Günterstaler Gruselgeschichten über Windkraft

Werner Wojtaschek

Zuletzt kam dann noch Werner Wojtaschek, stellvertr. Vorsitzender der LANA „Landschafts- und Naturschutzinitiative“ Schwarzwald e.V. mit einem Vortrag.

Er habe “über 150 Charts”, gemeint waren Folien auf dem Powerpoint. Entsprechend langatmig und bemüht skandalisieren waren dann die Inhalte auch, was auch noch durch die eher nuschelige Vortragsweise unterstrichen wurde. Glücklicherweise wurden aber nicht alle 150 “Charts” gezeigt, sondern nur geschwind ein “Best-of” durchgegangen.

Die Lana, das sei eine „Umweltvereinigung“ und die gebe schon über 20 Jahre und kümmere sich um Windkraft. (Vulgo versuche, diese zu verhindern).

Es begann mit einer recht seltsamen Geschichte über einen Person, die sich in Folge des nicht erfolgreichen Kampfs gegen Windräder versucht hat zu suizidieren. Davor warnte er.

Dann gab es durchaus Folien zum Klimawandel, jetzt nicht zu den Auswirkungen aber zum CO2-Gehalt der Atmosphäre. Überhaupt war es erfrischend, dass am Abend der Klimawandel nicht offen geleugnet wurde, sondern nur implizit Deutschlands Verantwortung bestritten: Wir hätten ja nur 2,06% der Weltemissionen 2018 erzeugt – mit 1% der Weltbevölkerung, und historisch kumuliert immerhin ca ?!

Die Windkraft bringe überhaupt nur 3% am Primärenergieverbrauch und in BW 0,65%. Also, mit Windkraft sei die Energiewende nicht möglich – mit was dann, wurde nicht gesagt. 

Windrad vom Ortsausgang Günterstal gesehen

Die Windkraft-Genehmigungen seien mit viel zu geringen Bankbürgschaften für den Rückbau ausgestattet – er zeigte dann ein “Chart”, also Folie mit Taubenkopf: 444.000,– € netto; für zwei Anlagen, Holzschlägermatte: 209.000,– EUR, Roßkopf 2 Anlgen Repowering mit 546.262,– EUR.

Denn es könnte ja passieren, dass der Windkraftbetreiber die Anlagen in Kapitalgesellschaften mit schwacher Kapitaldecke überführe und dann diese quasi pleitegehen lasse oder eben den Rückbau nicht bezahlen könnten und dann müsse die Stadt Freiburg den Rückbau bezahlen.

Außerdem schwadroniere er recht lange über Netzeingriffe, Stabilität des Stromnetzes und Lastabwurf. Alles irgendwie Schuld der erneuerbaren Energien – natürlich nicht. Lastabwürfe gab es schon vorher, es gibt auch nicht mehr Blackouts und auch das Stromnetz wird durch erneuerbare nicht instabiler. 

Windparks ganz laut

Bezeichnend für die “Aufrichtigkeit” der Argumentation war dann etwa, dass er auf einer Folie behauptete, der Windpark in Gersbach sei lauter als erlaubt. Während es tatsächlich einen Prozess darum gab in demDer Gutachter kam zum Schluss, dass die Werte nachts beständig unter 40 Dezibel liegen, der Grenzwert also nicht über schritten wird” und das aufgrund einer Messung zwischen Dezember 2022 und Frühjahr 2023, also mehrere Monate. 

Oder halt nicht

Und überhaupt sei Windkraft in Südbaden bzw. diesen Netzgruppen sowieso unnötig. Denn wir hingen mit unserem Stromnetz quasi an den Laufwasserkraftwerken am Rhein und an der Schweiz, die seien eh zum Großteil Wasserkraft und Atomstrom – der stört offensichtlich nicht –  und nur ganz wenige Fossile und das seien ja dann meist Blockheizkraftwerke. Letztlich ist es jedoch der Physik geschuldet, welche Anteile von welcher Erzeugungsart in welchem Netz zu welcher Zeit sind, hierüber Aussagen zu Sinn und Unsinn von Windenergieausbau oder Energiewende abzuleiten, ist Quatsch.

Und dann konnte ich doch noch was lernen: Bisher war ich immer davon ausgegangen, dass der § 2 EEG lautet: “Die Errichtung und der Betrieb von Anlagen sowie den dazugehörigen Nebenanlagen liegen im überragenden öffentlichen Interesse und dienen der Sicherheit”, ganz unbemerkt hat der Bundestag am 16.05.2024 noch eingefügt “öffentliche Gesundheit”, daher jetzt: Die Errichtung und der Betrieb von Anlagen sowie den dazugehörigen Nebenanlagen liegen im überragenden öffentlichen Interesse und dienen der öffentlichen Gesundheit und Sicherheit”.

Das ist auch nicht abwegig, denn wenn ich statt was zu verbrennen Strom emissionsfrei erzeuge, dann vermeidet das Luftverschmutzung und die ist für ziemlich viele Krankheiten verantwortlich, also völlig logisch und nichts empörendes was Wojtaschek so gerne hätte.

Bezeichnend war allerdings, dass im Moment als er “öffentliche Gesundheit” sagte, von hinten jemand reinrief “wie bei Corona.”

Nicht ganz klar warum ein Auto dessen Produktion 2022 auslief, meist mit 22 kwh Speicher ausgeliefert wurde (heute ist Standard irgendwas zwischen 40 und 70 kwh) dazu genutzt werden sollte 10 Tage lang das Stromnetz zu betreiben. Kleiner Tipp: die Börsenpreise würden bei 0 Erzeugung (!) steigen, weniger Strom würde verbraucht, konventionelle Kraftwerke gingen an und neue Batterien haben gar kein Lithium mehr drin… Und 10 Tage „Dunkelflaute“ ist schon was.

Ein Kommentar zu „Günterstaler Gruselgeschichten über Windkraft“

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