Dr. Blaubärs Impfstoff Märchenstunde

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Derzeit kursiert eine „Einladung zu einer ärztlichen Zweitmeinung vor und nach der Anwendung von sog. mRNA- und Virus-Vektor-Impfstoffen“ von Dr. Wolf Bergmann. Bevor wir uns mit den Inhalten in dieser ungefragt zugesandten Zweitmeinung befassen, schauen wir mal, welche Inhalte Dr. Bergmann sonst noch vertritt:

  • Er warnt z.b. vor LED Leuchtmitteln: „Das Lichtspektrum ist äußerst unnatürlich.“ LED Leuchtmittel sind in unterschiedlichen Lichtspektren verfügbar, so wie es über den Tag auch durch das Tageslicht unterschiedliches Licht (Helligkeit, Farbe, Intensität) gibt und dies unterschiedliche Wirkungen auf den Körper hat und für unterschiedliche Situationen (Aufmerksamkeit, Aufwachen, zu Bett gehen, Entspannen, …) angemessen ist. (Gute Erklärung hier, Tipp bringt Wohlbefinden)
  • Im Zusammenhang mit der Diskussion um 5G behauptet er, dass z.b. „Handystrahlung“ Krebs, Schlaganfälle und den sog. Geldrolleneffekt erzeugt. Für nichts davon hat er Belege.
  • Er stützt sich auf ein völlig absurdes Verfahren mit Wasserkristallbildern. Die sind zwar schön, haben null wissenschaftliche Aussagekraft.

Beste Voraussetzungen also, sich als Mediziner zu Impfstoffen und Corona zu äußern.

Impfungen (Übersicht)

Bevor ich hier auf einige Punkte in diesem „Flugblatt“ eingehe, nochmal ein paar Informationen zur Impfung im Allgemeinen.

Stand: 27. Februar 2021, 09:30 Uhr sind 2.029.047 Personen (2,4?% der Gesamt­bevölkerung Deutschlands) vollständig geimpft. Insgesamt haben 3.881.490 Personen mindestens eine Impf­dosis erhalten. (Quelle: Impfdashboard).

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) berichtet über 7.690 aus Deutschland gemeldete Verdachtsfälle von Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung mit den mRNA-Impfstoffen Comirnaty (BioNTech), COVID-19 Vaccine Moderna und COVID-19 Vaccine AstraZeneca von Beginn der Impfkampagne am 27.12.2020 bis zum 12.02.2021. Dabei handelt es sich um „vor allem vorübergehende Lokalreaktionen und Allgemeinreaktionen, die auch in den klinischen Prüfungen vor der Zulassung berichtet wurden (…) In dem aktuellen Sicherheitsbericht der britischen Arzneimittelbehörde wird ausgeführt, dass sich bei ca. drei Millionen verabreichter Impfdosen die gemeldeten unerwünschten Reaktionen für den COVID-19-Impfstoff AstraZeneca mehrheitlich auf Reaktionen an der Injektionsstelle (z. B. ein schmerzender Arm)“ oder grippeähnliche Symptome bezieht. Auch eine erhöhte Sterblichkeit für geimpfte wird nicht berichtet.

An Impfungen gegen Corona-Viren wird seit der SARS Epidemie 2003 geforscht. Das ermöglicht es, schnell mehrere Impfstoffe gegen das SARS-COV-2 Virus zu entwickeln und ausführlich zu testen. In den Zulassungsstudien wurde für jeden Impfstoff über 21.000 Personen der Impfstoff und 21.000 Personen ein wirkungsloses Mittel verabreicht und die Wirkungen und Nebenwirkungen mehrere Monate beobachtet. Alle zugelassenen Impfstoffe verringern die Wahrscheinlichkeit an SARS-Cov-2 zu erkranken um bis zu 95%. Alle Impfstoffe reduzieren auch die Möglichkeit das Virus zu übertragen. Bei denjenigen, die dennoch erkrankten, wurden die Verläufe als mild beschrieben.

unverlangt eingesandt.

Flugblatt

Aber nun zu einigen Aussagen des Flugblatts.

Bei der sog. mRNA-Impfung (z.B. Biontech-Pfizer) handelt sich um das Einbringen eines gentechnisch erzeugten Botenstoffes, der mittels Nanotechnologie in das Zellplasma gelangen soll. Dieser Botenstoff soll dort die Bildung von körpereigenen Eiweißkörpern mit einer virus-spezifischen Oberfläche, sog. „Spike-Antigene“, veranlassen.

Text aus dem Flugblatt

Die mRNA Synthese ist in technisches Verfahren. Die Qualifizierung „gentechnisch“ ist hier sehr fragwürdig. Die Wortwahl „Nanotechnologie“ ist Framing, die Wortwahl “körpereigener Eiweißkörper” ist auch wieder sehr eigenartig. Wir bestehen ja zum grossen Teil aus Eiweiss – ohne Ei.

Gute Erklärungen zur Funktion von mRNA Impfstoffen finden sich etwa hier und hier auf Deutsch .

Gelangen diese Antigene in die Blutbahn, soll das Immunsystem mit der Bildung von Antikörpern gegen diese Antigene beginnen. Das soll zu einer Immunisierung gegen Covid führen. 

So schreibt es Wolf Bergmann in seinem E-Mail Verteiler Flugblatt.

Die Antigene gelangen nicht in die Blutbahn. Die Körperzellen im Bereich der Impfstelle werden angeregt, die aufgenommene Bauanleitung – mRNA in Spike-Protein zu übersetzen. Kurz darauf wird das Spike Protein in der Zelle auch schon wieder “verdaut”, von speziellen kleinen “Schreddern” in unseren Zellen, denn die Zelle kann mit dem Spike-Protein nichts anfangen. Bereits nach wenigen Stunden nach der Impfung ist die mRNA im Übrigen “gelöscht”. Denn mRNA ist ein sehr instabiles Molekül, das im Körper von RNAsen ständig abgebaut wird. 

 Image of a spike protein (green) protruding out of the viral envelope (brown). This image shows the structure of a spike protein divided into several subdomains. Each subdomain comprises a specific function necessary for binding and fusion. Quelle:

Die Spike-Proteine sind sozusagen der “verräterische” Teil der Virushülle. Normalerweise würde das Immunsystem bei Infektion dagegen sofort selbst Antikörper bilden. Nun bekommen also einige Zellen an der Impfstelle den Bauplan dieser Viruskomponenten, die alleine keine schädliche Erkrankung entfalten können. es ist ja nur die “Verpackung”. 
Die geschredderten Spike-Proteine werden nun auf der Oberfläche der Zellen “präsentiert”. So kann das Immunsystem ständig kontrollieren, ob es im Körper gerade etwas gibt, das da nicht hingehört. Es gibt dann die Streifenpolizisten in Zellen im Körper, die Monozyten, dendritische Zellen und Makrophagen, die ständig durch das Gewebe patrouillieren, oder fest drin eingebaut sind. Die erkennen nun, dass da Zellen etwas produzieren, was unter Umständen nicht in den Körper gehört, nehmen es auf und bringen es “auf Verdacht” mit in den Lymphknoten. Dort wird nun von den antikörperproduzierenden Zellen geprüft, ob das Spike-Protein “eigen” oder “fremd” ist. Gegen fremde Bruchstücke werden dann Zellen produziert, die diese fremden Eiweisse erkennen, sowie auch Antikörper, die uns langfristig vor einer echten Infektion schützen.

Bei der sog. Virus-Vektor-Impfung (VVI) (z.B. Astrazeneca) wird direkt ein gentechnisch hergestellter „Bauplan“ für ein Antigen in ein tierspezifisches Adenovirus eingebracht. Dieses infiziert als Träger dieses Bauplans menschliche Zellen und soll dann ebenfalls die Bildung von Körperzellen mit einer Antigenoberfläche anregen. Wie bei der mRNA-Technik sollen diese körpereigenen toxischen Eiweißkörper dann in der Blutbahn eine Antikörperbildung auslösen.

Noch mehr Wolf Berger

Das Adenovirus ist “leer”, enthält nur noch die mRNA fuer Spike Protein. Es transportiert die mRNA in die Zelle, was sonst halt Lipidhuellen, also Hüllen aus Fetten, bei den anderen Impfstoffen machen. Was ist eine Körperzelle mit Antigenoberflaeche? Jede Koeperzelle ist mit Proteinfragmenten, Antigenen “dekoriert”, die eben ständig präsentiert werden. Siehe oben. Es sind also fremde Antigene, die eine Reaktion auslösen. Die Eiweisskörper sind zu keinem Zeitpunkt toxisch. Toxisch ist die Wirkung des aktiven Virus. Das Wort toxisch zu verwenden, ist auch hier wieder Framing.

Beide Varianten sind im engeren Sinn keine Impfung. Es handelt sich um eine beim Menschen wenig erprobte Technologie, die „genetic engineering“ genannt wird.

Wolf Berger

Es ist nicht ganz klar, was hier gemeint sein soll. Impfung wird von wikipedia definiert als: Verabreichung eines biologisch oder gentechnisch hergestellten Antigens, meist bestehend aus Protein– oder Erbgutbruchstücken oder abgetöteten beziehungsweise abgeschwächten Erregern zur Erzeugung einer Immunität gegen eine Infektionskrankheit durch die Bildung von Antikörpern und spezialisierten T-Helferzellen In diesem Wortsinne handelt es sich bei den Verfahren um Impfungen.

Die ersten zugelassenen Vektorviren-Impfstoffe schützen vor Ebola und Dengue-Fieber, in Deutschland gibt es bisher zwei zugelassene RNA-Impfstoffe gegen COVID-19, und es sind mehrere gegen Grippe und Tollwut in Entwicklung. Bei allen diesen Impfstoffen gab es umfassende Studien, z.B. beim Moderna mRNA-1273 alleine in der Zulassungstudie 30.420 Probanden in 99 Zentren in den Vereinigten Staaten.

Menschliche Zellen werden zu einem gentechnischen Versuchslabor.

noch mehr Schwurbel

Werden sie nicht. Wie oben erklärt, ist das weder experimentell noch schlecht erforscht. Es handelt sich um leere Aussagen.

Ein weiteres Problem: Die Hersteller weisen zurecht darauf hin, dass nach einer Injektion eine Ansteckung nicht verhindert werden kann. (keine sog. sterile Immunität). Ebenso kann eine „geimpfte“ Person weiterhin an Covid erkranken.

Wolfgang Berger

Daten der isrealischen Krankenkasse und eine Schottische Studie klären inzwischen eindeutig, dass durch die Impfungen Infektionen verhindert werden.

Es gibt eine Vielzahl von jetzt schon bekannten schwerwiegenden Komplikationen. Z.B. Zunahme allergischer Reaktionen bis hin zu anaphylaktischem Schock. Unerwünschte Antikörperreaktionen, sog. ADE. Oder Antikörperreaktionen auf das Trägervirus, was eine Zweitimpfung unwirksam macht usw. (s. Links) 

Die ungefragte Zweitmeinung von Wolfgang Berger

Niemand schliesst Impfreaktionen aus. Diese werden an das Paul-Ehrlich-Institut gemeldet, das diese offen und gut dokumentiert und transparent macht. Siehe dazu die Einleitung. Auch international, etwa aus Israel oder UK wo bereits mehrere Mio. Menschen geimpft wurden, sind keine dramatischen Nebenwirkungen gemeldet worden. Eine neutralisierende Wirkung ist aber nicht gegeben. Diese Aussage ist Spekulation.

Praktisch unvermeidlich ist das Auftreten einer noch viel größeren Zahl an sehr wahrscheinlichen und noch ganz unbekannten Komplikationen. So können bleibende Erbgutveränderungen nicht ausgeschlossen werden, die an die nächsten Generationen weitergegeben werden können. Es können möglicherweise Autoimmunkrankheiten ausgelöst werden und schwerwiegende neurologische Erkrankungen. Für Menschen, die bereits eine natürliche Hintergrunds- oder Kreuzimmunität auf SARS-CoV-2 entwickelt haben, bringt die Impfung keinerlei Vorteile, aber ein besonders hohes Risiko für krankhafte Immunreaktionen.

behauptet Wolfgang Berger in seiner E-Mail.

Belegfreie Spekulation. Die Keimbahn ist in jedem Fall nicht betroffen. Es gibt keinen Weg von der Schulter in die Keimbahn reinzukommen. Eine so lange Nadel gibt es schlichtweg nicht. Hier wird völlig ohne Belege wild vermutet. „Studien konnten bisher keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer Impfung und einer neu aufgetretenen Autoimmunkrankheit bzw. einer chronisch-entzündlichen Erkrankung oder einem Schub einer bereits bestehenden Erkrankung belegen.“ (RKI)

Schließlich können allein schon die Begleitstoffe wie die Lipidhülle aus Lipid-Nano- Partikeln (LNP) bekannte und noch unbekannte Komplikationen auslösen. 

Wolfgang Berger vermutet

Auch der Verzehr von Kaffee im Wartebereich des Impfzentrums kann Komplikationen auslösen, etwa wenn der heiße Becher umkippt und über den Schenkel läuft.

Ein weiteres Problem, das sich aus den Eingriffen in die Erbsubtanz und das Immunsystem ergibt: bei jedem neuen Infekt und jeder weiteren Impfung steigt die Gefahr von unvorhersehbaren unerwünschten Immunreaktionen 

Wolfgang Berger per unverlangter E-Mail über diverse Verteiler

“Erbsubstanz” ist die DNA und die ist im Zellkern. In den Muskel gespritzt, ob nun von einer speziellen Lipidhülle oder einem Virusvektor umgeben, wird mRNA. Diese mRNA kann keine Veränderung des Erbguts auslösen. Der Weg bzw. die Verarbeitung in der Zelle ist: DNA, wird zu mRNA, die wiederum zu Proteinen, in unserem Fall zum oben erwähnten Spike-Protein, wird. Die DNA, auch die in der Keimbahn, kann also niemals verändert werden. Die Umkehrung geht nicht.

Mir erscheint, dass hier entweder aus Unverständnis über grundlegende zellbiologische Prozesse oder mit Absicht, beides wäre schlimm, unrichtige Dinge über die Wirkungsweise von Impfstoffen oder die Stoffwechselvorgänge in Zellen verbreitet werden. Auch wenn das Studium, in dem solche Fragen behandelt wurden, schon lange her ist und dieses Wissen nicht jeden Tag in der Hausarztpraxis benötig wird, dann sollte man es entweder dennoch verstehen oder sich bei Einlassungen darüber zurückhalten.

Nicht ein Virus ist das Problem. Sondern ein geschwächtes Immunsystem. alles, was die natürlichen Abwehrkräfte stärkt, ist der beste Schutz vor Ansteckung. (…) Es gibt sehr wirksame und weltweit sehr bewährte Möglichkeiten der Vorbeugung und Behandlung der aktuellen Viruserkrankungen, auch bei schweren Verläufen. (s. Links)

am Ende wird die Mail von Wolfgang Berger dann perfide

Ein noch so starkes Immunsystem hilft einem Drittel der Angesteckten nicht gegen Ebola und 99% der Angesteckten mit dem HI Virus nicht dagegen, an diesem zu versterben. Dieser Diskurs ist aber auf vielen Ebenen perfide, macht er doch einen impliziten Vorwurf an die Kranken, vorher nicht ausreichend gesund gelebt zu haben. Die eigene Krankheit wird zur Strafe für ungesundes Verhalten. Die in den Links angegeben Dokumente sind teilweise ohne Autor oder von zweifelhafter Qualität.

In den „Links zur Einladung zu einer Zweitmeinung“, finden sich interessante Verweise, etwa auf ein Dokument auf seiner Website unter der Überschrift: „Erfolgreiche Behandlung mit Chlordioxid und Ivermectin“ Ein Link zu einem Dokument „Chlordioxid: Nahezu 100 % Erfolg bei der Behandlung von Covid-19 in Südamerika„. Die Einnahme von Chlordioxiod ist hochgefährlich. Es handelt sich im Grunde um Chlor-Bleiche (!). Es kann beim Trinken zu Durchfall, Nierenversagen, Darmschäden führen, wenn man es sich spritzen würde zu noch schlimmeren Schäden. Und ja Donald Trump hat dazu geraten es einzunehmen, was Entsetzen auslöste.

Beim Ivermectin gibt es derzeit keine Behandlungsempfehlungen. In den USA sah sich die FDA dazu veranlasst, von der Einnahme von Veterinärarzneimitteln mit Ivermectin abzuraten, um einen Missbrauch zu verhindern. Aber in Laborversuchen mit Zellmodellen gibt es Hoffnung machende Hinweise, dass es bei einer Infektion helfen könnte. Studien laufen wohl.

Unterzeichner des Dokuments sind

Die Liste der Unterzeichner liest sich wie eine Sammlung von Ärzten, gegen die Staatsanwaltschaften wegen dem Austellen falscher Atteste ermitteln: Dr. med. Thomas Külken, bei dem die Polizei kürzlich die Praxis wegen falscher Atteste durchsuchte, Antroposophischer Arzt oder Dr. med. dent. Fritz Düker, aus Offenburg, auch bei dem war die Polizei bereits wegen falscher Masken Atteste. Und dann sind noch viele Bekannte aus der „5G-Gegner-Szene“ dabei, wie etwa Thomas Thran, Arzt aus Neu-Ulm, aktiv als 5G-Gegner.

Nachdem ich diese drei Namen gegoogelt habe, habe ich aufgegeben. Sicherlich findet man auch bei den weiteren Unterzeichnern, bezeichnendes.

Fazit

Dr. Wolfgang Bergmanns „Zweitmeinung“ besteht aus Framing, Mutmaßungen, fragwürdigen Quellen. Sie ist schlecht informiert und taugt nicht als Rat. In meinen Augen stellt sie seine Qualifikation als Arzt in Frage, da wesentliche Prozesse in der Zelle falsch dargestellt werden. Wie jemand kompetent seine Patienten in Gesundheitsfragen beraten kann, der das mehrfach als gefährlich und wirkungslose Chlordioxid als Heilmittel bezeichnet, ist mir schleierhaft. Ich bin entsetzt.

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