Eröffnung Wasserstofftankstelle in Freiburg, ich hätte da mal einige Fragen

In den vergangenen Tagen gab es eine Reihe unkritischer Artikel über das Wasserstoffmüllautoprojekt der ASF. Dazu gab es eine Pressemitteilung der ASF, einen Artikel in der Badischen Zeitung: „Damit ist die Stadt in der Endphase eines ziemlich progressiven Projekts – den Fuhrpark seiner Abfallentsorgung komplett CO2-frei zu gestalten. „Dafür gab es keine Blaupause“, konstatiert ASF-Chef Michael Broglin. Heißt: So früh, so komplett und eben mit Wasserstoff hat das bisher noch keine andere Kommune umgesetzt. (…)  „Im Schwerlastverkehr hat Wasserstoff da eine entscheidende Bedeutung“, sagt Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit. Denn bei schweren, energiehungrigen Fahrzeugen, davon ging man zuletzt aus, taugten Batterielösungen eher nicht.“.

Das passt natürlich in die zahlreichen Eröffnungen mit denen sich der OB im Vorwahlkampf gerade feiert. Richtig fertig ist das Projekt auch noch nicht: für die Wasserstofftanke fehlt der Elektrolyseur und ob es sich um „grünen Wasserstoff“ nach der gängigen EU Definition handelt, sie mal dahingestellt. Wie auch ob es sinnvoll ist, in Süddeutschland wo es immer noch eine Winterstromlücke gibt, H2 herzustellen.

Die Experten sagen: in ganz vielen Fällen ist schlicht Batterietechnik einfach billiger.

Dieser Artikel wird dann von einer Reihe von anderen Medien via dpa Medlung auch völlig unkritisch mehr oder weniger kopiert: Zeit, Handelsblatt, Utopia oder Schwäbische. Dabei werden, wie auch schon vorher bei ähnlichen Projekte keine kritische Fragen gestellt.

Das Problem mit Wasserstoff: Es ist immer weniger effizient als ein Batterie LKW (etwa die Hälfte) ich muss also um gleich weit zu fahren doppelt so viele Windräder bauen!

Dabei ist das Wasserstoff Müllauto einfach nur ein elektrischer LKW (gibts auch als Müllauto in Serienfertigung, inzwischen), von denen es inzwischen einige gibt, mit einer Wasserstoffbrennzelle als teurer Rangeextender.

Wasserstoff Lkw mit Kosten von 1,40 EUR/km, Batterie LKW zwischen 0,35 – 0,55 EUR/km

Es beschleicht einen die Befürchtung, das es sich hier um eine teures Experiment handelt, das technisch von der Batterierevolution inzwischen überholt ist, aber den ganzen Leuten die von Wasserstoff faseln, aber einfach nur weiter Gas verkaufen wollen, Futter gibt.

Der ganze Brief unten. Ich hoffe die ASF beantwortet das Schreiben auch.


Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrter Herr Broglin

mit großem Intersse habe ich die BZ Berichterstattung zur neuen Wasserstofftankstelle und auch Ihre Pressemitteilung (https://www.abfallwirtschaft-freiburg.de/de/news/Eroeffnung_Wasserstofftankstelle.php) gelesen.

Auch in meinem Umfeld wird dieses Projekt diskutiert. Wir haben folgende Fragen und hoffen, dass Sie diese beantworten können, da wir auch aus der Pressemitteilung nicht ganz schlau werden. Ich plane ggf. auch dazu einen Artikel auf meinem Blog zu veröffentlichen.

In der Pressemitteilung heißt es: “Leistung von etwa 2,6 MWp entstehen. Etwa 40?Prozent (2,5 GWh) des dort erzeugten Stroms werden ab 2026 die bis dahin neu errichtete Elektrolyseanlage versorgen, die jährlich bis zu 140 t grünen Wasserstoff produzieren kann. Zudem wird die Elektrolyseanlage über einen Mix aus regionalem und zugekauftem Grünstrom betrieben: ca. 30 Prozent (1,6 GWh) stammen aus regionalem Windstrom und weitere 30?Prozent (1,9 GWh) aus zugekauftem Ökostrom.”

1. Mit welchen Kosten pro kg H2 rechnet die FSB für den erzeugten Wasserstoff? Ich gehe davon aus, dass ein solcher Preis auch berechnet werden muss, da dieser Wasserstoff ja in der ASF Solar GmbH entsteht und dann in der ASF verbraucht wird. 

2. Mit welchem Verbrauch pro 100 km Wasserstoff LKW rechnet die ASF? Ich gehe davon aus, dass darüber schon Erfahrungswerte vorliegen, da ja bereits 22 LKW in Betrieb sind. 

3. Welche Betriebskosten gerechnet auf 100 km ergeben sich daraus? 

4. Ist der Verkauf von Wasserstoff auch an Dritte geplant?

5. Mit welcher Lebensdauer von Wasserstoff LKW, rechnen sie? Insbesondere gibt es Erfahrungswerte zur Lebensdauer der Brennstoffzellen bei der Verwendung von grauem Wasserstoff, der auch noch Spuren des Erdgas, aus dem er hergestellt wurde, enthalten kann?

6. Mit welcher Lebensdauer der Wasserstoff Tankstelle rechnen Sie?

7. Erfüllt der in der Pressemitteilung bzw. Medienberichten erwähnte “grüne Wasserstoff”,  die EU-Richtlinie RFNBO wonach er auch wirklich grün ist? 

Damit Wasserstoff als „erneuerbarer“ oder „grüner“ Wasserstoff im Sinne der EU gilt (also RFNBO), müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Strom, der für die Elektrolyse verwendet wird, muss von erneuerbaren Energieanlagen stammen, die neu sind oder zumindest nicht schon anderweitig gefördert wurden, also dass durch den Elektrolysebetrieb zusätzlicher erneuerbarer Strom erzeugt wird.  
  • Der Strombezug des Elektrolyseurs und die Erzeugung aus erneuerbaren Anlagen müssen in zeitlicher Nähe stehen. Zunächst sind Übergangsregelungen erlaubt (z. B. monatliche Matching bis 2030), später wird eine stündliche Korrelation verlangt.  
  • Der Strom muss aus Anlagen stammen, die im gleichen Netzgebiet oder einer geographisch nahegelegenen Zone liegen, in der der Elektrolyseur betrieben wird.  
  • Der produzierte RFNBO-Wasserstoff muss eine bestimmte Mindestreduktion der Treibhausgasemissionen erreichen – typischerweise mindestens 70 % Einsparung gegenüber fossilen Referenzwerten.  
  • Die Regeln gelten auch für importierten RFNBO-Wasserstoff.

8. Nach mir vorliegenden Informationen, sind die ersten Wasserstoff Fahrzeuge bereits 2018 angeschafft worden und werden 2026 abgeschrieben sein und dann ersetzt werden. Wird bei Neubeschaffungen eine Lebenszeitkostenanalyse zwischen elektrischen Müllfahrzeugen – wie sie etwa in Basel verwendet werden – und neuen Wasserstofffahrzeugen durchgeführt oder einfach direkt H2 Fahrzeuge bestellt?

9. Wird bei Bedarf auch im Endausbau grauer Wasserstoff zu gekauft und mit welcher CO2 Intensität ist für die Gesamtwasserstoffflotte ist zu rechnen?

10. Wurden die Gesamtbetriebskosten mit denen eines batterieelektrischen LKW-Flotten Konzeptes verglichen. Mit welchen Mehrkosten ist in Bezug auf die Umstellung von Diesel auf Wasserstoff zu rechnen? Werden diese komplett durch die Förderung gedeckt, oder entstehen für den Müllgebührenzahler Mehrkosten?

Ich wäre Ihnen sehr zu Dank verpflichtet, wenn Sie diese Fragen beantworten würden, da ich gerne mehr über das Projekt erfahren will und bedanke mich bereits im Vorraus für Ihre Bemühungen.

mit freundlichen Grüßen

Ihr Sebastian Müller

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