

Außerdem hat die AfD ihre Position mehrfach geändert. Erst für krassere Lockdowns (den es ja so nie gab, sondern nur Ausgangsbeschränkungen) und dann jetzt viel schnellere Öffnungen fordert.

Viel gefährlicher ist aus meiner Sicht was sich derzeit an Querfront, Verschwörungsphantasien und dumpfer Wut auf „die da oben“ zusammenbraut. Zum einen ist diese Wut oder das Gefühl verarscht zu werden verständlich.

Viele Menschen haben durch die Beschränkungen in der Krise wirtschaftliche Existenzängste – selbst wenn die Beschränkungen aufgehoben würden, gehen dann nicht sofort alle morgen sofort teuere Güter (Möbel, Autos, …) einkaufen. Aus Sicht des klugen Angestellten, der Angst hat Arbeitslos zu werden oder Selbstständigen der keine Aufträge hat, macht es ja Sinn das Geld erstmal zusammen zu halten.

Diese Ängste und Unsicherheiten werden in den Wochen eher zunehmen. Denn selbst wenn wir hier in Deutschland keine zweite Welle bekommen und die Beschränkungen nicht nochmal verschärft werden (müßen), dann gibt es die noch in andere Länder. Außerdem ist für viele Firmen gerade fraglich ob ihre Exportmärkte Güter aufnehmen können oder die Zulieferer gerade arbeiten. (VW hat hatte ja die Montage nicht eingestellt weil sie es mußten, sondern weil niemand Autos kaufen wollte und sie nicht wußten ob sie die Teile bekommen)

Auf der anderen Seite ist jede Regelung immer ein wenig willkürlich. Warum darf X aufmachen und Y nicht (hier kann jeder einsetzen: Kindergarten, Kneipe, Bundesliga, Möbelhaus, Kulturdings, …). Außerdem wird es immer Härten geben, die man nicht abfedern kann.

Am Samstag hatten die drei Querfrontdemos die ich teils beobachtet habe, durchaus Zulauf: 200 Personen auf dem Münsterplatz, 50 wohl auf dem Rathaushplatz und noch mal ca 40 Leute an den Ständen am Kartoffelmarkt.

Man sollte eines nicht glauben, diese Bewebung entsteht nicht „von unten“, sie wird ganz massiv von bundesweit agierenden Netzwerken und Gruppen angefeuert, die Slogans, Plakate, Zeitungen und anderes bereitsstellen. Man sollte auch nicht glauben, das es sich um „normale, besorgte Bürger“ handelt, spätestens dann nicht mehr wenn diese in das Millieu abgerutscht sind.

Hier braut sich eine gefährliche Mischung zusammen, die Demos werden weitergehen und die Schnittmenge zu AfD, Impfgegnern, Klimawandelleugnern und 5G Gegnern ist groß.

Ich hoffe die aufgeklärten und progressiven Kräfte in Freiburg (Linke, F4F, Grüne, …) schaffen es hier eine Gegenöffentlichkeit und Diskussion herzustellen.

Coronademo Samstag

Rückblick auf die Demos in Freiburg. Sie könnten die Eintrittspforte in eine Rechte oder Verschwörungstheoretische Gedankenwelt sein.

Mandic mit Demo im Regen, hinter Polizeigitter. Geniale Plakate wie „Kneipen auf“ oder den Grabstein mit dem Weinfest drauf, sind leider nicht im Bild.

Am Samstag gab es gleich mehrere Demos der Corona-Maßnahmen-Gegner. Auf dem Platz der alten Synagoge von der AfD und Mandic, maximal 30 Personen hinter viel Polizei. Für die Analyse der Reden warte ich auf Beiträge von Thomas Schopper. Auf der Gegendemo waren deutlich mehr Menschen aus dem eher linken Spektrum. Die alle mit Mundschutz.

Wenige werden der AfD und ihren Thesen folgen. Die AfD hat in der Krise mehrfach die Message gewechselt und auch sonst ja für keine Herausforderung unserer Zeit andere Antworten als „Grenzen zu“.

Die Demo war auch nicht bemerkenswerter als viele Dinge in dieser Zeit.

Außer halt so einigen Bonmonts:

Aus meiner Sicht viel gefährlicher sind anderen Demos und Gruppen die derzeit entstehen.

https://ais.badische-zeitung.de/piece/0b/0b/09/13/185272595.jpg
Quelle: Badische Zeitung / Rita Eggstein: „Impfen macht Frei“ auf dem Rathausplatz.

Da gab es zum einen die Kundgebung auf dem Rathausplatz „Friedliche Versammlung zum Erhalt der Grundrechte und unserer Freiheit“, auf der nach Aussagen mehrere Beobachter (ich war nicht da) unter anderem Reichsbürgerthesen („Deutschland ist ja noch besetzt“), mindestens geschmacklose, wenn nicht strafrechtlich relvante Schilder („Impfen macht frei“, wie „Arbeit macht frei“ im klaren Design des Eingangs des KZ Auschwitz) hochgehalten wurden. Scheinbar wurde die Demo auch von Leuten aus dem Umfeld der 5G Gegner (es hatten auch Teilnehmende einen Anti-5G Aufkleber auf dem Handy) und Impfgegner organisiert.

Auf dem Münsterplatz gab es eine sehr andere seltsame Mischung. Zum einen waren schon die Jacken deutlich bunter und die Transparente auch.

Da waren auch wieder die von Ken Jebsen inspireten Meditierenden, was bei Regen schon ziemlich blöd ist. Das Publikum waren eher Familien, eher mittelalte Leute, eine ganze Reihe auch ohne Mundschutz. Auch Leute die auf der Demo rauchten. Die Stimmung war eigentlich ganz angenehm, bis die Buhrufe als die Polizei Durchsage machte man soll sich an die Auflagen halten.

keine Demo ohne Aluhut.

Hier war man sehr bemüht sich von rechten Gedankengängen abzugrenzen, so wurde etwa als Lied von Westernhagen: „Ich bin dagegen“ und etwa nicht die Nationalhynmne abgespielt. Immer wieder betont, das man sich nicht spalten lassen wolle, auch wenn die Medien jetzt schreiben „man sei rechts“.

Update: der Bericht auf BZ online von Joachim Röderer stellt die Veranstaltung anders da. Er berichtet:

„Da wurde kritisiert, dass „Staatsschläger und Brüller“ wenige Stunden zuvor die AfD-Demo gestört hätten. Es ging gegen die „Wahrheitsmedien“ und gegen die Antifa, die als „neue SA“ bezeichnet wird. Immer wenn das Wort Impfen fiel, gab es Applaus. Es wurde für Sterbehilfe geworben und den Schutz des ungeborenen Lebens. Und immer ging es um die Grundrechte – die Corona-Maßnahmen wurden mit Geschehnissen im Jahr 1933 verglichen.“

Joachim Röderer in der Badischen Zeitung online.

Wie ich auch bemerkte er, das viele der Teilnehmer keinen Mundschutz trugen, die Polizei sich aber auf Durchsagen beschränkte und nicht einschritt, auch der Mindesabstand wurde nicht eingehalten. (Siehe auch)

Teilweise trugen die Teilnehmer „Wiederstandsbommel“ einer hatte auch einen Aluhut an. Sahen aber sonst eher aus wie Menschen die im Vauban wohnen oder bei den Grünen Mitglied sein könnten. Immer mal wieder wurde die Gefährlichkeit von Covid19 bestritten. Gerade die Pflicht Masken zu tragen, scheint viele auf die Palme zu bringen. Auch die Forderung man solle es machen, wie in Schweden, kam wieder auf.

Dann war ich noch auf dem Kartoffelmarkt, wo es Stände wohl vom Freiburger Ableger von nichtohneuns.de gab. Einige der Diskussionen konnte man mithören, da ging es viel darum, das man die Zahlen nicht glauben kann, das „R“ immer wieder anders berechnet würde, die Menschen eingschüchtert wären oder würden.

Jetzt kann man das ganze abtun, aber es bilden sich im Windschatten der Proteste (vielleicht organisieren sie die auch, weiß man ja nicht) Gruppen, bei denen nicht so klar ist wo sie dahinter stehen: Etwa IBAM, die Partei „Wiederstand2020“ oder auch die sog. „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand„. Da ist nicht ganz klar wo sich das hinbewegt, sie scheinen aber alle in Richtung Querfront, Reichsbürger oder ähnlichem zu tendieren.

Bei Mandic und der AfD, wissen sicherlich 90% der Leute was es bedeutet, wenn man da mitmacht, bei diesen anderen Gruppen ist es unklar. Sie könnten aber die Eintrittspforte in eine Rechte oder Verschwörungstheoretische Gedankenwelt sein.

Klar man kann Krisenmanagement, Maßnahmen, Schulschließungen, Gedankenlosigkeit über Folgen oder den mangelnden Forschungstand kritisieren, aber dazu benötigt man keinen rechten oder Verschwörerischen Überbau.

Querfront im Breisgau

Sebatian beschreibt was er in den vergangen Tagen in seltsamen Queerfront Gruppen gelesen hat, die am kommenden Samstag in Freiburg demonstrieren wolle. Er rät von einer Teilnahme an diesen Demos ab.

Kleiner Auszug aus der Diskussion einer Telegram Gruppe

Am kommenden Samstag gibt es wohl zwei mehrere Demos gegen die Corona Beschränkungen. Um bei dem Reigen bunter oder brauner Veranstaltungen, den Überblick zu behalten, hier eine Liste mit meiner Einschätzung

  • “Wachsam bleiben – Demo für das Leben”, AfD-Kreisverband Freiburg, Platz der Alten Synagoge, 12.00 Uhr
    ??? angemeldet von Mandic
  • Dagegen: „Aufstehen gegen Rassismus“, Aufstehen gegen Rassismus Freiburg, Südlicher Teil des Platzes der Alten Synagoge – Universitätsbibiliothek, 12.00 Uhr
    ?? Gegendemo, gegen die AfD Demo.
  • „Grundgesetz“, Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand e. V. i. Gr., Kartoffelmarkt, 15.30 Uhr,
    ? ? Querfront, melden auch die Demos in Berlin vor der Volksbühne an
  • „Friedliche Versammlung zum Erhalt der Grundrechte und unserer Freiheit“, Privatperson, Rathausplatz, 15.30 Uhr,
    kann ich schwierig einschätzen, wenn gleiche Veranstalter wie letzte Woche, dann mindestens Rechtsoffen und Verschwörungsoffen
  • „Erhalt der deutschen Grundrechte und unserer Freiheit“, Freunde der Freiheit, Münsterplatz, 15.30 Uhr
    ? Rechts, wegen Diskussion in Telegram Gruppe
  • Die Quarantäne nicht auf unserem Rücken austragen – gegen Faschismus und Ausbeutung“, Privatperson, Bertoldstraße / Ecke Niemensstraße, 11.00 Uhr
    ?? Klingt weit Links
  • „Corona ist gefährlich. Die Wirtschaftskrise auch. Corona ist gefährlich. Die Wirtschaftskrise auch.“ Privatperson, Rotteckring, 11.00 Uhr
    wahrschinlich gegen Beschränkungen, Hintergrund unklar.
  • Dann gibt es um 16:00 Uhr noch eine Kurdendemo. 16:00. PdaS

Für alle Demos gilt als Auflage: maximal 2er Gruppe, 1,5 m Abstand, Mundschutz.


Um 12:00 auf dem Platz der alten Synagoge oder in Mandic Sprech (Analyse) nur „Platz der Synagoge“, eine Demo zu der die Freiburger AfD aufruft und wohl auch angemeldet hat. Jedem dürfte klar sein in welchem politischen Umfeld eine Demonstration, die von einem Mitglied des (angeblich aufgelösten) „Flügels“, also der Rechten in der AfD, stattfindet.
Dagegen gibt es natürlich auch eine Gegendemo. Das ist schon deshalb befremdlich, weil die AfD mehrfach ihre Position zur Krise gewechselt hat.

Auf 15:30 haben eine Gruppe Leute eine „unpolitische“ Demo gegen die Beschränkungen angekündigt. Seit einigen Tagen bin ich der Telegramm Gruppe in denen diese Demo organisiert wird. Und leider muß ich feststellen, das es sich auch hier um keine „unpolitische“ – das wäre schon logisch seltsam, sind ja alles politische Forderungen – Gruppe handelt, sondern einfach um eine weitere rechte und verschwörungstheoretische Demo, bei der fraglich ist ob sie überhaupt angemeldet wurde.

Wie kommt man darauf, dass das ebenfalls keine „besorgten Bürger“ sind, denen es nur darum geht, das ihre Kinder auf die Spielplätze gehen. Zum einen war auf der letzten „Hygienedemo“ in Freiburg schon allerhand rechtes Personal. Zum anderen werden in den beiden Vorbereitungsgruppen unwiedersprochen so ziemlich jede rechte Verschwörungstheorie, die es gibt geteilt.

Diese Aussage ziehe ich vorallem aus den Themen die in der Gruppe diskutiert werden: Reichsbürgerweisheiten (Deutschland nur eine Firma, Wormarke Polizei, Personalausweis = Wir sind Angestellte der BRD GmbH), die AfD steht für das Grundgesetz, Qanon Verschwörungen, Schlafschafe, Bill Gates, Impfzwang, „Angela Merkel Volksverräterin“, etc. …, werden diskutiert.

Kleine Anleitung wie man sich das Attest zum ohne Maske ins Geschäft gehen selber macht.

Aber auch ganz banale Sachen und praktische Hinweise werden geteilt, etwa Anleitungen wie man sich selbst ein Attest fälscht um ohne Maske in Geschäfte gehen zu können. Besonders das Thema Maskenpflicht und wie man diese umgehen kann, scheint die Leute umzutreiben. Zum einen weil sie sich unter der Maske unwohl fühlen, zum anderen auch weil die Maske als „Maulkorb“ fürs Volk ausgelegt wird. Was alleine schon empirisch sehr seltsam ist, da ich mich ja auch mit Maske unterhalten kann. Wer es nicht glaubt, sollte einfach mal die angeregten Gespräche hören die Chirurgen im OP führen.

Einschränkungen sind zum Großteil aufgehoben und wir sind noch immer eine Demokratie.

Hygienedemo oder „nichtohneuns“ in Freiburg

Eher zufällig als geplant kam ich gestern auf dem Rathausplatz in Freiburg bei einer Demo vorbei. Zunächst war mir gar nicht klar wer und für oder gegen was demonstrierte, das lag unteranderem daran, dass Menschen zwar Reden hielten, aber kein Megaphon hatten, sondern lediglich einen Alulampenschirm.

hinten: #freiburghältzusammen, rechts Plakat mit „Sag mir wo es noch Menschenrechte gibt?“ und vorne die mittelalte Frau, die empört in einen Alulampenschirm spricht.

Auch ästhetisch konnte ich die Demo nicht so recht zuordnen. Publikum waren eher ältere Menschen, so 50+, gemischt Männer und Frauen und eher so leger, ökologisch gekleidete Menschen. Keine Verkleidungen oder so.

Jetzt ist es so, das ich auch ziemliche Empörung angesichts der Tatsache empfand, dass durch die Corona Verordnungen Demonstrationen quasi überall untersagt waren (Zur Diskussion dazu, besonders ob das überhaupt Verfassungskonform ist, siehe Verfassungsblog), gleichzeitig aber die Bundesregierung defacto das Grundrecht auf Asyl ausgetzt hat, in Moira oder gewissen LEAs völlig unhaltbare Zustände herrschten, kaum in der Lage schien Kinder aufzunehmen und auch noch versuchte Seenotrettung zu stoppen. Alles Dinge die einen sicher empören und gegen die man Lust hätte oder sich in der Pflicht fühlen würde zu Demonstrieren.

Überreste der Demo auf dem Platz der Alten Synagoge

Inzwischen kann man in Baden-Württemberg aber wieder Demos anmelden und am Samstag gab es in Freiburg wohl zwei. Eine auf dem Platz der alten Synagoge, von eher linken Gruppen, auf dem sich die Teilnehmer an Abstandsregelungen hielten (zumindest waren Kreuze auf dem Boden wo man stehen sollte) und eine weitere die sich im Laufe wohl auf den Rathausplatz bewegt hatte.

Demo auf dem PdaS mit Abstand

Wohl gemerkt, das war nicht die Wirte-Demo mit den leeren Stühlen. Die Kundgebung am Rathausplatz wurde wohl von den Menschen aus diesem „nichtohneuns“ Bündnis angemeldet

Auf dem Rathaushplatz war eine seltsame Stimmung: Es war die mittelalte Frau anwesend, die immer wieder Dinge sagte, die die Menge aufstachelte. Leider konnte man sie eben nicht verstehen, wenn man weiter wegstand. Dann Menschen mit Grundgesetzen, einzelne Mitglieder der Freiburger AfD, die sich mit Antifa Jugendlichen zofften und dann von der Polizei zurecht gewiesen wurden.

Antifa Transpi: „Corona ist kein Insidejob – Gegen jeden Antisemitismus“

Übrigens die Polizei: Setzte das Demonstrationsrecht der Demo durch, vertrieb die Antifa-Gegendemo, es fand die ganze Zeit, die ich da war, keine wie auch immer geartete Repression, gegen diese Veranstaltung satt. Vielleicht sind Sprechchöre („Kein Staat, kein Gott, keine Nation“) , die man sonst auf solchen Gegendemos verwendet, eher weniger angebracht und man sollte versuchen mit den Menschen zu diskutieren.

Eines war relativ deutlich: Es wurde immer wieder gesagt man halte die Hygieneauflagen ein, zu sehen war das aber von Seiten der Teilnehmenden eher nicht. Dazu kamen dann noch recht wirre Plakate, die Teils selbstgebastelt und Teils auch profesionell hergestellt schienen.

Unter den Bäumen im schattigen Teil, gab es auch eine Meditation. Das war wohl Ergebniss eines Aufrufs von KenFM unter dem Motto „Ignorance Meditation“

Obwohl das ganze relativ wirr war, schlecht organisiert schien und auch nicht so ganz klar war, auf was die Teilnehmer wohl hinaus wollten, ist das wohl nicht ungefährlich. Denn es vermischen legitime Sorgen um Existenz und Arbeitsplatz mit bizarren Verschwörungstheorien und Nationalismus.

https://twitter.com/osuiowq_sid/status/1254156728867926016?s=20

Jetzt muß man davon ausgehen, dass diese Demo(s), die es wohl bundesweit gibt, keine spontane Graswurzelbewegung sind, sondern durch die Website von KenFM beworben und zumindest angeregt wurden.

„Hygienedemo oder „nichtohneuns“ in Freiburg“ weiterlesen

Mehr oder weniger CO2 / Stromverbrauch durch Videokonferenzen?

Kleine Entgegnung auf den Leserbrief von Tja Voigts: https://www.badische-zeitung.de/wir-muessen-alle-massiv-auch-beim-indirekten-stromverbrauch-sparen–184851783.html

Telko

Um den enormen Strombedarf der offline Welt zu verstehen, muß man wissen, dass es auch um den Strombedarf der Benzinherstellung geht. So muß etwa Rohöl auf über 400 Grad erhitzt werden, um die chemischen Prozesse auszulösen, an deren Ende Benzin und Diesel stehen. Das ganze muß transportiert, gepumpt, die Tankstelle muß beleuchtet werden.

Studien kommen auf etwa 6 kWh Strom je Liter Benzin. Daher mit dem Strom, dem man braucht um mit einem Benzinauto 100 km zu fahren, kann man mit einem Elektroauto 50-80 Kilometer weit fahren. (Relativ spannend das etwa hier nachzulesen: https://www.pv-magazine.de/2018/01/29/auch-verbrenner-fahren-mit-strom/ und hier: https://www.springerprofessional.de/elektromobilitaet/dieselmotor/endenergiebezogene-analyse-diesel-versus-elektromobilitaet/16673694).

Rechnen wir das mal um auf einen Arbeitnehmer, der statt ins Büro zu fahren, Homeoffice macht. Bei Büro und Heim ergeben sich keine oder kaum Vernachlässigtere Veränderung, Büro und Heim müßen ja auch geheizt werden, die Schreibtischlampe daheim oder im Büro braucht gleich viel.

per Telko ein PEEP Ventil analysieren, kann man inzeischen machen

Wohnt der Arbeitnehmer in Freiburg und pendelt nach Lörrach mit dem Auto, was ja nicht ungewöhnlich sein dürfte, dann ist das ein Weg 72 km. Hin und zurück 144 km. Nehmen wir ein sehr sparsames Dieselauto an, da 6 l auf 100 km braucht – wir ignorieren mal die Strecke Autobahn — dann kommen wir auf so ca 11 l Kraftstoff für einen Tag pendeln, das wären dann 66 kWh. Bei einer 5 Tage Woche 330 kWh, alleine fürs pendeln.

Wir rechnen auch mal, dass es egal ist ob der PC im Homeoffice steht, daher an ist er eh. Auch laufen in Firma Router und andere Geräte den ganzen Tag. Der Bedarf an Strom für entsprechende sehr starken Server, mit dem Videokonferenzen für eine ganze Schule oder ähnliches durchgeführt werden, dürfte bei 24/7/365 Betrieb laut Dell etwa bei 1600 kWh liegen. Daher verzichtet ein (!) Pendler für 5 Wochen auf die Fahrt nach Lörrach, ist man mit dem Strom fürs ganze Jahr schon draussen.

Betrachten wir mal den CO2 Ausstoß unseres Mitarbeiters: Reißt dieser für ein Meeting mit dem Flugzeug von Basel nach Berlin – im Business Kontext durchaus normal – stößt er laut einschlägiger CO2 Rechner 283 kg CO? aus. Läuft der Server nun auf dem Standard Strommix (wohlgemerkt, das ganze Jahr, auch Nachts, am Wochende, Feiertage) erzeugt er: 822 kg CO2. Nach der dritten Reise nach Berlin, hat man also mehr CO2 ausgestossen, als der Serverbetrieb braucht.

Kurzum: So einfach wie man es sich bei 5G Gegnern macht, ist es erstmal nicht. Durch mehr Videokonferenz und weniger Business Trips, mehr Homeoffice und weniger Pendeln, dürfte der CO2 Ausstoß bzw. Energieverbrauch durchaus zurück gehen.

Schulen wieder eröffnen, nur mit Kinderbeteiligung

Zu Badische Zeitung: 15. April 2020 https://www.badische-zeitung.de/offizielle-zwangspause-an-schulen-noch-bis-mai–184826354.html und 3. April 2020 https://www.badische-zeitung.de/wissenschaftler-wollen-schulen-schrittweise-wieder-oeffnen

inwusichen äußet sich auch Rezo

Derzeit wird darüber diskutiert, ab dem 4. Mai die Schulen wieder schrittweise zu öffnen. Für eine schrittweise Öffnung müßen unterschiedliche Modalitäten geklärt werden: Wie findet der Unterricht statt: In Kleingruppen oder im Klassenverband? Für alle Klassenstufen oder nur die Abschlußklassen? Präsensunterricht eher für jüngere Kinder um Eltern zu entlasten? Wieder als völliger Präsenzunterricht oder als Mischung mit Fernlehre? Muß bei einer Mischung aus Präsens- und Fernlehre auf ein traditionelles Stundenplankonzept zurückgegriffen werden oder gibt es bessere Konzepte? Lernen Kinder ausgeschlafen und konzentriert in 1,5 Stunden in Kleingruppen mit garantierter Aufmerksamkeit durch die Lehrkraft nicht vielleicht mehr als in 6h mit 33 anderen Kindern? Darunter auch vielleicht solchen von denen sie gemobbt werden?

Alle diese Fragen, müßen mit den Betroffenen, den Kindern und Jugendlichen diskutiert und Lösungen gemeinsam ausgearbeitet werden, alleine schon weil eine Beteiligung immer die Compliance erhöht. Sinnvolle Hygieneregeln können nur umgesetzt werden, wenn Kinder und Jugendliche diese verstehen, mitmachen und sich sicher fühlen. Andernfalls droht ein Schulboykott, entsprechende Hashtags trenden bereits auf twitter. Die Generation „Fridays for Future“ hat gezeigt, dass sie bereit ist nicht zur Schule zu gehen um so etwas abstraktes wie das Klima zu schützen, dann sicher auch um bei Angst um die eigene Gesundheit.

Kinder- und Jugendbeteiligung ist in Baden-Württemberg eine Pflichtaufgabe nach §41a der Gemeindeordnung für die Gemeinden. Bisher sehe ich noch keine Berichte, wie diese Kinder- und Jugendbeteiligung organisiert werden soll. In Südbaden gibt es dafür haufenweise Moderator*innen und Experten, die sich gerne zur Verfügung stellen.

Ebenso scheint es zumindest in Freiburg kaum Anstrengung von Seitens der Stadt – als Schulträger zu geben – zumindest eine Grundausstattung mit Geräten auch den Kindern zur Verfügung zu stellen, deren Eltern zuhause kein Internet oder Gerät zugänglich machen können. Vielleicht weil sie es selbst fürs Homeoffice brauchen. Dabei wären entsprechende Systeme bereits für unter 100 EUR machbar, in Freiburg gibt es viele Initiativen aus Zivilgesellschaft die dabei helfen würden.

Auch das Kultusministerium schafft es bisher nicht eigene Videokonferenz Server angebunden an das Moodle System für Unterricht anzubieten, obwohl dies technisch durchaus machbar wäre.

Die Fähigkeiten zum Home Office, Umgang mit Videokonferenzen und kolaborativem Arbeiten an Dokumenten per PC sind bereits heute in vielen Unternehmen wichtig und werden wichtiger – wer das ignoriert und wieder zu einer vermeintlich heilen Bildungswelt vor der Krise zurück will, bereitet Kinder schlecht auf die Arbeitswelt vor.

Politikersocialmedia in Krisenzeiten

Quelle: Facebook vom T Simms

Da es gerade auf Facebook unter einem Post von Timothy Simms, zu einem Post von Martin Horn, eine längere Diskussion über Social Media in Zeiten der Covid-19-Krise gibt, will ich hierzu mal meine Gedanken aufschreiben.

Hier mal ganz subjetiv, welche Posts es gibt, im Versuch Kategorien zu erstellen. Das ganze basiert völlig unrepräsentativ auf meinem Feed bei Facebook. Ich habe immer auf entsprechende Posts verlinkt. Das heißt nicht, dass die entsprechenden Politiker, nicht auch andere Posts ablassen, ich habe lediglich bei einzelnen mal entsprechende Beispiele gesucht.

Quelle: Ulrich von Kirbach / Nadyne Saint-Cast

„In der Krise geht Politik weiter“: In der Regel erzählt der Politiker, dass auch in der Krise der Gemeinderat oder die Partei weiterarbeiten. Bild meist von einer Videokonferenz. Dabei ist Politik meist sehr unspezifisch, das sich eben Menschen treffen und reden.
?: ? ? finde ich gut, das man zeigt, wir arbeiten, so wie viele andere weiter.

Die Verschärfte Version, ist dann der „Post aus dem Krisenstab“, meist ein Bild aus einem Zimmer, in dem Politiker an einem Tisch mit Unterlagen, Akten, Laptop und ganz vielen Flaschen, es sind immer ganz viele Flaschen mit Getränken, das braucht man scheinbar als Krisenstab, zu sehen sind. (Hier etwa der Post von Lars Petersen)
?: ? ? finde ich gut, man zeigt man arbeitet.

„Auswirkungen von Krise“-Post: Der Politiker erklärt, was sich nun aufgrund der Krise verändert hat. (Etwa weniger Stromverbrauch in diesem Post vom Umweltminister, Toiletenpapierfabrik läuft auf Hochtouren, …) Meist ohne direkten Kommentar oder politische Einordnung.
?: ? realtiv normales Politiker Social Media Geschäft, kann man machen.

Kommentar einer politischen Handlung / Entscheidung: Politiker schreibt was er darüber denkt. Das machen meist Politiker die auf Facebook sowieso relativ viel senden und auch hier die Gelegenheit nutzen. (Beispiel: Gregor Mohlberg oder Tim Simms mit Lob für die Geschwindigkeit der Stadt).
?: ? realtiv normales Politiker Social Media Geschäft, kann man machen, auch in er Krise soll und darf diskutiert werden.

„Hilfe in der Krise“-Post. In meiner Wahrnehmung relativ dominant: Politiker zeigt sich mit einem Angebot, das Hilfe in der Krise verspricht. (Etwa Ullrich von Kirbach mit einem Angebot der Tafeln oder der geteilte Beitrag vom Bücherbike der Statbücherei oder dieser Hinweis von Gabi Rolland auf Telefonselsorge und andere Nummern.).
?:? finde ich gut, wenn der Hinweis auf das Angebot im Vordergrund steht und dieses und die Menschen ?? nicht zu einem Prop für die eigene Selbstinszenierung wird.

Steigerung davon, gerade bei Kommunalpolitkern ist der „Ich packe in der Krise an“- Post: Der Politiker ist dabei zu sehen, wie er selbst etwas macht um zur Bewältigung beizutragen. Das ist aktuell gar nicht so leich, bei einem Hochwasser, kann man wenigstens Sandsäcke schleppen, hier braucht es schon mehr Kompetenzen. Ich hatte ein wenig amüsiert auf Facebook einen Beitrag von Gabi Rollands kommentiert, in dem sie vor einem Altenheim singt. Aber die Grundidee finde ich schon mal gut, vielleicht sollte man als Politiker auch einfach sowas organisieren und nicht unbedingt selber machen.
?: ? finde ich gut, wenn der Hinweis auf das Angebot im Vordergrund steht und dieses und die Menschen ?? nicht zu einem Prop für die eigene Selbstinszenierung wird.

„Online Demo“. Da man nicht mehr zur Fridays for Future Demo gehen kann, wird online demonstriert, indem man ein Schild hochhält. (Beispiel: Tim Simms bei Fridays for Future)
?: ? realtiv normales Politiker Social Media Geschäft, kann man machen.

Freizeittipps. Politiker erklären wie man in der Krise mit oder ohne Kindern seine Freizeit gestalten kann. Finde ich kann man machen, wenn man dabei nicht Tipps gibt, die andere aufgrund von finanziellen Gegebenheiten gar nicht durführen können. (Gutes Beispiel: Nadyne Saint-Cast mit Rad, aus meiner Sicht katastrophal in der Außendarstellung: Ich habe jetzt ja soviel Zeit, da kann ich mich daheim in den Strandkorb setzen und lesen auch von den Grünen. Weil eben viele Leute sowas nicht haben.)
?: ? ? kann man machen, finde ich jetzt aber nicht so spannend und wichtig. Auch weil es eben Fallhöhe gibt.

„Ich habe mir das gekauft vom lokalen Geschäft“, Politiker postet, was er von einem lokalen Geschäft gekauft hat. Von der Idee her gut gemeint. Kann aber Fragen aufwerfen: Etwa wenn man Dinge kauft, die teuer sind (Sozialneid) oder nicht öko. Viel dramatischer aber, es kann dadurch ein Geschmäckle enstehen: Heute mache ich auf meinem Facebook quasi Werbung für ein Geschäft, morgen entscheide ich vielleicht als Gemeinderat über eine Bebauungsplanänderung, die den Geschäftsbesitzer begünstigt. Dann kann schon ohne Gefahr laufen, das ein blöder Eindruck entsteht. (Beispiel, ohne Hinweis dass die Gefahr bestünde: etwa Jan Otto und sein Teekästchen)
?: ?? kann man machen, kann aber einen problematischen Eindruck erwecken.

Vox Populi, Politiker fragt seine Follower bzw. bietet sich mit Rat an. (Nett gemacht bei Julia Söhne, meist eher über Instagram)
?: ?? finde ich sehr gut. So kann man mit den Leuten ins Gespräch kommen.

„Mein soziales Leben geht jetzt halt online weiter“. Post komtm meist von Leuten, deren Facebookprofil auch vorher schon eher aus privaten Partybildern bestand. (Beispiel Franco Orlando)
?: politischer Informationsgehalt eher niedrig,

Tja und da wäre noch Martin Horn. Während es eine ganze Reihe, durchaus informativer Posts gibt, etwa zur Arbeit des Gemeinderates, Lob an Medizinstudenten, Erklärung warum Spielplätze geschlossen sind, oder Besuch bei der Maskenprodukion des Stadttheaters, gibt es von ihm auch den Beitrag, der die Diskussion angefangen hat: Martin Horn hat die Tanschule Gutman besucht und mit einer Tanzlehrerin ein Video gedreht.

Quelle: Facebook Tanzschule Gutmann
Quelle: Facebook von Martin Horn

Wohl gemerkt: Martin Horn war nicht daheim, sondern zusammen mit einem Kameramann in der Tanzschule und hat da ein Video gedreht.
?: ? ? Abgesehen von der Frage, wieso man als OB für sowas mitten in der Krise zeit findet, stelle ich mir unter Vermeiden unnötiger sozialer Kontakte, was anderes vor. Klar freut sich natürlich diese Tanzschule über die kostenlose Werbung. Die anderen Geschmäckle, die durch sowas entstehen können, habe ich schon bei „Einkaufen vom lokalen Geschäft“ erläuert.