Die ersten Fachbesucher waren da: Bei der Besichtigigung der Anlage mit Kaj Mertens-Stickel von der Solargeno
Zum Geburtstag habe ich von meinen Eltern anstelle von Socken eine Balkonsolaranlage bekommen. Bisher steht die Anlage auf dem Balkon meiner Eltern und ist auch sehr rebellisch direkt über eine Schukosteckdose – das sind die Dosen die man üblicherweise im Haushalt hat und an die man auch die Waschmaschiene oder den Staubsauger reinsteckt – angeschloßen.
Quelle: Vortrag von Jörg Sutter, DGS, bei „Dein Dach kann mehr, dein Balkon auch“
Ich arbeite daran diesen Zustand ein weig zu legalisieren und habe auch schon bei meinem Netzbetreiber die Anlage gemeldet. Auch um den notwendigen Zählertausch zu veranlassen, der ist aber der Meinung, das ich die Anlage durch einen Elektriker anschließen lassen muß. Das ist aber gar nicht so einfach: Zum einen meinte ein Teil der kontaktierten Elektrounternehmen, dass man das gar nicht dürfe, ein weiteres Unternehmen, das es wahrscheinlich 300 EUR kosten würden. Was bei einem Einkaufspreis von 350 EUR mit Versand schon etwas schwierig ins Verhältniss zu bringen ist.
Für das Anbringen der speziellen Wieland Dose nahezu den gleichen Preis zu bezahlen, wie für die gesammte Anlage, mit ihrer 300 W Potential, erscheint teuer. Auch war das Anmelden bei der BN Netze nicht ganz einfach, im Gegensatz zu den Stadtwerken Bonn, die ein Formular mit einer Seite zur Verfügung stellen, mußte ich mehrere Formulare ausfüllen, Konformitätserklärungen zu Anlage und Wechselrichter übersenden und bin weil bisher noch keinen Anschluß durch einen Fachbetrieb vorweisen konnte, noch nicht wirklich gemeldet.
Rebbellentum 2018
Es kam aber gleich der Hinweis, das wenn ich keinen Strom verbrauche, aber die Anlage produziere Strom und der Zähler würde rückwärts laufen, dann könnte das Betrug am Stromversorger sein.
Jetzt ist für mich das ganze aus vielen Gründen fraglich: Zum einen weiß ich gar nicht ob es Situationen gibt in denen ich weniger Strom verbrauche als dass das Panel produziert und wirklich der Zähler zurücklaufen würde und ob die elektronische Sicherung im Wechselrichter, die den Strom abschaltet, nicht ausreichend Sicherheit herstellt. Sowas hat man ja auch im Bad.
Die Deutsche Gesellschaft für Solarenergie hat Emfpehlungen erarbeitet
Sollte man in Freiburg Bürger*innen ermöglichen wollen auf diese Art und Weise bei der Energiewende zu partizipieren, gerade vor dem Hintergrund, das es eben viele Menschen gibt die kein Dach besitzen das sie solarisieren können, dann müßen Netzbetreiber, Elektriker und Stadt ein wenig zulegen. Ich bin aber zuversichtlich, dass das passieren wird: Eckhart Friebis von den Grünen hat vor langer Zeit schon darüber mit Badenova Vorstand Radensleben Schriftwechsel gehabt, beim Umweltamt überlegt man sich diese Anlagen in ein Förderprogramm aufzunehmen und vielleicht hilft ja öffentlicher Druck oder Anträge durch Menschen die sowas aufstellen.
Nach nur 8 1/2 Wochen Bearbeitungszeit kam bei mir am letzten Montag ein Schreiben der Stadtverwaltung, bzw. des Garten- und Tiefbauamtes an. Die Stadt lehnt die Aufstellung eines Parklets vor dem Cafe Auszeit in der Moltkestraße ab.
Möglicher Lärm, möglicher Vandalismus, der Eindruck es könne sich um eine Ausßenbewirtungsfläche handeln, aber auch das es nur wenige Menschen nutzen können und der hohe Parkdruck im Quartier sind die gennanten Gründe. Parklets sollten auch nur von Anwohnergruppen, möglichst mit Zustimmung aller Anwohndenen (wie genau diese Zustimmung nachgewiesen werden soll, hat die Stadtverwaltung nicht formuliert), aufgestellt werden.
Die Ablehnung
Leider ist diese Ablehnung so total formuliert, das es aus meiner Sicht wenig Sinn macht, etwa an einer anderen Stelle in der Stadt nochmal ein Parklet zu beantragen. Parkdruck herrscht in Freiburg in fast jedem Quartier – außer vielleicht im Gewerbegebiet Hochdorf. Lärm und Vandalismus können immer aufreten und sicher sein, das es alle Anwohner gut finden kann man nie. Man hat aus meiner Sicht einfach mal alles was man so an Gegenargumenten sammeln konnte aufgeschrieben, selbst wenn diese wiedersprüchlich wären.
Das Setup aus Zählrohr, The Things Uno und Steuerungsplatine. Bild: opengeiger.de
Auch im neuen Jahr plant die TTN Comunity Freiburg wieder ein spanndes Basteln: Wir werden zusammen mit Bernd Laquai von opengeiger.de Geigerzähler bauen, die ihre Daten über das TTN Netz übertragen.
Die Preise für das Bastelset werden wahrscheinlich bei um die 100 EUR liegen. Leider sind die Komponenten, insbesondere der The Things Uno recht teuer.
Die Ausweitung der Dienstzeit des Kommunalen Vollzugsdienstes (KVZ )um nach Mitternacht auf dem Augustinerplatz für Nachtruhezu sorgen ist keine Lösung. Zahlreiche Bekannte berichten mir, dass die Mitarbeiter – alles Männer – des KVZ sich vor allem durch geringe Kommunikationskompetenz auszeichnen. Es scheint, dass sie aufgrund der verkürzten Ausbildung nicht über die Deeskalationsfähigkeit ordentlicher Polizeibeamter verfügen.
Jugenddemo gegen Komunalen Ordnungsdienst. Foto Quelle
Wir sollten uns bei der Entschärfung der Situation am Vorbild der Stadt München und des dortigen „Allparteiliches Konfliktmanagement“ (AKIM) orientieren, das bewußt auf Sozialarbeiter*innen setzt. Die AKIM-Konfliktmanagerinnen und -manager sind vor Ort, um durch ihre Präsenz Konflikte zu beruhigen und vermittelnd eingreifen. Sie sprechen mit den Konfliktparteien und informieren sie über die Regeln im öffentlichen Raum. Und können durch kommunikative Interventionen für eine Einhaltung dieser Regeln sorgen, die auf Einsicht und eben nicht auf angedrohter Repression beruht.
Sie sind sind vor Ort ansprechbar und sprechen von sich aus an, ihre Handy Nummer ist bekannt und aus München ist zu hören, dass die meisten Feierenden diese Bitte um Verständnis verstehen und beachten. Daneben bringen sie Anwohnende, Gastronomen und andere Gruppen an Runde Tische und überlegen sich gemeinsam Lösungen.
Dies hilft die urbanen Kompetenzen im Umgang mit Differenz und Vielfalt zu steigern, ein solcher Ansatz basierend auf humanistischer Psychologie und Mediation, sollte gerade Anwohnerinnen die sich auch in Mediationsvereinen engagieren, verständlich und förderungswürdig erscheinen.
Darüberhinaus braucht Freiburg eine gesamtstädtische Strategie „urbanes nächtliches Feiern“, auch um die Sicherheit aller zu erhöhen.
Sicherheit bedeutet eben nicht an jeder Ecke eine bis auf die Zähe bewaffnete Soldateska stehen zu haben. Gerade ein Oberbürgermeister der auf mehr „Gemeinsam an der Dreisam“ setzt sollte hier smarte Wege des Konfliktmanagements gehen.
Kostengünstiger ist es allemal. „Allparteiliches Konfliktmanagement statt Kommunaler Vollzugsdienst“ weiterlesen
Jedes Jahr die gleiche Leier: An Silvester wird in der Freiburger Innenstadt geballert was das Zeug hergibt. Menschen trauen sich nicht mehr in die Innenstadt, weil sie Angst haben mit Raketen beschossen zu werden, aber auch Dreck, Lärm, verängstigte Haustiere und krasse Luftverschmutzung.
Deshalb haben Moritz Bross und ich einen Bürgerantrag gestartet, der sich mit dem Thema beschäftigt. Bürgerantrag, ist die verschärfte Version einer Petition: Bei einer Petition sammelt man Unterschriften und gibt sie jemand wichtigem, bei einem Bürgerantrag sammelt man, bei einer Stadt so groß wie Freiburg, 2500 Unterschriften und dann muß sich der Gemeinderat mit dem Thema beschäftigen. Unterzeichnen darf jeder Einwohner*in – unabhängig von der Staatbürgerschaft – der 16 Jahre alt ist.
Wir fordern, dass die Stadt Freiburg geeignete Maßnahmen ergreift, um Gefahren, Umweltverschmutzung und Gesundheitsschäden zu minimieren. Dazu gehört aus unserer Sicht etwa eine Beschränkung privater Feuerwerke ab Klasse II und stattdessen Organisation von professionellen Feuerwerk(en) für die Bürger*innen, eine Aufklärungskampagne und ähnliches.
Auch in Deutschland gibt es in einzelnen Städten Feuerwerksverbote, etwa in den „Altstädte von Weimar, Bad Langensalza, Schleusingen und Rudolstadt (…) Auch rings um Schloss und Park Friedenstein in Gotha sind Raketen, Batterien und Knallkörper tabu. In Weimar etwa betrifft das Verbot die Touristenmeile zwischen Theaterplatz und Stadtschloss.”
Die Grünen hatten die Alternativen für Dietenbach (AfD) Leute zu sich in eine Mitgliederversammlung eingeladen um direkt ihre Argumente anzuhören. Das obwohl die Grüne Fraktion ja im Gemeinderat dafür gestimmt hat. Wie auch 44 von 48 Gemeinderäten.
Jetzt haben die die Leute von Rettet Dietenbach ignoriert von „der Politik“, fleißig Unterschriften gesammelt, meist bei eher unbedarften Studierenden an der Schlange vor der Mensa. Man hatte ja gehofft, das sie es einfach nicht schaffen würden.
Jetzt gibt es also den Bürgerentscheid und bei den Grünen ist ja jetzt nach dem Ende der Ära Salomon, alles irgendwie anders und man ist um Dialog noch bemühter. Zuhören statt basta!
Also hatte man das Vergnügen drei Stunden lang mit der AfD zu reden. Manfred Gröber ist trotz seiner Kandidatur gegen den Grünen OB, ja immer noch Mitglied der Grünen. Deshalb durfte Manni vor uns allen sprechen und uns überzeugen. Was nicht wirklich gelang, denn er klang wie Freiburg Lebenswert light. Man entnehme dem Artikel in der Badischen Zeitung Details.
Viel spannender aber sind ja die Archetypen, die sich auf so einer Versammlung und Bürgerinitiative engagieren.
Der Fanatiker, wenn man es freundlich formuliert der Überzeugungstäter. Einfach völlig überzeugt und empört auftreten. Und sich im moralischen Rigorismus üben. Die Rolle nahm an diesem Abend überzeugend Manni ein. Der rhetorisch gut sprach aber der für eine reflektiere Argumentation nicht zu gewinnen war. Und auch sonst klang wie Freiburg Lebenswert in jünger.
Der Umweltschützer, mit seinen Zahlen. Die Rolle besetze an diesem Abend Herr Löser. Der auch irgendwie ganz viele Zahlen hatte, deren Validität aber durchaus anzweifelbar war. Und bloß weil man theoretisch auf soviel tausend Wohnungen schaffen kann, indme man Aufstockt, heißt das ja nicht, dass die Aufstockung auch kommt.
Der „Zu meiner Zeit war alles besser“, Senior. Da war ein Mann der früher bei der Stadtverwaltung gearbeitet hat und verkündete dem Gemeinderat würden falsche Zahlen vorgelegt. Da sei er sich sehr sicher. Das kenne er quasi von damals. Weil er leider etwas schwerhörig schien, hatte er dann auf den Einwurf „das haben sie also so damals gemacht“ gar nicht reagiert.
Der wütende Bauer – in diesem Fall zwar ohne Mistgabel – aber so wütend das man ihn stellenweise schlecht verstand, weil das Badisch so dick war. Irgendwie war nicht so ganz klar, warum und wo gegen dieser Man nun war. Also gegen den neuen Stadtteil, aber auch gegen vieles andere.
Die Frau mit dem wirren Argument: – „Vor vier Jahren bin ich hergezogen weil es so grün ist und so schön, aber ich will keine Neubauten.“ Oder auch „Wenn viel gebaut wird, dann ziehen noch mehr Leute her.“
Stadt in Angst – Template für die Berichterstattung aus einer Provinzstadt nach einem schweren Verbrechen.
Das Template gilt für überregionale bzw. nationale Medien. Zunächst ist es für Printmedien gedacht, das Template kann aber mit kleinen Änderungen auch für Radioreportagen oder Fernsehberichte genutzt werden.
Begriffsklärung:
Provinzstadt = Stadt zwischen 20.000 und 400.000 Einwohnern, in denen keine bundesweit bedeutenden Medien beheimatet sind. “schwere Verbrechen” = Verbrechen, deren öffentliche Bedeutung von rechtsextremen Parteien im medialen Diskurs gehalten werden. Zur Verdeutlichungung: ? Deutscher Tatverdächtiger bringt Ausländer um ? keine Berichterstattung. ? Ausländischer Tatverdächtiger bringt junge Deutsche Frau um ? Berichterstattung.
Einleitung / Set the scene:
Name der Stadt. Dann Vokabeln wie pittoresk, beschaulich, friedlich, schön. Beschreibung eines Touristenorts: etwa zentraler Platz vor der Kirche/Marktplatz / schönes Gebäude und entspannte / unbekümmerte Menschen, gerne im Café, beim Einkaufen, oder ähnlichen Alltagserledigungen, die im öffentlichen Raum stattfinden.
Nächster Absatz, harter Schnitt. Beschreibung des Tatorts, wo es in der Regel weniger schön ist, Polizeiautos, Polizisten sind da oder die Abwesenheit von Polizisten wird notiert, gerne mit dem Kommentar, dass es ganz normal wirkt. Dann noch der Hinweis, dass nicht wirklich etwas zu sehen sei. In Deutschland fehlen halt die Einschusslöcher. Man kann auch, wenn man zu spät da war, erwähnen, wie schnell alles schon gereinigt wurde.:
Jetzt kommt dieVox Populismus Umfrage – als Reporter will man schließlich zeigen, man war vor Ort. Also ungefähr vor Ort, daher meist irgendwo in der Innenstadt oder wo man eben Leute trifft. Wenn es gar nicht anders geht und man nur wenig Zeit hat, fragt man den Taxifahrer. In der Regel aber sind es zwei bis drei junge Frauen mit den gleichen sozio-demographischen Merkmalen wie das Opfer. Da es sich beim Opfer dieser Reportagen immer um junge, blonde Frauen handelt, werden auch hier junge blonde Frauen, manchmal auch brünette, aber stets ohne sichtbaren Migrationshintergrund, befragt.
Template Antwort Nummer 1: “Ich habe ja keine Angst, aber Eltern/Mama/Freund/Bruder haben gesagt, dass…” Template Antwort Nummer 2:“Man achtet jetzt schon mehr darauf, dass man abends nicht alleine weggeht/nur gemeinsam von der Disco heim/gemeinsam ein Taxi/vorher schreibt, dass man jetzt geht/…”. Es wird irgendeine Verhaltensweise beschrieben, die die gefühlte Sicherheit erhöht. Template Antwort Nummer 3:“Ich komme aus Berlin-Kreuzberg/war auf der Rütli Schule/aus der Banlieu (sehr gut ein bisschen was internationales ist in einer Unistadt immer gut, man hat auch was gegen Rassismus im Artikel getan)/ Düsseldorf-Marxberg/Chemnitz/generischer Krisenstadtteil, ich habe keine Angst.”
Ganz wichtig ist hier immer eine unbesorgte, eine besorgte und eine nonchalante, starke Frau auftreten zu lassen. Frauen sind ja die Opfer, aber sollen ja auch irgendwie nicht nur als solche Opfer dargestellt werden. Daher braucht es mindestens zwei bis drei dieser Stimmen – Die Stimmung ist ja immer bisschen anders und man ist ja differenziert. Denn nur verängstige Frauen, auch wenn man die braucht und sucht, kommen auch nicht gut.
So könnte man das ggf. nennen. +5 Punkte für Tatortbesuch bei Tag, +10 für Nacht, +5 für Interview mit Taxler, +10 für Stimmen aus dem ÖPNV. Zitat Polizeichef +20, Zitat Beratungsstelle -15. Frau mit Angst +15, Frau ohne -15….
Konterpunkt, Eintritt des Wilden, meist in Gestalt des lokalen oder regionalen Rechtspopulisten. Auch hier Äußerungen, die von einer nur mäßig trainierten KI abgesondert werden können: “Volk in Wut/könnnen unsere Frauen nicht mehr nachts alleine rauslassen/Abschieben/Messermigranten/…”
Die krassesten Sachen werden von der Reportage dann meist herausgestrichen “Umvolkung/Merkel muß weg/Volksverräter/…”.
Aber immerhin hat man diesen Teil des Spektrums beleuchtet, der sagt ja vielleicht, was das Volk denkt – oder zumindest was man in der Redaktion einer überregionalen Zeitung für das Volk hält oder die Leute, die Artikel kommentieren werden, für das Volk halten.
Der oder gerne die links grün versiffte Gutmensch
Jetzt noch ein paar Zeilen von der Gegenseite. Der links grün versiffte Gutmensch in Gestalt des oder der entsetzten Flüchtlingshelferin. „Wie sind ganz entsetzt/dass der XX das gemacht hat, kann ich mir gar nicht vorstellen“
Die Politik
Der Bericht dreht nun, weg von der Straße in die Amtsstuben. Zunächst ist man beim lokalen Bürgermeister, häufig auch historisches Büro, bekommt man da keinen Termin, geht auch jemand anderes aus dem lokalen politischen Umfeld, Bürgermeister sollte es aber schon sein. Auch hier im Grunde generische Aussagen: “Man soll sich sicherer fühlen/ tun alles um die gefühlte Sicherheit zu verbessern/ Ich habe auch Frau und Kinder/ Mitgefühl/kein Pauschalisieren/ Ruhe bewahren.”
Der Oberpolizist
Als nächstes ist man beim lokalen Oberpolizisten. In der Regel älterer Mann, der spricht mit ruhiger und besonnener Stimme, meist auch in seinem etwas moderneren Büro. Verteidigt gegen den routinemäßig erhobenen Vorwurf der Schlamperei/Inkompetenz/Bummelei. Man arbeite ‚mit Hochdruck/ drölfzig Polizisten in der SoKo/gebe bereits Erfolge/mehr Polizei/ggf.‘
„Zwar hat es vermutlich nie eine Zeit gegeben, die so tolerant war in allen religiösen und philosophischen Fragen, aber es hat vielleicht auch kaum je eine Zeit gegeben, die Tatsachenwahrheiten, welche den Vorteilen oder Ambitionen einer der unzähligen Interessengruppen entgegenstehen, mit solchem Eifer und so großer Wirksamkeit bekämpft hat.“ – H. Arendt Wahrheit und Politik. Berlin 2006, S. 20.
Im Zusammenhang mit den Ereignissen rund um die Kundgebung am Montag im Grunde drei Arten von medial-politischen Lügen untergekommen sind: Die vorgeskriptete Story, die liederliche Lüge, die dreiste Lüge und die Politiksimulation.
Die geskriptete Story
Die geskriptete Story existiert bereits als Skelett (Soziologen würden sagen als kulturelles Skript) existente Geschichte à la „Stadt in Angst“ mit Fleisch zu füllen. Es gibt bereits ein kulturelles Skript für die Art von „Reportage“, die man als Journalist*in schreiben muß wenn so eine Tat geschieht. Die Geschichte könnte man auch ohne sein Büro in Hamburg, Köln oder Berlin zu verlassen schreiben und eine Reihe von ihnen wird auch ohne Ortstermin geschrieben. Andere fahren zumindest hin um einige Einheimische zu finden.
"Ein Stadt kommt an ihre Grenzen" "Kippt Freiburg" So hat man ja schon von der Willkommenskultur und "Wir helfen" die AfD in den Bundestag und 16 Landtage geschrieben. Frage mich, was das soll…
Etwa bei Spiegel online,Überschrift: „Eine Stadt kommt an Grenzen“, Und weiter im Text: „Helfer wirken ratlos, die Behörden überfordert. (…) Bei manchen alteingesessenen Freiburgern bleibt die Angst vor dem Fremden. Die Stadt habe sich seit 2015 verändert, sagen sie. Durch die Gassen würden mehr Betrunkene wanken, viele Frauen joggen nicht mehr allein durch die Parks. Der neue Fall bringt neue Angst.“ Damals bei Maria L. war „Die Abgründe einer vorbildhaften Stadt“.
Zurückhaltender auch in der Süddeutschen Zeitung, unter: „Freiburger Unsicherheit: (…) ebenso groß ist die Unsicherheit, vor allem bei Frauen“.
Traditionell krass, halt die Bild:
Vielleicht wollen Menschen, die zum Bahnhof gehen, auch so schnell wie möglich abfahren, weil sie nur aus diesem Grund einen Bahnhof aufgesucht haben. Aber was weiß ich schon, als Freiburger. pic.twitter.com/BaAGuzAHng
Aber auch in der FAZ: „Maria Ladenburger ermordet hat, zu einem Zeitpunkt also, zu dem scheinbar wieder Normalität eingekehrt war (…) Nach dem Mord an der Medizinstudentin vor zwei Jahren seien viele Frauen zu Hause geblieben. „Heute wird mehr darauf geachtet, wie man nach Hause kommt. Viele Frauen fahren nicht mehr allein Fahrrad“
Selbst die Badische Zeitung macht auf Seite Drei mit, wahrscheinlich plant man diesen Artikel auch überregional zu syndikalisieren: „Wenn es Nacht wird in Freiburg (…) Nach Monaten der Ruhe – der Mörder der Studentin Maria Ladenburger wurde im April verurteilt – steht der Name der Stadt erneut für eine Schwerkriminalität“
In den Berichten darf dann der Hinweis auf „das Linksliberale Freiburg“ und die „Schwarzwaldidylle“, sowie die ein oder andere Erwähnung einer touristischen Sehenswürdigkeit nicht fehlen.
Die Liederliche Lüge
Eigentlich ist, dass die am wenigstens schlimme Geschichte. Man hat Zeitdruck, überfliegt die Bericherstattung, sieht auch Sachen auf Facebook und schreibt halt was zusammen. Da unterbleibt dann halt auch der Faktencheck und man übernimmt unbewußt Teils die Narrative von rechten Blogs.
Ich werde trotz längerer Erklärungen als Stadtrat, Grünen Politiker dargestellt. Es gibt Clubs die angeblich geschlossen haben und doch offen sind. Ich versuche das richtig zu stellen. Aber selbst Martin Niewendick hat es für seinen Artikel in der Welt nach einem längeren Telefonat nicht geschafft zu erklären, das ich kein Mitglied der Grünen bin. Das ist durchaus ein Problem auch großer Medien, etwa n-tv oder Neues Deutschland.
Die dreiste Lüge
Das ist die Spezialität rechter Medien und Blogger aus dem AfD Umfeld wie Henryk Stöckel oder David Berger.
weder war es eine „Demo“, noch „gegen Rechts“, noch bin ich Mitglied der Grünen
Dann gibt es noch Henryk Stöckel, der so dreist lügt, das es sich schon fast an eine Slapstick Komödie erinnert. So behauptet er in einem Facebook Post mit spannender Änderungshistorie, indem er behauptet, einem Polizeibeamten sei durch Angriff eines Antifa Mitglieds, ein Auge ausgeschlagen oder verletzt worden.
. Man kann festhalten, dass der Teilnehmer der Schmuddeldemo #Freiburg, Herr Henryk Stöckl, der mit Stefan Räpple #AfD angereist ist, einer der szenetypischen Lügner und Abzocker ist, die so zahlreich im AfD-Umfeld zu finden sind.https://t.co/iw29asHpJ8pic.twitter.com/Dl00MVthbZ
Jetzt ist das so eine dreiste Lüge – der die Polizei entscheiden wiederspricht – die ja auch wenn die Polizei lügen würde, auch auffliegen müßte, schließlich gäbe es ein Opfer, Kollegen, Augenzeugen, Menschen im Krankenhaus die das Auge versorgt hätten, etc…
„Schwer verletzter Polizist“ = Falschmeldung „Augenlicht verloren“ = Falschmeldung „Mob macht Hetzjagd auf AfD“=Falschmeldung „Polizist durch Flasche im Gesicht verletzt“=Falschmeldung „bürgerkriegsähnlich“=maßlose Übertreibung
Auch nachdem ihm die Polizei wiedersprochen hat, bleibt er bei dieser Aussage. Die von den eigenen Anhängern dermassen Glaubwürdig aufgenommen wird, das diese auch Genesungswünsche auf der Facebookseite der Polizei hinterlassen.
Politiksimulation
Und dann ist da noch die Politiksimulation, das Vorspielen von politischer Handlung bzw. Handlungsfähigkeit indem man irgendwelche krassen Vorschläge macht um auf die Situation zu reagieren.
Der Meister darin ist Innenminister Strobel, dessen Ministerien sich erst durch unterschiedliche Versionen des Hergangs der Nicht-Verhaftung in Schwierigkeiten gebracht hat und der dann gleich mal neuen, krassen Scheiß forderte oder Versprach aus dem Skript für solche Situationen “mehr Polizei”, “mehr Abschieben”, Videoüberwachung, Sicherheitskonferenz, … Maßnahmen die schon nach dem Mord an Maria L. in Freiburg teilweise eingeführt wurden und die eben genau die jetztige Tag nicht verhindern konnten.
mich wundert, dass das Allheilmittel "Videoüberwachung" noch nicht ins Spiel gebracht wurde.
Denn es geht bei diesen Maßnahmen eben nicht um mehr Sicherheit, sondern um mehr gefühlte Sicherheit. Wie auf diesem Wahlplakat der CDU, das ich bereits im Landtagswahlkampf 2016 verballhornerte. Ich zitiere hier nochmal meinen Artikel von damals:
„Obowohl die Quote schwerster und schwerer Straftaten in Deutschland stark zurückgeht – am eindrucksvollsten hier gezeigt an der Mordrate – fühlen sich die Menschen nicht sichrer. Sehr eindrucksvoll erläutert das im DLF Interview Deutschlands renomiertester Kriminologe Christian Pfeiffer. Und erklärt anschaulich wie sich Medienkonsum und Kriminaltiätsfurcht verhalten: „Je mehr die Menschen privates Fernsehen gucken, umso mehr ist ihre Kriminalitätstemperatur, ihre gefühlte Kriminalitätstemperatur von der Wirklichkeit entfernt, weil im Privatfernsehen das Verbrechen noch mehr dämonisiert und dramatisiert wird.“
Klar das in so einem Fall auch kein Aufmerksamkeit erheischender Beitrag von Boris Palmer fehlen darf. Der dann auch gleich als Fachlich wenig fundiert entlarvt wird.
Und damit kommen wir auch zu einer Erklärung, die sich sehr schön für dieses Phänomän beim Philosoph Harry Frankfurt: „Bullshiting“: „Bullshitter, wie Frankfurt sie versteht, gerieren sich selbst als Überbringer der Wahrheit, obwohl gerade das nicht ihr Ansinnen ist. Vielmehr sind sie ihrem Wesen nach Blender, die mit ihrer Rede die Einstellungen derer beeinflussen wollen, zu denen sie sprechen“
In diesem Sinne ist viel der politischen Kommunikation, die hier erfolgt einfach Bullshiting um die Leute zu beruhigen und einfache Lösungen auf schwierige Probleme suggerieren.
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