Politikersocialmedia in Krisenzeiten

Quelle: Facebook vom T Simms

Da es gerade auf Facebook unter einem Post von Timothy Simms, zu einem Post von Martin Horn, eine längere Diskussion über Social Media in Zeiten der Covid-19-Krise gibt, will ich hierzu mal meine Gedanken aufschreiben.

Hier mal ganz subjetiv, welche Posts es gibt, im Versuch Kategorien zu erstellen. Das ganze basiert völlig unrepräsentativ auf meinem Feed bei Facebook. Ich habe immer auf entsprechende Posts verlinkt. Das heißt nicht, dass die entsprechenden Politiker, nicht auch andere Posts ablassen, ich habe lediglich bei einzelnen mal entsprechende Beispiele gesucht.

Quelle: Ulrich von Kirbach / Nadyne Saint-Cast

„In der Krise geht Politik weiter“: In der Regel erzählt der Politiker, dass auch in der Krise der Gemeinderat oder die Partei weiterarbeiten. Bild meist von einer Videokonferenz. Dabei ist Politik meist sehr unspezifisch, das sich eben Menschen treffen und reden.
?: ? ? finde ich gut, das man zeigt, wir arbeiten, so wie viele andere weiter.

Die Verschärfte Version, ist dann der „Post aus dem Krisenstab“, meist ein Bild aus einem Zimmer, in dem Politiker an einem Tisch mit Unterlagen, Akten, Laptop und ganz vielen Flaschen, es sind immer ganz viele Flaschen mit Getränken, das braucht man scheinbar als Krisenstab, zu sehen sind. (Hier etwa der Post von Lars Petersen)
?: ? ? finde ich gut, man zeigt man arbeitet.

„Auswirkungen von Krise“-Post: Der Politiker erklärt, was sich nun aufgrund der Krise verändert hat. (Etwa weniger Stromverbrauch in diesem Post vom Umweltminister, Toiletenpapierfabrik läuft auf Hochtouren, …) Meist ohne direkten Kommentar oder politische Einordnung.
?: ? realtiv normales Politiker Social Media Geschäft, kann man machen.

Kommentar einer politischen Handlung / Entscheidung: Politiker schreibt was er darüber denkt. Das machen meist Politiker die auf Facebook sowieso relativ viel senden und auch hier die Gelegenheit nutzen. (Beispiel: Gregor Mohlberg oder Tim Simms mit Lob für die Geschwindigkeit der Stadt).
?: ? realtiv normales Politiker Social Media Geschäft, kann man machen, auch in er Krise soll und darf diskutiert werden.

„Hilfe in der Krise“-Post. In meiner Wahrnehmung relativ dominant: Politiker zeigt sich mit einem Angebot, das Hilfe in der Krise verspricht. (Etwa Ullrich von Kirbach mit einem Angebot der Tafeln oder der geteilte Beitrag vom Bücherbike der Statbücherei oder dieser Hinweis von Gabi Rolland auf Telefonselsorge und andere Nummern.).
?:? finde ich gut, wenn der Hinweis auf das Angebot im Vordergrund steht und dieses und die Menschen ?? nicht zu einem Prop für die eigene Selbstinszenierung wird.

Steigerung davon, gerade bei Kommunalpolitkern ist der „Ich packe in der Krise an“- Post: Der Politiker ist dabei zu sehen, wie er selbst etwas macht um zur Bewältigung beizutragen. Das ist aktuell gar nicht so leich, bei einem Hochwasser, kann man wenigstens Sandsäcke schleppen, hier braucht es schon mehr Kompetenzen. Ich hatte ein wenig amüsiert auf Facebook einen Beitrag von Gabi Rollands kommentiert, in dem sie vor einem Altenheim singt. Aber die Grundidee finde ich schon mal gut, vielleicht sollte man als Politiker auch einfach sowas organisieren und nicht unbedingt selber machen.
?: ? finde ich gut, wenn der Hinweis auf das Angebot im Vordergrund steht und dieses und die Menschen ?? nicht zu einem Prop für die eigene Selbstinszenierung wird.

„Online Demo“. Da man nicht mehr zur Fridays for Future Demo gehen kann, wird online demonstriert, indem man ein Schild hochhält. (Beispiel: Tim Simms bei Fridays for Future)
?: ? realtiv normales Politiker Social Media Geschäft, kann man machen.

Freizeittipps. Politiker erklären wie man in der Krise mit oder ohne Kindern seine Freizeit gestalten kann. Finde ich kann man machen, wenn man dabei nicht Tipps gibt, die andere aufgrund von finanziellen Gegebenheiten gar nicht durführen können. (Gutes Beispiel: Nadyne Saint-Cast mit Rad, aus meiner Sicht katastrophal in der Außendarstellung: Ich habe jetzt ja soviel Zeit, da kann ich mich daheim in den Strandkorb setzen und lesen auch von den Grünen. Weil eben viele Leute sowas nicht haben.)
?: ? ? kann man machen, finde ich jetzt aber nicht so spannend und wichtig. Auch weil es eben Fallhöhe gibt.

„Ich habe mir das gekauft vom lokalen Geschäft“, Politiker postet, was er von einem lokalen Geschäft gekauft hat. Von der Idee her gut gemeint. Kann aber Fragen aufwerfen: Etwa wenn man Dinge kauft, die teuer sind (Sozialneid) oder nicht öko. Viel dramatischer aber, es kann dadurch ein Geschmäckle enstehen: Heute mache ich auf meinem Facebook quasi Werbung für ein Geschäft, morgen entscheide ich vielleicht als Gemeinderat über eine Bebauungsplanänderung, die den Geschäftsbesitzer begünstigt. Dann kann schon ohne Gefahr laufen, das ein blöder Eindruck entsteht. (Beispiel, ohne Hinweis dass die Gefahr bestünde: etwa Jan Otto und sein Teekästchen)
?: ?? kann man machen, kann aber einen problematischen Eindruck erwecken.

Vox Populi, Politiker fragt seine Follower bzw. bietet sich mit Rat an. (Nett gemacht bei Julia Söhne, meist eher über Instagram)
?: ?? finde ich sehr gut. So kann man mit den Leuten ins Gespräch kommen.

„Mein soziales Leben geht jetzt halt online weiter“. Post komtm meist von Leuten, deren Facebookprofil auch vorher schon eher aus privaten Partybildern bestand. (Beispiel Franco Orlando)
?: politischer Informationsgehalt eher niedrig,

Tja und da wäre noch Martin Horn. Während es eine ganze Reihe, durchaus informativer Posts gibt, etwa zur Arbeit des Gemeinderates, Lob an Medizinstudenten, Erklärung warum Spielplätze geschlossen sind, oder Besuch bei der Maskenprodukion des Stadttheaters, gibt es von ihm auch den Beitrag, der die Diskussion angefangen hat: Martin Horn hat die Tanschule Gutman besucht und mit einer Tanzlehrerin ein Video gedreht.

Quelle: Facebook Tanzschule Gutmann
Quelle: Facebook von Martin Horn

Wohl gemerkt: Martin Horn war nicht daheim, sondern zusammen mit einem Kameramann in der Tanzschule und hat da ein Video gedreht.
?: ? ? Abgesehen von der Frage, wieso man als OB für sowas mitten in der Krise zeit findet, stelle ich mir unter Vermeiden unnötiger sozialer Kontakte, was anderes vor. Klar freut sich natürlich diese Tanzschule über die kostenlose Werbung. Die anderen Geschmäckle, die durch sowas entstehen können, habe ich schon bei „Einkaufen vom lokalen Geschäft“ erläuert.

Mit 3D-Druck in der Krise helfen.

Seit etwa zwei Wochen gibt es in Freiburg das techiesvscorona.de Netzwerk. Ein Zusammenschluss von inzwischen über 100 Personen, die versuchen durch ihre 3D-Drucker zu helfen.

Gesichtsvisiere im Druck im Ultimaker S3, den ich gerade zum Testen da habe

Initiiert wurde das ganze von Dr. Severin Vierrath und Dr. Matthias Breitwieser, die auch bei Scientists for Future aktiv sind und sonst beim IMTEK arbeiten. Das sind die Personen, für die die Krise eher keine Entschleunigung ist, sondern zur normalen Arbeit, inzwischen auch viel Koordination bedeutet.

Die erste Mail mit der Bitte, doch an einem Zoom Meeting teilzunehmen ging am 26.3. rum. Da war schon Bedarf für Gesichtsvisire von verschiedenen Krankenhäusern und anderen Institutionen angekündigt. Und es war auch von Anfang das Freilab, dem FIT, dem Prozesstechnik-Lehrstuhl einige Leute aus deren Umfeld vorbei. Die Email ging dann schnell über einige Verteiler auch in Richtung CCC, so dass im Zoom am gleichen Abend schon mehr als 25 Leute dabei waren.

In nur 1,5h hatte sich dieser Haufen von Leuten die sich bis dato nicht kannten zu einem Team mit straighten Plan entwickelt. Der sah vor, dass zunächst mal möglichst schnell eine erste Charge von 100 Prusa RC3s Gesichtsvisieren zu produzieren.

Schnell wurde auch ein Abgabeort geklärt und Angefangen den Nachschub von Knopflochband zu organisieren, nachdem insgesamt 12m von der Nähwelt HILD weggekauft waren. Auch die Suche nach transparenter PET-Folie mit einer mindest Dicke von 0.2 mm, war nicht einfach. Inzwischen hat man glaube ich eine große Rolle bei einem Baumarkt gekauft.

Schnell wurde auch ein Slack Channel zur Kommunikation aufgesetzt und ein Webformular geschalten um die Bestellungen ein wenig zu bündeln und der großen Anzahl der Anfragen Herr zu werden. Neben bei liefen die Lasercutter zum schneiden der Folie heiß und inzwischen weit über 70 3d-Drucker.

Während Severin und Matthias also vor lauter Koordination nicht mehr weiter wussten, kamen immer mehr Menschen und Institutionen dazu, inzwischen macht auch die Stadtbücherei mit ihrem Drucker mit, wetell kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit, der Moutainbikeverein liefert aus und vielleicht bekommen wir am Dienstag nach Ostern Hilfe von der Freiburger Hilfsgemeinschaft bei der Produktion.

Die Gesichtsvisire werden montiert: 3D-gedruckte Träger, Knopflochband und laser geschnittene Plexiglasschilder

So sind es Stand heute Abend über 800 Visiere die gefertigt wurden. Außerdem noch eine Homepage, Facebook und Instagram aufgesetzt, untereinander hilft man sich defekte Drucker von wieder flott zu machen, die Teile in die gesamte Region bis Breisach und Lörrach geliefert und auch an Sonderkonstruktionen, wie dem Druck eines PEEP Ventils gearbeitet.

Daneben haben einzelne immer wieder geschaut welches Design der Gesichtsvisire optimal ist, mit Veränderungen herumexperimentiert und sich gegenseitig bei der Nutzung der 3D Drucker beraten.

Derzeit experimentieren wir etwa mit einem kleinen Objekt, mit dessen Hilfe die OP Masken, besser auf der Nase haften. Dazu haben wir unterschiedliche Versionen gedruckt und holen von den Nutzenden Rückmeldungen ein.

Dieses Netzwerk wird auch nach der Krise bleiben und sich gegenseitig beflügeln. Das wird vielleicht einer der positiven Auswirkungen sein.

Medienbereichte zu DIY Beatmungsgerät

Sebastian hat im Morgenradio von  Radio Dreyeckland versucht zu erläutern wo wir beim Projekt DIY Beatmungsgeräte stehen, was die Herausforderungen sind und wie man es wird bauen können.

Auch für online2local hat er einige Fragen beantwortet:

O2L: Was sollte man in der jetzigen Situation tun, wenn man einen eigenen handelsüblichen 3D-Drucker im Keller stehen hat? Die Pläne für ein Beatmungsgerät aus dem Internet besorgen, losdrucken und das Ergebnis an die nächste Klinik in meiner Nähe schicken?

Sebastian Müller: Nein, man sollte sich bei #MakerVsVirus melden und sich mit der jeweiligen Ortsgruppe abstimmen, um den Bedarf festzustellen. Ein Ableger für Südbaden, techies vs corona, ist seit dem 3. April ebenfalls online. Für Erfahrene ist auch ein Engagement bei unserem Projekt DIY-Beatmungsgerät möglich, da sind mittlerweile über 200 Maker zusammengekommen. Grundsätzlich muss man beachten, dass es sich bei Beatmungsgeräten für Intensivpatienten um komplexe Maschinen handelt, die nicht leicht zu steuern sind. (…)“ (das gesammte Interview)

3d-Druck in der Corona Krise

Da mich derzeit einige Anfragen erreichen, bitte ich Sie hier kurz zu lesen.

? Gesichtsschilder oder Gesichtsvisire druckt in der Region Freiburg das „TechiesvsCorona“ Netzwerk. Über deren Website ist auch eine Bestellung möglich. Bundesweit koordiniert https://www.makervsvirus.org/de/ den Einsatz von 3D-Druckern. Ich beteilige mich mit meinen Druckern daran.

? Ellenbogentüröffner (mehr auf meinem Blog) drucke ich. Anfragen bitte dazu an dieses Google Formular. Es gibt unterschiedliche Formen, bitte bei Materilize auf der Website schauen, welche für die eigene Tür am besten passt. Druckkosten + Zubehör (Fahrradschlauch, Schrauben) liegt bei ca 10 EUR. Druck nur wenn keine anderen Sachen gerade wichtiger sind.

? Das DIY Beatmungsgerät Projekt hat seine eigene Website. Dort erfahrt ihr mehr über dieses Projekt, wir ihr euch beteiligen könnt, usw… . Derzeit gibt es Prototypen, aber noch kein fertiges Gerät oder Druckdateien die man sich gar runterladen könnte. Die Herausforderung haber ich zusammen mit Guido Burger in einem Artikel für Heise Online beschrieben. Im Projekt arbeiten rund 200 Menschen, die Lage ist sehr dynamisch, wir versuchen auf Twitter zu informieren. Ich koordiniere bei dem Projekt ein wenig.

? Gesichtsmasken aus Stoff, also solche die andere Menschen vor meinen Viren schützen, die ich aushuste, basteln und sammeln in Freiburg unteranderem die Malteser. Ansprechpartnerin ist Monika Schneider per E-Mail.

? Gesichtsmasken Halter für die Nase. Manche mögen es, denen hilft es, dass die Brille nicht von innen beschlägt. Bestellung bei mir oder techiesvscorona.de

? Gesichtsmasken Halter für die Ohren. Der Surgical Mask Strap Remix habe ich einige Male für die Uniklinik gedruckt, weil die Grummis an den Masken, die Ohren nach vorne drückten. Wer welche braucht, einfach bei mir oder dem techiesvscorona.de Netzwerk melden.

? Kindern die keinen PC haben, helfen: Die Computertruhe unterstützt Familien die kein Geld haben, sich einen PC zu leisten, an dem Kinder ihre Schulaufgaben machen können. Wer das auch gut findet, kann gerne Geld dorthin spenden. Ich finde das sehr sympatisch, weil sie einen Pi anbieten.

Keine Willkür in der Krise.

Vorbereitung im Krankenhaus

Derzeit sehe ich an vielen Stellen großes Engagement in der aktuellen Corona Krise. Einige Beispiele:

  • Freiburger Techies, rund um Engineers for Future, koordinieren eine Gruppe die mit 3d-Druck und Lasercuttern Schutzvisire und Ähnliches herstellt.
  • Unzählige Leute bieten an für ihre Nachbarn einzukaufen oder vernetzen sich in Hilfsgruppen online.
  • Bei einem Hackaton der Bundesregierung haben über 40.000 Leute an (digitalen) Lösungen gearbeitet. Daraus ist auch eine Gruppe entstanden, die versucht Beatmungsgeräte mit einfachsten Mitteln herzustellen, die weiterarbeitet und inzwischen mehr als 200 Aktive hat.
  • Bei der Hilfsorganisation bei der ich mich engagiere, müßen Ehren- und Nebenamtliche eher gebremst werden.
  • In den Freiburger Krankenhäusern erlebe ich wie in kurzer Zeit, enorme organisatorische Anstrengungen unternommen werden um sich vorzubereiten.
  • Viele junge Menschen engagieren sich in einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) beim Rettungsdienst und in der Pflege. Sie sind an vorderster Front der Coronakrise und teils auch ohne ausreichende Schutzkleidung dem Infektionsrisiko ausgesetzt. Dafür bekommen sie ein Taschengeld und mehr nicht.
  • Zahlreiche Lehrer*innen schaffen in wenigen Tagen, weitgehend ohne Hilfestellung des Kultusministeriums unter Ministerin Eisenmann, die das Schulcloud Projekt in den Sand gesetzt und jahrelang nur mit verboten auf Digitalisierung reagiert hat, mehr oder weniger guten online Unterricht abzuhalten.

Gleichzeitig sollen nun einige Dinge schnell geregelt werden, die schon lange überfällig sind:

Menschen engagieren sich

Auf der anderen Seite scheinen besonders „Innenpolitiker“ mit ihren Vorschlägen und Maßnahmen über das sinnvolle Maß hinauszuschiessen und damit die Akzeptanz der Maßnahmen insgesamt zu gefährden:

  • So werden in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Bremen und Teilen Baden-Württembergs Namenslisten mit COVID-19-Erkrankten an die Polizei weitergegeben. Rein Polizeipraktisch stellt sich aber die Frage, wie das nutzen soll? Jemand der etwa randaliert, wird vorher kaum seinen kompletten Vor- und Nachnamen schreien, damit Anrufende bei der 110 diesen dann der Polizei mitteilen. Wenn nun bei der Polizei Listen mit COVID-19-Erkrankten angelegt werden, warum nicht auch welche mit an AIDS-, Masern-, Hepatitis- oder MRSA-Erkrankten oder Menschen mit psychischen Störungen? Warum diese nur zum „Eigenschutz“ an die Polizei weitergeben und nicht auch an den Rettungsdienst oder die Nachbarn?
  • Kastastrophal für Datenschutz und Digitale Souveränität unseres Landes und jedes einzelnen, wäre die Entwicklung einer Corona App durch mit US Geheimdiensten eng verknüpfte Datenkraken wie Palantir.
  • In NRW und Bayern wird derzeit auch ein Zwangsarbeit für Gesundheitsberufe diskutiert. Wenn das kommt, werden sich junge Menschen in Zukunft genau überlegen ob sie solche Berufe erlernen.
  • Gleichzeitig wurde die Aufnahme von Menschen in Not großer Not – etwa aus dem Lager Moira in Griechenland ausgesetzt – während Abschiebungen per Chartaflug in den Iran organisiert werden, mit Kosten von 100.000 EUR pro Person.
  • Die Ausgangsbeschränkungen sind in einer Reihe von Bundesländern äußerst strikt, so ist in Berlin schon das einzelne Sitzen auf einer Parkbank verboten, in Sachsen darf die Wohnung nicht „ohne triftigen Grund“ verlassen werden, teils sind die Regelungen so vage, dass sie zur Willkür geradezu einladen.

Diese Beispiele sind geeignet die Akzeptanz der gegenwärtigen notwendigen Beschränkungen zu zerstören und sollte überdacht werden.

Einige Bemerkungen zu Digitalem in der Krise

Am Montag 19.3. – das fühlt sich jetzt gerade schon sehr lange her an – hätte ich in Berlin sein sollen für ein Workshop im Ramen unserers Zukunftsbahnhofsprojekts, das war für mich der erste „richtige“ Termin der abgesagt wurde und ins Netz verlegt. Im Projekt arbeiten wir sowieso fast zu 95% im Homeoffice, daher ist die Umstellung nicht so groß. Am Anfang dachte ich, das wird weniger stressig als sonst, weil es ja weniger Termine und Veranstaltungen gibt, aber man merkt doch, das weniger Menschen sehen einen belastet und wie sehr diese auch den Tag strukturieren.

Inzwischen arbeite ich fast nur noch von zuhause – klar Rettungsdienst geht nicht – und habe auch private Treffen abgesagt. Es wird nur noch telefoniert.

Maus im Homeoffice

Durch diese ganze Homeoffice habe ich aber nun in kürzester Zeit eine ganze Reihe von für mich neuen digitalen Werkzeugen kennengelernt:

  • Nextcloud habe ich auf meinem eigenen Server installiert, das war nicht schwer, mein Provider bietet „one-click-install“ und will das für Kollaboration außerhalb von google drive oder der iCloud nutzen.
  • Für Telekonferenzen nutzen wir mit der Bahn, ein Bahneigenes Webex, Teils auch schon google meet. Inzwischen habe ich auch zoom und diverse Jiitsi Instanzen genutzt. Vielleicht wird der CCCfr auch eie eigene Jiitsi Instanz anbieten. Am sympatischten ist mir bisher Jiitsi. Auch wenn es bei eigenen Server ziemlich viel Last erzeugt.
  • Zum Chatten: Bisher hatte ich Telegram, Signal, Threema. Inzwischen bin ich durch Hackaton in diesem riesigen Bundesweiten #wirvsvirus Slack Mitglied, der auch zeitweise das gesammte Slack System lahmzulegen drohte und auch bei Discord.

Für Jiitsi hat Fabian Kern aus Freiburg einen schöne Übersicht und Anleitung gemacht, auch mit einer Liste zahlreicher offener Instanzen. Anleitung wenn man das selber aufmachen will, wozu man aber einen sehr guten Server braucht, gibt es bei Golem.

Sonst experimentiere ich derzeit noch mit Big Blue Button, das ist eher für den Schulbereich gedacht, da kann man auch eine virtuelle Tafel teilen. Auch da gibt es teils freie zugägnliche Instanzen.

Beatmungsgeräte selber bauen – vielleicht geht das

so könnte es aussehen. Quelle: DIYBeatmungsgeraet.de

Kann man mit einfachen Mitteln, ein Beatmungsgerät bauen? Also mit Teilen aus dem 3D-Drucker und anderen Bauteilen, die nicht besonder schwer zu bekommen sind?

Artikel bei Heise.de von Guido Burger und mir dazu

Am Wochenede gab es einen Hackathon der Bundesregierung. Hackathon bedeutet, Interessierte treffen sich – in diesem Fall virtuell – und überlegen und bauen an Lösungen für Probleme. Teilweise kommen dabei Prototypen oder Klickdummies heraus, manchmal sogar fertige Lösungen. Übrigens war es der größte Hackathon der Geschichte und eine Reihe von Ländern will auch wleche Veranstalten.

Ich habe zusammen mit einer ganzen Reihe von Leuten am Projekt: „01_006_Medizingeräteherstellung_DIY-Beatmungsgerätgearbeitet. Das klingt jetzt erstmal irre: Kann man ein, möglicherweise CPAPfähiges, Beatmungsgerät aus einem Ambubeutel selbst bauen?

Wir haben im Rahmen des Hackaton auch schon mal erste Überlegungen angestellt und in einem YouTube Video von 2min Länge dokumentiert.

Das ist nun erstmal ein Anfang. Vielleicht sogar ein vielversprechender, gerade weil so viele engagierte Menschen dabei sind, einige auch von Medizintechnikfirmen.

Es geht darum, aus im Handel derzeit gut verfügbaren Teilen wie Beatmungsmasken und einem manuellen Beatmungsbeutel (sog. “Ambu-Beutel”) und einer vom Team derzeit entwickelten Mechanik zur automatischen Kompression des Beutels, einer einfache Sensorik und einer  Steuerung zur Atmungsunterstützung versuchen wir ein Gerät zur Beatmung zu konstruieren.

so könnte es aussehen

Dabei gibt es unterschiedliche Methoden einen Menschen künstlich zu beatmen. Die technisch einfachste Methode ist es die eigene Atmung auszuschalten, etwa durche ein Narkosemittel, einen Schlauch in die Luftröhre zu legen (die sogenannte Intubation) und dann ein Gerät einfach alle paar Sekunden einen bestimmtes Volumen Luft in die Lunge zu blasen.

Teile, wie etwa die Einhausung für einen Sensor, werden per CAD konstruiert.

Wir wollen auch schauen ob wir eine sogennante CPAP Beatmung, also eine Beatmung die durch den Atemantrieb des Patienten getriggert wird, hinbekommen. Das ist relativ schwierig, weil dazu das Gerät spüren muß ob der Patient atmen will und dann entsprechend Luft pusten.

Derzeit sind wir auch noch auf der Suche nach Medizinern oder Menschen die sich mit Beatmungstechnik auskennen.

Mehr Informationen und aktuelle Entwicklung unter:

Wie kann ich mich melden wenn ich helfen will?

Du kannst dich auf unsrem Github und Devpost anmelden. Oder per Email: DIYBeatmungsgeraet@gmail.com oder twitter https://twitter.com/beatmungsgeraet mit uns Kontakt aufnehmen. Unter http://diy-beatmungsgerät.de/ entseht in Kürze auch eine Webpräsens.

Update: 26.3. 10:15: Unterschiedliche Projekten wurden von Robert Lee Read untersucht und gescort. Unseres scheint sehr weit oben zu stehen.

Türe aufmachen ohne Klinke anzufassen

Tür mit Ellenbogen runterdrücken

Eine der Übertragungsmöglichkeiten für Krankheiten – nicht nur den Covid19 Erreger – sind Türklinken. Die fasst man an um Türen aufzumachen. Während man eine Tür, die sich von einem Weg öffnet, leicht mit dem Ellenbogen runterdrücken kann und dann nach vorne wegstoßen, geht das bei Türen, die sich zu einem öffnen leider nicht. Meistens rutscht dabei der Ellenbogen von der Klinke und man hat auch gar nicht genug „Grip“ um die Tür aufzumachen.

Adapter mit Beschriftung

Geniale belgische Designer haben nun eine ganze Reihe von Adaptern entwickelt, die es erlauben Türen eben nicht anfassen zu müßen. Ich habe bei mir im Mehrfamilienhaus nun an den Türen an denen viele Menschen vorbeikommen: Eingang, Tiefgarage, Treppenhaus, jeweils solche Adapter angebracht.

Noch bin ich am Lernen, was man beachten sollte. Man braucht:

  • Schrauben M4 16mm oder 20 mm
  • Muttern für die M4 Schrauben
  • Gummi: Entweder einen Fahrradschlauch den man zerschneidet oder die Gummis von Einweckgläsern.
  • Druckdatei von Materialise

Noch haben ja die Baumärkte geöffnet, auch wenn nur noch ein paar Menschen hereindürfen.

Einige Tipps:

Zum Anbringen, am besten die Muttern mit Kreppband festkleben, dann fallen sie nicht raus und man hat es einfacher:

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