Bei den Omas gegen Rechts: Wie steht es um die Freiburger Querdenker

Den Desinformator haben mir die Omas gegen Rechts zum Dank für meinen Vortrag geschenkt

Am Donnerstag 19.01.23 war ich bei der Freiburger Ortsgruppe, der „Omas gegen Rechts“ eingeladen über die Freiburger Coronaleugner Szene zu referieren.

Mein Beitrag bestand im wesentlichen aus einem Vortrag, den ich ein wenig angepasst, schon bei der Senioren Union gehalten hatte. Das war im Oktober 2022 und seither hat sich in der Freiburger Querdenker Szene nicht mehr so viel getan.

Am 20.1.23 „erschien“ aber in einem Telegram Kanal eines Freiburger Querdenkers, der am Montag zuvor wegen Volksverhetzung verurteilt wurde, eine umfassende Zusammenfassung bzw. nahezu stenographischer Bericht über meinen Vortrag. Es war nicht nur er im Raum, sondern auch noch ein Herr der sich als „Waldorflehrer“ vorstellte, aber die ganze Zeit auf seinem Handy rumtippte, daher ist es durchaus möglich, dass es eine Aufnahme gibt, die in irgendwelchen Telegramm Kanälen kursiert.

Nun war es so, dass die Omas und ich, von der Resonanz etwas überrascht waren und der Raum recht klein und das Publikum, ja durchaus eines dass der Risikogruppe entspricht und der Raum nicht gut zu lüften war. Spannenderweise hatte auch eine der Omas ein Maskenattest, das vermeintliche Attest des „Waldorflehrers“ wurde aber nicht geprüft. Und die Omas stimmten Basisdemokratisch darüber ab, das auch Menschen die keine Maske trügen im Raum bleiben durften.

Man möge sich fragen, warum jemand über Stunden ohne Maske auf Demonstrationen gehen kann, wenn durch die Maske dermaßen seine Atmung eingeschränkt sei, dass er noch nicht einmal damit Straßenbahn fahren kann.

Sebastian Müller beim Vortrag

Ich wies darauf hin, dass mit Meinrad S. auch mindestens eine Person im Raum sei, die der Querdenker Bewegung zuzuordnen ist und eben auch am letzten Montag wegen Volksverhetzung verurteilt – was aus meiner Sicht auch zum Schutz der Anwesenden nötig war. Daraufhin stand Malte S. auf, produzierte sich, stand auf und störte eigentlich die Veranstaltung. Die Omas brachten ihn dazu, sich wieder hinzusetzen und still zu verhalten.

Einige Punkte die im Telegramm etwas entstellt wiedergegeben werden:

  • Die Sinkende Anzahl betreibbarer Intensivbetten, sind dem Schwund von Pflegekräften (sog. Pflexit) geschuldet und nicht, dass man Intensivbetten abgebaut hat. Zudem ist nicht jedes kleine Krankenhaus in der Lage eine hochkranke Person zu versorgen. Deutschland hat immer noch mehr Intensivbetten als vergleichbare Industrieländer.
  • Die Maßnahmen der Regierung (Kontaktbeschränkungen, …) wirken nicht nur über die eigentlichen Maßnahmen, sondern haben auch kommunikativen Charakter, da die Menschen damit signalisiert bekommen „jetzt ist ernst, aufpassen“. Deswegen wirken Maßnahmen halt doppelt.
  • Menschen die mehrfach Corona bekommen, haben ein höheres Krankheitsrisiko.

Ganz empört waren die beiden Querdenker, dass die Impfung nicht vollständig gegen die Ansteckung schütze. Das war übrigens auch der einzige Einwand denn sie formulierten – zweimal mit Fragen bei denen immer der gefühlte Skandal, ganz empörend war. Übrigens eine Tatsache, die man ungefähr seit Mitte 2021 weiß und darum ja den Leuten nach wie vor zum Tragen von Masken rät.

Ja, die Impfung schütze vor Ansteckung, leider nicht so wie man es gerne hätte, dass sie einen selbst vollständig immunisiere aber erstens, sei der erkrankt Geimpfte weniger ansteckend, weil er weniger Viren produziere und zweitens trete bei den Geimpften die Symptome früher auf, weil der Körper früher in der Lage sei, Abwehrmechanismen zu entwickeln. Die so erkrankten Menschen würden somit früher die Symptome bemerken, sich früher Testen lassen und entsprechend früher Zuhause bleiben. Deshalb schütze die Impfung vor Ansteckung.

Quelle: Telegram „Freiburg- Berlin“ Mitschrift von Meinrad S.

Die Querdenker

Die Zusammensetzung der Freiburger Querdenker Protest-Szene.

Ich nenne sie nicht mehr Coronaleugner, da ein Großteil der Inhalte ihrer Demonstrationen, sich gar nicht mehr mit Corona und Schutzmaßnahmen beschäftigt, sondern sie andere Themen haben.

Gründe für den Rückgang der Beteiligung an den Demos:

  • der Schweizer Extremist Rimoldi und der Baden-Württembergische Rechtsextremist Fiechtner, die am 26. 3. könnten Maßnahmenkritiker aus dem gemäßigten Lager verprellt haben.
  • Ab Anfang April keine Maskenpflicht in vielen Bereichen mehr
  • Am 12. März wurde die Demo auf der blauen Brücke von der Polizei angehalten weil im hinteren Teil des Aufzuges fast keine Masken getragen wurden.
  • Am 19. 3.21 dann die kindische Reaktion mit „Maske weg auf dem Platz der alten Synagoe und daraufhin ein „Polizei -Kesselchen“, mit dann über 50 Bescheiden am Ende.
  • Am 26. 3. dann die Aktion einfach in mehreren Gruppen durch die Innenstadt zu laufen.

In Folge dieser Aktionen gab es jeweils Ermittlungen der Polizei und im Nachgang Bescheide des Ordnungsamts von mehreren Hundert Euro pro Verstoß und Aktion. Diese Repressionen dürfte auch einige davon abhalten, sich weiter zu beschäftigen. Es folgte seit Herbst 2022 eine Neuorientierung der Inhalte der Bewegung auf Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk und Ukrainekrieg. Beides sei jedoch nicht sonderlich erfolgreich gewesen.

Seit der Ausweitung, des russischen Angriffskriegs auf die gesamte Ukraine, geht es es ihnen nicht mehr nur um Corona, sondern um „Frieden“. Dabei haben sich durchaus Personen von der Bewegung abgewandt, die im Umfeld davon betroffen waren. Auch der Versuch sich hin zu pro-russischen Autokorso zu öffnen, schien nicht erfolgreich, diese sind auch als Aktionsform in Südbaden kaum mehr in Erscheinung getreten.

Ich gehe davon aus, dass der harte Kern der Querdenker Szene in Südbaden etwa 300 Personen umfasst.

Aufruf zur Demo am 4.2.23

Aktuell ist man mit Nationalpazifitischen Inhalten unterwegs und redet von Frieden, stellt sich aber durch die Forderungen auf die Seite des russischen Agressors. Das ist in sofern wenig verwunderlich, da die Coronaleugner Bewegung in Deutschland massiv von russischen Propagandamedien gespuscht wurde.

Dann gab es ein kleine Fragerunde, bei der die Omas, zuerst ihre eigenen Mitglieder dran kommen ließen – auch das empörte die beiden Querdenkerherren im Publikum.

Da gab es einige Fragen, auf die ich mich nicht vorbereitet hatte. Aber: Eine Coronainfektion schützt nicht vor einer weiteren Coronainfektion, besonders nicht vor einem neuen zumal mutierten Virus. Sie reduziert wahrscheinlich das Risiko von Long-Covid, aber sie schützt auch nicht davor.

Nach meiner Einschätzung gibt es in Südbaden einen harten Kern von ca 300 Querdenkern, den wir auch nicht mehr weg bekommen.

Das erwähnte Video von Martin LeJeune – über den man wissen sollte: „Im Oktober 2021 distanzierte er sich von der Führung der „Querdenker“-Bewegung und kritisierte sie scharf.“ Bei dem eben fraglich ist ob er nun Journalist ist oder Aktivist.

Auf Nachfrage erwähnte ich auch das Verhalten eines bekannten, älteren Freiburger Umweltaktivisten, der ab ca Frühjahr 2022 auf den Querdenker Demos auftauchte, zunächst mit Schildern auf denen etwas zu „Impfaids“ stand, nun aber nach eigenem Bekunden dabei ist, weil „dass die einzigen sind, die sich für Frieden einsetzen“.

Gegen 19:00 machten die Omas gegen Rechts klar, das sie nun zum internen Plenum übergehen wollten, übergaben mir ein Geschenk und ich ging. Es war auch kalt und ich wollte heim und sah es als Gebot der Höflichkeit, bei einer feministischen Frauengruppe als Mann nicht aufdringlich zu sein. Meinrad S und der „Waldorflehrer“ hatten da andere Vorstellungen.

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