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Gastbeitrag: „Wir tolerieren eure Intoleranz nicht“

18. Juli 2021

Von Zeit zu Zeit veröffentliche ich Gastbeiträge in meinem Blog zu Themen, die sonst hier wichtig sind. Vor einiger Zeit kontaktierte mich eine Studentin und bat um Auskunft über die Coronaleugner Szene in Freiburg. Daraus entstand dieser Artikel. Da es keine andere Möglichkeit gab zum veröffentlichen, hat sie mich gebeten, diesen Artikel hier zu posten.

„Wir tolerieren eure Intoleranz nicht“

Paula G., der gesamte Namen ist mir bekannt, wird aber hier aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlicht.

Seit Januar 2021 finden sich jeden Dienstagabend die Teilnehmer*innen der Querdenken-Bewegung am neuen SC Stadion ein. Mit einem Autokorso demonstrieren sie gegen die Corona-Maßnahmen. Zeitgleich formieren sich Gegenproteste mit dem Ziel, ein Zeichen gegen die Querdenken-Bewegung zu setzen. Unterschiedliche Protestformen treffen hier aufeinander.

Um 17:30 Uhr rollen die ersten Fahrzeuge auf den Parkplatz des neuen SC-Stadions, welcher als Sammelplatz der Querdenker*innen dient. Von hier aus startet der Autokorso quer durch Freiburg. Es sammeln sich kleine a?ltere Autos, große Anha?nger mit Bannern und Musikboxen und auch der SUV fa?hrt bei der wo?chentlichen Querdenken-Demo mit. Einzeln oder auch mit der ganzen Familie reisen die Menschen aus Freiburg und Umland an, um ihre Unzufriedenheit mit der Pandemie und den damit verbundenen Maßnahmen kundzutun.

Doch wo die Corona-Kritiker*innen zusammenkommen, kann der Gegenprotest nicht weit sein. So trifft man zeitgleich auf eine angemeldete Kundgebung am Sammelplatz des Autokorsos. Sebastian Mu?ller ist der Mann, der seit Oktober jeden Dienstag die Gegendemonstration anmeldet. Er ist 38, Rettungsassistent und beobachtet die Querdenken- Proteste seit Ma?rz 2020 mit großem Interesse. Weshalb es ihn jeden Dienstagabend auf die Straße zieht, begru?ndet er folgendermaßen: „Ich finde, dass „Querdenken“ eine sehr problematische Bewegung ist. Zum einen, weil sie auf vielen Verschwo?rungstheorien basiert und viele wissenschaftliche Erkenntnisse negiert. Zum anderen duldet sie bewusst Rechtsextremist*innen in ihren Reihen als starke Stu?tze ihrer Bewegung.“

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Ausgedacht: Querdenken in Freiburg schrumpft

13. Juni 2021

Banner bei der Demo in Oberwinden.

Seit März 2020 beobachte ich das geschehen um die Querdenken/Coronaleuger Bewegung in und um Freiburg. Seit Ende Mai Anfang Juli ist zu beobachten, dass die Anzahl der Teilnehmer:innen an Protesten der Querdenker, deutlich zurückgeht. Die Szene kann und konnte in Freiburg und Umgebung maximal 400 Leute auf die Straße bringen, meist wenn Szenepromis kamen. Inzwischen sind es deutlich weniger. Querbremsen stellt fest: „Es bleibt ein eiserner Kern von Menschen zurück, die das Ganze eher als „Social Happening“ sehen und den Autokorso nutzen, um sich mal wieder mit Freund:innen zu treffen. Die Inhalte sind so zweitrangig wie heterogen.“ Und stellt deshalb, weitere Aktionen oder Blockadenl ein und warnt vor: „Aktivismus um des Aktivismus willens“.

Der Autokorso am 1.6. bestand an der Abfahrt 56 Kfz, der Autokorso am 8.6.21 nur noch 46 Fahrzeuge, die daran teilnahmen.

Auch der Zuspruch hält sich stark in Grenzen, so wurden die Fahrzeuge teils mit Eiern beworfen oder von Menschen in Straßencafés angepöbelt.

Auch bei anderen Aktionsformen halten sich Teilnehmende und Zuspruch in Grenzen: Bei einer Schilderdemo am 11.6.21 in Oberwinden, hat man zwar wegen des Staus, der durch das Dorf führenden B294 viele Menschen die sehen was man hochhält, aber nicht unbedingt ein Publikum, dass das auch gut findet. Hier beteilgten sich etwa 20 Menschen an der Aktion.

Beim Verteilen von Desinformationsmaterial am 7.6. in der Freiburger Innenstadt, war der Zuspruch gering. Und die acht Coronaleugner wurden durch anwesende Jugendliche frech gefragt: „Gibt es denn Corona?“ und auch die Anzahl der Flyer, die die Aktivist:innen verteilen konnten, war gering.

Beim Auftritt im Stadtgarten waren auch wieder 20 Menschen aus dem harten Kern der Südbadischen Coronaleugner Szene anwesend. Da trat dann auch die Offenburger Ärztin Perin D. auf, chanconsierte ein wenig und erzählte, dass ihr die Ärztekammer den freiwilligen Verzicht auf die Approbation nahegelegt habe und von ihrer Anklage, wegen falscher Maskenatteste. Gesungen haben  auch die Super-Schweden und soweit ich das erkennen konnte, war auch die bekannte Szeneärztin Dr. Jarvid Kistel vor Ort, auf einer Picknickdecke. Das ganze wurde von den Umstehenden eher amüsiert und belustigt zur Unkenntnis genommen, als eine Art zusätzliches schwurbelliges Unterhaltungsangebot von Menschen, die man belächelt.

Bei einer „Schützt die Kinder vor den Impfungen“ Demo waren vielleicht 300 Leute und 50 Gegendemonstranten. Außer den Standard Holocaustrelativierungen und einen seltsam gekleideten Herr mit Messer in der Hose, gab es da wenig zu berichten.

Sonst scheint sich der Kreis um die Freiburger Szene enger zu ziehen, zum Teil bettelt man auf Telegram um Geld, es kamen die ersten Strafbefehle wegen der Teilnahme an der verbotenen Demo am 19.12. und auch sonst gibt es doch immer wieder die eine oder andere Anzeige.

Thematisch war die Bewegung stabil, obwohl sich in der Pandemie die Lage ja häufig änderte. So sieht man Poster mit „Alte Sterben allein“, seit März 2020, wo diese ja durchaus aufgrund des Zugangsverbots in Altenheimen passend waren, inzwischen sind aber nahezu alle Bewohner:innen von Altenheimen geimpft und spätestens ab Januar2021 mit Tests zugänglich gewesen. Dabei blieben die Inhalte, unabhängig von den Maßnahmen relativ gleich.

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Dialog mit Coronarebellen

16. März 2021

Ich persönlich finde Dialog – auch mit den Coronarebellen wichtig – deshalb habe ich auf eine E-Mail, die mich kürzlich aus diesem Lager erreichte, eine längere Antwort gegeben. Da die diskutierten Themen und Fragestellungen, recht exemplarisch für die Diskussionen sind, die wir führen (müßen), werde ich diese hier in Auszügen dokumentieren. Persönliche Teile oder weniger relevantes habe ich rausgelassen.

„1. Der Begriff „Corona-Leugner“ ist in Bezug auf die Gegner der Corona-Maßnahmen ein zu mind. 95% irreführender Begriff. Die allerwenigsten dieser Leute leugnen die Existenz des Virus´. Außerdem signalisiert die Wortwahl: „aufpassen, das sind Personen, die etwas wegleugnen, was absolut nachweisbar ist und was die Mehrheit der Bevölkerung ganz schlimm findet“ (also wie z.B. bei den Holocaust-Leugnern). Und genau diese Analogie wird landauf landab von den Medien und Politikern immer wieder bedient, das ist an sich schonmal manipulativ und unanständig.“

Zuschrift

Der Begriff „Corona-Leugner”, bezieht sich nicht nur auf Personen, die die Existenz des SARS-Cov-2 Virus bestreiten – auch die gibt es in den Reihen der “Querdenker”/“FreiSeinFreiburg”/“Wir2020”/“Coronarebellen” Gruppierung, sondern auch die die Gefahr und das Ausmaß der Pandemie bestreiten. 

Übrigens hat ader BGH entschieden, das man Personen, die eben auch das Ausmaß und nicht den Holocaust an sich leugenen als “Holocaustleugner” bezeichnen darf. Ich selbst würde auch auch Menschen, die den menschengemachten Klimawandel bestreiten oder dessen Gefahr und Ausmaß kleinreden, als “Klimakriseleugner” bezeichnen. 

Sie haben völlig recht, durch diese krasse Wortwahl soll signalisiert werden, „dies hier sind Personen, die etwas wegleugnen, was absolut nachweisbar ist und was die Mehrheit der Bevölkerung ganz schlimm findet”. Wo auch die Mehrheit der Meinungsumfragen und auch der aufgeklärte Diskurs uns recht gibt. 

2. Die wenigsten dieser Leute sind „Verschwörungstheoretiker“. (…) Auch das ist manipulativ. Die meisten dieser Leute machen sich ernsthaft Sorgen um unsere Demokratie und sagen sich „wenn nicht jetzt, wann dann“. Die Regierung hat sich durch die Neuerung des Infektionsschutzgesetzes relativ umfangreiche Handlungsvollmacht gesichert, nicht zu Unrecht reden einige Menschen von einem Ermächtigungsgesetz.

E-Mail an mich

Auf den Reden bei den Versammlungen, in den Telegramm Gruppen, auf Transparenten gab es immer wieder Aussagen, die auf Verschwörungen hinweisen. Zu letzt etwa die Erzählungen vom “Great Reset”.

Auch die Sorge um den Zustand der Demokratie teile ich nicht. Es fanden gestern in Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz allgemeine, freie, gleiche und geheime Wahlen zu Landtagen statt. In Hessen Kommunalwahlen. Sowohl in BW als auch in RLP, traten dabei Parteien aus dem “Coronaleugner” Lager an – mit zugegeben sehr schlechten Ergebnissen. Etwa für “Die Basis” insg. 48.490 Stimmen, 1% oder Wir2020 41.081, 0,8%. Bei 4.858.571 gültigen Stimmen. 

In diesem Wahlkampf wurden sie nicht behindert, konnten zahlreiche Wahlaktionen durchführen (Stände, Autokorso, Plakate aufhängen, …) “Die Basis” wird nun in Genus staatlicher Parteienfinanzierung kommen. 

Und wenn sie den Mechanismus verfolgt haben, dann ist es so: Es gibt eine Bund-Länder-Konferenz in der Maßnahmen diskutiert werden – übrigens wohl recht kontrovers und teils ohne Einigung – und dann Erlaßen die Landesregierungen Rechtsverordnungen. Die dann je nach Land unterschiedlich aussehen und auch Teils vor Gericht erfolgreich angegriffen werden und verworfen.

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The Party ischt over

24. Februar 2021

Freiburgs Coronaleugner Szene, die auch als Parteien „Wir2020“ und „die Basis“ auftreten, treffen sich jeden Mittwoch in einer ehemaligen Apotheke in der Schwarzwaldstraße. Normale Parteien, treffen sich im Moment nicht physisch, sondern halt über Videokonferenz um ihr Zeugs zu besprechen. Das ist aber für Coronaschwurbel zu viel verlangt.

Wenn man nun den selbst veröffentlichten Videos glauben schenken mag, dann trägt Schwurbel und Schwurbelina, dabei natürlich keine Maske und hält keinen Abstand ein. Selbst bei der Nominierungsversammlung der CDU Sachsen-Anhalt gab es vorher wenigstens Schnelltests.

Zweimal schon wurde die Versammlung, Anwesend das Who-is-Who der Schwurbelszene von der Polizei, wegen Verstoß gegen Hygieneauflagen aufgelöst. Das wissen wir, weil Malte W. von beiden Vorfällen selbst Videos ins Internet gestellt hat. Man also den Verlauf relativ gut beobachten konnte. Wahlkampftechnisch fällt auf, dass die „Wir2020“ Partei nicht plakatiert, „die Basis“ schon. Worin der Sinn liegt zwei Kleinstparteien quasi gegeneinander antreten zu lassen, das ist mir nicht klar.

Auch sonst keine Bewegung die mit mit besonders viel Hirn gesegnet ist.

Anti-Autokorso-Action

Am letzten Dienstag gab es wieder unterschiedliche Aktionen gegen den Querdenker Autokorso. Ich hatte eine Gegendemo angemeldet und entlang der Strecke gab es auch viele Aktionen von Aktivisten. Details dazu im Thread von „Querdenken ausbremsen“.

An diesem Dienstag habe ich keine Demo angemeldet, ich bin einfach mit Vorbereitung von sieben mobilen Schnelltestteams und Wahlkampfstand.online stark ausgebucht. Ich habe die Abfahrt der Querdenker am Flugplatz beobachten und von dort berichtet.

Es gab auch am Rande des Autokorsos wieder unterschiedliche Aktionen von Bürger:innen. Daneben gab es auch ein krasses Polizeiaufgebot.

Für alle die am Rande der Strecke des Autokorsos Aktionen machen: Bringt euch selbst nicht in rechtliche oder tatsächliche Gefahren. Empörung und Wut über rechtsoffene Wissenschaftsleugnung und Sozialdarwinistische Thesen zu zeigen ist gut, aber man sollte sich dabei nicht selbst gefährden.

Der Autokorso fuhr wohl über Rieselfeld und Weingarten in den Stühlinger und dort nun den Ring nach Zähringen. Am Rande gab es von vielen Bürger:inenn Gegenprotest. Der Autokorso stand unter dem Motto: „Lock up“, was sich mit Einsperren aus dem Englischen übersetzt.

Weitere Neuigkeiten aus dem Bizzarouniversum

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Wahnwichtel Rückblick: WIRR in den Landtag, Staufen und Autokorso Gegendemo

24. Januar 2021

Hier fasse ich ja immer das unselige Wirken der Coronaleugner aus Freiburg und Umgebung zusammen. Tobias Schopper von der Universität Freiburg hat die Telegram Kanäle der Freiburger Coronaleugner und Querdenker mit statistischen Verfahren ausgewertet.

Er bestätigt, damit auch meine These, die ich nach der Fragebogenbefragung im März hatte: Visuelle Medien wie YouTube sind ein wichtige Informationsquelle für die Coronaleugner.

Wirr zur Landtagswahl

Schauen wir mal auch auf die Landtagskandidaten. Ja tatsächlich nach Informationen der Badischen Zeitung kandidiert die „WIR2020“ Partei für die Landtagswahlen und hat auch Kandidaten in Südbaden. Auf der Website der Partei sind nicht alle Kandidaten aufgelistet, in der Badischen Zeitung war aber für alle Wahlkreise rund um Freiburg jemand angegeben.

Im Wahlkreis 48 ist das  Apotheker im Ruhestand Ulrich Gläser, der auch schon bei vielen Querdenker Demos in der Region als Redner aufgetreten ist und nach Angaben der Website als Orgateam in Freiburg. Auf der Website gibt es auch einige „spannende“ Falschaussagen über Corona: „obwohl Lockdowns die Verbreitung von Viren nicht verhindern können (…) Nach Bekanntwerden der ersten Todesfälle in Wuhan war ich zunächst besorgt, aber schon bald wurde klar, dass dieses Virus nicht mehr Todesopfer fordern würde als die Grippe von 2017/18. Kurz nach Karneval kam die Entwarnung aus Heinsberg durch Professor Streeck“

Wahlkreis 46 (Freiburg I): Malte Wendt, hatte bereits ein großes Porträt in der Badischen Zeitung 08. August 2020, da wird er beschrieben als Mitte 40, abgebrochenes Geschichtsstudium, derzeit ohne feste Arbeit, aber, wie er betont, mit Plänen für eine Unternehmensgründung beschäftigt. Im Gespräch mit der BZ verwendet wer Begriffe wie: „Selbstgleichschaltung“, „Die Bilder aus Bergamo seien seines Wissens auf einen Streik der Bestatter zurückzuführen, nicht auf die hohe Sterberate.“. Admin in diversen Freiburger Telegramm Gruppen der Corona Leugner.

Wahlkreis 47 (Freiburg II): Kay Michel habe ich keine weiteren Informationen gefunden.

Staufen zerbricht an Schwurbel

Große Aufregung herrschte in der Südbadischen Corona Leugner Szene nach der Hausdurchsuchung bei einem Antroposophischen „Arzt“ in Staufen. Der wird von der Staatsanwaltschaft beschuldigt unwahre Gesundheitszeugnisse ausgestellt zu haben. Da gab es dann gleich am Sonntag um 10:00 eine Demo vor dessen Praxis, zu der das gesammelte Who-isWho der südbadischen Corona Leugner Szene aufgerufen hatte, etwa Juliane P., Malte W., oder auch Jurma M oder Adolf W., ebenfalls Arzt. Für eine Coronarebellen Aktion trugen doch recht viele Masken.

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Corona Leugner Szene in Freiburg im Abwind oder Weihnachtspause

29. Dezember 2020

Zu Weihnachten gibt es viele gute Nachrichten: Die Impfungen im Impfzentrum in Freiburg laufen an, und an der Corona-Leugner-Front scheint es trotz ihres „Erfolgs“ am 19.12. eine massive Demobilisierung und Demoralisierung zu geben. So war am letzten Montag 28.12. keine Mahnwache auf dem Platz der alten Synagoge. Jetzt kann es sein, dass es sich hier um eine Art „Weihnachtspause“ handelt, bei der auch viele Menschen mit anderem beschäftigt sind.

Daneben gibt es Samstags keine Demos mehr in den Freiburger Innenstadt. Der Versucht zum Start der Impfungen in Freiburg, etwa vor Altersheimen zu demonstrieren, war wohl auch nicht erfolgreich. Dennoch bemerkt man in den Gruppen der Coronaleugner, das sich die Diskussion weg bewegt von „Lockdown“ oder Beschränkungen und hin zu Anti-Impf-Propaganda.

Auch die „Wahnwachen“ haben kaum noch Zuspruch. In den Telegramm Kanälen scheint man sich auch nicht mehr so richtig aktiv zu sein. Was auch damit zu tun hat, dass wenn es in den Querdenken, Freiheitsboten oder Coronarelleben-Gruppen zu einer „normalen“ Diskussion kommt, also Menschen äußern gegenteilige Ansichten, wird dazwischen massiv von dagegen gespammt (Q/Trump/Impfen/whatever) und irgendwann gelöscht und der Andersdenkende, gebannt.

Derzeit bereite ich vor, das wir einen TAZ Sonderdruck, ein Dossier der taz als Nachschlagewerk für Argumente gegen Mythen, Nonsens und Halbwahrheiten in der Pandemie, in ausreichender Zahl nach Freiburg bekommen und dann auch in den Stadtteilen, in denen es benötigt wird verteilen können.

Selbst die neue Protestform Autokorso hat kaum Mobilisierung. Dennoch sollte man erwähnen, dass inzwischen sogar der Verfassungsschutz vor Anschlägen auf Corona-Impf-Zentren warnt.

Immerhin waren beim Autokorso am 29.12. ca. 21 Autos. Und ein Herr der lange mit mir diskutierte, das er ja nicht fotographiert werden will, weil er so bekannt sei in Littenweiler und nichts mit denen zu tun habe, aber Teil der Demo war – zumindest sich da eingereiht hatte – und auch Thesen von sich gab, die in Richtung Querdenken gingen. Dafür fuhr auch ein Auto mit, auf dem Stand „Impfen = Mord“.

Auch die Corona-Risiko-Verharmloser in den Kultusministerien scheinen nun ihre Behauptung „An Schulen steckt sich keiner an“, nicht mehr halten zu können:

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Coronaleugner aggressiv „Kleinteilig machen lassen“ ist Kontrollverlust als Polizeitaktik zu verbrämen.

23. Dezember 2020

Leserbrief an die Badische Zeitung, zu den Umtrieben der Coronaleugner / Querdenker am 19.12. in der Freiburger Innenstadt.

Die Ereignisse am Samstag 19.12. um die verbotene Coronaleugner Demonstration hatten für Freiburg eine neue Qualität der Eskalation. Wenn Bürgermeister Stefan Breiter in der Badischen Zeitung zitiert wird mit: „es sei die Strategie der Polizei, die Versammlung zu zerstreuen“ und deren „Teilnehmer auch mal kleinteilig machen zu lassen“ aufgegangen“, dann erweckt das auf mich den Eindruck, dass hier Kontrollverlust im Nachhinein zur Polizeitaktik erklärt wird.

„Kleinteilig machen lassen“, bedeutete, dass Gruppen durch die Innenstadt ziehen können und Passanten bedrohen und anpöbeln, die eine Maske trugen, ohne dass die Polizei dem Einhalt gebieten konnte. Es erscheint mir auch nicht sonderlich konsequent, einen Teil der Demonstranten einzukesseln und gleichzeitig einen anderen Teil, direkt vor diesem Polizeikessel eine verbotene Kundgebung abhalten zu lassen. Das stellt die Legitimation des Kessels, immerhin ein erheblichen Grundrechtseingriff, in Frage.

Ich muss davon ausgehen, dass Schlägertrupps Teil der Demo-Strategie waren und dass sich auch die Freiburger Querdenker-Aktiven mit diesen gemein machen und gezielt Andersdenke zu identifizieren um sie anzugreifen. Sie probierten auch Polizeiketten zu durchbrechen, führten Stöcke mit sich und lieferten sich Rangeleien mit der Polizei.

Wenn vor diesem Hintergrund das „Polizeipräsidium Freiburg einen insgesamt friedlichen Einsatzverlauf konstatieren kann“, kann ich mir dies nur durch ein defizitäres Lagebild erklären.

An den Umtrieben nahmen auch zahlreiche Personen mit eindeutigen Rechtsextremistischen Symbolen wie Pegida-Pulli, Schwarz-Weiß-Rotem Mundschutz oder eindeutigen Kleidungsstücken teil.

Bisher scheint die Freiburger Stadtpolitik dieser Herausforderung vor allem durch ignorieren begegnen zu wollen. Dabei sickern die von den Coronaleugnern gestreuten Zweifel gegen Schutzmaßnahmen und Impfungen immer weiter durch und erschweren die Pandemiebekämpfung. Wir brauchen dringlich eine umfangreiche Informations- und Aufklärungskampagne und FFP2 Maskenverkteilung die alle Haushalte erreicht.

Siehe dazu auch den Artikel im Spiegel.

Närrisches Treiben von Querdenker zeitweise außer Kontrolle in Freiburg

19. Dezember 2020

Jeder Bericht von einer Demonstration kann immer nur subjektiv sein, da man selbst immer nur einen Ausschnitt erlebt. Dennoch werde ich versuchen hier aus meinem Erleben, aus Berichten und aus Sozialen Medien eine Darstellung und eine Bewertung zu geben.

Weihnachtlicher Polizeikessel

Auf der Demo waren Menschen aus der südbadischen Querdenker-Szene, Menschen aus dem überregionalen Querdenken-Umfeld, und auch Menschen aus der Hool- und Kampfsportszene. Diese beiden Bewegungen scheinen zumindest Kontakte zu haben oder sich zu vermischen. Es ist schwierig eine genaue Anzahl anzugeben, da die gesamte Masse ja nie an einem Platz war. Persönlich würde ich auf um 300 Menschen tippen, die durch die Innenstadt zogen oder in einer anderen Zone aktiv waren. Darunter auch bekannte Größen der Szene wie Michael Ballweg, Samuel Eckert oder Nana Domena, aber auch lokale „Szenegrößen“ wie Juliane P. Diese Demonstranten wirken erst mal bürgerlich, teils auch alternativ und würden weder in einem Mittelklasse-Restaurant auffallen noch im Alnatura-Supermarkt.

Aber zunächst zum Anfang: Schon letzte Woche hat die Stadt Weil am Rhein die Querdenken-Demo, für die lange mobilisiert wurde verboten. Darauf wurde in diversen Telegramm-Kanälen der Szene als Ersatz zur zunächst erlaubten Samstags-Kundgebung nach Freiburg gerufen, wo auch Szenegrößen wie Ballweg auftreten sollten; diese hat die Stadt Freiburg dann heute früh verboten.

Das schien zunächst erfolgreich. Die Querdenken-Leute kamen in kleinen Gruppen auf dem Platz, wurden dort weggeschickt oder wenn sie blieben wurden die Personalien festgestellt. Zunächst dachte ich, es könnte ruhig bleiben und die Leute würden frustriert nach Hause gehen. Aber diese Gruppen durften dann durch die Stadt ziehen, als wären es nicht die Gleichen. Ebenfalls konnten auffällig große Gruppen – die Stadt war sonst quasi leer, Einkaufen kann man ja nicht – vom Platz der alte Synagoge zum Stadtgarten und von dort auf den Schlossberg und danach wieder in die Innenstadt laufen, größtenteils ohne Begleitung oder Behelligung durch die Polizei.

Zunächst zum Stadtgarten und dann auf den Schlosserg.

Da im Stadtgarten stand auch die Polizei und noch mehr Polizei mit Kastenwägen auf dem Karlsplatz, wo sie die Brücke zum Stadtgarten gut im Blick hatten und tat nichts. Von dort bewegten sich die Leute dann auf den Schlossberg, alles beobachtet von Polizisten in warmen Sprintern. Als die Gruppen schon alle auf dem Berg waren, kam mit Abstand dann ca. 10 Polizeibeamte mit dem Leiter vom Revier Nord und bestiegen auch den Berg.

Bis dahin würde ich vom ganz normalen Querdenken-Geschehen sprechen. Man probiert Demo zu machen, die ist verboten, man geht woanders hin. Unterhalb des Kanonenplatz gibt es auch einen kleinen schattigen Platz mit vielen Bäumen, da standen die Leute die nicht bis ganz auf den Kanonenplatz gingen und fingen eine Art Gottesdienst an. Die Gruppe von Polizisten, die sich den Platz hoch bewegten, gingen die Treppe weiter hoch in Richtung Kanonenplatz.

Dort war auch eine Frau mit lila Jacke und Boombox, die auf unsere Gruppe sportlicher Männer, es waren da noch zwei Bekannte zu mir gestoßen, zeigte und so etwas sagte wie: „Die sind von der Antifa.“ Einer von denen sah aus wie ein Fastnachts-Ninja: Schwarze Trainingsmaske mit Ventilen, schwarze Sturmhaube, schwarze Jacke, Handschuhe und Schlagstockschirm. Er machte uns dann klar, das wir hier zu verschwinden hätten, weil er uns sonst verprügeln würde. Da er uns immer mehr bedrängte und bedrohte, gingen wir schließlich.

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