Palantir beim Käpsele Innovation Festival

Am 6.7.2026 schrieb der Freiburger Chaos Computer Club einen Brief an die IHK und die städtische Messegesellschaft, das wir die Einladung eines Palantir Vertreter zu einem Panel zu digitale Souveränität für nicht angemessen halten und forderten dessen Ausladung oder auch Umbesetzung des Panels. 

Das gab erstaunlicherweise erstmal ein gewisses Presseecho etwa in der Badische Zeitung.

Es gab auch auf eine Anfrage der Freiburg For You Fraktion im Gemeinderat (https://ris.freiburg.de/petition?id=4299). Die FWTM hatten den Brief auch am 15.7. beantwortet: 

„Es war von Beginn an als Fachgespräch zwischen Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Unternehmen mit unterschiedlichen Perspektiven auf digitale Souveränität in Unternehmen konzipiert. Ziel war es, die Positionen unterschiedlicher Marktakteure miteinander in den Dialogzu bringen. Die Kontroverse sollte dabei aus den unterschiedlichen fachlichen und strategischen Einschätzungen der beteiligten Unternehmen entstehen.“

Dabei scheint Palantir nur als Problem der digitalen Souveränität gedacht zu werden, das ist es auch. Aber die von uns als viel gewichtiger problematisieren Fragen der Vermengung von Daten die aus gutem Grund getrennt gehören und die wiederholten Antidemokratischen Äußerungen, scheinen bei den Verantwortlichen gar nicht angekommen zu sein. 

Mit der Erklärung, dass eine Einladung „nicht als Zustimmung des Käpsele Innovation Festivals oder seiner Partner zu einzelnen Positionen, Geschäftsmodellen oder Produkten eines Unternehmens“ zu verstehen sei, macht man es sich schon einfach und verkennt die eigene Verantwortung, immerhin gibt man damit Palantir Bühne und Legitimation. 

In der Folge griff der SWR auch das Thema mehrfach auf: In einem Radiobeitrag (unter: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/freiburg/chaos-computer-club-kritisert-palantir-teilnahme-auf-kaepsele-innovation-festival-100.html) und zweimal in der Berichterstattung in der Landesschau (https://www.ardmediathek.de/video/swr-aktuell-baden-wuerttemberg/sendung-19-30-uhr-vom-16-7-2026/swr-bw/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIzMzY5NjU ab 2:30).

So gesehen dürfte die Einladung und auch der Umgang damit nachhaltig den Ruf der Stadt Freiburg und des Festivals beschädigt haben. 

Die Badischen Zeitung, die irgendwie massiv in das Festival Geschehen eingebunden war thematisierte die Palantir Einladung kurz nach der Veröffentlichung des CCC Freiburg schreibens. Als Bericht vom Festival gab es nur einen Artikel, der sich las wie der Werbetext der Veranstalter und Phrasen wie „Wohlstand von morgen“, „Treffpunkt der Wissensökonomie“, „Nährboden für dieses Innovationsökosystem„. Was wohl daran lag, das man mit dem eigenen Podcast und als Moderation selbst Teil des Ganzen war. (https://www.badische-zeitung.de/das-kaepsele-innovation-festival-in-freiburg-hat-sich-zu-einem-treffpunkt-der-wissensoekonomie-entwi?code=426a654948287a70c27cc51594c1ef3dc6f150c6&state=ahsdiufi)

Gegen den Palantir Auftritt gab es gleich zwei Gegendemos: Einen von Tadum und Palästina spricht, das sind beides sog „K-Gruppen“, daher Gruppen des kommunistischen Aufbaus, strikt hierarchisch aufgebaute Gruppen. Das man als Palästina Gruppe gegen Palantir ist, liegt nahe, immerhin nutzt die israelische Armee ein entsprechendes System zur Zielfindung und bombt dann bei kleinsten Anzeichen auf Hamas, den Leuten das Haus weg. 

Und eine Gegendemo einer Gruppe Freiburger Anarchisten. 

Festival

Drinnen gab es durchaus sinnvolle Panels: Etwa zu Themen wie digitaler Resilienz, die auch das wiedergeben, was jeder CCC nahe Experten so sagen würde: Daten nicht erheben, Open Source nutzen, die eigenen Dienste und Software bei sich unter Kontrolle haben und verstehen. 

Das Publikum bestand schon aufgrund der hohen Eintrittspreise aus überwiegend aus Business Leuten, was man an der großen Porsche Dichte auf dem Parkplatz erkannte. Und auch die FWTM hat ja in ihrem Schreiben deutlich gemacht, dass der Einbezug der Zivilgesellschaft nicht Teil des Konzepts ist, sondern man in der Business Sphere bleiben will.

Einige der eingeladenen Startups  haben durchaus Spannendes gezeigt: Etwa eine ganze Hausarztpraxis in einem Rucksack, OP Roboter, Drohnen für die Forstwirtschaft oder ein Verfahren, bei dem die Kuh umgeht und aus Zellen Milch herstellt. 

Diese Startups waren in so einer Art Labyrinth untergebracht, was verschleierte, dass die recht wenig Startups auf der großen Fläche unterbrachten. 

Die Freiburger Messe hat in ihrem Normalzustand recht wenig Atmosphäre und auch der Versuch mit einer Mischung aus modernisiertem Schwarzwald Kitsch (Bollenhut und VR Brille) und viel Rauch, das zu übertönen, war so mäßig erfolgreich. Wenn Dinge auf der Hauptbühne stattfanden (ohne Radios), dann war das einfach laut. Weshalb ein Großteil der Vorträge auf der Bühne über so silent Disco Kopfhörer ausgestrahlt wurde. 

In allen drei Nebenbühnen bei denen ich war, gab es immer Probleme mit der Tontechnik und dem Ton. 

Am Vormittag war ich bei einem Panel zu Defense Tech. Da kam für mich jetzt wenig Neues raus: KMU haben es schwer, wenn sie in den Rüstungsmarkt einsteigen wollen. Startups auch. Früher waren die Innovationszyklen viele Jahren, jetzt bei Drohnen in der Ukraine wenige Wochen. Inzwischen kann man leichter als Firma Kontakt mit den Soldaten haben bei der Bundeswehr, um zu schauen, wie die eigenen Waffen so ankommen, das gabs früher nicht. Früher hätte es gegen so ein Panel eine Demo gegeben, aber jetzt ist ja Zeitenwende und Rüstung sei insgesamt in der Gesellschaft akzeptierter.

Bei dem Panel waren lauter Deutsche, immerhin sogar eine Frau, sprachen aber Englisch. Und manchmal kommt dann bei ganz grausigen Ausprachen von Englischen Worten der Englisch Leher Reflex bei mir durch.

Moderiert wurde das Panel von einem Herrn der bei der IHK Oberschwaben arbeitet und der links am Revers das Veterankreuz der Bundeswehr und recht die gelbe Schleife, was in diesem Zusammenhang wohl für das Denken an die im Ausland befindlichen deutschen Soldaten darstellen soll und bei dem quasi aus jeder Pore der Exsoldat kam. Immerhin war der auch gegen Palantir. 

Mittags gabs dann teures Essen und viele Gespräche zum Vernetzen. Ich war dann noch bei der Eröffnung des neuen Kompetenzzentrum Energie, Sanieren und Solar (KESS) und kam erst nachmittags wieder um in ein Panel zu digitaler Resilienz zu stolpern, bei dem sehr fachlich diskutiert wurde auch mit guten Tipps von Sebastian Felzmann, Forschungszentrum Information (FZI). 

PALANTIR Panel

Der Saal vom Palantir Panel war ungefähr halbvoll und man merkte, das ein wenig die Luft raus war, wohl auch wegen des trotz Kühlung auch in der Halle heißen Wetters.

Moderiert wurde das von der Schauspielerin Cathleen Fink, die prima in der Rolle der inhaltlich unbedarften und durch Widerspruch im Publikum überforderten Moderatorin aufging. Es gelang ihr kaum, klare Fragen zu stellen oder Courtney Bowman von Palantir zu stellen.

Beim Betreten der Bühne von Bowman versuchte sie das Publikum zum anklatschen zu bewegen, was  einige auch taten. Aber wo man anklatschen kann, da kann man auch buhen und ich buhte ihn an. Was Fink dazu veranlasste zu sagen, man könnte sich ja später einbringen und solle doch jetzt von Unmutsbekundungen ablassen – allerdings wusste ich, dass bei keinem der Panels auf dem Festival Fragen vorgesehen waren.

Ohne Socken und ohne Gewissen?

Bowman hielt sich zurück und sagte im  Grunde erstmal nichts. 

Fachlich versiert und deutlich war Claudia Alsdorf, VP Business Development Schwarz Digits. Nun hat SchwarzDigits, also LIDL ganz klare wirtschaftliche Interessen und will seine Cloud pushen. Ihre Punkte waren aber richtig: Die drei großen US Cloud Anbieter beherrschen 70% des europäischen Cloud Markts und egal was im US CloudAct steht, die Daten darin sind nicht sicher. 

Claudia Alsdorf von Schwarz Digits

Die Herren von Palantir und Amazon (AWS) bestritten das. Und überhaupt, wenn die US Regierung Daten haben wollen, würde man das vor Gericht bekämpfen und im AWS Rechenzentrum (in Brandenburg?) würden nur Europäer arbeiten. Das sei alles auch GDPR konform und keiner müsse die brechen. 

Bowman sagte wenig. Sprach dann nach einem Beitrag von Alsdorf von “Palantir related provocations”, in der Schweiz hätte man nie ins Geschäft mit der Regierung kommen wollen und in Deutschland wachse das Geschäft mit den Strafverfolgungsbehörden. 

Es gab dann eine wirr formulierte Frage von Fink zur Verantwortung von Softwarehersteller und Käufer, zumindest verstand ich die so, das sie wohl fragen wollte welche Verantwortung man als Anbieter für die Software hat, die man verkauft. Was eine gute Frage gewesen wäre, wenn sie klar formuliert gewesen wäre. 

Darauf blubberte Bowman Sätze die so in die Richtung gingen, Palantir sei eine Firma die am “Betterment of Humanity” arbeite. Was mich zu einer Intervention aus dem Publikum veranlasste, in der ich auf die Zusammenarbeit mit US Deportationsbehörde ICE hinwies und im Lüge vorwarf. 

Darauf gab es Szenenapplaus, obwohl viele im Publikum akustisch nicht verstehen konnten.

Nach dem Panel wurde ich noch vom SWR befragt, eine Frau, die sich als Software Entwicklern vorstellen warf mir vor der CCC solle sich doch lieber um die KI in den Rheinmetall Panzern kümmern und zwei nette Jungs von einem Batterie 2ndLife Startup haben mich angesprochen.

FAZIT

Es wäre gut, wenn FTWM und IHK die digitale Zivilgesellschaft einbeziehen würden. So hätte ein solches Festival durchaus mehr Charme und wäre spannend und hätte auch einen Besucherkreis außerhalb von Leuten, die das von ihrem Arbeitgeber bezahlt bekommen. 

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