Ukraine Reise Bericht

(Titelbild: Ein Soldat steht vor dem Haupbahnhof nach Lemberg und schaut in Richtung der Stadt)

Die Reise begann am 1.12. um 7:48 mit der Abfahrt in Freiburg mit dem ICE, das war auch der schnellste und komfortabelste und modernste Zug dieser ganzen Reise. Von Freiburg ist die Ukraine bzw. Ternopil ca 30 h entfernt. Rückreise war von Rivne war 47 h, das hat damit zu tun das es in der Ukraine häufig nur einen Zug pro Tag gibt (gefühlt), der dann auch noch nachts fährt.

Cocoa Cola Zug

Die Fahrt ging dann über Leipzig (Berliner Hbf hatte irgendeine Sperrung), Regionalzug nach Frankfurt/Oder, Berlin-Warschau-Express nach Posen, in einem überhitzten polnischen Nachtzug nach Przemzyl und fort mit dem Ukrainischen Zug bis nach Ternopil (der Ukrainische Zug fährt dann weiter bis Kyiv).

(Bei Städtenahmen verwende ich hier meist die deutsche Umschrift, das ist für den deutschen Leser dann leichter zu fassen)

Überheizter polnischer Liegewagen

Kosten: Teuer ist es nicht in die Ukraine zu fahren, trotz kurzfristigem Buchen mit Hilfe des Reisebüro Glasnost kostete etwa ein Weg Ternopil – Freiburg mit Liegewagen in Polen und Reservierungen 138 EUR. Auch der Hinweg lag bei etwa 100 EUR. Hotels in der Ukraine liegen so um 60 EUR, das sind dann schon gute Hotels.

Zielzuganzeige im polnischen Zug nach Posen

Reisetipp

Den einzigen Reisetipp den ich geben kann, ist sich eine Ukrainische eSim zu besorgen. Das Roaming ist sehr teuer, aber Daten innerhalb der Ukraine billig und Navigation mit Apple Karten/Google Maps, Übersetzen mit Deep ML oder Google Translate einfach sehr hilfreich. In der Ukraine scheint man mit dem cleveren Nutzen von Apps und online Tools etwas weiter zu sein als in Deutschland.

Ukrainischer Zug. Die fahren auch viele Tagzüge mit Liegewagen

Sonst kann man in der Ukraine die Züge alle über die App der ukrainischen Staatsbahn buchen und Hotels auch über booking.com reservieren. Bezahlen ist nahezu überall mit Karte möglich, bei Taxis war ich mir da nicht so sicher. Es ist aber wahrscheinlich eh besser sowas wie die App bolt zu verwenden.

Screenshot der Website https://alerts.in.ua/?pwa

Zur eigenen Gefährdung muss jeder selbst sich eine Meinung bilden. Als ich dort war gab es in Ternopil zweimal Luftalarm, den aber die Einheimischen zu ignorieren schienen. Offensichtlich ist es so, das man erstmal schaut, was genau angekündigt ist und sich dann überlegt ob man einen Keller aufsucht oder nicht. Sonst lässt sich sagen: Je weiter im Westen desto ungefährlicher, je weiter Weg von einem Umspannwerk oder militärischen Einrichtung desto sicherer und je kleiner der Ort, desto weniger ist los.

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Was habe ich dort gemacht?


Der BalkonSolar e.v. hat Geld beantragt für ein Steckersolar Projekt in der Ukraine. Konkret haben wir 11 Powerstations unterschiedlicher Größe und Hersteller an zwei Partner geliefert. Zum einen war das das Rote Kreuz in Ternopil – den Kontakt hatten wir über Udo Pfistner und das Einlädele in Freiburg und über die NGO “Institute of Local Initiatives” an 5 Schule im Bereich Tschernowitz.

Ausladen des LKW mit den Solarpannels

Finanziell möglich gemacht, hat das die BW Stiftung: https://www.bwstiftung.de/de/

DRK Kreisverband Freiburg AK Auslandshilfe: https://www.drk-freiburg.de/angebote/hilfen-in-der-not/auslandshilfe.html

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Das Rote Kreuz will das auf ein Haus anbringen, auf dem ein Medizinisch-Soziales-Zentrum eingereichtet werden soll. Da Haus ist noch nicht gekauft, derzeit ist darin ein Tanzstudio, aber im Dezember soll gekauft werden und auch dann eingerichtet.

Übergabe in einer Schule. Die beiden Lehrerinnen haben sogar einen Solarclub

Die Schulen haben insofern das Thema Strom, dass es immer wieder Stromabschaltungen gibt und dann der Betrieb der Schule behindert, weil kein Licht im Klassenzimmer, kein Beamer aber auch die Schulverwaltung nur eingeschränkt funktionieren kann. Das wurde relativ deutlich, wie duster es ist, bei der Übergabe.

Übergabe im Dustern

Viele Geschäfte, Restaurants und andere Einrichtungen haben inzwischen Generatoren unterschiedlichen Größe. Die stehen Teils vor der Straße, entweder direkt am Haus oder Kabel etwas weiter weg und wenn der Strom ausfällt übernehmen diese die Versorgung. Die Straßen haben dan einen bestimmten Sound, das röhren der Generatoren, aber auch einen bestimmten Duft von den Abgasen. Das ist dann aber auch teuer, weil man ja immer wieder Benzin kaufen muß. Für Geschäfte die sonst keinen Umsatz machen ist das sicher eine Lösung, aber für andere Institutionen eher nicht.

Kleiner Generator vor einem Geschäft

Je nach Ort waren diese Generatoren recht groß – etwa in Lemberg und gehören inzwischen so zum Straßenbild wie Bänke, Autos oder anderes. Teils haben die Häuser auch schon Einspeisesteckdosen außen, teils werden die Kabel einfach durch eine Tür oder Fenster gelegt.

In Lviv hat man mehr Geld, da sind die Häuser saniert und die Generatoren größer

Daher bekamen die Institutionen jeweils Powerstations und Solarpaneels mit denen sie diese aufladen können. Die Powerstations haben alle auch die Fähigkeit aus dem Netz aufgeladen zu werden.

Interview bei RDL Radio Ech zur Reise: https://rdl.de/beitrag/radio-ech-deutsch-7112024-balkonsolar-f-r-die-ukraine

Was fällt dir in der Ukraine auf?

Haus in Ternopil

Ich war zuletzt vor weit über 10 Jahren mit einer Städtereise mit der DUG Freiburg damals noch unter Achim Vorgrimmler in der Ukraine. Da ist mir besonders der Bahnhof von Lviv in Erinnerung geblieben, um den herum es recht dreckig und auch wenig geschäftig wirkte. Auch sonst war das ein Land bei dem man sich auf sehr vieles gefasst machen musste, was einen jungen Westeuropäer erstmal schockte.

Trolleybus in Ternopil, die gibt es sehr viel, dafür in den Städten keine Radler

Übrigens inzwischen gibt es eine Deutsch-Ukrainische Gesellschaft für ganz Deutschland, die sich kürzlich neu gegründet hat: https://deutsch-ukrainische-gesellschaft.de/

Nun ist es so das Kommunikation deutlich einfacher geworden ist, weil jeder google translate oder Deep ML auf dem Handy hat und sich so auch technische oder administrative Diskussionen bewältigen lassen.

Süssigkeitenladen in Tschernowitz

Gleichzeitig sehen die Leute inzwischen in der Ukraine aus, wie in Westeuropa. Während man bei meinem letzten Besuch noch teils gerade bei den Männer mit Kleidung, Haarschnitt und Schuhen einen sehr sowjetischen Eindruck hatte, könnte man bei den meisten Leuten heute von der Kleidung kaum unterscheiden ob sie jetzt aus der Ukraine oder Deutschland kommen.

gebrauchter Nissan Leaf neben sehr viel gebrauchterem Lada

Erstaunt hat mich auch die vielen Elektroautos. Das ist besonders erstaunlich wenn neben dem alten Lada dann der Nissan Leaf steht. Populär scheint auch Tesla oder der ID.4 zu sein. Einen ID.4. konnten wir auch beobachten wie er entlang der – in Deutschland würde man Bundesstraße sagen – von der Polizei angehalten wurde.

Diese Straße war übrigens komplett Schlaglochfrei und nur die kleineren Straßen in irgendwelche Dörfer waren Ruckelpisten. Radfahrer sah man nur auf dem Land, keine in der Stadt, Radwege fehlen.

Man kann in den Geschäften alles kaufen, was es in Deutschland auch gibt. Die Schule und Unis sind offen, in den Restaurants sitzen Leute, Geschäfte haben geöffnet (teils mit einem Generator vor der Tür) und soweit ich das beurteilen kann fährt auch der ÖPNV und die Eisenbahn.

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Wie spürt man den Krieg?

Graffiti für das Azow Battalion in Lviv

Im Alltag dürften die Abschaltungen von Strom die größte praktische Erschwernis sein – ich schreibe praktische, weil ich mir vorstelle aber nicht ermessen kann, wieviel Sorge Verwandte und Freude haben um Soldaten oder Angehörig ein Kriegsgebiet.

Essen im Restaurant in Lviv

Die Stromabschaltungen dürften auch soziale Trennlinien durchaus verstärken: Geschäfte und Leute mit Geld können sich Generatoren und das Benzin für diese Leisten, arme Menschen müssen sicherlich damit haushalten. Und die Generatoren scheint es vorallem in Geschäften zu geben, wie man das als Privathaualt in einer Wohnung macht (ohne Balkon), da kann ich nur spekuliueren, es wird wahrscheinlich haufenweise Rentner geben, die nur eine Taschenlampe haben.

Dekoration mit süßen Eisbären in einem Geschäft in Lviv

Sonst gibt es normalem Alltag: Die Schulen und Unis haben geöffnet, die Geschäfte haben soweit ich das beurteilen konnte alle Waren, Menschen sitzen in Restaurants, Nahverkehr und Züge fahren. Allerdings sieht man dann auch da die Auswirkungen: Im Zug nach nach Polen waren ca 90% Frauen, die Männer wurden intensiv kontrolliert und waren entweder Ausländer oder mussten nachweisen, dass sie ausreisen durften.

Frau in Ternopil schaut Gedenkort für gefallene Soldaten an.

In jeder Stadt in der ich war gab es im Zentrum an einem Platz diese Aufsteller mit den Gesichtern, Namen und Fotos der gefallenen Soldaten.

Gedenktafeln in Rivne

Oder „Helden der Ukraine“. Daneben sieht man natürlich im Stadtbild immer wieder Soldaten. In Rivne, Ternopil und Tschernowitz waran das meist einzelne Soldaten, teils auch mal zu zweit oder unterwegs mit ihrer Familie. In Ternopil waren es auch Soldaten mit „Peru“ oder „Colombia“ Patches auf dem Ärmel, daher wahrscheinlich Teil der Legion.

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In Lviv waren das auch Gruppen. In Rivne beim Warten im Bahnhof hatte ich auch ein wenig den Eindruck, die Soldaten die dort im Wartesaal saßen oder rumliefen waren entweder ein wenig angetrunken (teilweise), was auch sagen wir mal das Verhalten im Zug nach Lemberg erklären könnte. Teils hatte ich bei einigen Soldaten auch den Eindruck, dass die humpeln oder schlecht gehen.

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Grundsätzlich hatte ich den Eindruck, dass in Lviv auch die Baudenkmäler und Statuen, die historischen Gebäude besonders gesichert waren.

Werbung für die Armee sieht man an vielen Orten, hier in Rivne
Werbung um Drohnenpilopt zu werden. Es werden die vier Möglichkeiten aufgezeigt: Mavic, First-Person-View, mit Bobmbenawurf und Aufklärung hier im Zug.

Mir wurde erklärt, die Chance das man irgendwie betroffen ist, auch als Zivilperson bei einem Luftangriff zu Schaden zu kommen sei immer da. Es ginge zwar vorallem auf Energieeinfrastruktur, daher besonders Umspannwerke aber auch militärische Infrastruktur.

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Eine der Freiwilligen in Ternopil erzählte mir, dass die einzige Drohne die bei der letzten Angriffswelle auf Ternopil niederging ihr Nachbarhaus zerstörte wobei eine Person getötet wurde. So erklären warum kann man sich das nicht, denn das Wohnhaus hatte nur fünf Stockwerke und ihres neun. (siehe: https://www.ukrinform.de/rubric-ato/3933376-luftabwehr-schiet-52-drohnen-ab-ortung-von-50-weiteren-verloren-gegangen.html)

Solar in der Ukraine

Tankstelle bei Lviv mit Solar afu dem Dach

In Rivne war ich auch noch beim Eco Club Rivne, denn Teil des Besuchst war auch die Überlegung sich die Situation in der Ukraine genau anzusehen und weitere Projekte zu überlegen. Die haben 27 Mitarbeiter und machen in der ganzen Ukraine Solar Projekte. Zum einen haben sie technischen Sachverstand. Sie haben auch Projekte in der Pipeline und wir haben uns überlegt, ob und wie wir weiter zusammenarbeiten können.

Es ging aber auch um die Bedingungen zu Solar in der Ukraine. Dazu bald auf der Website von BalkonSolar mehr.

Schon vor dem Krieg war Solar ein Thema, es gab eine Einspeisevergütung und die Projekte haben sich nach etwa vier Jahren gerechnet. Meist war und ist es übrigens Vorgarten oder Garten Solar, daher Solarpannels aufgeständert auf einer Freifläche. Auch wenn ich keine riesigen Freiflächen Anlagen gesehen habe, wie gelegentlich in Deutschland

Unterwegs zwischen Ternopil und Tschernowitz

Nun ist das Thema meist Energiesicherheit und viele Krankenhäuser und andere Einrichtungen versuchen eine Solaranlage zu bekommen, damit sie auch bei Stromabschaltung weiter arbeiten können. Denn Russland greif gezielt die Energieinfrastruktur an.

Bei Tschernowitz: Solar auf dem Dach

Der BalkonSolar Verein wird seine Ukraine Projekte sicher fortführen. Aktuelle dazu bei: https://balkon.solar/ukraine Spenden kann man unter: https://balkon.solar/verein/spenden/ am besten direkt per Überweisung: Balkon.Solar e.V. / IBAN: DE06430609671266323100

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