Bericht aus dem Testzentrum

Seit Anfang Januar arbeite ich in einem Corona-Schnelltest-Zentrum. Was sich erstmal größer anhört, als es eigentlich ist. Untergebracht ist das Zentrum im Sportverein Kirchzarten. Da wo bis vor kurzem die Fußballmannschaft sich umzog, sitzen nun wir und streichen ab und schauen fleissig auf Schnelltests.

Während in anderen Städten und Landkreisen, wie Tübingen oder Reutlingen, es schon lange kostenlose Tests für alle gibt, war das in Freiburg und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald nicht der Fall. Obwohl es seit Dezember in der Schreiberstraße, im ehemaligen Laden des Studierendenwerks, ein von einer Apotheke eröffnetes Schnelltestzentrum gibt und in Kirchzarten seit Januar eines.

Für kostenfreie Tests für Kontaktpersonen, Menschen mit roter Corona-Warn-App oder die Mitarbeiter von nicht-ärztlichen-Praxen fehlte die Beauftragung durch das Gesundheitsamt, das hätte die wie in anderen Landkreisen schon durchführen können. Aber trotz mehrfachem Antichambrieren passierte in Freiburg nichts. Die Möglichkeit kostenfrei zu testen, gab es erst durch eine Verordnung des Sozialministeriums. Und in Freiburg und dem Landkreis fehlte auch der Wille, der politisch Verantwortlichen, mehr zu machen als durch das Land vorgegeben wird. Erst als am Mittwoch 17.2. vom Land die Anweisung kam, für Erzieher:innen und Lehrer:innen, kostenfreie Test anzubieten kam man in die Gänge. Während in den Umlandgemeinden die Tests, meist wohl durch Arztpraxen durchgeführt werden, sollen in Freiburg sich die Mitarbeiter:innen gegenseitig testen.

Weil sich in Freiburg nichts tat, hatte sich dann spontan eine Gruppe zusammengefunden, die das Thema pushen will: Am Montag Abend 15.2. fand ich mich nach meiner ersten Schicht im Impfzentrum in Kenzingen, in einer Videokonferenz mit Freiburger „Machern“ – zumindest sieht man sich so selbst – die ein kostenloses Testangebot für Erzieher:innen und Lehrer:innen, aber auch Senior:innen unterbreiten, wollten.

Die begannen mit einer irren Geschwindigkeit, daran das auch umzusetzen, innerhalb von einer Woche wurde: Eine Räumlichkeit (Restaurant Rappen) klar gemacht, ein Testmobil aufgetrieben, ein weiteres Kfz foliert, 1000 Tests besorgt, Spendengelder eingeworben und in Zusammenarbeit mit dem Testzentrum in der Schreiberstraße auch Personal gewonnen. Das Medienecho ist enorm.

Während dessen, hatten wir vom Schnelltest Zentrum in Kirchzarten sieben mobile Teams vorbereitet, die an die Schulen und Kitas gehen um dort zu testen. Auch das geht nicht ohne viel Organisationsaufwand, dann schlagartig mussten wir deutlich mehr Personal finden, Material richten und dann auch noch schauen, dass wir das mit der IT abbilden. Natürlich kann man testen, und dann vor Ort einfach einen Zettel ausstellen ,dass die Leute negativ sind. So sind wir auch gestartet, das hat aber viele Nachteile: Spätestens beim zweiten Mal muss man eben eine Adresse nochmal schreiben, ein Zettel mit Unterschrift und Stempel ist nicht unbedingt fälschungssicher, er kann auch nicht noch mal überprüft werden und man muss natürlich leserlich schreiben.

Aber wenn die Prozesse mal laufen, dann geht es auch zügig. Gestern Abend haben wir in einem Internat in der Region 120 Schüler:innen und Lehrer:innen getestet.

Deshalb haben wir im Testzentrum eine Software Lösung über die sich die Leute im Web anmelden können und auch ihr Ergebnis abrufen. Das vermeidet Schlangen und Wartezeiten. In unserem Testzentrum in Kirchzarten wäre das vermutlich noch gar kein Problem, weil drumherum ein Sportgelände ist oder die Leute spazieren gehen können. In etwas urbaneren Bereichen, wie dem Testzentrum in Freiburg in der Schreiberstraße, wo es zum Warten nur einen Gehweg gibt, will man das sicher nicht. Auch gibt es viele Leute, die eben nicht die 20 Minuten bis zum Testergebnis warten wollen, sondern gleich weiter fahren oder Besorgungen erledigen.

Auch ist natürlich eine Terminvergabe über ein Internet Buchungssystem deutlich einfacher, weil es viele Telefonate spart und damit viel Arbeit einfach bei der Anmeldung. Dennoch rufen häufig Leute an und wollen Termine, haben Fragen usw.

Für die Menschen die getestet werden, läuft es so: Beim Check-In bekommen die Leute einen QR-Code auf ein Blatt Papier gedruckt, mit diesem Blatt, auf dem nur der QR-Code steht, geht er oder sie in den Abstrichraum, dort kleben wir Testkassette und Verpackung mit Chargennummer auf das Papier. Wir machen den Test und der Patient kann wieder gehen.

Das Papier mit Testkassette legen wir ins Labor. Am Eingang zum Labor schreiben wir die Uhrzeit drauf und legen dazu noch eine Eieruhr, die je nach Test auf 10 oder 20 min gestellt ist, dazu. Sobald die Zeit abgelaufen ist und der Test sich entwickelt hat, scannen wir mit einem Smartphone oder Tablet dann den QR-Code ein. So gelangt das Ergebnis des Tests ins System. Auf dem Zertifikat, das sich jeder selbst ausdrucken kann (mit Link den nur er oder sie bekommen hat und unter Eingabe von Vorname, Name und Geburtsdatum) ist dann das Ergebnis des Tests, ein Foto, Name und ein QR-Code zum überprüfen abgedruckt.

Und aus den ersten Monaten Schnelltestzentrum kann ich schnell folgendes berichten:

  • Bisher hatten wir noch kein Nasebluten
  • Dreimal hatten Tests bisher Fehlfunktionen, daher der Teststreifen lief nicht durch und man musste nochmal testen.
  • Die Durchführung wird sehr unterschiedlich erlebt. Einige Menschen verziehen das Gesicht, müssen heftig niesen und haben tränende Augen beim Nasenabstrich und wiederum andere Würgereiz beim Testen durch den Mund. Anderen scheint es gar nichts auszumachen.
  • Tests sollten immer waagerecht liegen beim Nutzen und in einem Raum mit Zimmertemperatur.
  • Es ist deutlich einfacher gebrauchte Drucker zu leihen – wir gehen davon aus, dass das Testzentrum bis 31.3. in Betrieb ist – als irgendwo Eieruhren herzubekommen. Wir mußten bei Schafferer 20 Stück kaufen, während alte Drucker teils verschenkt werden.
  • Manche Leute haben einen Rachen, der sich nicht zum Testen eignet.

Update vom 23.2. 10:11: Nachdem die Badische Zeitung über die Notwendigkeit von Meldungen an das Gesundheitsamt per Fax berichtete, kam heute Morgen um 10:11 Uhr eine E-Mail mit dem Hinweis dass es ab jetzt einen Webportal gebe!

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