Rede bei der Kundgebung des Bündnis FreiVAC am 19.2.

Anlässlich der Kundgebung des Bündnis FreiVAC am 19.2.22 habe ich folgende Rede gehalten. Dieser Text basiert auf einer überarbeiteten Version meines Redeentwurfs. Normalerweise ist es so, dass ich mir einen Entwurf schreibe und dann bei der Rede immer mal wieder drauf schaue. Deshalb können die exakten Worte abweichen.

Mein Name ist Sebastian Müller und ich möchte heute zwei Dinge ansprechen:

Zum einen, warum ich die Proteste der Coronaleugner, auch in Freiburg für eine weit rechts stehende Bewegung halte und warum ich die auch in weiten Teilen der Bildungspolitik herrschende Verharmlosung, von Coronainfektionen bei Kindern und Jugendlichen für sehr gefährlich halte.

Fangen wir aber mit FreiSein Freiburg an. Wenn man eine politische Bewegung einordnen will dann kann man sich an vier Dingen orientieren:

  • Aussagen, die ihre Vertreter machen,
  • Symbolen, die ihre Anhänger zeigen und die sie selbst wählen,
  • Personen, die handeln und mitlaufen,
  • Menschen und Gruppen, die sie gut finden.

Während zu Beginn der Proteste im März 2020, viele Menschen, die direkt persönlich oder wirtschaftlich Betroffen waren auf die Straße gingen, hat sich das Blatt inzwischen gewandelt. Begleitet wurden diese Menschen von Anfang an von esoterisch-alternativ angehauchten Personen, häufig aus dem Bereich der Heilpraktiker-Szene oder aus dem Umfeld von Waldorfschulen.

Bild vom 9.5.2020

Zu Beginn gab es in Freiburg zwei Demos: Auf dem Platz der alten Synagoge esoteirsch-schwurbelnd gegen Impfungen und auf dem Münsterplatz eine Demo wo eher rechts gegen Staat agitiert wurde.

Nach einigen Monaten habe diese Demos fusioniert und und dabei hat die die rechte Gruppierung organisatorisch die esoterische Demo übernommen.

In Freiburg wird die stabilste Aktionsform „Autokorso“ von einer Person organisiert, die schon 2015 Flüchtlingsverachtende Dinge auf Facebook postet und gleichzeitig ein Unternehmen besitzt das Schwurbel Produkte – etwa gegen 5G Strahlung – verkauft.

Schon Anfang 2020 konnte man an Symbolen wie Masken, auf denen ein schwarzer Coronavirus im weißen Kreis auf rotem Stoff – Ähnlichkeiten mit Hakenkreuzfahne sicher ganz zufällig – entdecken. Man erkannte sie auch im Auftreten, im Design von Fahnen oder an den T-Shirts bestimmter Bands.

All das störte die mitlaufenden Anthroposophische Ärzte, Saunaclub Betreiber oder Hippiesken Mit-50er mit Pferdeschwanz nicht.

Es störte sie auch nicht, als immer wieder „Impfen macht frei“ Schilder im Design des Eingangstors eines KZ auftauchten, die glücklicherweise inzwischen zu Verurteilungen führten

Und es gab ihnen auch nicht zu denken, als eine Person am Rande der Demo, einen Hitlergruß machte und Teile der Ordner und des Orgateams Zeugen suchten, die hätten gesehen haben sollen, das es keiner war.

Übrigens nach dem letzten Hitlergruß, am vorletzten Samstag wurde in sozialen Medien behauptet, das Bild trüge, ältere Menschen würden halt so steif mit der Hand winken, weil sie nicht mehr beweglich seien.

In den letzten Monaten wurden die Symbole dann durchaus noch etwas heftiger:

  • gelbe Sterne im Design der Judensterne des NS,
  • Wolfsangel – ist in bestimmten Fällen ein rechtes Symbol und wurde auch im NS genutzt, etwa bei Einheiten der SS.
  • Schilder mit „Nürnberger Kodex“, eigentlich völlig unverfänglich. Man denkt ja klar, natürlich sollen sich Ärzte an ethische Regeln halten was Menschenversuche angeht. Aber Impfungen, mit einem zugelassen Impfstoff ist eben kein Menschenversuch. Und auch die Versuche zur Entwicklung des Impfstoffes haben allen ethischen Richtlinien entsprochen.

  • FCK NWO Masken, auch hier muss man ein wenig nachdenken warum die „New World Order“, die man vielleicht als ein Projekt zur Ordnung der Welt nach dem Kalten Krieg kennt, die aber wahrscheinlich gescheitert ist, schlimm sein soll. Auch hier verbirgt sich eine Verschwörungslegende. So soll die New World Order der Versuch, der „Elite“ sein, die Kontrolle zu erhalten und alle zu unterdrücken.

Eine Übersicht über diese ganzen Zwischenfälle findet sich auf der Website des Bündnis FreiVAC.

Entweder ganz offen werden hier antisemitische Aussagen bemüht oder eben verdeckter in der Gleichsetzung des eigenen Leids – weil man eine Maske tragen muß oder einen Test machen – mit dem der verfolgten Juden Europas.

In den letzten Wochen muß man allerdings feststellen, dass die Veranstalter versuchen die krassen Symbole zu unterbinden. Bewußt werden Herzchen Ballons und unverfängliche Banner ausgeteilt.

Wem das nicht reicht, der schaue auf die Personen mit denen sich die Veranstalter umgeben. So mussten sie Dubravko Mandic als Anwalt nehmen. Den, so beteuert Herr Wendt, kennt er zwar nicht, aber er weiß das er kein Nazi ist. Und der auch deshalb gewählt wurde, weil man ihm „so Sachen mit Antifa und Sebastian Müller“ nicht lange erklären muss.

Für die Demo heute am 19.2.22, haben sie mehreren Ärzten, die sich alle durch das Ausstellen unbegründeter Maskenatteste und die eine oder andere Schwurbelaktion qualifiziert haben, eingeladen. Einer hat den Tod seines Kollegen, völlig unbegründet und weit hergeholt mit der Corona Impfung in Zusammen gebracht.

Dann sind da noch die Menschen die gar keine Ärzte sind, sondern nur normale Rechtsextremisten:

Zum einen der Ex-Afd Politiker Fiechtner, der wegen Pöbelei aus dem Landtag getragen wurde und der auf seinem Telegramm Kanal Q Anon, Reichsbürger und Attila Hiltman teilt. Und der auch sonst vor rechten Aussagen und Symbolik nicht zurückschreckt.

Daneben haben sie Dr Daniel Langhans eingeladen. Der verbreitet seit langem zahlreiche Verschwörungsmythen, antisemitische Inhalte und Abrechnungsfantasien. Und um das Blog Rechte Umtriebe Ulm zu zitieren:

„Vertritt ein Mischung aus katholischem fundamentalistischen Weltbild mit diversen Elementen strukturell antisemitischer Verschwörungsideologien und des Reichsbürgertums. (…) Er lehnt sexuelle Vielfalt, Abtreibung und die Existenz von Sexualität außerhalb von Heterosexualität ab.“

Rechte Umtriebe Ulm

Aber zu den Aussagen. Aussagen zu analysieren ist schwer, weil man lange zuhören muss, weil vieles erstmal harmlos klingt und auch krasse Inhalte in schöne Worte gekleidet werden: Etwa „natürliche Immunisierung“, was eigentlich heißt: Durchseuchung mit allen Folgen.

Und die die zentrale Aussage ist:

Corona sei harmlos, woraus daraus folgt: Maßnahmen sind übertrieben.

Deshalb ist die Bezeichnung Coronaleugner sinnvoll, weil sie eben nicht nur teils bestritten wird, es den Corona Virus gibt. Etwa wenn ich mit Schildern rumlaufe, auf denen steht „Sie haben den Virus nicht isoliert“, sondern auch wenn ich nur die Gefährlichkeit leugne. Das ist dann analog dem Holocaustleugner, bei dem man auch schon von Leugnen sprechen kann, wenn ich „nur“ das Ausmaß der Vernichtung der Juden, bestreite.

Die zweite Kernbotschaft ist dann: „Warum soll ich mich einschränken, wenn es nur Alte, Kranke und Schwache betrifft“

Die ist fachlich falsch. Auch die gesunde, junge Menschen können versterben oder schwer krank werden.

Sie ist darüber hinaus auch Sozialdarwinistisch. Wenn ich mich nicht einschränken will, weil die Krankheit ja nur Alte, Kranke und Schwache betrifft, dann bin ich Anschlussfähig nach ganz weit rechts. Denn Sozialdarwinismus war eine der zentralen ideologischen Komponenten des Nationalsozialismus.

Aber es geht auch um die Verharmlosung der Gefahr des Virus an sich.

Während wir inzwischen durch Impfungen und vielleicht auch bald durch neue Medikamente wie Paxclovid, dafür sorgen können, dass schwere Verläufe und Tod durch die Akutphase der Infektion sehr selten werden. Was ein krasser Erfolg von Wissenschaft und Forschung ist: Weniger als 1 Jahr nach Entdeckung des Virus waren Impfstoffe entwickelt, nach 1,5 Jahren in Industrieländern breit verfügbar. Weniger als zwei Jahre nach Entdeckung des Virus gibt es auch wahrscheinlich hoch wirksame Medikamente.

Während wir diese Erfolge feiern, gibt es natürlich noch einiges zu tun: Etwa die Impfstoffe möglichst allen Menschen verfügbar zu machen. Noch mehr in unserem Land zu überzeugen, dass eine Impfung sinnvoll ist.

Und wir dürfen die Gefahr von Long Covid und auch die Gefahr spezieller Erkrankungen wie PIMS, die Kinder betreffen nicht aus den Augen verlieren.

Wir wissen das c.a 2 – 10 % der Menschen nach einer Corona Infektion, häufig auch einer milden, mit nur wenig Symptomen in den ersten Wochen, langfristig heftig Leiden. Long Covid wird als ein beschrieben als Grippe-Symptome über viele Monate. Es ist nicht verantwortlich einen Teil der Bevölkerung diesem Risiko auszusetzen. Selbst wenn man es nur wirtschaftlich betrachtet, da dieses Menschen ihrer Arbeit nicht oder nur eingeschränkt nachgehen können.

Vorläufige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Long COVID schwere Auswirkungen auf die psychische Gesundheit, die Lebensqualität, das soziale Leben und das Familienleben haben kann. Häufige Symptome sind anhaltende Erschöpfungszustände (Fatigue), Atembeschwerden, Geruchs- und Geschmacksstörungen, Konzentrations- und Schlafstörungen, Kopfschmerzen, depressive Verstimmung und Herzrhythmusstörungen. Insgesamt ist die Symptomatik variabel und der Zeitraum variiert zwischen Wochen und Monaten

Infektionsschutz.de

Wir wissen auch das zwischen 1:2000 bis 1:4000 Kindern die sich mit Corona anstecken, das sogenannte PIMS bekommen.

PIMS wird derzeit definiert als Fälle, bei denen neben Fieber, erhöhte systemische Entzündungsparameter, mindestens zwei Organbeteiligungen und eine aktuelle oder vergangene SARS-CoV-2-Infektion oder ein SARS-CoV-2-Kontakt nachzuweisen waren. Bei dem Großteil der Erkrankten lagen keine Vorerkrankungen vor.

Infektionsschutz.de

Jetzt kling das erstmal wenig. Aber niedriges Risiko ist nicht kein Risiko, was wir als Grüne ja aus der Atomkraft Debatte kennen. Besonders wenn es sehr viele angesteckt Kinder gibt.

Stand heute dürften etwa 25% der Kinder bereits Corona gehabt haben. Derzeit haben ca. 5% der Kinder in Freiburg und Baden-Württemberg Corona.

Auch Kinder sind von Long Covid betroffen.

Dieser Mangel an Mut, auch schmerzhafte kurzfristige Maßnahmen zu ergreifen und auch das Verschlafen von stetigen Verbesserungen im Bereich der digitalen Bildung, ist es der viele „systemtreue“ Eltern verzweifelt und vom Staat abwenden lässt.