Kleine Anleitung für das Corona-Test-Zentrum mit Tracemedics / Testtermin.de

Zunächst mal, warum braucht es ein System zur Onlinebuchung und online Ergebnis Übermittlung? Stellen wir uns mal den Prozess vor, wie es ohne so was läuft: Der Kunde ruft an und will einen Termin, die Person an der Anmeldung schaut in einem Papierterminkalender nach, schlägt passende Termine vor und bespricht mit dem Kunden diese Termine. Dann wird der Name, Adresse, Kontaktdaten aufgeschrieben. Optimistisch betrachtet braucht das pro Kunde und Termin gut 5 min. Arbeitszeit.

Je nach Zentrum hat man etwa 200 – 300 Termine am Tag. Bei 200 Terminen am Tag, wäre das schon 16h Arbeitszeit, also etwa zwei Personen mit voller Stelle, die sich um die Anmeldung kümmern. Wenn sie dann den Termin haben, müßen sie etwa 20 – 30 min warten, bis das Ergebnis da ist und ein entsprechender Zettel geschrieben. Das gibt dann eine Menschentraube und ständige Nachfragen. Handschriftlich ausgefüllte Zettel, kann man kaum nachprüfen und auch leicht nachmachen.

Ein Internet gestützten System bietet nun eine Reihe von Vorteilen:

  • Kunde kann online anmelden und sieht passende Termine.
  • Name, Geburtsdatum, Handynummer und E-Mailsind bereits erfasst, müssen nicht diktiert werden und sind auch leserlich.
  • Es gibt keine Wartezeit vor dem Zentrum, keine Menschenansammlung und mehr Diskretion.
  • Öffnungszeiten können flexibel eingerichtet werden.
  • Das Zertifikat hat einen QR Code und kann einfach gegen den Server geprüft werden.
  • Das Zertifikat kann mehrfach gedruckt werden auf Deutsch, Englisch oder Französisch
  • Wenn Kunde mehrfach da ist geht es schneller.
  • Eine Statistik kann einfach erstellt werden und an das Gesundheitsamt übermittelt.

Was braucht man nun: stabiles Internet, gute Drucker, mindestens ein Ipad oder anders Tablet und einen PC (Pi4 reicht). Es empfiehlt sich, das beides doppelt vorhanden ist, falls mal etwas nicht geht.

Wie ist nun der Ablauf aus Kundensicht?

Der Kunde bucht am besten online einen Termin. Er geht dann ins Zentrum und zeigt dort seinen Ausweis, die Person an der Anmeldung druckt einen QR Code aus und erklärt das Procedere. Der Kunde bekommt einen Zettel mit Datenschutzerklärung, Selbsteinschätzungsbogen und QR-Code. Auf diesen Zettel mit QR-Code klebt die Person, die den Abstrich macht, den Schnelltest, schreibt sein Kürzel und die Temperatur drauf.

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Warum Tübingen nicht als Vorbild taugt

Keine Evaluation, keine Überprüfbarkeit, Zettel können weitergegeben werden, Schnelltests ohne Qualitätssicherung, intransparente Zahlen, …

Seit einigen Tagen wird Tübingen als Modellstadt für „Öffnungen“ durch die sozialen Medien getrieben. Weil dort könne man dankt breitem Schnelltestangebot normal in Läden einkaufen oder im Straßencafe sitzen. Hier wäre „Normalität möglich“. Abgesehen von der seltsamen Vorstellungen, dass es „normal“ ist, sich ein Stäbchen in den Hals oder Nase stecken lassen zu müßen um dann auf „Shopping“ Tour zu gehen, gibt es zumindest bei der kritischen Twitter Öffentlichkeit einige Anmerkungen.

Zunächst mal: Schnelltestkapaztät ist begrenzt. Zum eine braucht es die Tests, zum anderen Menschen die die durchführen, zum anderen Leute die das organisieren und dann auch noch Räume. Mal so ein Schnelltest in einem Zelt auf der Straße ist eben kein Qualitätsstandard, aus vielen Gründen, unter anderem weil die Tests nur bei Raumtemperatur zuverlässig funktionieren.

Damit so ein System funktioniert, muß es auch kontrolliert werden. Daher entweder ist auf dem „Tagesticket“ meinen Name und mein Foto drauf oder beim Eingang muß ich Personalausweis und Ticket vorzeigen. Am besten noch ein Ticket, das es einen QR Code hat und sich so über einen Server verifizieren lässt. Und dass dann natürlich nach 6 bis 24 Stunden wieder abläuft. Oder das Ticket ist halt auf meinem Handy, wie ein Flugticket, auch das würde Weitergabe und Mißbrauch eindämmen.

Vor Allem gibt es überhaupt keine Evaluation oder unabhängige Begleitung. Die Stadt Tübingen stellt nicht mal ihre Inzidenzzahlen leicht verfügbar online. Wenn aber durch die Öffnung zusätzliche Mobilität erzeugt wird aus der Region, dann ist es gar nicht mehr Nachweisbar ob sich Menschen angesteckt haben oder nicht. Außer man würde relativ aufwändig diesen nachtelefonieren oder sonst wie ein Tracking haben.

Aus meiner Sicht sollten Schnelltestkapazitäten genutzt werden um wichtige, unvermeidbare Treffen in geschlossenen Räumen zu ermöglichen. Vielleicht auch um bei jüngeren Kindern einen gewissen durchdachten Präsensbetrieb in Schulen möglich zu machen, aber nicht um wahllos alles auf zu machen. Dies stets vor dem Hintergrund, das wir laut Gesundheitsminister Jens Spahn bereits jetzt auf eine Überlastung der Klinik im Apri hinzusteuern, nach Aussagen der Uniklinik Freiburg hier in der Region glücklicherweise erst im Mai.

Und dabei habe ich die grundsätzlichen Beschrängkungen noch nicht mal aufgeschrieben und es ist heute noch nicht mal klar wie das mit den Tests an Schulen weitergehen soll nach den Ferien.

Eltern verhindern Corona-Schnelltests an einer Freiburger Schule

(29.3.) Update: Nach Ostern wird getestet.

Wenn man denkt, es geht nicht mehr irrer in der Corona-Pandemie, dann schazt man sich in Richtung Schule und Pandemie, besonders im Vauban. In einer Freiburger Kita, die direkt neben besagter Schule ist gab es Anfang März einen Kita-Ausbruch mit der Mutante B117. Das Gesundheitsamt und die Stadt Freiburg haben sich bei der Kommunikation dazu nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Immerhin gab es das 31 Folgefälle, davon auch mindestens ein Vater, der bis heute an Long-Covid leidet. Als das ganze öffentlich wurde, war das Ausbruchsgeschehen schon seit 17.1. am brühen.

Vor dem Hintergrund hatte sich die Leiterin einer Schule in der Nähe gedacht, sie bietet allen Kindern ein freiwilliges Testangebot. So weit so gut, sie ging auf Sponsorensuche, organsierte Eltern die dabei helfen würden und besorgte sich Kindgerechte Test, die man vorne in der Nase macht, so wie halt Popeln.

Nun sieht sie sich von einigen Eltern unter Druck gesetzt und schreibt an alle Eltern: „aufgrund einer großen Abwehrhaltung mancher Eltern gegen die Kinder-Testungen, werde ich auf Empfehlung des Schulamts, die geplanten freiwilligen Testungen bei den Kindern absagen.Obwohl das Schulamt mich in meinem Vorhaben in Eigenregie bestärkt hatte, habe ich mich entschieden aus Eigenschutz diesen Schritt zu gehen.“

Wegen Druck einzelner Eltern, wurde das freiwillige Testangebot nun abgesagt!

Tests wäre jetzt ideal gewesen, früh eine Ausbreitung über ein Cluster hinaus und sogar innerhalb eines Clusters zu verhindern, jedes Kind das sich nicht ansteckt ist ein Gewinn. Da auch Kinder von den Long-Covid Folgen betroffen sind.  Nun werden hunderte Menschen in “Geiselhaft” genommen und gefährdet. Das bedeutet für die Familien in dieser Schule, sie müssen nun wohl leider im Blindflug fliegen und statistisch vorrausichtliche gibt es Mitte der Osterferien einen Ausbruch, den man auf dieses nun entstandene Versäumnis zurückführen kann. Die Lehrer:innen sind in den Klassen nun, was man in der Tierhaltung den “Sentinel” nennt oder den Kanarienvogel im Berbau: Sie können sich regelmäßig testen lassen und wenn der Lehrer positiv war, sind es einige im Cluster auch. Das ganze ist noch perfider, weil die Leher:inen im Gegensatz zu Schüler:innen und vielen Eltern teils sogar schon die erste Impfdosis haben und nicht mehr schwer krank werden. Die Kinder aber, so lange es keinen Impfstoff gibt schon.

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Welche IT braucht man für ein Schnelltestzentrum mit der Tracemedics Software?

In einem der letzten Blogposts, habe ich schon geschrieben, warum es sehr sinnvoll ist, das man sein Schnelltestzentrum mit einer Webiste mit Buchungssystem macht. Einfach weil am man dann viele Anrufe á la: „Ich hätte gerne dann einen Termin“ spart. Die bekommt man sowieso, da ist meine Policy den Leuten zu sagen: „kommen sie, wir nehmen sie dran“, wir schieben sie dazwischen. Das ist gerade bei Menschen mit geringer Computer Literacy einfacher, als ihnen die online Anmeldung zu erklären. Diese Gruppe, wartet dann auch gerne auf das Ergebnis.

Für die meisten Menschen ist es aber einfacher und inzwischen normaler, Termine online zu buchen und auch wieder abzusagen.

Der Arbeitsablauf mit dem Tracemedics System ist dann der: Anmeldung über Website, basiert auf WordPress mit bookly. Dann kommen die Menschen, meist etwas zu früh ins Zentrum. Wir drucken ihnen den QR Code aus und wenn sie das nicht selber gemacht haben, einen Fragebogen und eine Datenschutzerklärung. Sie füllen beides aus. Mit dem QR-Code gehen sie in den Abstrichraum. Auf das Blatt mit dem QR-Code kleben wir mit Tesafilm, den Abstrich und die Verpackung. Damit laufen wir dann, wenn der Test durchgeführt wurde ins Labor und legen die auf einen Tisch. Jeder Abstrich bekommt eine Eieruhr und die Zeit, die er im Labor eingegangen ist notiert. Über das Bookly kann man auch viele Arten von Dienstleistungen einpflegen und auch schnell und einfach die Website aktuell halten.

Nach 10 bis 20 min klingelt die Eieruhr. Wir schauen uns den Test genau an und notiert auf dem Zettel ein + oder – und ein Kürzel für den Ableser. Mit einem Tablet oder Smartphone scannen wir nun den QR-Code und dann geben wir das Ergebnis ein. Der Client bekommt eine E-Mail mit Link zum Ergebnis. Er kann es nach Eingabe von Name, Vorname, Geburtsdatum abrufen. Am Ende des Tags werfen wir die Blätter mit den Tests weg. Blätter in den Papiermüll und die Tests in den Hygienemüll.

Man kann, wenn man gut mit Tablets umgehen kann und einen AirPrint-fähigen Drucker hat, das ganze mit einem Tablet betreiben. Etwa einem refurbed Ipad, das aber noch das akutelle iOS hat. Ich würde das immer über einen seperaten Apple Account laufen lassen, dann hat man vom Ipad nicht zugriff auf andere vielleicht private Daten. Wenn das Gerät LTE kann, dann spart man sich auch den Router im Schnelltestzentrum. Das geht wenn man nicht so häufig Kunden hat.

Wenn man mehr als eine Person im Zentrum hat, was sich schon anbietet, kann man die Aufgaben aufteilen. Eine Person macht die Anmeldung und hat einen zuverlässigen, kann aber gerne ein alter Laserdrucker sein, bekommt man häufig bei ebay Kleinanzeigen und die andere macht Abstrich und Labor. Da es doch mal an der Anmeldung Fragen gibt, Leute spontan kommen ohne Termin, Leute anrufen, … macht das schon Sinn und man kann auf jeden Fall im 10 min Takt Termine machen. Tendenziell hat sich bei uns der 10 min Takt bewährt, da doch mal Leute Freunde, Kollegen, Familie mitbringen, manchmal Firmen vor der Tür stehen, Leute spontan vorbei kommen, … Und man so immer noch jemanden rein schieben kann.

Für so einen Arbeitsplatz an der Anmeldung reicht völlig ein RasperryPi 4 oder Pi 400 mit Bildschirm aus. Häufig hat man ja noch einen alten Bildschirm daheim, der schon HDMI kann, wenn nicht besorgt man sich ein VGA auf HDMI Adapter.

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Bericht aus dem Testzentrum

Seit Anfang Januar arbeite ich in einem Corona-Schnelltest-Zentrum. Was sich erstmal größer anhört, als es eigentlich ist. Untergebracht ist das Zentrum im Sportverein Kirchzarten. Da wo bis vor kurzem die Fußballmannschaft sich umzog, sitzen nun wir und streichen ab und schauen fleissig auf Schnelltests.

Während in anderen Städten und Landkreisen, wie Tübingen oder Reutlingen, es schon lange kostenlose Tests für alle gibt, war das in Freiburg und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald nicht der Fall. Obwohl es seit Dezember in der Schreiberstraße, im ehemaligen Laden des Studierendenwerks, ein von einer Apotheke eröffnetes Schnelltestzentrum gibt und in Kirchzarten seit Januar eines.

Für kostenfreie Tests für Kontaktpersonen, Menschen mit roter Corona-Warn-App oder die Mitarbeiter von nicht-ärztlichen-Praxen fehlte die Beauftragung durch das Gesundheitsamt, das hätte die wie in anderen Landkreisen schon durchführen können. Aber trotz mehrfachem Antichambrieren passierte in Freiburg nichts. Die Möglichkeit kostenfrei zu testen, gab es erst durch eine Verordnung des Sozialministeriums. Und in Freiburg und dem Landkreis fehlte auch der Wille, der politisch Verantwortlichen, mehr zu machen als durch das Land vorgegeben wird. Erst als am Mittwoch 17.2. vom Land die Anweisung kam, für Erzieher:innen und Lehrer:innen, kostenfreie Test anzubieten kam man in die Gänge. Während in den Umlandgemeinden die Tests, meist wohl durch Arztpraxen durchgeführt werden, sollen in Freiburg sich die Mitarbeiter:innen gegenseitig testen.

Weil sich in Freiburg nichts tat, hatte sich dann spontan eine Gruppe zusammengefunden, die das Thema pushen will: Am Montag Abend 15.2. fand ich mich nach meiner ersten Schicht im Impfzentrum in Kenzingen, in einer Videokonferenz mit Freiburger „Machern“ – zumindest sieht man sich so selbst – die ein kostenloses Testangebot für Erzieher:innen und Lehrer:innen, aber auch Senior:innen unterbreiten, wollten.

Die begannen mit einer irren Geschwindigkeit, daran das auch umzusetzen, innerhalb von einer Woche wurde: Eine Räumlichkeit (Restaurant Rappen) klar gemacht, ein Testmobil aufgetrieben, ein weiteres Kfz foliert, 1000 Tests besorgt, Spendengelder eingeworben und in Zusammenarbeit mit dem Testzentrum in der Schreiberstraße auch Personal gewonnen. Das Medienecho ist enorm.

Während dessen, hatten wir vom Schnelltest Zentrum in Kirchzarten sieben mobile Teams vorbereitet, die an die Schulen und Kitas gehen um dort zu testen. Auch das geht nicht ohne viel Organisationsaufwand, dann schlagartig mussten wir deutlich mehr Personal finden, Material richten und dann auch noch schauen, dass wir das mit der IT abbilden. Natürlich kann man testen, und dann vor Ort einfach einen Zettel ausstellen ,dass die Leute negativ sind. So sind wir auch gestartet, das hat aber viele Nachteile: Spätestens beim zweiten Mal muss man eben eine Adresse nochmal schreiben, ein Zettel mit Unterschrift und Stempel ist nicht unbedingt fälschungssicher, er kann auch nicht noch mal überprüft werden und man muss natürlich leserlich schreiben.

Aber wenn die Prozesse mal laufen, dann geht es auch zügig. Gestern Abend haben wir in einem Internat in der Region 120 Schüler:innen und Lehrer:innen getestet.

Deshalb haben wir im Testzentrum eine Software Lösung über die sich die Leute im Web anmelden können und auch ihr Ergebnis abrufen. Das vermeidet Schlangen und Wartezeiten. In unserem Testzentrum in Kirchzarten wäre das vermutlich noch gar kein Problem, weil drumherum ein Sportgelände ist oder die Leute spazieren gehen können. In etwas urbaneren Bereichen, wie dem Testzentrum in Freiburg in der Schreiberstraße, wo es zum Warten nur einen Gehweg gibt, will man das sicher nicht. Auch gibt es viele Leute, die eben nicht die 20 Minuten bis zum Testergebnis warten wollen, sondern gleich weiter fahren oder Besorgungen erledigen.

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