Goldgrube Schnelltestzentrum?

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Seit einigen Tage, gibt es zahlreiche Medienberichte über unseriöse Praktiken und Glücksritter bei Schnelltestzentren auch in Freiburg. Besonders krass ist mir das aufgefallen, als ich am Freitag einen Post „Infobrief an den Coronabeauftragen“ in der Hand hielt. Der Brief ging an den Chaos Computer Club und da fand man es lustig mir den zu geben. In dem Brief bewirbt eine Firma, wie unkompliziert und schnell es möglich sei, ein Schnelltestzentrum aufzumachen und bietet dafür passenderweise, sowohl das nötige Zelt, die Schulung der „Supervisoren“, passende Speicheltests und Softwarelösung an. Das ganze soll dann laut Flyer „ca. 20.000 EUR Gewinn pro Monat aufwärts“ bringen.

Wie in jedem Goldraus, gibt es also die Phase in der die Goldgräber den Gewinn machen und dann den, in dem die Hersteller und Verkäufer der Geräte und Maschienen für die Goldgräber den Gewinn machen. das ist auch meistens mit weniger Risiko verbunden.

Die Firma von der dieser Brief kam, hat laut Impressum ihren Sitz in der Schweiz, bietet neben Masken und anderem auch ein einen Dienst zur Online Arzt Beratung für 9,80 im Monat und wirbt auf ihre Website mit lukrative Nebentätigkeit als Duuja Berater.

Kleine Geschichte der Schnelltestzentren

Schnelltestzentren gab es in Freiburg und der Region so ab Dezember 2020. Zunächst mußte man den Schnelltest selbst bezahlen, die Preise lagen so zwischen 30 und 40 EUR, Kunden waren Menschen die ältere Verwandte besuchen wollten etwa zu Weihnachten oder die ins Altenheim wollten, aber zur Zeit in der das Altenheim Schnelltests anbat, keine Zeit hatten. (Wir erinnern uns an den Einsatz der Bundeswehr zum Testen in Altenheimen, weil die Altenpfleger:innen keine Zeit hatten oder die Einrichtungen nicht genug Geld jemanden anzustellen).

Zu dem Zeitpunkt lief das mit den Schnelltestzentren ganz ok. Leute kamen und ließen sich testen und bezahlten dafür. Man hatte da eine bestimmte Nachfrage. Daneben gab es immer wieder Firmen oder Einrichtungen, die Anlassbezogen testen ließen. Den ersten großen Boom bekam das Gewerbe mit der Coronavirus-Testverordnung (TestV) vom 8.3.21, die etwas irreführend kostenfreie „Bürgertests“ versprach.

Deren § 4a versprach unter der Überschrift: Bürgertestung: „Asymptomatische Personen haben Anspruch auf Testung mittels PoC-Antigen-Tests.“ Und führte dann in § 5 aus: „Testungen nach § 4a ko?nnen im Rahmen der Verfu?gbarkeit von Testkapazita?ten mindestens einmal pro Woche in Anspruch genommen werden.“ In der öffentlichen Wahrnehmung entstand daraus der Eindruck, man dürfe sich einmal in der Woche kostenlos schnelltesten lassen. Durchführen dürfen das: „Arztpraxen und die von den Kassena?rztlichen Vereinigungen betriebenen Testzentren A?rzte, Zahna?rzte, a?rztlich oder zahna?rztlich gefu?hrte Einrichtungen, medizinische Labore, Apotheken, Rettungs- und Hilfsorganisationen und weitere Anbieter, die eine ordnungsgema?ße Durchfu?hrung, insbesondere nach einer Schulung nach § 12 Absatz 4, garantieren, beauftragt werden“.

„Die der Rechnungslegung zugrundeliegenden Unterlagen sind bis zum 31. Dezember 2024 unvera?ndert zu speichern oder aufzubewahren“. (§ 13 Absatz 3)

Soweit so gut. Das führt dazu, dass die Testzentren die ich kenne alle Unterlagen mit Patientenbezogenen Daten abheften und inzwischen recht große Lager damit angelegt haben. Was in der Verordnung fehlt ist ein Kontrollrecht irgendeiner Steller und auch die Vorschrift welche Qualitätskriterien einzuhalten sind. Es wird zwar von geschultem Personal gesprochen, aber näher ausgeführt welche Vorbildung das haben muß, wird nicht.

Im Raum Freiburg gab es dann langsam mehr Schnelltestzentren, in Kirchzarten kamen etwa die in den Ortstteilen dazu, Gemeinden richteten für ihre Bürger:innen welche ein und man hoffte, dass diese etwas bringen würde. Angebot und Nachfrage stiegen langsam. Auch gab es Testungen in Kindergärten und Schulen für die Lehrer:innen, die dann aber ab Osterferien auf die normalen Bürgertestungen verwiesen wurden und auch zunehmend ein Impfangebot erhielten.

Auch in Freiburg hatte man Anfang Mai Angebot ausgeweitet aber zunächst nicht so viel Nachfrage. Pünktlich zu Pfingsten trat in und um Freiburg wegen niedriger Inzidenzen die Notbremse außer Kraft (Höchststand in Freiburg der dritten Welle 27.4. 105 und dann steter Fall bis 30.5. 27,) und viele Einrichtungen verlangten vor dem Besuch einen aktuellen Schnelltest oder einen Impfnachweis (zur Problematik der beglaubigten Kopie und Fälschungssicherheit von analogen Impfpässen).

Inzwischen dürfen aber auch Gastronomen ihre Gäste selbst testen. Die haben natürlich ein wirtschaftliches Interesse an möglichst keinem positiven Test.

Sind 18 Euro viel?

Jetzt geistert immer wieder die Zahl 18 EUR pro Test durch die Gegend und wird empört gennannt. Wenn man aber mal durchrechnet was ein Zentrum, das ca 400 – 500 Tests am Tag ordentlich macht so braucht, dann ist das schon nicht mehr so viel: 400 Tests in 8h Öffnungszeit, sind 50 Tests pro Stunde. Quasi also fast jede Minute einer. Dazu braucht man eine Person an der Anmeldung, wenn die Leute sich alle online angemeldet haben, zwei die Abstriche machen und einen im Labor der die Tests nach 15 min auswertet und die Ergebnisse eingibt. Das geht aber nur wenn alles klappt, die Leute den Ablauf kennen, wenig Fragen haben und nicht noch ein Zertifikat ausgedruckt haben wollen und möglichst keiner anruft. Kinder sind es inzwischen gewohnt, dass ihnen regelmäßig in der Nase rumgebohrt wird und lassen das ganze meist sehr routiniert über sich ergehen.

50 Tests in der Minute sind dann auch 50 Testkits, 100 Handschuhe (also eine Packung), 150 Blatt Papier und viele andere Verbrauchsmaterialien.

Dazu würde dann noch Raummiete kommen, Heizung, Werbung, geklaut Kullis, Internet, Telefon und nicht zu letzt Betrieb des Systems zur automatischen Zertifikaterstellung, Information der getesteten.

Und jetzt soll es ja Tage geben, an denen eben nicht alles ausgebucht ist, aber dennoch das Testzentrum vorgehalten wird oder Leute die ihr Ergebnisse ausgedruckt haben wollen, Zeiten an denen das Webbasierte System nicht geht, Menschen mit Beratungsbedarf, …

So gesehen sind dann 18 EUR auch nicht wieder viel.

Wann wird es fischig und merke ich das als Kunde?

Ja das kann merken. Ich würde mich einfach umsehen: Tragen die Tester Schutzkittel, eine Taucherbrille oder ein Gesichtsvisir? Tragen sie zum testen Handschuhe? Liegen da schon viele gebrauchte Handschuhe in einem Müllbeutel? Liegen irgendwo Desinfektionstücher rum, mit denen Dinge abgewischt werden?

Und wie tief ist der Test der durchgeführt wird und wie lange dauert er? Wenn es ein „tiefer“ Rachenabstrich ist, dann muss das Stäbchen „ganz“ rein und das ist unangenehm, führt teils zu tränenden Augen und Vielem mehr. Wenn es ein Abstrich ist, der vorne in der Nase durchgeführt wird, dann muss jedes Nasenloch mindestens 15 Sekunden abgestrichen werden.

Und dann natürlich auch ein wie auch immer gearteter Kontrolleur von der Gewerbebehörde, Ordnungsamt, Polizei oder sonst wem schauen, ob es z.b. Ordner gibt in denen Abläufe aufgeschrieben sind? Gibt es Zertifikate über Schulungen der Mitarbeiter? Werden die Unterlagen aufbewahrt? Stimmen die Rechnungen für bestellte Schnelltests und abgerechnete Schnelltest überein?

Ich würde mich immer in solchen Zentren testen lassen die von einer Hilfsorganisation, Arztpraxis oder Apotheke, vor Ort betrieben werden.

Fazit

Viele Testzentren wurden aus Eigeninitiative von Apotheken oder anderen eingerichtet um einen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie zu leisten. Viele Apotheker:innen sind auch mit viel Eigenleistung, Planung, finanziellem Engagement in Vorlage gegangen. Anfang des Jahres war es noch unklar ob die Arbeit der Zentren überhaupt staatlich vergütet wird, über die Monate war die Nachfrage immer starken Schwankungen ausgesetzt. Auch das muss man überstehen. Und es gibt auch „Kunden“, die wollen eigentlich gar keinen richtigen Schnelltest, weil der könnte ja zeigen, dass man Corona hat und dann hat man Scherereien.

Gerade die engagierte Arbeit und den Einsatz, sollte man nun nicht kaputt machen und pauschal allen Schnelltestzentren Betrug oder unsaubere Praktiken unterstellen.

Disclaimer

Ich arbeite in zwei Schnelltestzentren und war auch am Aufbau mehrerer Zentren beteiligt, habe Menschen in Technik geschult und auch bei der Entwicklung einer Software zur Verwaltung immer wieder als Profitester geholfen.

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One Response to “Goldgrube Schnelltestzentrum?”

  1. Markus Says:

    Natürlich sind 18€ zu viel. Mit 12€ davon kann man rechnen. Testkits sind dann bereits bezahlt. 400×12€= 4800€. Sagen wir mal.gamz großzügig (utopisch großzügig) man bräuchte 5 Personen a 20€ die Stunde: 5×20€x8h= 800€. Bleiben 4000€ am Tag!!! Miete am Tag? Kosten für Internet? 20€ im Monat. Miete? 1500€ im Monat. Also wer da behauptet, da bliebe nicht unfassbar viel hängen, der kann nicht rechnen oder will die Leute bewusst für dumm verkaufen.

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