Das Amtsblatt der Stadt Freiburg in der Coronakrise: Verpasste Chancen zur Krisen-Kommunikation, fehlende Tote, oder wer ist besonders von Corona getroffen?

Am 27.3.: Sonderausgabe! Titelseite mit offenem Brief des OB an die Bürger: Zusammenhalten, Verordnungen und Verbote befolgen, lokal einkaufen. Vieles mache Mut. Ein Projekt unter #freiburghältzusammen werde entwickelt. Auf Seite 4 eine Übersicht über die Hilfsangebote, Erklärung wie sich das Virus ausbreitet, Notfallbetreuung für Kinder, Gemeinderatssitzungen sind abgesagt.

Die Fraktionsbeiträge sind alle zum Thema Corona. Selbst die AfD Gruppe im Gemeinderat hat ein für ihre Verhältnisse fast konstruktiven Beitrag. AfD-Sprechtypisch kommen arbeitende Frauen nur als Supermarktkassiererinen vor. Hilfreich wird das ganze mit einem Bild der beiden Stadträte garniert, da spart man sich für später wenigstens das Fahndungsfoto bei Straftaten. Sonst schwanken die Beiträge der Fraktionen von Aufrufen zu Hause zu bleiben (CDU), Erklärungen wie sich das Virus verbreitet (FDP, Freiburg Lebenswert), Hinweis auf die Gemeinderatspause (Eine Stadt für Alle, ESFA) oder auch der Zurückweisung der Schuldzuschreibung, das Jugendliche durch Coronapartys an der Verbreitung Schuld wären (JUPI). Einige Fraktionen erwähnen “Solidarität” (FWV, SPD, JUPI).

Am 11. April fängt dann schon die organisatorische und ideologische Bearbeitung der Krise statt. Auf der Titelseite ist eine mögliche Fieber Klinik, Informationen über die Arbeit des Krisenstabs, ein Aufruf an Helfer und der OB beim Besichtigen der Fieberklinik. Das Fotomotiv “Oberbürgermeister besucht städtische Angestellte um schaut zu wie sie die Krise bewältigen”, wird immer mal wieder auftauchen” Auf Seite 4 werden noch einmal die Hilfsangebote wiederholt. Neben dem Hinweis auf Notdienste und Hilfsangebote gibt es auch einen doppelseitigen Bericht über Freiburgs ersten Fotograf. Außerdem ein Bericht über die Umstellung der Produktion im Stadttheater auf Mundschutz, mit Foto vom OB und Intendant, die dabei zuschauen aber selbst keine Maske tragen und die Fieberambulanz in der Messe.

Und so wie die Krise organisatorisch bewältigt wird, beginnt auch bei den Fraktionsbeiträgen die Einordnung ins eigene ideologische Weltbild: Die Grünen wollen das Fahrradläden geöffnet werden und unter der etwas seltsamen Überschrift „Pflegekräfte: Mehr Applaus ist nötig!“, fordern sie mehr Geld für Pflegekräfte. 

Die CDU feiert die erfolgreiche Sicherheitspartnerschaft, JUPI die Aufnahme von Flüchtlingen und Elsässischen Patienten. Die Freien Wähler fordern die Verschiebung des Stadt Jubiläums ins Jahr 2021, ESFA Umverteilung. Die FDP beklagt dem Corona Stillstand und fordert Öffnungen. Atai Keller erklärt für die SPD Kunst und Kultur für unverzichtbar und dankt noch mal schnell den Pflegekräften. Und auch die AfD fordert Öffnungen nach Ostern und ein Einsparungen beim “Nazi Museum”. (Klar warum man als AfD nicht an die Gräuel der Nazi Herrschaft erinnert werden möchte). 

Neue Corona Fälle an diesem Tag in Freiburg: 23, insgesamt bisher 811, davon 35 gestorben, an diesem Tag 5.

Mit Nummer 766 vom 24. April 2020 geht es langsam wieder aufwärts. Es gibt erste Lockerung und auf der Titel Seite den Hinweis auf ein eigenes soziales Netzwerk der Stadt Freiburg: #freiburghältzusammen. Sowie der Nachricht, dass sich die „Verwaltungspitze“ per Videokonferenz mit dem Gemeinderat ausgetauscht hat. Wobei die ganze Verwaltungspitze, also Bürgermeister und wichtige Amtsleiter in der Gerichtslaube saß, ohne Maske und der Gemeinderat daheim. Wohlgemerkt bereits am 15.4. wird zu „Alltagsmasken“ geraten. Dann gibt es noch eine Doppelseite die über den Notbetrieb der Ämter informiert und die Nachricht, dass das Stadtjubiläum bis in September pausiert.

Die  Grünen weisen auf das Los der Familien hin. Die CDU fordert ein Autokino, JUPI fordert die Rettung der Freiburger Nachtgastronomie, Die Freien Wähler die Rettung des ausgeglichenen Haushalts, die SPD die Rettung der Zuschussempfänger, die FDP die Rettung der Gewerbebetriebe durch niedrige Steuern. Die AfD „Gradmesser der richtigen Öffnung dürfen nicht alleine Infektionszahlen sein“, auch die “Belastungsfähigkeit unseres Gesundheitswesens“ um die es ja gut stehe, solle Handlungsleitend sein, weshalb man ruhig schnell wieder aufmachen könne.

Am 8. Mai ist dann schon fast wieder alles beim alten. Dazu auch zwei Seiten mit Hinweisen was jetzt bei den wieder alles normal sei. Man versichert den Bürgern das es trotz Trockenheit genug Trinkwasser gibt, die Regiokarte teurer wird und erinnert mit Doppelseite an das Kriegsende.

Bei den Gruppierungen und Fraktionen im Gemeinderat taucht das Thema Kinder in der Krise plötzlich auf: ESFA und SPD wollen mehr auf Anliegen von Kindern in dieser Krise hören, die FDP auf Bauherren. Die CDU ruft zum Durchhalten auf, andernfalls drohe eine zweite Welle (!), Die Grünen wollen das ganze als Chance für Rat und Fußverkehr nutzen, die Freien Wähler um überall Tempo 40 einführen zu dürfen und die AfD um überall da zu sparen wo es ihnen nicht passt: Etwa bei der Umbenennung von Nazi- Straßennamen, Flüchtlingen oder Förderung von Linksradikalen.

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