Warum wir am Montag (trotzdem) diskutieren werden!

Die Badische Zeitung berichtet, dass das vom Tom Brane gestaltete Haus in der Wiehre nun doch gar nicht dem Denkmalschutz unterliegt, weil es bereits vor der Eintragung ins Denkmalregister im Inneren so stark verändert worden war, dass es nicht mehr als Denkmal zählt. Nun ist das ganze doch etwas verwunderlich, weil es ja Tagen aufwirft: Etwa wie intensiv das Denkmalamt prüft wenn etwas ein Denkmal werden soll oder auch ob es auf die Aussenwirkung ankommt. Schließlich gibt es ja Häuser, bei denen nur die Fassade erhalten wird, aber dahinter dann alles neu gebaut.

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Bald eine Touristenattraktion? Foto: Felix Groteloh

Aber das Tom da weiter malen bzw. sprühen darf ist erstmal gut und für ihn ein auch sicher in der Zukunft gut für die Karriere.

Nun ist es aber so, dass wir die Diskussion bewußt nicht angelegt haben um nur über das Haus in der Wiehre zu streiten, sondern es geht auch um weitere Themen: Etwa um die Gestaltung der Stadt. Welchen Umgang mit Denkmälern halten wir für angemessen? Das berührt etwa die Mauern der Synagoge die man beim Umbau des Rotteckring gefunden hat, den Umgang mit dem Siegesdenkmal, dessen Bedeutung inzwischen sich wahrscheinlich gewandelt hat, eben nicht mehr das Denkmal eines Deutschen Sieges sondern für Krieg und Imperialismus und den ästhetischen Geschmack einer vergangenen Epoche.

Es geht aber auch um das Thema “Bauen” im allgemeinen. Jetzt gibt es in Freiburg ein Dilemma: auf der einen Seite ist unsere Stadt seht attraktiv, Menschen ziehen hier her weil sie Arbeit gefunden haben, studieren wollen oder Arbeitsplätze schaffen. Das ist gut, das ist viel besser als in einer schrumpfenden Stadt zu wohnen.
Gleichzeitig bedeutet, dies aber das wir dieses Wachstum managen müßen. Das bedeutet auch das wir neue Gebäude brauchen, in Baulücken und an Stellen an denen vielleicht bisher nur ein einstöckiges Haus stand aber auch einen neuen Stadtteil. Das bedeutet auch das Viertel ihren Character verändern. Besonders im Mooswald ist das derzeit der Fall. Man kann das nun bekämpfen oder versuchen diese Veränderung so zu gestalten, dass es für den Mooswald auch einen Mehrwert gibt: Einkaufsmöglichkeiten, Kindergärten, Nahversorgung, neuer ÖPNV… Warum nicht das ArTik einladen in den Mooswald?

Man kann aber auch so damit umgehen wie das Freiburger Funktionsäquivalent zur AfD, “Lebenswertes Freiburg” und erstmal gegen alle Neubauten sein und auch hergebrachtes einfach konservieren.

Und vielleicht geht es in dieser Diskussion auch um unsere Identität als Stadt: Ist Freiburg eine kleine Stadt am Fuße des Schwarzwaldes mit einer Puppenstuben Innenstadt?
Ja dann passt ein historisierendes Gemälde aufs Martinstor – weil wir ja inzwischen wissen dass dieses Gemälde zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich aussah – und dann passt natürlich eine Glas und Stahl Fassade eins Kristallähnlichen Universitätsbücherei überhaupt nicht in die Innenstadt. Sondern wir sollten dringlich versuchen möglichst viele Teile des historischen Freiburgs zu erhalten und vielleicht wiederherzustellen.

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Die UB vor und nach dem Umbau. Quelle: Wikipedia

Oder ist unsere Stadt ein modernes Mosaik, ein Puzzle das sich aus Gebäuden aus vielen Epochen zusammen setzt, in dem “die Moderne” ansprechende Zeugnisse zurückgelassen hat, wie etwa die Mensa Rempartstrasse, “die Postmoderne” das Hotel Rheingold und der Brutalismus die Commerzbank.

In dieses Bild einer “Puppenstube” passt meiner Meinung eher die Besinnung auf die “Badische Heimat” auf den Heimatdichter und eine idealisierte Schwarzwaldidylle.
In das Bild eines modernen Mosaiks, passt dann aber eher eine Stadt, deren Gesellschaft sich um die Integration von Geflüchteten bemüht, die Toleranz und Akzeptant unterschiedlicher Lebensformen lebt und in der junge und alte Menschen innovative Ideen und Produkte entwickeln.
In diese Stadt passt es das wir die hässlichen Fassaden der Wiehre bemalen um sie vor häßlichen Tags zu schützen und vielleicht wird es in Freiburg auch in Zukunft weitere Häuser dieser Art geben. Schon jetzt kommen Touristen und schauen sich das an, vielleicht wird das“Graffiti Viertel” genauso eine Touristenattraktion wie Vauban.

Wir müßen uns über unsere Identität vergewissern, das wird nicht in einer Diskussionsveranstaltung passieren aber wir müßen anfangen darüber zu sprechendarüber zu sprechen.

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ein neuer Hingucker

Foto: Felix Groteloh

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