Waldorfschulen sind keine Horte der Querdenker

Ich bin ein wenig erstaunt über die Aussage der Kultusministerin, Waldorfschulen seien keine Horte der Querdenker. An Waldorfschulen in Südbaden gibt es nicht nur auffällig viele Coronausbrüche, sondern Personen aus ihrem Umfeld engagieren sich immer wieder bei Protesten prominent.

Nur im Verbreitungsgebiet der Badischen Zeitung gab es, außer bei der Waldorfschule in Lörrach, quasi in jeder Schule einen Corona Ausbruch und bei Hinsehen der Schulaufsicht zahlreiche ungültige Maskenatteste:

  • Waldorfschule Emmendingen: Im November wegen Ausbruchsgeschehen vorübergehend kein Präsenzunterricht. 12 Angesteckte Kinder, bis 30 der 280 Schüler hätten Maskenatteste. (mehr)
  • Waldorfschule Elztal: Im November wegen Ausbruchsgeschehen vorübergehend kein Präsenzunterricht.
  • Waldorfschule Freiburg St. Georgen: Mehr als 100 Infizierte, nach einer Zirkusaufführung bei der ein Schüler demonstrativ eine Maske weg warf, Verordnungsgswidrig fanden die Coronatests zu Hause statt. Von 55 Maskenattesten entsprachen maximal drei den Voraussetzungen der Coronaverordnung.
  • Waldorfschule Freiburg Rieselfeld: 400 Schüler:innen, 8 von 32 Schüler- und 2 von 5 Lehrermaskenattesten waren bei Prüfung in Ordnung.
  • Waldorfschule Freiburg Wiehre: 52 Atteste, nach Prüfung noch 8 verordnungskonform, im November Fernunterricht wegen Corona-Ausbruch ebenfalls wegen Zirkusaufführung. (mehr)
  • Waldorfschule Müllheim: 380 Schüler:innen, 100 Infektionen, 9 Maskenatteste, 5 dem RP nicht vorgelegt, vier vorgelegt, davon eines in Ordnung. Lehrer nutzen „Häkelmasken“ und selbstverfasste Atteste. Laut Spiegel rief ein Schüler die Polizei weil Lehrerin sich weigerte die Maske im Unterricht zu tragen. Woraufhin der Schüler von der Schulleitung als Verräter bezeichnet und mit Schulausschluß bedroht worden sein.
  • Waldorfschule Schopfheim: 68 Coronafälle, 480 Schüler, 55 Lehrer:innen, 38 Atteste bei Schülern und 8 bei Lehrern, laut Artikel der Badischen Zeitung: „Nahezu alle Atteste entsprachen nicht den Vorgaben der Corona-Verordnung“. Weiterhin berichtet die Badische Zeitung, die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen werde in Schopfheim vor allem von Menschen aus dem Umfeld der Freien Waldorfschule bestimmt. Moderation und Organisation der Mahnwachen der „Bürgerinitiative Grundrechte Dreyeckland“ lägen in der Hand von Waldorf-Pädagogen.“

Die Seite Schulcluster versucht Deutschlandweit sämtliche Ausbrüche an Schulen zu sammeln. Es werden Schulen aufgeführt, die mindestens 3 Coronainfektionen innerhalb von 14 Tagen aufweisen. Besonders auffällig: Unter den vier Ausbrüchen mit mehr als 100 Infizierten sind vier Waldorfschulen. Auch sonst sind Waldorfschulen überrepräsentiert.

Aus inzwischen fast zwei Jahren Beobachtung der Coronaleugner Szene in Freiburg und Umgebung, fallen mir noch weitere Gegenbeispiele ein: So trat ein Antroposophischer Arzt und Waldorfschularzt aus Staufen als Redner bei Querdenker Protesten auf, Eltern aus dem Umfeld der Müllheimer Waldorschule kandidieren für die Coronaleugner Partei „Die Basis“ und organisieren Proteste.

Auch wenn sich in der Querdenker Bewegung ein breites Spektrum aus Öko-Esoterikern, Menschen mit mystischem Krankheitsverständnis, Anhängern unterschiedlicher Verschwörungsmythen, Rechtsextreme, Reichsbürgern sich vereint, so ist es eben das Umfeld von Waldorfschulen auch ein bedeutender Teil der Szene.

Aus Meiner Sicht ist es an der oft schweigenden Mehrheit der Waldorf-Eltern, Lehrer und Schüler, sich klar abzugrenzen und versuchen dieses Treiben zu unterbinden. Einige positive Ansätze sehe ich bereits. Schulaufsicht und Kultusministerium sollten ihnen dabei helfen und nicht das Problem bagatellisieren.

Nachrichtlich:

Überlingen

Bretten

45 Atteste, davon 44 ungültig.