Anlässlich des hundertsten Todestags von Rudolf Steiner erschien am Samstag, 29.3.25 eine Art Portrait über Rudolf Steiner und die Waldorfschulen. Man kann diesen hundertsten Todestag begehen, indem man sich der Person “Rudolf Steiner” kritisch widmet. Dann würde man in seinem Werk zahlreiche demokratiefeindliche, rassistische, verschwörungsideoloigische Äußerungen finden, die schon zu seinen Lebzeiten problematisch waren.
Man sich auch der von ihm begründeten Bewegung, den Schulen kritisch widmen und deren Praktiken hinterfragen oder der Erinnerung der eigenen Schulzeit. Oder man alles irgendwie mischen und kommt dann zu einer Ansammlung verharmlosender Belanglosigkeiten.
Der Artikel beginnt schon mit einer seltsamen Behauptung: Die Waldorfbewegung sei die “größte nicht konfessionelle Schulbewegung”. Dabei wimmelt es in Schupraxis und Grundlagen haufenweise religiösen Überzeugungen, etwa einer Reinkarnationslehre, der Schultag beginnt mit einer Art Gebet, das so nicht heißt, und Rudolf Steiner leitete seine Rolle von Hellseherischen Fähigkeiten ab.
Zentral für diese in Teilen sektenähnliche Bewegung ist der Glaube an eine durch Steiner vermittelte geistige Welt, die nur eingeweihten zugänglich ist. Richtige Anthroposophie war stets Schwurbelei plus Hang zur Verschwörungstheorie.
Auch wenn in den Schulen keine offensichtliche Indoktrination betrieben wird, so basiert die Pädagogik auf der wissenschaftlich nicht fundierten „Jahrsiebtlehre“, daneben unterrichten die Schulen teils eine rassistische Menschenkunde oder schwurbeln im Geschichtsunterricht über Atlantis.
Man kann entweder der wahren Lehre folgen, dann muss man aber auch die rassistischen, wissenschaftsfeindlichen und anderen problematischen Inhalte reproduzieren oder man stellt sich auf den Boden der FDGO, des Standes der pädagogischen und medizinischen Wissenschaft, dann bliebe aber für entsprechende Schulen wenig mehr als eine Seidentuchästhetik und esoterische Rituale.
Immer wieder fallen Waldorfschulen durch Ausbrüche von – besonders für vulnerable Gruppen gefährlichen – Infektionskrankheiten auf, durch die Diskrimierung chronisch Kranker oder durch Kinder, die an impfpräventablen Krankheiten sterben. Das Umfeld südbadischer Waldorfschulen war einer der Quellen südbadischen Querdenker-Szene.
Alles das sollte man und kann man kritisch Beleuchten – in diesem Sinne war der Artikel aus meiner Sicht verschwendeter Platz.
