Freiburger Querdenker bei PassAntisanitaire Demo in Straßburg

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Am Samstag 28.8.21 war in vielen Städten Frankreichs Demo gegen den Pass Sanitaire. Das ist im Grunde unser Impfnachweis, aber der wird nicht wie in Deutschland vielleicht mal flüchtig angeschaut, sondern tatsächlich kontrolliert und ist zur Teilnahme im sozialen Leben wichtig. Gleichzeitig gibt eine Reihe von Berufen die sich impfen lassen müssen, scheinbar Pflegekräfte aber auch Feuerwehrleute.

Vor dem Hintergrund ist die – wenn auch nur gefühlte – Not der Impfgegner und Menschen mit einer Bauchgefühlabneigung gegen Infektionsschutzmaßnahmen sicher noch mal akuter. Nach Medienberichten sollen am Samstag bis zu 160.000 Menschen (11.000 im Elsaß) in ganz Frankreich auf die Straße gegangen sein. Das wäre schon deutlich mehr als die paar Tausend, die gerade ziellos und ungeliebt durch Berlin geistern. Dabei muss man wissen, Frankreich und das Elsass wurden von der Corona Pandemie deutlich heftiger getroffen als Südbaden. Im Frühjahr 2020 Mulhouse sorgte ein Ausbruch in einer Freikirche für dramatische Entwicklungen, in Frankreich war der „Lockdown“, eine tatsächliche Ausgangssperre und auch jetzt wird deutlich mehr Druck ausgeübt sich impfen zu lassen. Zu den statistischen Zahlen siehe den tweet oben, der recht deutlich macht, das mehr Menschen infiziert sind und waren, mehr Menschen starben, aber auch inzwischen die Impfquote deutlich über der von Deutschland liegt.

In Frankreich gibt es seit ca. sieben Wochen Proteste gegen dieses Kontrollregieme. Vor diesem Hintergrund hatte ein Teil der Südbadischen Coronaleugner Szene aufgerufen am Protest in Straßbourg teilzunehmen. Von den nach Angaben der Polizei etwa 3000 Teilnehemden, waren nach meiner Einschätzung etwa ein Drittel aus Detuschland. Darunter der harte Kern der Freiburger Querdenken Szene, den man auch von den Autokorso kennt. Etwa Marc Ss, der viele Demos angemeldet hat. Arif Chungtai hielt eine Rede, die auf Französisch übersetzt wurde. Er sagte dabei Sachen wie “in Deutschland sind alle Demos verboten worden“ und erklärte es handele sich um einen gemeinsamen Kampf.

Nach Reden auf dem Place de la Republique, dem ehemaligen deutschen Kaiserplatz, architektonisch das Zentrum und Symbol des deutschen Elsass, wo das Deutsche Reich zeigen wollte, wie gut es sich um die besetzten Gebiete kümmert, zogen die Menschen dann ins Europaviertel. Da ist es dann besonders passend – oder wiedermal bezeichnend für die Feinfühligkeit und das Geschichtsbewußtsein, wenn man dort mit einer preußischen Fahne oder der schwarz-weiß-roten Reichsflagge aufläuft.

Spannend an der Hauptrednerin Marianne Wonner, ist dass sie mal Abgeordnete der Macron Partei „La Republique en Marche“ LREM war, dort des linken Flügels und dann im Laufe der Corona Krise immer mehr abdrehte. Bei ihr finden sich dann auch alle Tropes der Coronarebellen: Sie ist gegen Masken, gegen Masken bei Kindern, hat Auftritte in seltsamen Videos mit Verschöwris hinter sich. Um die französische Wikipedia zu zitieren: “Im 11/2020 vertrat L’Obs die Ansicht, dass sie „zu einer der Bannerträgerinnen der Verschwörungsbewegung” geworden sei”. Sie war auf Demos mit ex Frontnational Mitgliedern. Die Wikipedia weiter Wonner „bezeichnete Boten-RNA-Impfstoffe als „gentechnisch veränderten Schrott“ (…) sagte, dass „der einzige Impfstoff, der funktioniert, der chinesische ist“, während chinesischer Beamter zur gleichen Zeit Zweifel an der Wirksamkeit äußerten“.

Nun lässt sich die Bewegung noch weniger fassen als in Deutschland oder Freiburg. Auf der einen Seite Menschen die man von Aussehen eher in Richtung Antifa zuordnen würde, aber eben auch Feuerwehrleute, alle Altersstufen und recht bürgerlich aussehende Menschen. Die Stimmung war recht entspannt, es wurde keine Konfrontation mit der Polizei oder Presse gesucht, auch war es im Gegensatz zu solchen Veranstaltungen in Deutschland gut möglich Bilder zu machen oder Menschen zu befragen. Es gab aber auch keine Gegendemo oder Unmutsbezeugungen von Passanten, wie man das aus Deutschland kennt. Die französische Polizei, sogar die CRS, hatte zwar Helme, Schilder und Tränengasgewehre dabei, war aber recht fröhlich drauf.

 

Louis Clarke Professor in Turku würde die eher so einschätzen: „Es gibt eine seltsame Mischung aus Libertären, linksradikalen Anarchisten, die Macron hassen, und Rechtsextremen. Eine seltsame Gruppe.“

Für mich macht es den Eindruck, dass es wie in Deutschland etwa vor einem Jahr war.

 

 

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